Bourbon Whiskey 5 (2)

Da ich bereits über den ersten Freund Johnnie Walker berichtet habe, ist es jetzt an der Zeit, auch die beiden anderen Freunde Jack Daniel’s und Jim Beam in Erinnerung zu bringen. Bei diesen handelt es sich im Gegensatz zu ersterem um reine Bourbon, wobei Jack neuerdings für sich beansprucht, zudem noch ein reiner Tennessee Whiskey zu sein.

Da ich in einer US-Garnisonstadt großgeworden bin, und zudem auch US-Amerikaner zur Familie gehören, wird der Bourbon wohl mein erster selbst getrunkener Whiskey gewesen sein. Am bekanntesten sind dabei noch heute die beiden oben bereits erwähnten Jack Daniel’s und Jim Beam, wobei Jack zudem für sich beansprucht, der meistverkaufte Bourbon zu sein.

Ein sehr guter Bekannter und Nachbar von mir, der zu Lebzeiten ein passionierter Bourbon Trinker war, bestand darauf, dass Four Roses am besten schmeckt, da er aus insgesamt zehn verschiedenen Straight Bourbon geblendet sei. Inzwischen gibt es auch von Four Roses verschiedene Sorten, ich empfehle aber beim Yellow Label zu bleiben.

Wohl aufgrund der sehr beeindruckenden Flaschengrößen, die es im Laufe der Jahre von Jim Beam immer wieder einmal gab, und ich kaum eine Kneipe oder Bar fand, in der es keinen Jim Beam gibt, ist es der von mir selbst am meisten getrunkene Bourbon, wobei ich mich aber auch sehr gerne an Maker’s Mark, der als wohl einziger Bourbon die schottische Schreibweise von Whisky übernommen hat, und den Wild Turkey erinnere.

Allen Bourbon ist gemeinsam, dass die Lagerung des Whiskeys in stets neuen und angekohlten Eichenfässern erfolgt, was dem Bourbon auch einen ganz bestimmten Geschmack verleiht. Bei den Scotch Whisky hingegen werden gebrauchte Fässer – auch Bourbon Fässer – verwendet, die dem Whisky je nach vorherigem Fassinhalt weitere Geschmäcker mit hinzufügen.

Inzwischen gibt es gerade von Jim Beam die unterschiedlichsten Varianten und „Flavors“, die allesamt dem neuen Zeitgeist geschuldet sind und wohl auch der erneuten Abkehr vom Whiskey als Getränk an sich begegnen sollen. Ich empfehle dennoch beim Original zu bleiben, und sollten Sie ein wenig mehr Jim Beam bevorzugen, auf den Jim Beam Black zurückzugreifen.

Und auch Jack Daniel’s schließt sich jüngst diesem Trend an; deshalb gleich meine Empfehlung, bei Jack Daniel’s Old No. 7 zu bleiben, die Apfel- und Honiggeschmäcker sowie ähnliche Kreationen möglichst zu meiden und maximal eine Single Barrel Marke von Jack Daniel’s zu versuchen.

Und sollten Sie sich gar auf den Bourbon spezialisieren wollen, dann folgen Sie Freds altem Rat und genießen das Yellow Label von Four Roses, dem Geschmack aus der Zeit, als auch in den USA die Welt noch in Ordnung war.

Sting, The dream of the blue turtles (1985)

Irish Whiskey 5 (5)

Dieser Beitrag ist Thomas Michl geschuldet, der es sicherlich nicht ertragen könnte, wenn ich über Whisky schreibe und die irische Verwandtschaft dabei ganz außer Acht lasse. Ihn wird es bestimmt schon genug ärgern, dass Kilbeggan nicht oder besser gesagt, noch nicht, zu meinen favorisierten irischen Marken gehört.

Meine Entdeckungsreise zu den irischen Whiskeys begann 1988 mit Tullamore Dew und zwar an einem Abend in Hannover, den ich so schnell nicht vergessen werde. Der Bekanntheitsgrad irischer Whiskys war schon damals nicht so groß, da die Produzenten im Gegensatz zu ihren schottischen Gegenüber wohl zu spät die Bedeutung des Marketing erkannten und zudem noch viel später die Abkehr von einer rein auf Menge getrimmten industriellen Massenproduktion einleiteten. So war es mir eine große Freude, als irische Freunde uns zur Eröffnung des Tullamore Dew Besuchszentrums einluden und ich erfuhr, dass man nunmehr diesen Whiskey auch fast wieder an seinem Ursprungsort produziert. Das heißt, in wenigen Jahren werde ich wieder nach einem Glas Tullamore Dew greifen können, das auch dort vor Ort destilliert wurde.

Tullamore Dew, wurde 1829 erstmals in der Tullamore-Destillerie gebrannt und gehört interessanter Weise seit 2010 zum Brennereikonzern William Grant & Sons, u. a. den Eigentümern des sehr bekannten schottischen Glenfiddich Whiskys.

Da Whisky oder auch der Whiskey, ob aus Irland oder den USA, in den 1950er bis in die 1990er-Jahre hinein kaum ein „Kultgetränk“ mehr war, ist es auch nicht verwunderlich, dass die Tullamore-Destillerie, wie übrigens die meisten anderen Destillerien in diesen Jahren auch, bereits 1954 geschlossen und fortan die Marke Tullamore Dew industriell und je nach Bedarf in anderen Destillerien hergestellt wurde.

Das gleiche geschah auch mit der Locke’s Distillery, die den oben besagten Kilbeggan brennt. Sie wurde 1957 geschlossen und brennt mit neuem Besitzer erst wieder seit 2007 Whiskey; dafür beansprucht sie den Titel der ältesten irischen Destillerie, da sie bereits 1757 nachweislich ihren ersten Whiskey brannte.

In den 1970er-Jahren gab es dann in Irland faktisch nur noch eine Destillerie, welche Whiskey je nach Bedarf produzierte und es dauerte länger als in Schottland, um ab den 1990er-Jahren auch in Irland wieder eine entsprechende Infrastruktur aufzubauen.

Als ich mich ab 1990 eher auf die Single Malt aus Schottland konzentrierte, weil dort nach alle den Jahren der „Bedeutungslosigkeit“ zuerst und meist kleinere Destillerien begonnen hatten, dem Whisky erneut individuelle Noten und eigene Charaktere zu verleihen, entdeckte ich kurz darauf auch meinen bis heute persönlichen Favoriten aus Irland, nämlich den Bushmills Whiskey der Old-Bushmills-Brennerei, den es schon damals auch als Single Malt zu finden gab. Diese Brennerei gehört zu den ältesten Whiskey Brennereien und verweist auf eine gut 400 jährige Tradition. Der bereits gestern von mir vorgestellte Johnnie Walker Whisky wird hingegen dieses Jahr erst 200 Jahre alt. Zwar ist auch die Hausmarke von Bushmills ein Blend, dennoch empfehle ich hier eher den Bushmills 10, einen Single Malt der 10 Jahre in Bourbon- und Sherry-Fässern gereift ist. Die weiteren Marken, welche bis zu 21 Jahren in Fässern reifen, dabei vereinzelt auch in Madeira-Fässern, sind sicherlich eine gute Wahl, ich persönlich tendiere dann aber doch eher zu den Single Malt aus Schottland und auch Japan.

Die überall und auch bei Bushmills immer mehr in Mode kommenden limitierten und Sonderabfüllungen sind eher etwas für die heutigen Sammler oder für jene, die solche Getränke dann „on the rocks“ oder zusammen mit Cola und einer möglichst dicken Zigarre genießen. Für eine wohl etwas jüngere Marke, welche den Single Malt Whiskey mit irischem Honig vermischt, konnte ich mich dann gar nicht begeistern, und diese Mischung hat mir schon als Jim Beam Honey, einem Bourbon Whiskey, nicht sehr geschmeckt.

Wer aber gerne Whiskey trinkt, welcher ähnlich einiger Single Malt aus Schottland torfig schmeckt und einen starken Eigengeschmack entwickelt, dem empfehle ich die Marke Connemara, deren Whiskey, wie die meisten Scotch auch, im Gegensatz zu den anderen irischen Whiskeys nur zweimal gebrannt wird. Ich empfehle dabei gleich zum 12jährigen Whiskey zu greifen, und wem dieser auch schmeckt, der kann dann mit gutem Gewissen dabei bleiben.

Last but not least muss ich noch auf den Jameson zu sprechen kommen, von dem mein Freund und Kamerad Ronan Corcoran überzeugt ist, dass es der einzige Whiskey der Welt sei, mit dem man einen anständigen Irish Coffee zubereiten kann. Und wer jemals einen von Ronan zubereiteten Irish Coffee getrunken hat, der wird daran auch nie und nimmer zweifeln.

Jameson wurde im Jahr 1780 in Dublin gegründet und bis 1971 auch dort in der Bow Street destilliert. Auch wenn es inzwischen die unterschiedlichsten Abfüllungen jeglichen Alters gibt, empfehle ich beim Original Blend zu bleiben. Ich habe davon immer eine Flasche vorrätig, da ich nie weiß, wann und wer einen guten Irish Coffee trinken möchte.

„If you mean the demon drink that poisons the mind, pollutes the body, desecrates family life, and inflames sinners, then I’m against it.
But if you mean the elixir of Christmas cheer, the shield against winter chill, the taxable potion that puts needed funds into public coffers to comfort little crippled children, then I’m for it.
This is my position, and I will not compromise.“

Judge Noah S. Soggy Sweat

Johnnie Walker 4.8 (4)

Mitte der 1980er-Jahre hatte mich eine neue Sammelleidenschaft gepackt, nämlich Scotch nicht nur zu trinken, sondern auch immer wieder ein Fläschchen davon zur Seite zu legen. Ab 1990 war es dann der Single Malt, der mich besonders faszinierte und bei dem ich versuchte, möglichst vielen unterschiedlichen Sorten habhaft zu werden. Diese Sammelleidenschaft hielt gut 25 Jahre an, sodass ich doch die eine oder andere Flasche dieser im Holzfass gereiften Spirituose ergattern konnte.

Nun, da ich gerade dabei bin, meine Bestände zu sichten, werde ich diese gleich auch einmal sortieren und hier ab und zu dann auch einige davon präsentieren. Am besten fange ich mit einem der „drei bekanntesten Freunde“ an, dem Johnnie Walker, einem schottischen Blend, der heutzutage zum Getränkekonzern Diageo gehört und lange Jahre hinweg als einer der am meisten gekauften Whiskys galt. 

Vielen ist das Firmenlogo der „Striding Man“ bekannt, auch wenn sie noch nie in ihrem Leben selbst Whisky getrunken haben, denn dieses Logo begleitet die Marke seit 1925 und ist inzwischen eigentlich überall zu sehen bzw. schon einmal gesehen worden. Jene, die in ihren jungen Jahren Marius Müller-Westernhagen hörten, kennen sein Lied Johnny W. vom Album „Mit Pfefferminz bin ich dein Prinz“ aus dem Jahr 1978 und waren vielleicht damals versucht, das Original einmal etwas näher kennenzulernen. Aus dieser Zeit stammt wahrscheinlich auch der erste Satz dieses Beitrages, dem mit den drei guten Freunden.

Auch den etwas jüngeren unter uns ist sicherlich noch das „Moorhuhn“ bekannt, welches als Computerspiel ab 1998 ganze Bürogemeinschaften stilllegte und in den verschiedensten Versionen noch heute auf Mobiltelefonen und Rechnern zu finden ist. Dieses Computerspiel war anfangs eine Werbeaktion für diesen Whisky.

In einem vorherigen Beitrag hier in meinem Blog schreibe ich über ein Buch von Haruki Murakami. Dieser lässt in einem anderen Roman, seinem Buch Kafka am Strand aus dem Jahr 2002, eine dämonische Macht in der Gestalt und dem Outfit von Johnnie Walker auftreten.

Anfangs wurde Johnnie Walker wohl nur als mindestens dreijähriger Blend, eine gesetzliche Regelung, die zu Beginn des Ersten Weltkrieges in Kraft trat und eine Mindestzeit von drei Jahren für die Fasslagerung vorsieht, getrunken. Noch heute ist dies die Hauptmarke und wird inzwischen als Red Label geführt.

Zum Einstieg und auch für das Zwischendurch empfehle ich das Red Label, notfalls kann man diesen Whisky auch mit anderen Getränken mischen, ohne dabei ein allzu schlechtes Gewissen zu bekommen. Wem der Johnnie schmeckt, der kann sich dann auch einmal den länger gelagerten Sorten widmen, wobei ich aber zu bedenken gebe, dass man beginnend mit dem Double Black vielleicht doch einmal versucht, Single Malts kennenzulernen, die dann ähnlich teuer sind.

Dies erkennend hat Johnnie Walker auch einmal einen Pure Malt angeboten und bietet inzwischen für die Fans der Marke weitere Labels an, die zumindest im Preis gut mit den teuersten Single Malt mithalten können.

Ich trinke den Johnnie, egal welche Marke, immer wieder gerne und in einer Bar vor allem dann, wenn ich nicht erkennen kann, wie lange die anderen angebotenen Marken bereits geöffnet sind; dies hat er mit seinen beiden Freunden Jim Beam und Jack Daniel’s gemeinsam.

Die Flaschen von Johnnie Walker, die ich noch in meiner eigenen Sammlung habe, sind schon so lange dort, dass dieser Whisky noch im letzten Jahrtausend destilliert wurde und damit den Geschmack der guten alten Zeit bewahrt; alleine der Anblick dieser Flaschen lässt mich in Gedanken dann auch immer wieder in die 1980er und 1990er-Jahre zurückkehren. Diese kurzen Zeitreisen sind für viele auch der Grund, warum sie so gerne zu einem Glas Whisky greifen.

„There is more friendship in a half pint of whiskey than in a churn of buttermilk.“

Irisches Sprichwort