Mann mit Fässer

4.12.02021 5 (2)

730,7! weiter steigend

Man kann sich die Welt selbst sehr lange schönreden, vor allem dann, wenn man gerade zu jener Clique gehört, die beständig von den weniger schönen Dingen bei uns profitiert.

Und wenn dann so langsam alles, außer den eigenen Vorteilen, dahinschwindet, sucht man idealer Weise bereits nach Sündenböcken. Traditionell sind es gerade jene, die darauf aufmerksam machen, dass Klüngel und Vetternwirtschaft für keine Organisation oder Gemeinschaft zielführende und tragfähige Konzepte sind, die sich dabei bestens als Sündenböcke anbieten.

Leider aber sind wir inzwischen an einen Punkt gekommen, wo die Realität langsam aber sicher ihre Tribute fordern wird, nicht nur bei den Inzidenzen.

Manche sehen dies aber auch sehr positiv; so werden sich in den kommenden Jahren in unserer Stadtgesellschaft sehr viele Dinge ändern (müssen), da man Realitäten nicht sehr lange verdrängen kann.

Und verspätete Versuche, doch noch den Status Quo erhalten zu wollen, kommen sehr oft zu spät und beschleunigen die notwendigen Änderungen sogar noch.

Jetzt Heilbronn, z. B. auf Teufel komm raus zu einem Bildungseldorado machen zu wollen, kann man da schon als drollig bezeichnen — hier hätten unsere Schulen spätestens in den 1980er-Jahren einen Booster benötigt. Und man hätte, wie in Ulm, bereits vor Jahrzehnten massiv in Bildung und Forschung investieren müssen.

Mit sehr viel Geld wird man bestimmt eine kleine wissenschaftliche Gemeinschaft in Heilbronn etablieren können, diese wird sich aber nicht mit dem Rest der Stadt in Deckung bringen lassen, die sich wiederum schon lange selbst in zwei Gruppen teilt, nämlich die der Alteingesessenen, die so langsam weniger wird, und in jene der „Neubürger“, die so langsam aber sicher ihren Teil der Verantwortung übernehmen muss — erste Versuche bei der Gemeinderatswahl sind 2019 noch bravourös gescheitert; jetzt kann man nur hoffen, dass sich 2024 zumindest hierbei wesentliche Änderungen ergeben werden.

KI-Park

Olle Kamellen, wenn Du etwas nicht verhindern kannst, dann verzögere es bis zum Sankt-Nimmerleinstag. Das machen wir bei uns in Heilbronn bereits sehr erfolgreich, z. B. bei der Frankenbahn oder auch nur bei der Turmstraße. Spannend wird es sein, mit anzusehen, wer sich letztendlich durchsetzen wird. Und noch spannender wird es sein, was der KI-Park zum Schluss dann tatsächlich ist — ein Weinausschank soll schon einmal mit dabei sein.

§265a Strafgesetzbuch

Jan Böhmermann hat gestern in seiner Sendung ZDF Magazin Royal darauf aufmerksam gemacht, nämlich, dass es den Straftatbestand des „Schwarzfahrens“ bereits seit 1935 gibt, und die heute nicht mehr ganz so zeitgemäße Durchsetzung dieses Paragraphen uns Steuerzahler dazu noch sehr viel kostet.

Auch hat er darauf aufmerksam gemacht, dass es für alle Beteiligten zielführender wäre, wenn man diesen Straftatbestand zumindest zu einer Ordnungswidrigkeit, aber besser noch, ohne eine daraus resultierende Freiheitsstrafe umwandeln würde.

Erschleichen von Leistungen

(1) Wer die Leistung eines Automaten oder eines öffentlichen Zwecken dienenden Telekommunikationsnetzes, die Beförderung durch ein Verkehrsmittel oder den Zutritt zu einer Veranstaltung oder einer Einrichtung in der Absicht erschleicht, das Entgelt nicht zu entrichten, wird mit Freiheitsstrafe bis zu einem Jahr oder mit Geldstrafe bestraft, wenn die Tat nicht in anderen Vorschriften mit schwererer Strafe bedroht ist.

(2) Der Versuch ist strafbar.

(3) Die §§ 247 und 248a gelten entsprechend.

Strafgesetzbuch, § 265a

Am besten aber war dabei, dass er sogleich auch Lösungen anbot, wie man diese, für alle Beteiligten nicht wirklich befriedigende, Situation beseitigen könnte.

Dass es Parteien gibt, die sich dagegen mit allen Mitteln wehren, wird wohl keinen wirklich erstaunen; dass dieses Gesetz aber gerade von der SPD mitgetragen und noch am Leben erhalten wird, vielleicht aber doch.

Website des Tages

Freiheitsfonds

Niemand darf wegen fehlender Tickets in Haft landen! Deswegen fordern wir, dass §265a StGB von 1935 gekippt wird. Fahren ohne Fahrschein muss zur Ordnungswidrigkeit herabgestuft … werden!

Geburtstag des Tages

Rainer Maria Rilke


Beitragsfoto: Affenmusik | © Pixabay

16.11.02021 5 (1)

Beitragsfoto: Affenmusik | © Pixabay

Mannheim

Während in Heilbronn Verwaltungsspitze und Gemeinderat auch in Sachen, wie werden wir unseren unliebsamen Europaplatz endlich wieder los, sehr eng zusammenarbeiten, geht man in Mannheim ganz andere Wege.

Dort kann die Stadt Mannheim zusammen mit dem Europäischen Parlament, der EUROPA-UNION und der IGMH, einer Botschafterschule des Europäischen Parlaments in Mannheim, am Dienstag, 30. November 2021 von 15.00 Uhr – 15.45 Uhr im Rahmen einer kleinen Einweihungsveranstaltung den IGMH-Europaplatz mit Fahnenmasten und Sitzbänken an der Schule eröffnen.

Anfang 2020 wurde die IGMH für ihr politisches und demokratisches Engagement als Botschafterschule für das Europäische Parlament ausgezeichnet. Die Lehrer und Schüler haben sich mit einer Europa-AG an der Schule, mehreren Schaukästen zum Thema Europa, Planspielen, einem Europa-Dinner und vielen weiteren Aktionen für diese Auszeichnung qualifiziert.

Deshalb kamen sie letztes Jahr auf die Idee, zwei Fahnenmasten mit einer Europa- und einer Schullogofahne aufzustellen. Dankenswerterweise hat die Strube-Stiftung diese Anlage komplett finanziert; diese Stiftung unterstützt die Europaaktivitäten der Schule aber weit über diese Maßnahme hinaus.

Karriere

Wenn sich diese, heute in der Heilbronner Stimme vorgestellte, Aktion der, fälschlicher Weise als Querdenker bezeichneten, Nörgler mit Nazi-Allüren weiter herumspricht, dann werden es die Karriere-Netzwerke, wie Linkedin oder Xing künftig ziemlich schwer haben.

Denn dann braucht man nur ein paar Idioten auf einem Platz zu versammeln, diese mit wirrem Geplapper unterhalten und den Auftritt mit einem Hitlergruß beenden. Dazu benötigt man nur ein Mikrofon, denn es muss vor allem sehr laut sein, und eine Kamera, damit man seine Bewerbung möglichst zeitnah im Internet streut.

Wie wir heute in der Heilbronner Stimme weiter lesen können, hat der erste Bewerber damit wieder einen gut dotierten Job gefunden. Und wenn sich zukünftige Bewerber, statt teuren Karrierenetzwerken oder Headhuntern, bessere Rechtsanwälte leisten, dann können die diesbezüglichen „Werbungskosten“ bestimmt unter 3 500 Euro gedrückt werden.

Die einzig wichtige Frage hat die Heilbronner Stimme aber nicht beantwortet. Wer stellt denn so jemanden überhaupt ein? Die Antwort auf diese Frage wäre bestimmt sehr interessant.

Lamellenabscheider

Eine teure aber notwendige Infrastrukturmaßnahme, die uns neben den ca. 7 Millionen Euro Anschaffungskosten jährlich gut 200 000 Euro zusätzlichen Unterhalt kosten wird, der allerdings in den Gesamtaufwand der Unterhaltung des Kanalnetzes eingerechnet und über Gebühren gedeckt werden soll.

Heute konnten wir dazu in der Heilbronner Stimme lesen, dass unsere Kläranlage für bis zu 500 000 Menschen ausgerichtet sei und neben den Abwässern von uns Heilbronnern auch noch die Abwässer der Bürger aus Brackenheim, Cleebronn, Eppingen-Kleingartach, Flein, Leingarten, Massenbachhausen, Nordheim, Schozach, Schwaigern und Talheim mit entsorgt.

Was im Zeitungsartikel nicht erwähnt wurde, sind die immer wieder von dort kommenden Abwässer, die entgegen der Verträge unrechtmäßig eingeleitet werden und nicht nur für weitere Mehrkosten sorgen, sondern uns Heilbronnern auch immer wieder sehr unangenehme Gerüche bescheren.

Durch das neue Staubecken mit Lamellenabscheider können wir bald am Ende des Kanalnetzes für eine Verbesserung des Umweltschutzes und unserer Lebensqualität sorgen, jetzt liegt es an unseren de facto Stadtteilbewohnern, auch am Anfang des Kanalnetzes ihren eigenen Beitrag zu leisten.

Geburtstag des Tages

Diana Krall


Beitragsfoto: Schachfiguren | © Pixabay

25.10.02021 5 (1)

Beitragsbild: Schachfiguren | © Pixabay

Bundestag XXL

Am morgigen Dienstag konstituiert sich der 20. deutsche Bundestag in Berlin. Er wird mit 736 Sitzen der größte Bundestag aller Zeiten werden und es gilt als sicher, dass der kommende erneut größer werden wird. Damit haben wir bald das größte Parlament der Welt und wohl schon heute das zweitgrößte demokratisch gewählte. Für knapp 80 Millionen Bundesbürger ein Luxus, den man sich auch leisten können muss.

Alterspräsident wird Wolfgang Schäuble, was man ebenfalls sehr leicht als für überhaupt nicht mehr für gut befinden kann, und was übrigens auch nicht mehr altbewährten demokratischen Traditionen folgt. Die neue Bundestagspräsidentin soll Bärbel Bas werden, von der selbst politisch Interessierte kaum etwas gehört haben, was wieder einmal zeigt, dass selbst im Parlament Quoten und Proporz inzwischen Leistung und Kompetenz ersetzt haben.

Dunning-Kruger-Effekt

Wie komme ich nur darauf? Und das an einem Montagmorgen. Der Begriff geht auf eine Publikation aus dem Jahr 1999 von David Dunning und Justin Kruger zurück. Diese trägt den Titel: „Unskilled and Unaware of It: How Difficulties in Recognizing One’s Own Incompetence Lead to Inflated Self-Assessments“ und erschien im Journal of Personality and Social Psychology (1999, Ausgabe 77: 1121–1134).

Als Dunning-Kruger-Effekt wird die systematische fehlerhafte Neigung im Selbstverständnis inkompetenter Menschen bezeichnet, nämlich das eigene Wissen und Können zu überschätzen. Dunning und Kruger stellten fest, dass u.a. beim Schachspielen und Autofahren Unwissenheit oft zu mehr Selbstvertrauen führt als Wissen. 

Drei entsprechende Beispiele finden Sie in einem Beitrag von Deidre Rath im Human Resource Manager (26. August 2019). Schöner kann man eine Woche wohl kaum beginnen, denn Auserwählte sind bei uns reichlich vorhanden.

Berufe

Es gibt sie tatsächlich, interessante, fordernde und zudem erfüllende Berufe. Dazu kam bei uns bisher noch ein sehr gutes Ausbildungssystem, das sicherstellte, dass die Willigen und Guten in ihrem Wahlberuf die Meisterschaft erreichen konnten — man könnte meinen, was möchte ein Mensch mehr?

Leider wird es immer populärer, dass selbst eine Ausbildung — geschweige denn das notwendige Lernen — nicht anstrengen darf (u.a. das Bildungsversprechen der SPD). Hinzu kommt noch die irrsinnige Meinung, dass alle die, die zu faul oder zu dumm sind, um einen Beruf zu erlernen, „etwas Besseres“ sind oder verdient hätten und deshalb zumindest angehende Wissenschaftler seien.

Nur, wer schon zu dumm oder zu faul ist, um einen Beruf zu erlernen, der wird selbst bei unseren inzwischen sehr zahlreichen und auch sehr einfachen Möglichkeiten, um ein Studium zu absolvieren, was zudem mit dem allseits beliebten Bachelor-Abschluss sehr, sehr einfach wurde, völlig überfordert sein und scheitern.

Für diese bildungs- und fleissresistenten Mitbürger gibt es dafür jetzt einen ganz neuen Karriereeinstieg, indem man offiziell sein Wunschfach nimmt und eine entsprechende Bildungseinrichtung zumindest einmal betritt — geht inzwischen auch online.

Dann hat man sogleich den Abschluss: z.B. studierter Ökonom oder studierter Pädagoge, noch besser aber studierter Wissenschaftler — das zukünftige Allround-Genie!

Diesbezüglich schreibt heute die WirtschaftsWoche „Alle haben einen gewissen Anspruch, die Latte höher zu legen“ — schön war’s!

Website des Tages

Antiquaria

Die erste Antiquaria fand 1987 im Gustav-Siegle-Haus in Stuttgart statt. Seit 1993 hat sie in der Musikhalle in Ludwigsburg ihr Zuhause. Die kommende, inzwischen 36. Antiquaria findet vom 17. bis 19. Februar 2022 statt.

Geburtstag des Tages

Pablo Picasso