Bibliothek Hochschule Heilbronn

Was Studenten lesen 4.3 (7)

Beitragsfoto: Bibliothek Hochschule Heilbronn

Ein weiteres Mysterium meiner Hochschulaktivitäten. Vielleicht wäre es sogar angebrachter zu fragen, ob in der heutigen Zeit von Studenten noch ganze Bücher verschlungen oder doch nur noch möglichst von einer KI zusammengestellte Satz- und Wortfetzen halbwegs zur Kenntnis genommen werden.

Meiner Vorlesungsreihe liegen ganze drei Bücher als notwendige Quelle zugrunde, was übrigens nicht meine Idee war. Was aber dazu führte, dass ich mir als erstes genau diese drei Bücher kaufte und tatsächlich auch las. Da zwei davon auf Englisch verfasst wurden, ging ich von Anfang an davon aus, dass zumindest das deutschsprachige Buch gelesen wird. Nach inzwischen vier Durchgängen glaube ich nicht mehr daran, dass wenigstens jeweils fünf Studenten im Semester überhaupt einmal eines dieser Bücher aufgeschlagen haben.

Erfreulich, dass sich die Studenten voll und ganz auf meine Vorlesungen zu konzentrieren scheinen, eher wohl aber auf die Notizen ihrer Kommilitonen oder gar einzig und alleine auf die Hoffnung, dass an deutschen Hochschulen kaum ein Student noch ohne erfolgreiches Studium von dannen zieht. Jene ein paar Prozent, die selbst an Hochschulen scheitern, werden einfach geflissentlich ignoriert, ähnlich wie bei Soldaten, die allesamt daran glauben (müssen), dass es immer die anderen trifft; aber dort funktioniert das System einfach nicht anders — wobei es da keine zweiten Versuche gibt!

Bequem die Tatsache, dass sämtliche Studenten mindestens drei Versuche haben, um die jeweiligen Prüfungen zu bestehen. Noch bequemer, dass manche Prüfungen schon gar nicht mehr zu erbringen sind, wenn man eine andere — egal wie auch immer — erfolgreich bestanden hat. Was dazu führt, dass man zumindest an dieser Hochschule absolut notwendige Dinge, wie z. B. Statistik, so mir nix dir nix „abwählen“ kann, ähnlich wie an unseren Schulen das Lesen und Schreiben.

Und so frage ich nur noch ganz en passant, ob wenigstens einer der Studenten die Grundlagenbücher meiner Vorlesungsreihe überhaupt schon einmal gesehen hat und stelle lieber sicher, dass deren wichtigsten Inhalte in meiner Vorlesung fast schon gebetsmühlenartig wiedergegeben werden.

Auch habe ich es aufgegeben, für Klassiker der Literatur zu werben, welche sich oh Wunder! bestens für das besagte Studienfach eignen. Als nächstes habe ich es aufgegeben, selbst für studienrelevante Comics zu werben, deren Kenntnis fast alleine schon eine erfolgreiche Klausur garantieren könnte. Lesen bildet wohl nur noch an Universitäten — was man durchaus als Nullhypothese sehen darf.

Auf alle Fälle aber waren dieses Mal selbst meine weiteren Versuche, nämlich für Bücher zu werben, von denen ich weiß, dass sie meine eigenen Kinder noch verschlungen haben, ebenfalls nicht von Erfolg gekrönt. Wer kennt schon noch Harry Potter oder gar Herr der Ringe? Von Per Anhalter in die Galaxis ganz zu schweigen — mit solchen Bezügen und Hinweisen für einzelne „Wissensgebiete“ zu werben, die reinsten Fehlschläge.

Gäbe es an der Hochschule eine erziehungswissenschaftliche oder gar eine Fakultät für Soziologie, ich wäre bemüht, meine Vorlesungen einmal auf Tiktok oder Instagram von jungen Menschen vortanzen zu lassen. Vielleicht würden dann manche für ein Studium (vom Leben ganz zu schweigen) durchaus notwendigen Inhalte auch noch im sechsten und siebten Semester halbwegs verstanden werden und vielleicht sogar Anwendung finden — auch Dozenten dürfen träumen. Und so wird wohl mein Ausflug in ein sechstes Semester an dieser Hochschule ein einzigartiges Erlebnis bleiben.

Bisher ging ich davon aus, dass jeder Student, der meine Klausur im zweiten Semester besteht, weiß, was ein Problem, ein Risiko und eine Chance sind, zumindest aber einzelne Liefergegenstände umwandeln und reihen sowie mit Pufferzeiten umgehen kann — keine vier Semester weiter musste ich in verständnislose Augen blicken.

Was nun wiederum zur Folge hat, dass ich meine kommende Klausur etwas umbauen werde, da ich weiterhin den Studenten etwas beibringen möchte und nicht nur als „Zertifikatsheini“ durch die Flure und Gänge der Hochschule wandeln möchte.

Abschließend wieder zur Frage, was Studenten so alles lesen, anscheinend nicht einmal die eigenen Seminararbeiten, denn sonst hätte ich einige davon nicht auf dem Tisch liegen — was schon wieder zu meiner Vorlesungsreihe führt (Stichwort: Qualitätsmanagement) und offensichtlich ebenfalls völlig zu kurz kommt.

Bücher zu all diesen Themen gibt es bereits wie Sand am Meer — sie müssten einfach nur gelesen werden.

„What capacity could have renovated your brain, endowing you with new, specialized skills as well as inducing specific cognitive deficits?
This exotic mental ability is reading. You are likely highly literate.“

 Joseph Henrich (2020: 4)

Blogger

21.3.02023 5 (1)

Beitragsfoto: Blogger | © 8212733 auf Pixabay 

Social Media

Ganz aktuell werden wieder einmal sehr viele Säue gleichzeitig durchs Dorf getrieben, es geht dabei u. a. um vermeintliche rassistische oder nicht-gegenderte Sprache und auch schon wieder einmal um die Social Media.

Gerade darf ich sehr viel darüber lesen, wie gefährlich nicht nur Tiktok und WhatsApp sind, sondern auch darüber, dass inzwischen selbst das völlig verstaubte Facebook — eigentlich nur noch für Menschen über 60 von Relevanz — inzwischen gar eine Angelegenheit zwischen unserer Bundesregierung und deren Datenschutzbeauftragten geworden ist. Und seit gestern ist dies sogar zu einem dringenden Thema bei einer meiner ehrenamtlichen Tätigkeiten geworden.

Nun bin ich tatsächlich versucht, für mich das Beste daraus zu machen und — wieder einmal — die erst jüngst von mir erneut aktivierten Social Media Accounts endgültig zu schließen. Zuletzt hatte mich Herbert Burkhardt dazu motiviert, diese für den kommenden Wahlkampf zu betreiben. Und da ich schon einmal dabei war, habe ich nicht nur Freie Wähler, sondern gleich auch wieder für die EUROPA-UNION Heilbronn ein paar Social Media Konten eröffnet. Und um dies zu können, musste ich auch erneut ein Facebook-Konto einrichten.

Und wieder einmal musste ich feststellen, dass mir außer LinkedIn — welches ich nur nutze, um ggf. mit Kameraden, Kollegen und Bekannten in Verbindung treten zu können — und das ebenfalls etwas verstaubte Twitter alle anderen Social Media Kanäle selbst nur Bauschmerzen bereiten.

Ach, wie gerne würde ich jetzt einfach nur auf die entsprechenden „Konten-löschen“ Knöpfe drücken! Dann aber muss ich daran denken, dass es Menschen gibt, für die ist es weiterhin wichtig, dass man solche Medien bedient. Deshalb, bevor ich schon wieder einmal meinem Bauchgefühl nachgebe, die Frage an meine Leser: Was können Sie mir mit gutem Gewissen raten?

Nachtrag (22.3.2023)

Nachdem sich kaum jemand wirklich interessiert hat, konnte ich meine entsprechenden Konten heute ohne größere Bedenken löschen. Wer sich weiterhin mit mir über Social Media unterhalten möchte, der kann dies gerne über Twitter und LinkedIn versuchen.

Blogger

Ich bin ein Blogger und obwohl ich immer wieder auch Aus- und Weiterbildungen im Journalismus hatte und regelmäßig journalistische Beiträge für Zeitungen schreibe, kein Journalist. Journalismus und Bloggen sind zwei grundverschiedene Tätigkeiten, die auch ganz andere Ziele verfolgen.

Über Journalisten, Zeitungen und Zeitschriften habe ich bereits eigene Beiträge geschrieben. Mein Weblog hier soll möglichst als gutes Beispiel fürs Bloggen dienen. Blogger schreiben zumeist in der Ich-Perspektive und halten sich nicht mit ihrer persönlichen Meinung zurück.

Und wenn ich schon dabei bin, dann lasse ich auch noch einmal Adorno zu Wort kommen; dieser hat m. W. zwar nichts über Blogger geschrieben, aber seine ganz persönliche Meinung über Journalisten kundgetan, die in der folgenden Aussage gipfelt.

„Die ‚Gesinnungslosigkeit‘ der Journalisten, die Prostitution ihrer Erlebnisse und Überzeugungen ist nur als Gipfelpunkt der kapitalistischen Verdinglichung begreifbar.“

THEODOR W. ADORNO, MINIMA MORALIA (14. AUFLAGE 2022 [1951]: 263)

Nachtrag

Peter Schulze hat mich auf einen Beitrag von Jürgen Zietlow vom Oktober 2019 aufmerksam gemacht, der sich in medien.de die Frage stellte: Was unterscheidet Blogger, Influencer, Journalisten, Redakteure und Autoren?

Herausforderung

Manche Studenten möchten gerne „klassische“ Vorlesungen besuchen, weil sie dort angeblich dem Dozenten besser folgen können. Als Dozent habe ich nichts gegen solche Vorlesungen einzuwenden, gebe dabei aber zu bedenken, dass es dort in erster Linie darum geht, was der Dozent während solch einer Vorlesung von sich gibt — nämlich seine Interpretation der thematisierten Lektüre. Und danach darum, was sich während dieser Vorlesungen im gegenseitigen Austausch über das Thema ergibt. Hierbei handelt es sich nämlich gerade nicht um ein Vorlesen wie ehemals aus Kinderbüchern zu Kindergarten- und Grundschulzeiten.

Sehr sportlich ist es als Student, wenn man solche „klassischen“ Lehrveranstaltungen bucht und sich dann damit zufriedengibt, dass man in etwa weiß, welche Literatur den Vorlesungen zugrunde liegt. Noch sportlicher, wenn man in Folge davon keine einzige Vorlesung selbst besucht. Ein klein wenig bewundernswert, wenn man dann als Student die entsprechende Klausur auch noch erfolgreich schreibt — manche könnte dabei aber zu der Auffassung gelangen, dass dies schon ein wenig etwas von einem Hasardeur hat.

Völlig schräg ist es dann aber schon, wenn man sich selbst zu solchem Handeln entschlossen hat und bereits zu Beginn der Klausur feststellen muss, mit den Fragen des Dozenten wenig bis gar nichts anfangen zu können, und dann darauf besteht, dass der Dozent die falschen Fragen stellen würde.

Deshalb mein Ratschlag, einfach gebuchte Vorlesungen auch besuchen, besser noch, sich vorab, während und nach der Vorlesung mit dem dort präsentierten Thema zu beschäftigen.

Ich behaupte, dass bis auf die besagten 5 %, sämtliche Teilnehmer solche Lehrveranstaltungen erfolgreich absolvieren können. Mein Tipp dabei: lesen, zuhören, nachdenken, fragen, zuhören, lesen usw. und sofort.