Maskerade

3.1.02022 5 (4)

Beitragsfoto: Maskerade | © Pixabay

Erinnerung

Das erste Mal begegnete ich Alfred Werth[heimer] 1972 in Kalifornien und erinnere mich noch sehr gut an diesen alten Herren. Stets freundlich und — obwohl selbst durch sehr schreckliche Erfahrungen belastet — weder nachtragend noch rachsüchtig.

Heute bin ich zu der Überzeugung gelangt, dass dies Grundvoraussetzungen für jeden wirklich erfolgreichen Menschen sind. Und so behalte ich ihn und seine ureigene Philosophie gerne in Erinnerung.

Ehrenamt

Die drei wichtigsten Kriterien eines Ehrenamtes sind die Freiwilligkeit, das Gewähltwerden und die Nichtentlohnung. Wenn es sich bei den freiwillig geleisteten und unentgeltlichen Dienstleistungen nicht um Wahlämter handelt, dann spricht man generell vom Freiwilligendienst oder der Freiwilligenarbeit.

Dieses Volunteering ist ein wesentlicher Bestandteil jeder erfolgreichen Gesellschaft und verdient deshalb auch uneingeschränkte Förderung. Die Crux an der Sache ist allerdings, dass sich dieses System dann selber überlebt und ad absurdum führt, wenn man erst damit anfängt nachweisbare Aufwändsentschädigungen zu entrichten und diese dann soweit ausbaut und ausdehnt, dass aus dem ursprünglichen Freiwilligendient oder gar dem so beliebten Ehrenamt ein eigener „Berufszweig“ wird.

Das Problem liegt dabei in der Grenze bei der Höhe von Aufwandsentschädigungen, die für solche ehrenamtliche Arbeit gezahlt werden.

Diese sehe ich im Maximalfall bei der Erstattung von notwendigem Transport, Kost und Logie, wobei hier auch darauf geachtet werden sollte, dass dies nur bei jenen Freiwilligen erstattet wird, die sich ansonsten ihr Volunteering selbst nicht leisten könnten.

Ein schlechtes Zeichen ist es dabei immer, wenn Mitbürger durch ihre zahlreichen Ehrenämter reich werden, dann spricht man wohl gerne von einer ehrenwerten Gesellschaft.

Bonzen

Wenn sich in einer Stadt die Leserbriefe über deren schlechten Zustand mehren (Heilbronner Stimme, 3.1.2022: 28 – „Image Heilbronner Innenstadt“) und selbst bekennende Heilbronner zugeben müssen, dass wir nicht nur ein Ordnungs- und Sauberkeitsproblem haben, sondern auch weitere Probleme bei Bildung, Verwaltung und Infrastruktur, dann sollte man sich doch so langsam darüber Gedanken machen, warum dies so ist.

Wir Heilbronner gehen seit längerem einen ganz anderen Weg, wir gucken einfach weg — und dies so lange wie nur irgend möglich. Zudem intensivieren wir die Werbetrommel. Inzwischen sind wir nicht nur Uni- und Fahrradstadt, sondern auch Forschungs-Mekka und gemütlichstes Weindorf. Wenn das bei uns so weitergeht, dann müssen sich unsere Nachbarstädte, wie Stuttgart, Mannheim, Karlsruhe, Nürnberg, Würzburg und bald auch München und Frankfurt damit abfinden, dass sie nur noch um den zweiten Platz ringen.

Wir Heilbronner könnten aber auch damit beginnen, tatsächlich etwas zum Positiven zu verändern.

Mittel- bis langfristig müssten die Pflöcke bei Bildung, Verwaltung und Infrastruktur eingeschlagen werden. Hierbei wäre auch dringend zu entscheiden, ob wir weiterhin den Schwerpunkt bei einem öffentlichen Bildungs- und Schulsystem sehen oder doch eher den bereits eingeschlagenen „amerikanischen“ Weg gehen möchten.

Kurzfristig könnten wir das Ordnungs- und Sauberkeitsproblem angehen, denn hierbei sind wir Heilbronner in Gänze gefragt — es sind meistens nicht unbekannte Wesen von außerhalb, die Kippen, Müll und andere Dinge einfach nur so auf der Straße liegen lassen — wir Heilbronner sind es; ich weiß, nicht alle von uns, aber inzwischen viel zu viele.

Auch die einfachsten Verkehrsregeln werden von uns Heilbronnern missachtet. Es sind meist nicht die Auswärtigen, die mit ihren Autos die Fußgängerzone als Abkürzung von einem Stadtteil zum anderen nutzen oder die Fußgängerzone und sonstige Gehwege in der Innenstadt zuparken.

Da aber Ordnung und Sauberkeit mit Bildung einhergehen, müssen wir unsere Verwaltung dazu anhalten, dass diese uns so lange auf die Finger schaut, bis wir „selber groß geworden“ sind. Dieses „auf die Finger schauen“ erledigt man am einfachsten durch ständige Kontrollen und wirksame — weil schmerzhafte — Sanktionen.

Hier besteht ganz eindeutig dringender Handlungsbedarf! Am schnellsten erreicht man dies, wenn man z. B. die Werbemittel und sonstigen Marketing-Ressourcen in das Ordnungsamt umsteuert. Wahrscheinlich aber muss der Gemeinderat weitere Ressourcen dafür zur Verfügung stellen. Je schneller und massiver hier eingegriffen wird, um so günstiger wird es im Endeffekt für uns alle werden.

Ich bin fest davon überzeugt, dass sich mit zunehmender Ordnung und Sauberkeit weitere positive Effekte einstellen werden, so werden auch neue interessantere und attraktivere Geschäfte und Dienstleistungen nach Heilbronn zurückkehren.

Und damit dies auch funktionieren kann, leisten wir Heilbronner uns schon sehr lange einen zumindest semi-professionellen vierzigköpfigen Gemeinderat und gleich vier Vollzeitbürgermeister, die von einem gut 3 000 personenstarken Verwaltungsapparat und der Bundeswehr unterstützt werden.

Nicht nur meines Erachtens ist es mehr als an der Zeit, dass wir die Spitzenpositionen mit echten und ausgewiesenen Fachleuten besetzen, zumindest aber mit Bürgermeistern, die bereits auswärts ihre Meriten verdient haben und nun in Heilbronn ihre eigene Karriere krönen können.

Der falsche Weg wäre es, wenn man weiterhin die Heilbronner Spitzenpositionen mit prominenten Gemeinderatsmitgliedern oder noch prominenteren Parteigrößen besetzt. So lange sich unsere Gemeinderatsmitglieder nur selber in Stellung bringen oder verhindern, dass notwendige Expertise nach Heilbronn kommt, so lange werden wir auch Leserbriefe lesen müssen, die sich über das schlechte Image Heilbronns beklagen.

Ich zitiere dazu gerne etwas Schiller

Die ihr in das Eis der Bonzenträne / Eures Herzens geile Flammen mummt, / Pharisäer mit der Janusmiene! / Tretet näher – und verstummt.

Friedrich Schiller, der Venuswagen (1781)

Geburtstag des Tages

J.R.R. Tolkien


Beitragsfoto: Winterlandschaft | © Pixabay

9.12.02021 5 (2)

Fakultativ

So kurz vor Weihnachten werden auch die faulsten Beamten und Angestellten wach. Und damit auch wirklich keine Verzögerungen bei den eigenen Festtagsplanungen auftreten, wird man dann doch schon einmal kreativ. So hat das Kultusministerium vor Weihnachten die Präsenzpflicht an Schulen aufgehoben.

Der Tenor ist eindeutig und wird auch von allen verstanden. „Liebe Lehrer, Schüler und nervige Eltern, macht doch, was ihr wollt, aber vor allem anderen, uns keine Arbeit!”

Es reicht doch völlig aus, dass, wenn unsere Beamten und Angestellten aus dem verdienten Weihnachtsurlaub kommen, diese danach schauen, wie sich die Gesamtsituation entwickelt hat und im Anschluss daran auswürfeln, ob die Schulen wieder grundsätzlich einer Präsenzpflicht unterliegen sollen, oder ob man nicht doch besser alle Schulen schließt und erneut auf das bewährte „Homeschooling“ baut.

Buga-Brücke

Über die Fertigstellung des „langsamsten Blitzes aller Zeiten“ (Heilbronner Stimme, 09.12.2021: 26) müssen wir uns erst dann wirklich Gedanken machen, wenn der OB bereits gewählt sein sollte und die Eröffnungsfeier zu keinem Wahlkampf-Event wurde.

Gedanken sollten wir uns allerdings darüber machen, dass es, nachdem bereits 2014 alles durchdacht war, jetzt zu Überlegungen kommt, wie man die Brücke am besten in ihr näheres Umfeld einbindet. Diesbezüglich kann man es schon als Hoffnungsschimmer ansehen, dass der zuständige Bürgermeister nun erkannt hat, dass das Gelände eine „schwierige Topografie“ besitzt.

Überflüssig

Wir sollten insgesamt mehr Mut aufbringen und uns zumindest von völlig Überflüssigem trennen. So ist es schon lange an der Zeit, dass wir endlich einen nach dem anderen Regionalflughafen schließen und das Gelände sinnvoller nutzen. Wir sparen dabei Unmengen an Steuergeldern, und es nützt zudem der Natur und dem Umweltschutz.

Ähnlich sieht es bei unseren Ministerien aus, wobei inzwischen sogar allen direkt Beteiligten eine Benennung der unzähligen Ministerien schwerfällt. Hier hat die neue Bundesregierung eindeutig Chancen vergeben und bereits zu Beginn sehr deutlich gemacht, dass Aufbruch, Änderung, Wandel, Zukunft und Fortschritt keine Begriffe sind, die in den kommenden vier Jahren Hochkonjunktur haben werden.

Nachtrag

[Twitter-Beitrag gelöscht]

Gemälde des Tages

Edward Hopper: Nighthawks (21. Januar 1942)

Geburtstag des Tages

John Milton


Beitragsfoto: Winterlandschaft | © Pixabay

8.12.02021 5 (2)

Leserbrief

Kaum zurück vom Vorlesen, machte mich meine bessere Hälfte auf einen Leserbrief in der heutigen Heilbronner Stimme (08.12.2021: 28) aufmerksam. Annekatrin Muth schreibt dabei das Folgende:

„Hat keiner mehr Ideen?

Zur Oberbürgermeisterwahl in Heilbronn, Kandidatur von Raphael Benner

Es ist das eingetreten, was ich vor einigen Tagen im Bekanntenkreis noch befürchtet habe: Es wird einen einzigen Gegenkandidaten zur Wahl des Oberbürgermeisters in Heilbronn geben, nämlich einen von der AfD. Warum gibt es in einer Demokratie keinen „echten“ Gegenkandidaten zu Harry Mergel? Hat keiner mehr Ideen? Keiner mehr Mut? Hängen potentielle Kandidaten in ihren bequemen Positionen fest? Ist jeder – außer Herrn Benner – eingelullt worden? Müssen Bürger jetzt AfD wählen, um in Heilbronn einen anderen Bürgermeister zu erhalten? Nichtwählen ist ja auch doof… Das kann ja wohl nicht sein!“

Annekatrin Muth, Heilbronn

Annekatrin Muth schreibt das, was sehr viele Heilbronner bewegt, und ich kann ihr nur voll und ganz beipflichten. Leider aber sehen das die Heilbronner Parteiverantwortlichen völlig anders und gehen bereits seit mehreren Jahren den „Heilbronner Weg“ — man bleibt unter sich und verhandelt sämtliche Posten und Pöstchen in Hinterzimmern, und wenn einer abgewählt wird, findet man Mittel und Wege, wie jüngst auch hier zu lesen, wie man diesen armen Menschen weiterhin versorgen kann.

Mit der kommenden OB-Wahl haben wir nun erstmals de facto eine „Heilbronner Einheitspartei“ — und selbst die Heilbronner Stimme ist stolz darauf — und, wenn wir Bürger nicht aufpassen, wird uns 2024 erstmals eine Einheitsliste von 40 Stadtratskandidaten vorgelegt, mit dem Hinweis, dass alle Demokraten diese auch zu wählen haben.

Und bitte, liebe Heilbronner, wählt den alten und neuen OB! Kaum auszudenken, was passiert, wenn er nicht gewählt werden wird. Die Heilbronner Kirchengemeinden rufen dann bestimmt einen Gegenpabst aus, und der abgewählte OB sitzt zukünftig in der Kilianskirche auf einem goldenen Thron und empfängt „seine Gemeinde“ wochentags von 14.00 Uhr bis 14.30 Uhr.

Vorlesen

Heute versüßte mir „meine“ Klasse 4 in der Dammgrundschule den Tag. Seit ein paar Lesungen kämpfen wir uns gemeinsam durch ein Buch, das die Klasse nach Rücksprache mit der Lehrerin selbst ausgesucht hatte.

Das Buch ist nur so gespickt mit lateinischen Fachausdrücken und Wörtern in chinesisch, spanisch, englisch und französisch, was bereits schon so manchen erfahreneren Leser herausfordern kann. Es klappt immer besser und mir gefallen dabei auch die unterschiedlichen Sprachmelodien, welche von den jeweiligen Muttersprachen der Schüler herrühren und somit das gesamte Buch noch abrunden. Da zudem auch noch das Thema stimmt, und das Buch die jüngsten Erkenntnisse mit aufführt, die es zu meiner Schulzeit noch nicht gab, eine richtig runde Sache.

Und von mal zu mal wird auch das Lesen bei allen Schülern flüssiger.

Patenschaften

Es ist immer wieder sehr erfreulich lesen zu dürfen, dass Dieter Schwarz in Bildung investiert. Für unsere Demokratie wäre es allerdings weit besser, wenn vermögende Menschen, anstatt „Parallel-Gesellschaften“ aufzubauen, die bestehende Bildungsinfrastruktur, deren Existenz durchaus begründet ist und, richtig finanziert, auch weiterhin sehr großen Sinn macht, so optimiert, dass die Gesamtgesellschaft davon profitiert.

So wäre es doch eine gute Idee, wenn Bürger mit sehr viel Geld, Patenschaften jeweils über eine öffentliche Schule, denn dies sind unsere wahren Bildungsstätten, übernehmen würden und diese dann in Zusammenarbeit mit den verantwortlichen Lehren und aktiveren Schülern in wunderbare Bildungseldorados umwandeln.

Ich verstehe sehr wohl, dass dann so eine Schule nicht genau so aussehen wird, wie man sich das als Geldgeber & Mäzen vorstellt und bestimmt auch sehr gerne hätte, aber auch dies ist ein Bildungserfolg, denn unsere Gesellschaft und insbesondere unsere Demokratie leben von Zusammenarbeit und Kompromissen.

Geburtstage des Tages

Jim Morrison und Jean Sibelius