Lesezeichen

UK-Realitätscheck 4.9 (7)

Beitragsfoto: Lesezeichen | © kertlis von Getty Images

Polly Toynbee | IPG-Pressedienst

Realitätscheck (zuletzt aufgerufen am 24.1.2025, 11.58 Uhr)

„Eine Mehrheit in Großbritannien wünscht sich die Rückkehr in die EU. Kann das Land die tiefen Narben des Brexits überwinden?

Es gibt auch noch gute Nachrichten: Seit zwei Jahren zeigt jede einzelne Umfrage im Vereinigten Königreich, dass die Mehrheit der Bevölkerung in die EU zurückkehren möchte.

Angesichts solcher Umstände [„Spinner, Verrückte und verkappte Rassisten“] wäre es riskant, darauf zu vertrauen, dass die öffentliche Meinung stabil bleibt. 

Die Wirtschaft der Eurozone schwankt, ebenso wie die Großbritanniens. Elon Musks gigantisches Vermögen stellt eine Bedrohung für europäische Demokratien dar und stärkt die aufziehenden Sturmwolken der extremen Rechten. Sollte Putin in der Ukraine auch nur ansatzweise einen Sieg erringen, geriete Europa in ernste Gefahr – und die Zukunft der NATO wäre ungewiss.“


Dank eines Hinweises von Hans Müller bin ich auf diesen Beitrag gestoßen:

„Lieber Herr Kümmerle, anbei der Link zu einem Artikel im IPG-Pressedienst, der Sie vielleicht interessieren wird. Ich bin gerade bei der letzten Durchsicht des Teils 5 der “Amerikanischen Tragödie” und will Ihnen den Text im Laufe des Wochenendes zusenden. Trump haut wie erwartet, bereits mächtig auf die Pauke. Wir haben vier ereignisreiche Jahre vor uns.“

Lesenswerter Beitrag mit einem hoffnungsfrohen Anfang, der dann zum Schluss mit einem apokalyptischen Ende aufmacht.


Grenzübergang nach Österreich

„Kind in Brunnen-Politik“ 4.6 (13)

Beitragsfoto: Grenzübergang nach Österreich | © Reinhard Thrainer auf Pixabay

Getriggert von der Information, dass bei uns nach einem Messerangriff in Aschaffenburg mit zwei Toten und drei Verletzten die politische Diskussion außer Fugen gerät, muss ich doch auch einmal meinen Senf dazu geben.

Das Bundesamt für Migration hat gemäß der im ÖRR bereitgestellten Informationen bereits im Juni 2024 den Asylantrag des Aschaffenburgmörders abgelehnt und nach den Regeln des Dublin-Verfahrens seine Abschiebung nach Bulgarien angeordnet. Die CSU, voll im Wahlkampf stehend und angeblich Deutschland wieder sicher machen wollend, hat dabei das Kind in den Brunnen geschmissen: ganze sieben Monate lang hatte Joachim Herrmann, der zuständige Minister, offensichtlich keine Zeit, um diesen bekannten Täter abzuschieben — wohl weil kein runder Geburtstag eines Parteifreundes anstand!

Damit haben Markus Söder und sein Innenminister Joachim Herrmann zumindest grob fahrlässig, wenn nicht gar mit Vorsatz („Kind in Brunnen-Politik“) gehandelt und sind für diese Morde mit verantwortlich.

Seit Jahrzehnten, wohl bereits seit Rainer Barzel, betreibt die Union eine sehr erfolgreiche „Kind in Brunnen-Politik“, die erst das Kind in den Brunnen wirft und dann damit den Wahlkampf bestreitet, nämlich indem man dem Wähler verspricht, das Kind im Falle eines Wahlerfolges wieder aus dem Brunnen zu holen. Für das deutsche Gemüt sicherlich eine vielversprechende und durchaus erfolgreiche politische Strategie.

Spätestens seit den Warnungen an die Union seitens Franz Josef Strauß‘, dass diese Politik nur solange funktioniert, wie es keine weitere Partei rechts der Union gäbe, wissen die Verantwortlichen in der CDU und CSU um deren Brisanz. Leider wurden Straußens Ratschläge geflissentlich in den Wind geschlagen. Tragischer Weise rekrutierten sich später die meisten halbwegs ernst zunehmenden (nur im Sinne einer politischen Relevanz) Parteien rechts der Union gerade mit aus deren ehemaligen Mitgliedern.

Und so haben inzwischen viele andere Parteien wie die AfD oder das BSW diese Art von Erfolgspolitik übernommen und beginnen damit mehr Wähler zu generieren, als es selbst der Union lieb sein kann. Und spätestens dann, wenn die Vertreter dieser Parteien das Kind eigenmächtig in den Brunnen werfen können, wird die Union obsolet sein.

Diese Gefahr scheint bei uns außer den Unionsverantwortlichen allen politisch denkenden Menschen inzwischen voll und ganz bewusst zu sein.

Und so ist es höchste Zeit, dass sämtliche demokratische Parteien damit beginnen, verantwortliche Politik zu betreiben und dabei versuchen, gemeinsam Lösungen zu finden!

Aber was machen Union, FDP, AfD und BSW nun? Sie fordern wegen dem obigen Anlass ein „faktisches Einreiseverbot“ für Ausländer aller Art (Friedrich Merz). Markus Söder, einer der Mitverantwortlichen für die Aschaffenburgmorde, verlangt zumindest eine „Grenzschließung für illegale Migration“. Christian Lindner sprach angesichts der Gewalttat von einem veritablen Staatsversagen in Deutschland, das er vor Kurzem noch selbst orchestrierte. Die AfD verwies lächelnd auf ihre Forderung nach Grenzschließungen und das BSW bemüht sich derweil noch mehr eklige Plakate in Deutschland aufzuhängen — wohl eine Ersatzhandlung dafür, dass man dem politischen Gegner und Andersdenkenden noch nicht in echt an den Kragen gehen kann.

Dem deutschen Gemüt gefällt das Ganze so wie immer, Recht und Ordnung muss weiterhin nur für andere gelten — und wir alle wissen doch ganz genau, dass das Dritte Reich nur ein „Vogelschiss in der Geschichte“ war.

So lange die Union nicht wieder zu einer vernünftigen und verantwortlichen Politik zum Wohle von uns allen zurückkehrt, bleibt zu hoffen, dass sie zumindest keine weiteren Innenminister mehr stellt! [ein kleiner Insider in Richtung Heilbronn].

Nachtrag

Detlef Stern teilte mir das Folgende mit: Zum Brunnenkindpost 😉 Quelle: https://workchronicles.substack.com/p/comic-prevention-vs-cure

Nachtrag 26.1.2025

„And I gave you proper warning, too, only a little while ago!
Arithmetic leads to Philology, and Philology leads to Crime …“

Eugène Ionesco, The Lesson (2000: 216)

Konzert

Musikvideo der Woche 4.5 (8)

Beitragsfoto: Konzert | © Bild von Pexels auf Pixabay

Grundsätzlich dudelt bei uns immer KUSC Los Angeles im Hintergrund, ein guter Kompromiss, denn sonst würde mein Musikserver im Haus online gehen, was für meine bessere Hälfte kaum zu ertragen ist, da dessen Software ganz ohne KI ein eigenes Abspielverhalten entwickelt hat, das zugegeben gewöhnungsbedürftig ist.

Nun da ich alleine zuhause bin und mich an die zweite Korrekturrunde der Seminararbeiten wagen möchte, suche ich nach der passenden Musik und bin zwischen John Lee Hooker, Leonhard Cohen und Tom Waits hin und her gerissen. Ich versuche einmal meinem Server etwas vorzuschreiben und so werden wir beide wohl zum Schluss dann bei Tom Waits landen. Den Anfang machen wir erst einmal mit der Platte „Old Ideas“ und da ich erst gestern den Nachbarn — meine bessere Hälfte hatte ihn stark blutend vor der Haustür gefunden — ins Krankenhaus schicken konnte, darf es auch etwas lauter werden.

Wobei mein Server schon wieder zwischen den Leonhard Cohen Platten einfach so hin und her wechselt. „Old Ideas“ (2012) passt aber aktuell wie Faust auf Auge und so skippe ich immer wieder zurück.

Zu Leonhard Cohen selbst muss man nicht viel schreiben, auch seine Platte „Thanks for the Dance“ (2019) ist noch hörenswert. Die eine oder andere Seminararbeit wird mich sicherlich auch zu John Lee Hooker führen, aber dann zum Schluss bleibt wohl nur noch Tom Waits’ „Blood Money“ übrig.

Nun bin ich selbst einmal gespannt, kämpfe mit dem Server und der ersten Arbeit …

„The presence, not that pleasant
Just a lot of things to do
I thought the past would last me
But the darkness got there too.“

Leonhard Cohen, DArkness (2012)