Beitragsfoto: Affenmusik | © Pixabay

14.5.02021 4.7 (3)

Beitragsfoto: Affenmusik | © Pixabay

Keeping Mum

Keeping Mum ist ein britischer Film aus dem Jahr 2005. Ca. 100 kurzweilige Minuten, um einmal auf ganz andere Gedanken zu kommen. Auch wenn die Kritiker den Film nicht so gut wegkommen lassen, hatten wir unseren Spaß damit — was mir ausreicht, um auf diesen Film hinzuweisen. Weitere Filmhinweise gibt es übrigens hier.

Europaplatz

Europaplatz, das ist in Heilbronn ein sehr gerne vernachlässigter Verkehrskreisel mit einem einzigen Straßenschild. Ein paar Heilbronner bleiben aber weiterhin darum bemüht, dass dort wenigstens zu Europatagen oder gar an Feiertagen eine Europaflagge gehisst wird.

Wahlen

Am 26. September 2021 finden in Deutschland Bundestagswahlen statt und bereits im April 2022 soll in Frankreich der kommende Präsident gewählt werden. Deshalb muss man sich auch nicht wundern, wenn schon jetzt vermeintlich glühende Verehrer einer europäischen Einigung damit beginnen, mit Nationalismen und entsprechenden Vorschlägen um sich zu werfen. Auch Michel Barnier läuft sich schon warm und tritt jetzt für einen Einwanderungsstopp sowie eine Verstärkung der Schengen-Grenzen ein — man könnte fast glauben, dass er sich gegen Marine Le Pen selbst Chancen einräumt.

Wir erinnern uns: der derzeitige Präsident Emmanuel Macron wurde zwar aufgrund einer temporären Europabegeisterung der Franzosen gewählt, aber seine europäischen Ideen und die französische Europabegeisterung wurde unseren Nachbarn sehr schnell wieder im Zuge der deutschen Bundestagswahl 2017 ausgetrieben.

Bis heute bestimmen leere Versprechungen die Europapolitik, und was die eine Hand in Richtung eines europäischen Bundesstaates unternimmt, wird durch die andere rückgängig gemacht. Auch werden bereits anfangs erzielte Erfolge langsam aber sicher renationalisiert, wobei auch sämtliche Gründe für ein gemeinsames Europa völlig außer Acht gelassen werden.


Querdenken

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Beitragsfoto: Lernkarten für ein besseres Sozialverhalten | © moses.Verlag

Vor nicht allzu langer Zeit eine Bezeichnung für laterales Denken, welche von Edward de Bono bereits 1967 eingeführt wurde und Denkprozesse neu im Sinne der Problemlösung ordnen wollte. Noch in den 1990er-Jahren konnte man in vielen Haushalten seine entsprechenden Bücher finden. Aber auch Joy Paul Guilford befasste sich mit dem Thema und veröffentlichte ebenfalls 1967 seine Theorie der „Structure of Intellect“.

Von 2009 bis 2014 gab es sogar eine entsprechende Zeitschrift „Querdenker“, deren Internetpräsenz ich gerne beobachtete, da sie auf der gleichen Software basierte wie eine damals von mir betreute Website.

Seit 2020 hat der Begriff Querdenker mit dem „plötzlichen“ Auftreten der sogenannten Querdenker-Bewegung eine ganz andere Bedeutung, und seit ich selbst bei einem Spaziergang 2021 an einer solchen Protestaktion vorbeikam, rufen solche Zusammenkünfte auch bei mir ein Unwohlsein hervor.

Es nützt aber überhaupt nichts, solche Bewegungen einfach nur zu ignorieren und abzuwarten, bis sie sich wieder in Wohlgefallen aufgelöst haben — diesen Fehler habe ich selbst in den 1970er bis 1980er-Jahren begangen, als ich sicher war, dass sich eine „grüne“ Bewegung ohne tatsächliche Inhalte kaum manifestieren werden kann. Dennoch ist es dieser damaligen Bewegung ganz offensichtlich gelungen, eine Lücke zu füllen, die von etablierten Parteien und anderen politischen Verbänden einfach nicht richtig wahrgenommen wurde. Und wenn man sich erst einmal in einer Gesellschaft etabliert hat, dann ist es ziemlich schwer, dass man wieder in der Versenkung verschwindet — dies können wir gerade sehr gut an der SPD und vielleicht auch demnächst an den Unionsparteien beobachten.

Dass wir beginnend mit den 1990er-Jahren (Berliner Republik) bei uns ein gesamtgesellschaftliches Problem haben, das können wir nicht nur an der immer noch akuten Ossi-Wessi-Debatte sehen, sondern vor allem an den Wahlbeteiligungen messen, wobei festzustellen ist, dass auf Europa-, Bundes-, Landes-, Kreis- und Kommunalebene die Wahlbeteiligung seit ihrem Höhepunkt in den 1970er-Jahren beständig sinkt.

Mehr noch, die Mitgliederzahlen unserer Parteien haben sich in diesem Zeitraum mehr als halbiert, wobei nur die bisherigen „Neueinsteiger“ noch Gewinne für sich verbuchen können, was aber nur allzu menschlich ist, da sehr viele Mitbürger ihr Fähnchen einfach nach dem Wind hängen.

Heute sind nur noch gut eine Million Bundesbürger in Parteien organisiert und wären nicht weitere Bürger in anderen politischen Organisationen, Verbänden und Bewegungen tätig, sähe das Verhältnis politisch engagierter Bürger zur Bevölkerungszahl noch viel schlechter aus.

Das Gute daran ist, dass es diesen vielleicht gut 10 Millionen Bürgern immer noch gelingt, um die 75 % der Wahlberechtigten zu einem Wahlgang bei der Bundestagswahl zu motivieren, das nennt man dann wohl Multiplikatorenfunktion.

Gut daran ist auch, dass zumindest bisher von unseren Mitbürgern mehrheitlich demokratisch gewählt wird und immer wieder auftretende links- wie rechtsradikale Parteien auch meist wieder verschwinden.

Besser ist es aber, dass die zunehmend inhaltliche Leere unserer „Bestandsparteien“ nunmehr dazu führt, dass sich immer mehr neue Parteien, Wählergruppen und Bürgerlisten bilden, die nicht nur für unsere Demokratie an sich eintreten, sondern auch ganz bestimmte und eigene Vorstellungen über unsere Zukunft haben — erstmals auch im Bereich der Ökologie, was übrigens sehr lange gedauert hat.

Hier scheint sich nunmehr nach 30 Jahren Berliner Republik ein Generationenwechsel anzubahnen, der auch dazu führt, dass sich die Jüngeren nicht mehr so schnell in althergebrachte Strukturen einbinden lassen und nach neuen Wegen suchen, um sich politisch auswirken und ihre eigenen Interessen durchsetzen zu können.

Dies geht mit dem zunehmenden Vertrauensverlust einher, den unsere Berufspolitiker nicht die vielen ehrenamtlich politisch Tätigen in und außerhalb von Parteien zu verantworten haben.

Deswegen geschieht es aber auch, dass sich immer mehr Bürger, welche bisher gar nicht oder nur am Rande politisch aktiv waren, sich von der Jugend motiviert, ebenfalls zu artikulieren und zu organisieren beginnen (Hic, die Querdenker).

Dass solch eine Eigenorganisation sehr lange dauern kann und dabei die „interessantesten“ und oftmals sehr gegensätzlichen Interessenlagen zusammenstoßen und miteinander verbunden werden müssen, haben Parteigründungen in den letzten Jahrzehnten gezeigt.

Im Falle der Querdenker scheint es aber eher der Fall zu sein, dass es sich hierbei um das letzte Aufbäumen einer abtretenden Generation handelt, die bisher Politik eher vom Spielfeldrand aus betrachtete und damit zufrieden war, dass ihre Interessen von den Parteien irgendwie schon vertreten wurden und nun ganz erstaunt feststellen muss, dass wir alle irgendwann zur Kasse gebeten werden.

Damit sind die Querdenker ein Produkt unserer Volksparteien, ein vorübergehendes Wählerpotenzial für „Randparteien“ und ein Phänomen eines gesamtgesellschaftlichen Umbruches.

Diesen Umbruch gilt es jetzt zu gestalten, und wir werden beobachten können, wie sich unsere Jugend in neuen Strukturen zusammenfindet oder vielleicht aber auch die bestehenden Strukturen neu bespielt. Dies hängt ganz davon ab, ob und wie sich die bestehenden Parteien weiterentwickeln, die neuen Parteien letztendlich aufstellen, aber vor allem anderen, ob sie bereit dazu sind, auch die Probleme und Herausforderungen unserer Zeit tatsächlich anzunehmen und damit die Zukunft der kommenden Generationen mit gestalten zu wollen.

Der realpolitische Ansatz der aktuellen Koalition: „Nach uns die Sintflut“ wird leider wohl auch der der kommenden Koalition sein und dann aber hoffentlich dazu führen, dass sich unsere heutige Jugend weiter politisiert. Denn dies ist sehr dringend nötig, da diese Jugend im Gegensatz zu meiner Jugend nicht aus dem Vollen schöpfen können, sondern nur noch leere Kassen und eine zerstörte Natur vorfinden sowie in existenzielle Verteilungskämpfe verwickelt werden wird.

„Lateral thinking … is the process of using information to bring about creativity and insight restructuring. Lateral thinking can be learned, practised and used. It is possible to acquire skill in it just as it is possible to acquire skill in mathematics.“

Edward de Bono, Lateral thinking: creativity step by step (1970: 5)

Beitragsfoto: Schachfiguren | © Pixabay

12.5.02021 5 (2)

Stadtverwaltung

Wenn eine Stadtverwaltung mit weit über 3 000 Mitarbeitern Soldaten benötigt, um noch halbwegs funktionieren zu können, dann sollten sich verantwortliche Mitbürger doch einmal ein paar Gedanken machen.

Moschee

Es gibt schon sehr lange eine Moschee in der Weinsberger Straße, noch länger aber sieht dieses Eck eher wie ein Gerümpelladen aus, und man sollte sich doch freuen, wenn ein Investor das Ensemble durch einen Neubau aufhübscht und damit die gesamte Gegend aufwertet.

Was mich erstaunt ist, dass sich all die Jahre hinweg kaum jemand darüber aufgeregt hat, dass der Betreiber dieser Moschee eher eine Außenstelle des türkischen Präsidenten zu sein scheint als eine Religionsgemeinschaft, was man als Laie auch dadurch sehen kann, dass dort die türkische Flagge weht, was selbst in der Türkei vor Moscheen höchst selten sein dürfte, und in Deutschland eigentlich nur Botschaften und Konsulaten zusteht.

Wie auch immer, in der bestehenden Moschee treffen sich regelmäßig Gläubige, um ihren Gottesdienst zu feiern, was übrigens durch das Grundgesetz garantiert ist, und zudem alle Gläubigen, egal von welcher Religion, erfreuen müsste.

Was wird sich deshalb durch einen Neubau ändern? Auf jeden Fall macht es die Gegend attraktiver und fördert auch die lokale Wirtschaft. Zudem könnte es sein, dass mehr Muslime versuchen, auch um die Moschee herum heimisch zu werden, und damit die Anzahl der Moscheenbesucher steigt, was übrigens auch wieder allen wirtschaftliche Vorteile bringt.

Dass dies dann, wie gerne in der Presse kolportiert, zu einem regelmäßigen Verkehrschaos führt, halte ich nur dann für möglich, wenn die Stadt Heilbronn weiterhin ihren Kontrollaufgaben zu lax nachkommt, denn regelmäßige Strafzettel veranlassen jeden, die ausreichend in der Stadt vorhandenen Tief- und Hochgaragenparkplätze aufzusuchen, gleich zu Fuß oder mit öffentlichen Verkehrsmitteln zu kommen.

Kapitalismus

Der Kapitalismus gepaart mit Demokratie ist die einzige funktionierende Form menschlichen Zusammenlebens, die allen Menschen halbwegs ein gerechtes und geregeltes Leben ermöglicht.

Alle anderen Modelle, vor allem jene, die sich besonders die soziale Gerechtigkeit, Gleichheit und Menschlichkeit auf die Fahnen schreiben, führen nur dazu, dass Pfarrer Kinder vergewaltigen und Mitarbeiter sozialer Einrichtungen im Bestfall darauf warten, dass man selbst kalt ist, bevor sie einen fleddern. Ganz zu schweigen von den Protagonisten eines besseren Lebens, die fast jeden Kapitalisten vor Neid erblassen lassen.

Unter dem Deckmantel von Anstand und Gerechtigkeit toben die Verteilungskämpfe noch schlimmer als in jeder Anarchie, und keiner kennt die genauen Regeln, nach denen gerade gespielt werden soll — besser noch, nur die Gutmütigen und Dummen halten sich daran, der Rest nutzt deren Missachtung zu seinem eigenen Vorteil.

So kommt es, dass gerade jene, die für soziale Gerechtigkeit und andere Euphemismen einstehen und auch deren Durchsetzung sicherstellen sollen, genau die sind, welche davon selbst am meisten profitieren.

Ganz im Gegensatz zum Kapitalismus, wo jeder weiß woran er ist und zudem auch die Chance auf ein erfolgreiches Leben hat; noch besser, man muss nicht ein Leben leben, das einem vom Staat, Institutionen oder Moralaposteln vorgegeben wird. Und genau diese echte Chance auf ein besseres Leben ist es, die eine Gesellschaft dauerhaft am Leben erhält und durch Demokratie, Dankbarkeit und Karitas dafür sorgt, dass auch die weniger Erfolgreichen insgesamt profitieren.

Merke, wir Menschen sind die einzigen Lebewesen, die ihre Opfer streicheln, bevor sie diese töten! Und es ist immer noch besser, sich vor einem Wolf in Acht zu nehmen als durch einen Wolf im Schafspelz verspeist zu werden.

„Lupus est homo homini, non homo, quom qualis sit non novit.“

Titus Maccius Plautus, Asinaria (Komödie)