Blitz

Zurück 5 (2)

Beitragsfoto: Glühbirne | Blitz | © Bild von PIRO auf Pixabay

Aber ruck zuck! Sämtliche im Bundestag vertretenen Parteien und die ehemalige FDP bemühen sich mit allen Kräften wieder ins 20. Jahrhundert zu gelangen.

Was eigentlich erstaunlich ist, da dies allen schaden wird — bis auf den Ewiggestrigen!

Die Liberalen sind bereits weg vom Fenster und die letzten mit noch etwas Hirn in der SPD werden gerade ausgemustert und durch Parteikonservative ersetzt, die wie eine Bärbel Bas den eigenen Untergang auch noch schön finden — dabei hat die heutige SPD mit den Sozialdemokraten vor 1933 überhaupt nichts zu tun und wird sich so auch niemals in schlechten Zeiten für unsere Demokratie stark machen. Deren Genossen gucken alleine darauf, dass für sie selbst noch etwas herausspringt.

Und schon sind wir bei der Union, die als ehemaliger konservativer Zwilling von einem Zurück zwar selbst auch nichts zu gewinnen hat, aber damit doch noch eine kleine Weile länger durchhalten kann. Und geschichtlich betrachtet haben sich diese Gewinnler schon immer als Steigbügelhalter bewährt.

Wenn wir schon politisch zurückgehen, was nach einem generellen intellektuellen Rückschritt nur folgerichtig ist, werden wir nun auch wirtschaftlich, technologisch und gesellschaftlich ins vergangene Jahrhundert zurückfallen.

Diesel, Erdöl, Erdgas, Kupferdraht, Telefax, Wehrpflicht, Zivildienst, Frauenhass und alles mit kleinen Kindern wird wieder en vogue. Einfach die gute alte Zeit!

Dass alte Menschen verstärkt unter Demenz leiden ist bekannt, dass aber ganze Parteien darunter leiden können, dürfte neu sein.

Apropos die Grünen, die hab’ ich bereits vergessen …


Selbstbetrachtungen

Kalenderwoche 33 5 (7)

Beitragsfoto: Marc Aurel Zitat

Ursula und Dan sorgten dafür, dass die 33. Kalenderwoche eine der besseren des Jahres war. Für alles Gute darin zeichnen sie zusammen mit meiner besseren Hälfte verantwortlich. Alles Schlechte darin muss ich mir selber auf die Fahnen schreiben.

Ganz ohne Frage, das Highlight der Woche war der Besuch der ersten Marc Aurel-Ausstellung des Rheinischen Landesmuseums in Trier, gleich gefolgt von meiner Restaurantentdeckung des Jahres, dazu etwas mehr im Verlauf dieses Blog-Beitrags.

Wo aber Licht ist, da ist auch Schatten! Und der Tiefpunkt der Woche war der Besuch der zweiten Marc Aurel-Ausstellung in Trier — gut gemeint ist nicht immer auch gut gemacht. Schlechter als die Ausstellung war nur noch die Führung durch dieselbe. Wie ich es in dieser Ausstellung erneut bestätigt bekommen habe, hatte Helmut Schmidt das Marc Aurel Buch auf seinem Schreibtisch liegen. Wie wir es in der Ausstellung erfahren durften, hat er dieses im Laufe seines Lebens mit unzähligen Kommentaren versehen — was mich nun doch etwas neugierig machte, denn auch ich kritzele in sämtliche Bücher.

Sehr schade nun, dass genau dieses Buch Helmut Schmidts zwar in der Ausstellung zu sehen war, dann aber auch das einzige Buch in der Ausstellung, welches nicht aufgeschlagen präsentiert wurde — so unstimmig wie der ganze Rest der Ausstellung, den man am besten in Schweigen hüllt.

Auf alle Fälle gab es zur Entschädigung einen netten Kaffeebesuch, ein kleines Open Air-Konzert direkt neben der Porta Nigra und eine Stadtrundfahrt mit einer Bimmelbahn. Das kann man immer machen und benötigt auch keine eigene Vorbereitung.

Nun aber zu meiner Restaurantentdeckung des Jahres. Ursula und Dan führten uns am Abend ins „Masons – taste the world“. Dieses Restaurant gibt es nicht nur in Trier, sondern auch in Saarbrücken und in Kaiserslautern. Wir hatten allesamt gut zwei Stunden lang unseren Spaß und dies bei sehr gutem Essen. Ich bin davon überzeugt, dass auch viele andere Heilbronner ihre Freude an einem solchen Restaurant bei uns vor Ort hätten! Und so lange es dieses Restaurant (noch) nicht bei uns gibt, lohnt sich die Fahrt in einer dieser drei Städte — man kann die Fahrt auch mit einer Ausstellung verbinden.

Damit wir am Samstag ausreichend Zeit für die Ausstellungen und Trier selbst hatten, reisten wir bereits am Freitag nach Bitburg. Ich kenne Bitburg nun bereits auch schon gut 30 Jahre etwas näher und bin von der Stadtentwicklung positiv überrascht. Ohne größere Sponsoren, mal die Brauerei außen vor gelassen, macht die Stadt das Beste aus ihrer Situation und wird u. a. allen ihren Einwohnern noch vor Heilbronn einen Glasfaseranschluss anbieten können.

Heute reisten wir dann ganz gemütlich über den nördlichen Hunsrück zurück.

Und auch der Rest des Tages verlief sehr harmonisch. Pflanzen gießen, Friedhofsrunde und gemeinsames Stöbern in alten Fotoalben.

So ganz nebenbei konnten wir noch mit Peter Beschnidt den Gesprächskreis 2 bei den 9. Hertensteiner Gesprächen etwas mehr detaillieren und ich freue mich darüber, dass am Abend die bereits 90. Anmeldung für die Gespräche hereinkam.

Ich weiß zwar immer noch nicht, was die Ausstellungsmacher der zweiten Marc Aurel-Ausstellung eigentlich bezwecken wollten, maße mir auch nicht an, darüber zu entscheiden, ob dieser nun ein guter oder ein schlechter Mensch gewesen ist, bin mir aber ziemlich sicher, dass ihm eine Teilnahme an den Hertensteiner Gesprächen ganz gut gefallen hätte!

Zudem gibt es und dies ganz überraschend eine Bewerbung zum Auftritt beim nächsten Europa-Ball, was ein sehr gutes Zeichen ist, da jemand für diesen Tanzball Werbung gemacht haben muss.

Während ich ein schönes Wochenende hatte, trafen sich die aktuell größten Loser aller Zeiten, Donald Trump und Wladimir Putin, in Alaska. Gut, dass ich von dieser Show fast nichts mitbekommen habe! Lustig, sie fuhren beide gemeinsam in einer Limousine — sollten da keine leichten Mädchen mit an Bord gewesen sein, dann sollten sich deren Anhänger so langsam aber sicher ganz ernste Gedanken machen.

Dann aber erinnerte Franz Schirm an unser diesjähriges Europa-Grillen und ich wurde wieder in meinen Gedankengängen etwas abgelenkt. Aber nur ganz kurz. Im Falle, dass auch noch Victor Orban aus der Limousine gestiegen wäre, dann wäre die Sache ganz klar gewesen: bei den schwulen Nazis nennt man dies „Ring of Fire“ — ich bin da aber nicht so ganz sattelfest, wahrscheinlich benötigt man noch einen Bernd Höcke und seine anderen Kumpane mit dazu.

Marc Aurel saß zumindest gemäß den damaligen Künstlern gerne auf einem Pferd, er hatte dabei aber ganz im Gegensatz zu Wladimir Putin etwas an — nackte Machthaber und deren Pferde, dies müsste uns zu denken geben. Die zweite Marc Aurel-Ausstellung hat zwar viele Despoten zu Pferde gezeigt, leider aber nicht Putin — wäre vielleicht genau die Chance gewesen, um tatsächlich Bedenkenswertes auszustellen; das hätte aber etwas Hirn und echtes Engagement bedurft. Und so musste dort der bereits völlig abgehalfterte Richard David Precht herhalten, ein ausgewiesener Experte des Stoizismus.


Beitragsfoto: Rathaus Heilbronn | © Shutterstock

Gastro-Sterben 5 (10)

Beitragsfoto: Rathaus Heilbronn | © Shutterstock

Der Irrsinn greift weiter um sich. Nun beklagt auch die lokale Hofberichterstattung, ehemals Zeitung genannt, dass die „Hiobsbotschaften in Heilbronn nicht abreißen“ würden und dabei ganz besonders jene, die aus der Gastro-Szene kommen.

Grundsätzlich gilt dabei, dass es fast überall auf der Welt regelmäßig zu Öffnungen und Schließungen von Wirtschaften aller Art kommt — das ist der normale Lauf des Lebens. Und da die Gastro-Szene mit Masse aus Kleinbetrieben besteht, ist es nur natürlich, dass es eine Lebenszeitbegrenzung für die meisten Betriebe gibt — selbst für die Familienbetriebe.

Das ist der große Vorteil von Ketten, denn dort besteht durchaus die Chance, dass man als Großvater noch mit den eigenen Enkeln in Restaurants einkehren kann, welche man selbst als Kind gerne aufsuchte. Aber auch hier verschwinden im Laufe des eigenen Lebens ganze Gastro-„Institutionen“, nehmen wir einmal nur den Wienerwald.

Wir Menschen sollten uns alle einmal damit abfinden, dass sich die Welt nicht um uns dreht und wir auch keinen Anspruch darauf haben, alles zu bekommen, was wir gerne hätten. Und so erlaubt sich auch der Lieblingsitaliener um die Ecke einfach so zu schließen und dies ohne dabei auf seine eigene Stammkundschaft Rücksicht zu nehmen.

So ganz nebenbei garantiert dieser Lauf der Welt zudem, dass wir nicht immer nur Wiener Schnitzel mit Pommes essen, sondern uns gewollt oder auch nicht, immer wieder auf Neues einlassen müssen.

Das Ganze hat aber nun in Heilbronn eine neue Qualität entwickelt. Wobei dies nur die dafür Verantwortlichen und deren Werbeblätter überrascht!

Zu allererst einmal sind wir Heilbronner ein Eldorado für alle Gastronomen, vom Profi bis hin zum letzten Dilettanten. Wir sind grundsätzlich gesellig und gehen gerne essen und trinken, zudem sind wir dabei nicht sehr anspruchsvoll. Ein paar Tische und Stühle genügen und wir machen es uns von alleine gemütlich.

Wenn dann das Essen und die Getränke stimmen und der Service freundlich ist, fühlen wir uns pudelwohl und kommen gerne immer wieder. Wir können aber selbst bei bestem Willen nicht immer essen gehen, zumal man sich das Auswärtsessen auch leisten können muss.

Und so ist auch die Gastro-Szene von der allgemeinen wirtschaftlichen Entwicklung abhängig. Mit zwei Ausnahmen: die Luxusgastronomie, welche sich selbst in Kriegszeiten dumm und dämlich verdient, und jene Billigläden, die ihr Essen und ihre Getränke unterhalb des gewöhnlichen Einkaufspreises verramschen — glauben Sie es mir, dort möchten Sie weder essen noch an einem Getränk nippen!

Nicht nur als Folge der Heilbronner Gemütlichkeit hat man in Heilbronn ein Überangebot an Gasstätten erhalten, sondern vor allem deshalb weil die städtischen Verantwortlichen dies noch so richtig gefördert haben; Stichwort: „Größtes Weindorf aller Zeiten!“

Zum bereits bestehenden und sich über die Jahre hinweg weiter ausbauenden Überangebot, hat man noch ganz lokaltypisch die Besen und Weinausschänke aller Art und dies inzwischen das gesamte Jahr über. Hinzu kommen noch die unzähligen Feste und Festle, die das gesamte Gastro-Ensemble weiter abrunden; selbst in den Weinbergen, am Neckar und im Sportbecken wird jetzt ausgeschenkt.

Das führt schon seit Jahren dazu, dass es bei uns in der Gastro-Szene einen knallharten Verdrängungswettkampf gibt, der schon lange nicht mehr gesund ist.

Das alles wird in Heilbronn durch von mir schon sehr lange bemängelnde Umstände ins völlig Abstruse gesteigert! Zum einen ist es der Heilbronner Klüngel, der dafür sorgt, dass es in Heilbronn Gastro-Betriebe gibt, die vorsichtig ausgedrückt, einfacher als die anderen wirtschaften können.

Zum anderen aber und dies ist der meines Erachtens gravierendste Grund stellt Heilbronn überhaupt nicht sicher, dass sich Gastronomiebetriebe im mittleren Preissegment und dabei selbst internationale Ketten langfristig in der Stadt halten können!

Vielleicht ein kleiner Trost für meine Mitbürger, eine „Luxus-Gastronomie“ denkt schon gar nicht daran, sich in Heilbronn überhaupt zu etablieren, denn die müssen unbedingt im Vorfeld prüfen, ob die Rahmenbedingungen dafür überhaupt vorhanden sind.

Und das ist mein Punkt. Sie sind es nicht! Nicht einmal für den sehr leistungsbereiten gastronomischen Mittelstand.

Egal welcher Betrieb und wie gut er sich selbst auch aufstellt, er ist von seinem direkten Umfeld abhängig. Und wenn dies nicht stimmt oder nicht stimmig ist, fühlen sich seine Kunden kaum wohl. Und das führt mittelfristig dazu, dass diese abwandern und nicht mehr wiederkommen.

Wer möchte schon auf dem Weg für sein 50 Euro Steak durch Müllberge waten und sich nach dem Steak dazu noch seinen Weg durch Bettler, Hausierer und sonstigen Rabauken bahnen?

Oder mit der Familie an einem Tisch sitzen, der keine 20 Zentimeter von einer Schnellstraße für Radfahrer und sonstige Rüpel entfernt ist?

Oder in der Fußgängerzone sitzend das Eis genießen, wenn der Verwesungsgeruch aus der Seitenstraße herüberweht?

Diese Lokalitäten können noch so gut sein wie sie möchten, der Kunde sucht sich stimmigere Orte.

Wir beklagen uns aber weiterhin lieber darüber, dass gute Lokalitäten und auch andere Läden bei uns immer wieder und nun gehäufter verschwinden, als dafür zu sorgen, dass diese Betriebe ein Umfeld vorfinden, wo sie überhaupt eine Chance haben, um langfristig existieren zu können.

Wenn ich mich gleich auf den Weg mache, um in der Innenstadt zwei Pflanzenkübel zu gießen, werde ich sicherlich auf dieselben Müllhaufen stoßen, wie bereits vor 14 Tagen — zumindest mir macht das keinen Appetit!