Maskerade

17.5.02021 5 (2)

Regierung XXL

Schlechte Minister und Staatssekretäre werden nicht dadurch besser, dass man noch mehr prekäre Parteimitglieder in Ämter hebt. Auch wenn ich es allen Mitbürgern gönne, dass sie sich dumm und dämlich verdienen, sollte man aber gerade als Landesregierung mit unseren Steuergeldern umsichtiger umgehen. Nur wieder einmal gemeinsam das Lied der „Schwarzen Null“ zu intonieren, rettet unsere Haushalte nicht.

Europaheuchelei

Notiz am Rande: der explosionsartigen Vergrößerung von Regierung und Beamtenapparat fiel das Europaministerium zum Opfer. Beide Parteien wollten sich wohl wenigstens von einer Heuchelei verabschieden. Ab morgen bis zur Bundestagswahl werden sich aber beide Parteien erneut uneingeschränkt zu Europa bekennen — sie verlassen sich weiterhin voll und ganz auf die Gedächtnisschwächen ihrer Wähler.

Lektüre

Heute mal eine etwas leichtere Lektüre. Amartya Sens „Identität und Gewalt“ aus dem Jahr 2006 ist sehr flüssig zu lesen und passt thematisch ganz gut zu meinem eigenen Buch; auch sind seine dort vertretenen Vorstellungen jenen der europäischen Föderalisten sehr ähnlich. Vielleicht auch deshalb, weil er u. a. Schwiegersohn von Eugenio Colorni ist.


Opferrolle

Geschäftsmodell 5 (3)

Beitragsfoto: Opferrolle | © Pixabay

Ich schreibe diesen Beitrag nur, weil meine Sonntagsruhe durch lautstarkes und von Megaphonen noch verstärktes Gebrüll massiv gestört wurde und es mir unmöglich machte, mich in ein Buch zu vertiefen. Auch lasse ich mich ungern zum Opfer machen.

Die Freizügigkeit, Liberalität und ganz besonders die Humanität der westlichen Gesellschaften hat zu einem neuartigen Geschäftsmodell geführt, dessen sich inzwischen nicht nur „Schurkenstaaten“, Kleinstdiktaturen, sondern bereits auch ganze Bevölkerungsgruppen wie auch Familienclans oder gar Einzelpersonen widmen.

Man macht sich selber zur diskriminierten Minderheit oder gar einem „Opferland“, dem dabei aber nicht nur sämtliche Rechte einer freiheitlich-demokratischen Welt- und Grundordnung zustehen, sondern man selber von jeglichen entsprechenden Verpflichtungen freigestellt ist, da dies von einem „Opfer“ nicht verlangt werden darf.

Denn als „Opfer“ von jedem und allem muss man selbst überhaupt nichts zum Allgemeinwohl beitragen oder gar beginnen, einmal produktiv tätig zu werden — einzig das Einsammeln von Spendengeldern, Transferzahlungen und Almosen kann als regelmäßige Beschäftigung angesehen werden.

Und wenn keiner guckt, oder man eine momentane Überlegenheit verspürt, dann werden sämtliche Werte, Gesetze und Regeln von denen man selbst so gut lebt, über den Haufen geworfen und man wird zum allerschlimmsten vorstellbaren Täter.

Kommt es dann zu Notwehrhandlungen, etwa von Staatengruppen, Ländern, Bevölkerungsteilen oder Einzelpersonen, schlüpft man sehr schnell wieder in die vermeintliche Opferrolle — scheut auch nicht davor zurück, bei Bedarf selbst in der eigenen Bekanntschaft für tatsächliche Opfer zu sorgen — und besteht lautstark und sehr aufdringlich auf noch mehr Zuwendung und noch mehr Zugeständnisse aller Art.

Als vermeintliches „Opfer“ lebt es sich in unseren Gesellschaften und im Rahmen der Vereinten Nationen — bis hin zum Friedensnobelpreis — ganz gut. Und wenn das mit den Einnahmen und dem bequemen Leben nicht mehr ganz so gut läuft, oder man nicht mehr die Zuwendung bekommt, die einem als „Opfer“ zusteht, dann entführt man Flugzeuge, schießt Raketen auf Wohngebiete, meuchelt oder entführt ein paar Mitmenschen, droht gar mit Nuklear- oder anderen Vernichtungswaffen und dies solange, bis die Weltöffentlichkeit den vermeintlichen Opferstatus wieder anerkennt. Noch perfider und ganz bewusst auch so gewollt ist dabei, dass die tatsächlichen Opfer — wenn sie nicht aus den eigenen Reihen kommen — zu Tätern erklärt werden.

Der große Erfolg dieses Geschäftsmodell funktioniert aber nur solange, wie es noch eine westliche Welt mit ihren Werten und ihrer unendlichen Toleranz gibt, und stößt schon heute in manchen Gegenden, wo diese nicht vorhanden ist, an seine Grenzen — dort dürfen sich die „Opfer“ dann auch einmal tatsächlich als Opfer sehen.

„Ein Mensch ist immer das Opfer seiner Wahrheiten.“

 Albert Camus, Der Mythos von Sisyphos (1960 [1942]: 46)

Beitragsfoto: Sülmerstraße | © Shutterstock

15.5.02021 5 (4)

Beitragsfoto: Sülmerstraße | © Shutterstock

Weltall

Die Erkenntnis von Lyndon B. JohnsonWer das Weltall beherrscht, beherrscht auch die Welt.“ ist wirklich nichts Neues. Neu ist aber, dass der Burgfrieden, welcher seit 1990 im All herrschte und Hoffnung gab, dass die Menschheit gemeinsam die unendlichen Weiten erkundet, nunmehr begraben ist. China lässt keinen Zweifel daran, dass es nichts unversucht lässt, um die Welt zu beherrschen und damit ganz folgerichtig auch den Weltraum für sich entdeckt hat.

Inzwischen lässt sich der Westen immer öfters und noch weiter auseinander dividieren, man könnte fast meinen, dass Russland und China — die Vertreter einer totalitären Weltordnung — genau die richtigen Leute geschmiert haben. Zudem lässt er sich immer mehr in den Bann von Auseinandersetzungen meist unbedeutender Staaten, Länder und Randlagen ziehen, reagiert zunehmend auf die kleinsten Drohungen von Westentaschendiktatoren und vergisst ganz dabei, dass es die großen Herausforderungen sind, die gelöst werden müssen.

Reissack

Vielleicht würde diese Konzentration auf das Wesentliche auch dazu führen, dass die Palästinenser, Taliban und Kim Jong-uns dieser Welt erkennen, dass ihre Probleme für die Menschheit genau so bedeutend sind, wie wenn in China ein Sack Reis platzt. Mit dieser Selbsterkenntnis wären sie dann vielleicht sogar bereit, nach konstruktiven Lösungen zu suchen.

Kisten schleppen

Plötzlich ging alles ganz schnell, als ich ankam, herrschte bereits Trubel, denn Klaus’ neue Familie war schon sehr früh aus dem Ruhrpott angereist. So blieb mir nur noch ein paar Kisten zu schleppen, bis ich feststellen musste, dass ich keine 50 mehr bin, um mich dann in aller Schnelle von Klaus zu verabschieden.

Über all die Jahre hinweg, ist mir dieser Sachse richtig ans Herz gewachsen, und nun zieht es ihn weiter — es ist halt nicht jedem gegönnt, in Heilbronn zur Ruhe zu kommen.