Blitz

Modetipp 4.4 (10)

Beitragsfoto: Glühbirne | Blitz | © Bild von PIRO auf Pixabay

Hier mein aktueller Modetipp für Nazis: Kampfstiefel mit weißen Schnürsenkeln und irgendetwas von Trigema. Wer Geld hat, der tauscht auch schleunigst noch seinen BMW gegen einen Tesla.

Das Ganze wird dann sofort auf Facebook, TikTok und X geteilt. #ichbinstolz


Metropolitan Opera

Aida 4.3 (10)

Beitragsfoto: Metropolitan Opera

Wenn das Leben um einen herum so richtig tobt und man händeringend nach einer kleinen Auszeit sucht, ja dann passt die Aida ganz gut. Giuseppe Verdis Erfolgsstück kam bereits zu Weihnachten 1871 und das auch noch in Kairo in die dortige Oper. Seither steht Aida für Opulenz und guten Geschmack; dieser dreistündige Vierakter lockt noch heute die Menschen in die Oper und sorgt wie auch gestern für ein volles Haus.

Die Idee für die Oper stammt von Auguste Mariette, einem Ägyptologen. Das Libretto schrieb Antonio Ghislanzoni. Die Geschichte ist schnell erzählt und ich bin immer wieder erstaunt darüber, dass man damit drei Stunden füllen kann. Zum Schluss sind alle tot und die Ruhe ist wieder hergestellt. Erwähnenswert der Triumphmarsch des Stücks, der besonders Fußballfans zu gefallen scheint und die Arie „O patria mia“, die ganz allgemein als sehr gelungen gilt.

So ist es inzwischen wohl jedes Mal die Frage, wie das Stück inszeniert wird, die die Zuschauer so richtig interessiert. Und so passt es ganz gut, dass sich gestern die Metropolitan Opera wieder einmal an die Aida gewagt hat. Und auch dort gab es ein volles Haus. Seit 1886 wurde die Aida an der Met bereits über 1 100 Mal aufgeführt und so dürfte man sehr routiniert darin sein.

Dieses Mal debutierte und brillierte Angel Blue und dies als äthiopische Prinzessin an der Met. Yannick Nézet-Séguin dirigierte das Stück. Michael Mayer übernahm den wichtigsten Part und war für die Inszenierung verantwortlich. Der Vollständigkeit halber, Judit Kutasi war eine ganz passable Gegenspielerin und Piotr Beczała verkörperte den Radamès ganz gut, was vom Schlussapplaus durchaus bestätigt wurde. Umrahmt wurde das Ganze von Morris Robinson gestern als Priester, wobei er auch den Pharao gibt, Harold Wilson als Pharao und Quinn Kelsey als König von Äthiopien.

Nun zur Aufführung selbst, die Idee zur Einbindung von Auguste Mariette in die Oper fand ich sehr gelungen, auch dass die Oper weniger opulent als sonst üblich daherkam. Set, Licht und Kostüme mehr als passend.

Bereits in den ersten zwei Minuten fand ich mich sofort an den Nil versetzt und einzig und alleine noch ein paar Krokodile hätten ganz gut mit hinzugepasst — dafür aber waren die Stimmen entsprechend gewaltig. Angel Blue enttäuschte bei „O patria mia“ nicht und fast schon traditionell gab es wieder einen kleinen aktuellen Bezug bzw. Slapstick im Stück: man gab den Elon Musk im Duzend — kann aber auch sein, dass es als eine versteckte Anspielung auf Richard Wagner gedacht war.

Wohl meiner aktuellen Gesamtsituation geschuldet, ist mir bestimmt das eine oder andere weitere Detail durch die Lappen gegangen. Insgesamt war diese Aida mit einer kleinen Pause drei Stunden und 15 Minuten lang eine Auszeit, die ich dringend nötig hatte.

„Copiare il vero può essere una buona cosa, ma inventare il vero è meglio, molto meglio.“

Giuseppe Verdi in einem Brief an Clara Maffei (20.10.1876)

Schaufenster

25.1.02025 4.6 (10)

Beitragsfoto: Schaufenster

Spazieren

Leider komme ich aktuell nicht zu meinen gewohnten Spaziergängen durch die Stadt. Dennoch stehen die obligatorischen Gänge weiterhin auf der Tagesordnung und so komme ich auch weiterhin an Schaufenstern vorbei, von denen mir manche immer noch Freude bereiten. Auch wenn die meisten potentiellen Kunden solche Bemühungen der Ladeninhaber nicht mehr zu schätzen wissen, glaube ich weiterhin daran, dass es gerade die Schaufensterauslagen sind, die das Bummeln erst so richtig interessant machen.

Und wenn ein Passant — potentieller Kunde — erst einmal am Ladengeschäft stehen bleibt, dann ist der halbe Weg für den Verkaufserfolg erreicht. Zumindest aber bleibt den Passanten das Ladengeschäft in guter Erinnerung.

Ich behaupte, dass viele solcher guten Schaufenster nicht nur die Anzahl der Passanten erhöht, sondern auch die Verkaufszahlen insgesamt in die Höhe treiben wird. Menschen gehen sogar in Museen, Galerien oder andere Ausstellungen, um sich an den Darbietungen zu ergötzen — Ladengeschäfte könnten sich dieses Verhalten besonders in Fußgängerzonen ebenfalls zu nutzen machen. Und ich bin mir sicher, dass dies dann auch für die verschiedensten Firmen und Marken ein Anreiz wäre, um in Ladengeschäfte zu investieren.

Kegeln

Einst beruflich bedingt ein Muss, nun eine kleine Auszeit aus dem ganz normalen Alltag. Schon etwas länger treffen sich die Europäischen Föderalisten in Heilbronn, um auf eigene Rechnung zuerst ein paar Kegel in Verwirrung zu bringen und danach gemeinsam zu speisen.

Und so war auch gestern das Kegeln eine feine Sache, vielleicht mit dem kleinen Unterschied, dass ich mich dieses Mal an alte Regeln und Erfahrungen erinnern konnte und damit das Kegeln für meine Verhältnisse ganz passabel hinter mich brachte.

Allerdings waren meine Kegelerfolge beim anschließenden Essen bereits wieder vergessen.

Hasenmahl

Wir Heilbronner kennen die Speisung all jener, die den Hals nicht voll genug bekommen schon etwas länger. Und so haben wir uns alle inzwischen daran gewöhnt, denn warum soll man auch nach Jahrzehnten der Demokratie noch mit völlig altbackenen Traditionen aufräumen. Und wer es unbedingt möchte, der bekommt dort auch sein Plätzchen, vielleicht nicht ganz im Zentrum des Geschehens, aber völlig egal, Hauptsache mit dabei gewesen zu sein.

Eigentlich ist das Hasenmahl kein echtes Thema mehr hier im Blog, ich staune nur ab und zu noch ein wenig darüber, wer sich alles kein Essen auf eigene Kosten im Ratskeller leisten möchte oder kann. Ich gehe weiterhin gerne dort essen und zahle jedes Mal meine Rechnung selber.

Nun aber durften wir erfahren, dass der OB das Hasenmahl dazu nutzte, um wieder einmal alte Rechnungen zu begleichen. Kaum war Josip Juratovic eine Lame Duck, hat ihm der OB den Stuhl vor die Tür gestellt. In der deutschen Politik kennt man die Steigerung des Begriffes „Feind“ schon länger: Feind — Parteifreund — Genosse.

Für den Fall, dass Josip Juratovic wegen des Ausfalls eines Hasenmahls nun hungern muss, nehme ich ihn gerne einmal mit in den Ratskeller, selbstverständlich auf meine Kosten — dafür nehme ich gerne ein paar Überstunden mehr in Kauf.

Und für den Fall, dass man nach einem zeitgemäßen Hasenmahl-Event suchen sollte, rege ich an, dass die Stadt Heilbronn einmal im Jahr die Harmonie dazu nutzt, um dort all jenen, die etwas weniger glücklich sind, ein Essen anzubieten. Die Bedienung könnte die übliche Hasenmahlgesellschaft übernehmen — jede Wette, keiner der gewöhnlich beim Hasenmahl anwesenden Damen und Herren hätte Zeit dafür. Was an sich kein Problem darstellt, denn diese VIP finden immer ein Plätzchen, wo sie umsonst speisen können.

„O wann wirst Du jenen Zeitpunkt erleben, da Du Dir bewusst wirst, dass die Zeit für Dich belanglos ist, da Du gelassen und ruhig bist, unbekümmert um den morgigen Tag und in voller Zufriedenheit mit Dir selbst. “

Seneca, 4. Buch 32. Brief (2023: 225)