Tennis

20.6.02024 5 (5)

Beitragsfoto: Tennis | © jacqueline macou from Pixabay

Bonmot

In einem Gespräch mit Peter Sloterdijk in Paris, das Peter Neumann von der Zeit (ZEIT Nr. 27/2024, 19. Juni 2024) führte, sagt der Philosoph das Folgende:

„Der Populismus ist großteils die Rache des Landes an der Stadt.“

Peter Sloterdijk

Sein Essay über Michel Foucaults strukturale Theorie der Geschichte half mir einmal bei einer Seminararbeit. Und sein Werk „Kritik der zynischen Vernunft“ (1983) forderte den Leser schon alleine aufgrund seiner Länge. Demnächst erscheinen seine Vorlesungen über unser Europa seit der Antike als Buch, welches den Titel „Der Kontinent ohne Eigenschaften“ trägt — ob ich mir dies dann noch antue, wage ich zu bezweifeln.

Hertenstein

Erfreulich heute die E-Mail, die ich aufgrund einer Initiative von Michael Link erhalten habe. Das US-Konsulat prüft nun eine Teilnahme an den 8. Hertensteiner Gesprächen. Diese stehen unter dem Motto: „Europa nach und die USA vor der Wahl“. Da ich immer gerne auch jene mit am Tisch habe, über die man spricht, wäre eine Teilnahme eines US-Vertreters sicherlich angebracht.

Meine Leser, die sich für diese Gespräche interessieren, finden weitere Details hier im Blog und können sich bereits schon jetzt direkt bei mir für diese Gespräche am Samstag, 21. September 2024 in Heilbronn anmelden.

Bis heute haben sich schon sehr interessante und wirklich profunde Gesprächsteilnehmer registriert, so dass auch diese Gespräche sicherlich sowohl für Fachleute als auch für interessierte Bürger mit das Highlight des Jahres werden.

Jeu de Paume

Eigentlich wollte ich heute meinen Lesern und mir eine Ruhepause gönnen, dann aber flatterte eine E-Mail von Jean Marsia herein und erinnerte mich daran, dass heute vor 235 Jahren der Ballhausschwur erfolgte.

„Cher Heinrich,

Aujourd’hui, 20 juin 2024, fêtons le 235ème anniversaire du Serment du Jeu de paume.

Afin de résoudre la grave crise financière que traverse son gouvernement, le roi Louis XVI convoque au printemps 1789 au château de Versailles les États Généraux, composés de députés du clergé, de la noblesse et du tiers état. Les députés du tiers état espèrent des réformes, mais ils sont rapidement déçus. Ils refusent de se soumettre au pouvoir royal et ils s’allient avec quelques députés progressistes du clergé et de la noblesse pour, 7 juin 1789, se constituer en Assemblée nationale. Le roi la chasse de son château le 20 juin. Les députés qui la composent se réunissent dans une salle de sport proche où l’on pratiquait le jeu de paume, un jeu de balle. Ils y prêtent le Serment du Jeu de paume :

“Nous jurons de ne jamais nous séparer et de nous réunir partout où les circonstances l’exigeraient, jusqu’à ce que la Constitution du royaume fût établie et affermie par des fondements solides.”

Événement fondateur de la démocratie française, le Serment du Jeu de paume est à l’origine de la séparation des pouvoirs et de la souveraineté nationale. En est issue l’Assemblée nationale constituante qui vote, en août 1789, l’abolition de la féodalité et la Déclaration des Droits de l’Homme et du Citoyen.

Les membres du Parlement européen élus le 9 juin devraient s’en inspirer rapidement et de proclamer Assemblée constituante.

Salutations européennes,
Jean Marsia“

Jean MArsia, E-Mail vom 20.6.2024

An Schwüren, Erinnerungen, Hinweisen, Weckrufen, Proklamationen, Ideen, Aufforderungen, Bitten, Verlangen, Erklärungen und Verkündungen mangelt es in unserer europäischen Geschichte wahrlich nicht!

Letztendlich hängt alles daran, dass es genügend Menschen gibt, die den Worten auch Taten folgen lassen. Erschwerend kommt noch mit hinzu, dass wir Bürger in einer Berufsdemokratie zwar noch de jure der Souverän sind, diese Verantwortung de facto aber schon längst und dies zudem freiwillig an andere abgegeben haben — letztendlich sind wir damit kaum noch viel besser dran als Menschen in weniger demokratischen Staaten. Im Gegensatz zu uns „versklaven“ die sich aber nicht freiwillig.

Leider muss es auch heute noch nicht nur sehr vielen Menschen sehr schlecht gehen, sondern dabei auch den richtigen Leuten, damit sich in unseren Gesellschaften die Dinge zum Besseren wenden. Schlimmer noch, bis es dann tatsächlich soweit ist, wird es noch weit schlimmer kommen — auch dies zeigt uns der Ballhausschwur. Vielleicht scheuen sich gerade deswegen die entscheidenden Leute davor, Veränderungen auch anzugehen.

„Calm ist contagious.“

Navy SEALS wisdom

Postkarte aus Bali

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Beitragsfoto: Postkarte aus Bali vom 23. März 2024

Ich freue mich immer wieder wenn ich eine Postkarte erhalte, denn das weckt jedes Mal Erinnerungen an Zeiten, in denen die Postkarten einen großen Teil unserer Kommunikation abdeckten.

Korrespondenzkarten, wie sie anfangs bei uns noch hießen, gibt es seit mindestens 1861 und sollen ihren Ursprung in den USA haben. Allerdings gab es bereits 100 Jahre zuvor in Paris und Wien die Möglichkeit, um offene Nachrichten zu verschicken. Mit der Einführung der Briefmarke in England um 1840, waren dann die Voraussetzungen gegeben, um der Postkarte zum Siegeszug zu verhelfen.

Ich habe bereits in den 1990er-Jahren damit aufgehört, Postkarten zu sammeln und entsprechend einmal sogar eine Website eingerichtet, auf der ich die erhaltenen Postkarten digitalisierte und aufbewahrte. Irgendwann ist diese Website, wie so viele andere auch, samt ihrem Inhalt im digitalen Nirwana verschwunden. Wohl um die Zeit herum, als die digitalen Postkarten en vogue wurden und ich ein lebenslanges Postkarten-Abonnement abgeschlossen hatte — diese Firma gibt es ebenfalls schon lange nicht mehr, und wann ich die letzte digitale Postkarte erhalten habe, weiß ich schon gar nicht mehr.

Die guten alten Postkarten trudeln derweil immer noch bei mir ein und lassen mich etwas nostalgisch werden. Deshalb nun dieser Blog-Beitrag, mit dem ich die Vorderseite der jüngst erhaltenen Postkarte erhalte.

Für den Fall, dass ein Leser jetzt etwas neugierig geworden ist, die Postkarte wurde mir von Karin und Andreas geschickt, die, wenn sie nicht mein Blog lesen, sehr gerne noch Postkarten schreiben.


S-Bahn vor Hauptbahnhof

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Beitragsfoto: S-Bahn vor Hauptbahnhof | © Bettina Kümmerle

Nachbereitung

Auch Dozenten bereiten ihre Vorlesungen nach, was ich allerdings im heutigen Fall gleich im Außenbecken des Stadtbads erledigt habe. Die entsprechenden Notizen erfolgten etwas später; wobei ich der Idee von Internet-Terminals am Beckenrand durchaus etwas abgewinnen könnte.

Meine Nachbereitung dürfte etwas anders aussehen als die „meiner“ Studenten, die hätten heute bereits drei potentielle Klausuraufgaben festhalten können, ganz zu schweigen von den Goldkörnchen, die ich gerne und kostenfrei auslege. Und schon muss ich ein Lob auf unser — wenn auch etwas marode — Bildungssystem aussprechen, denn wo sonst bekommt man eine gute Bildung bzw. Ausbildung völlig kostenfrei oder wird gar dafür noch „entlohnt“? Die Studenten an der Heilbronner Hochschule bekommen, wenn sie dies nur möchten, eine fundierte Schulung im Projektmanagement. Das Drollige dabei, viel zu viele nehmen das Angebot nicht wahr und bezahlen später — zumindest aber deren künftige Arbeitgeber — Unsummen an entsprechende Firmen, um Zertifikate zu erhalten, die das Papier nicht wert sind, auf das sie gedruckt werden. Und so wie Firmen und Parteien spätestens alle zwei Jahre ein neues Corporate Design erhalten, wird das Projektmanagement immer wieder neu erfunden — ein Markt der sich von ganz alleine trägt, niemandem wirklich weiterhilft, aber auf alle Fälle nur so vor Innovation und Agilität strotzt. Übrigens, die Werte die man dabei jüngst ins Zentrum eines jeden Managements stellt, sind genau jene, die man beständig selber mit Füßen tritt.

Auf alle Fälle aber war ich zwar nicht mit der Anzahl der Teilnehmer ganz zufrieden — ich hatte 80 % erwartet — aber dafür lassen die anwesenden Teilnehmer durchaus hoffen. Und so bin ich freudig gespannt, wie sich das Ganze in den kommenden Wochen weiter entwickeln wird. Luft nach oben ist noch und vielleicht gelingt es mir doch noch, eine weitere „fixe Idee“ aus meiner imaginären Bucket-List zu streichen.

Eine Einsicht konnte ich aber schon jetzt gewinnen, das „Apfelkuchenmotiv“ ist nach all den Jahrhunderten nicht mehr wirklich vermittelbar, so wie wohl der Protestantismus insgesamt als Motor einer Gesellschaft im allgemeinen und des Projektmanagements (Stichwort: u. a. Verschriftlichung) im besonderen ausgedient hat. Und so bleibt mir nur noch für all jene, die damit nicht allzu viel anzufangen wissen, der Hinweis auf einen Film aus dem Jahr 2005, wo meines Wissens letztmals ein Apfelkuchen zumindest als Projekt eine tragende Rolle spielt.

Bahnen

Die aktuell thematisierte Gäubahn war hier bereits schon öfters Thema. Eine völlig verfehlte Bahnpolitik in Baden-Württemberg hat nicht nur dafür gesorgt, dass man die Linie Berlin — Mailand über Heilbronn schon länger stilllegte, sondern jetzt auch die letzten noch funktionierenden Teilstücke ausschlachtet; die Gäubahn ist eines davon. Von der Frankenbahn müssen wir erst gar nicht mehr sprechen. Dabei wären beide Bahnen als eine Magistrale für Heilbronn das, was die Strecke Paris — Budapest für Stuttgart ist.

Wenigstens hat sich nun aber der Landkreis für die Bottwartalbahn stark gemacht. Diese soll erneut über Talheim, Ilsfeld und Beilstein führen und auch in Heilbronn wieder Sontheim besser anbinden. Vor vier Jahrzehnten stillgelegt, soll nun fast die alte Trasse reaktiviert werden – in der Stadt Heilbronn werden dies dann wohl Busse sicherstellen.

Wenn wir allerdings davon ausgehen, dass nach dieser gestrigen Weichenstellung des Landkreises noch gut zwei Jahrzehnte ins Land ziehen werden, bis die ersten Bahnen rollen, dann hat bis dahin vielleicht auch die Stadt Heilbronn ihre Hausaufgaben gemacht.

Klare Kante

Heute können wir in der Heilbronner Stimme (19.3.2024: 7) lesen, dass Reinhold Würth klar gegen sämtliche extremistischen Bestrebungen in Deutschland im allgemeinen und ganz besonders gegen die AfD Stellung bezieht: Wählt nicht die AfD!

„Bloß wegen ein bisschen Spaß an der Freude Rabatz zu machen und aus Unmut über die Ampelregierung die AfD zu wählen, ist einfach zu wenig.“

Reinhold Würth, Mitarbeiterbrief März 2024

Ich konnte Reinhold Würth bereits als überzeugten Europäer kennenlernen und so ist es nur folgerichtig, dass er sich nun auch klar und deutlich für unsere Demokratie ausspricht.

Chapeau, Herr Würth!

In diesen nicht nur für unser Land sehr schwierigen Zeiten, hätte ich es mir sehr gewünscht, wenn heute nicht nur Reinhold Würth in der Heilbronner Stimme für unsere freiheitlich demokratische Grundordnung so vehement eingetreten wäre, sondern auch unsere Parteienvertreter mehr Mut zu klarer Kante aufbrächten — eine antidemokratische Partei wird nicht dadurch demokratisch, weil sie von Antidemokraten in ein Parlament gewählt wird!

Und so können wir nur hoffen, dass wenigstens Reinhold Würths 27  128 Mitarbeiter in Deutschland ihm vertrauen und auch folgen werden.