Highland Malt 5 (3)

Meine erste eigenständige Erfahrung mit Single Malt hatte ich mit einem Highland Malt, einem Brora, den ich 1990 eher zufällig ergattern konnte. Namensgeber für die Highland Malt ist das Schottische Hochland, welches sich durch den Highland Boundary Fault von den tiefergelegenen Central Lowlands deutlich erkennbar abgrenzt, was leider im Falle der Whisky Region Highland nicht zutrifft. Obwohl den Highlands zugehörig, werden die Islands und auch Speyside als eigenständige Whisky-Regionen betrachtet. Erschwerend kommt noch hinzu, dass sich einige der in der Speyside, die Region mit den meisten Single Malt, befindlichen Destillerien dem Highland Scotch Whisky zurechnen. Ganz exakte oder weiter spezialisierte Whisky-Liebhaber unterteilen die Highland-Region nochmals in Northern, Western, Southern und Eastern Highlands. Ein Grund für diese Spezialisierung mag sein, dass man dadurch die Chance zu erhalten glaubt, zumindest aus dieser Region sämtliche Single Malt einmal kennenlernen zu können. Ich bleibe bei meiner im vorangegangenen Beitrag gemachten Unterscheidung und schreibe hier über den Highland Malt, zumindest über jene Malt Whisky, die ich selbst dafür halte.

Das schottische Hochland wird über weite Teile durch baumlose Moore geprägt, verfügt über gebirgigen Gegenden mit einigen „Munros“, die Gebirgler aus unserer Region wohl eher als Hügel bezeichnen würden, und eine langen zerklüfteten Küste. Insgesamt betrachtet ist das Highland weitgehend unbewaldet und unbesiedelt.

Ich erwähne dies, weil die Gegend aus der ein Whisky stammt, großen Einfluss auf diesen selbst hat. Nicht nur das Wasser und die Gerste bestimmen den Single Malt, sondern auch die Art der Zubereitung, der Beschaffenheit des Gärbottiches, ganz besonders dabei die jeweilige Verwendung von Torf sowie die Gestalt der Brennblasen, wobei schon die kleinste neue Delle Einfluss auf künftige Whisky nehmen soll. Dazu kommen noch die Fässer, in denen der Whisky über lange Jahre hinweg lagert, und auch die Umgebung des Lagerhauses, da die dortige Umgebungsluft mit all ihren Düften, Pollen und Salzen über die Fässer hinweg regelrecht vom Whisky aufgesaugt wird.

Der wohl bekannteste Vertreter der Highland Malt ist der Glenmorangie, dessen Destille 1843 gegründet wurde. Ich trinke auch immer wieder gerne den Oban (seit 1794), Balblair (seit 1790), den Dalmore (seit 1839) und den Glendronach (sei 1826), wobei interessanter Weise auch ein Großteil des Johnnie Walkers aus dem Highland stammen soll.

Alles in allem soll es fast 40 Destillerien geben, die dem Highland Malt zuzurechnen sind. Meine Erfahrung aus drei Jahrzehnten ist, dass sich dies wohl nie endgültig feststellen lässt, da nicht nur alte Destillerien geschlossen und Jahre später wiedereröffnet werden, sondern auch immer wieder ganz neue hinzukommen, von Zusammenlegungen einmal ganz abgesehen.

Weitere Highland Malt

„She was only a whisky-maker, but he loved her still.“

Anon

Single Malt 5 (3)

An einem Abend im Jahr 1990 konnte mich ein Kamerad endgültig von den Single Malt überzeugen. Seit dieser Zeit gehören sie zu den von mir favorisierten Getränken und ich begann auch damit, nach bestimmten Produkten von der ein oder anderen Destillerie zu suchen. Das wirklich Interessante dabei ist, dass es in den 1990er- und auch Nullerjahren ziemlich schwer war, um an Single Malt ganz bestimmter Jahrgänge zu kommen. Eine Möglichkeit war es, der Scotch Malt Whisky Society beizutreten, die bereits 1983 gegründet wurde und der mein Kamerad auch angehörte. Eine andere, bei einer Destillerie oder einem darauf spezialisierten Unternehmen einen Fassanteil zu erwerben und nach der Abfüllung mindestens eine nummerierte Flasche zu erhalten. Da ich weder dazu ausreichend Leidenschaft, noch einen ausreichenden Geldbeutel hatte, erinnerte ich mich meiner „Jägernatur“ und begann über Jahre hinweg, normal verfügbare Flaschen zu erstehen.

Heute ist es nur noch eine Frage des Geldbeutels, und man bekommt fast jeden Jahrgang von fast jeder Destillerie fast überall zu kaufen. Was mich dabei wundert ist, wo wohl die Destillerien die ganzen Jahrzehnte über ihren Whisky versteckt gehalten haben; umso mehr genieße ich dafür die Single Malt, die ich noch zu Zeiten „erjagte“, als Single Malt noch weniger verfügbar war. Wenn es dann noch ein Dallas Dhu, Glen Gordon oder ein Rosebank ist, wird es wieder ein unvergänglicher Abend werden.

Und wenn einen die Leidenschaft für den Single Malt gepackt hat, wird man sehr schnell feststellen, dass zwei Dinge absolut dazugehören, um ein solches Getränk auch voll und ganz genießen zu können, nämlich viel Zeit und die Fähigkeit Loszulassen. Wenn einem eines von beidem fehlt, man aber doch gerne hin und wieder auf einen Single Malt zurückgreifen möchte, dann empfehle ich auf Single Malt mit Angaben zu den reinen Lagerungszeiten zurückzugreifen. Wer dabei dann das Besondere sucht, wird neuerdings auch fündig und findet nicht nur 8 Jahre, 10 Jahre und meist 12 oder 15 Jahre alten Whisky, sondern inzwischen auch 18 Jahre, 21 Jahre und auch 30 Jahre sowie noch älteren Whisky, welcher zudem bereits jeweils auch bis hin zur reinen Fassabfüllung zu bekommen ist.

In folgenden Beiträgen werde ich diesbezüglich näher auf die Single Malt aus Campbeltown, den Highlands, den Lowlands, den Islands, Islay und Speyside eingehen.

Hier in diesem Beitrag gehe ich etwas mehr auf die Single Malt ein, die in einem ganz bestimmten Jahr gebrannt und auch zu einem ebenfalls bestimmbaren Zeitpunkt in Flaschen abgefüllt wurden. Noch besser ist es, wenn dann zusätzlich nicht nur die exakten Daten aufgeführt sind, sondern auch noch die Fass- und Flaschennummern.

Das Ganze wird dadurch abgerundet, dass die Whiskyregion, die Fassart und die Stärke, besonders, wenn sie nicht bereits mit der Abfüllung auf eine trinkbare verfeinert wurde, aufgeführt sind. Hilfreich ist es dann noch, wenn es weitere Hinweise zum erwartbaren Geschmack gibt.

Wie ich es bereits aufführte, konnte ich bei meiner Auswahl nicht besonders wählerisch sein, was aber auch dazu führte, dass ich im Lauf der Jahre in den Genuss von Single Malt aus allen Regionen kam und auch heute noch die verschiedensten Single Malt vorrätig habe.

Das Besondere an diesen Single Malt ist, dass man sie notfalls auch alleine genießen und dabei in sehr tiefgründige und langandauernde Gedanken verfallen kann. Mir persönlich macht es aber mehr Spaß, diese in netter Gesellschaft zu genießen, deshalb zog ich es schon immer vor, den Genuss in einer guten Bar zu suchen. Und zumindest für den Single Malt gibt es bestimmte Kriterien an eine gute Bar: diese war schon in den 1990er-Jahren möglichst rauchfrei. Sie führt neben den Klassikern des Whisky, auch einige Single Malt, von denen wiederum nur wenige Flaschen geöffnet sein dürfen. Der Barkeeper zeichnet sich dadurch aus, dass er ohne mit der Wimper zu zucken, auch eine neue Flasche öffnet und den Whisky in einem dafür passenden Glas serviert. Und im Falle, dass man einen Single Malt in Fassstärke ordert, gleich auch einen Wasserkrug der entsprechenden Marke, wobei dies ausschließlich der Optik dient, und dem passenden Wasser – dies ist absolut notwendig (!) – mit serviert. Sobald man eine solche Bar gefunden hat, fällt es einem besonders schwer, wenn man wieder den Standort wechseln muss; man wird sich aber auch Jahrzehnte später an die Abende in einer solchen Bar gerne erinnern.

Deshalb ist es aber besonders wichtig, dass man als Liebhaber von Single Malt zumindest eine Flasche davon zuhause im Bestand hat. Und mit den Jahren findet jeder seine Routine, wie er einen Single Malt am besten genießt. Wie bereits erwähnt, unser wichtigstes Gut, die Zeit, spielt dabei eine maßgebliche Rolle. Hinzu kommt noch die Kunst des Loslassens, um letztendlich einen Whisky voll und ganz genießen zu können.

Bis zu meinem fünfzigsten Geburtstag habe ich meine „Schätze“ gehortet und mir dabei immer ganz genau überlegt, welchen Single Malt ich überhaupt zum Öffnen in Erwägung ziehe. Seit diesem Geburtstag aber versuche ich nur noch meine besten Single Malt zu trinken und zucke dabei auch nicht mit der Wimper, wenn ein Bekannter, Freund oder einer meiner beiden Söhne eine bestimmte Flasche gerne einmal probieren möchte – das ist die wahre Kunst des Loslassens.

Wenn mir niemand die Qual der Wahl abnimmt, dann fängt der Genuss bereits im Keller an, ich stöbere und versuche mir den Ort und die Art der Destillerie der dabei ausgewählten Flasche in Erinnerung zu rufen. Dann versuche ich mich daran zu erinnern, wie ein anderer Single Malt aus derselben Destillerie geschmeckt hat oder aber ich hatte bereits die Gelegenheit, genau diesen Single Malt schon einmal getrunken zu haben.

Dann schaue ich nach meinen Single Malt Gläsern, aus denen ich bereits seit 1993 meine Single Malt trinke und nach einer Schiffskaraffe, da diese nicht nur einen guten Stand hat, sondern auch ganz gut schließt. Auf die Wasserkaraffe verzichte ich, da ich bei der Wahl des Wassers selten ein glückliches Händchen hatte und mich notgedrungen daran gewöhnte, auch Fassstärken genießen zu können.

Wenn alles bereit ist, wurde mein grüner Tee, den ich den gesamten Tag über trinke, bereits mehrfach aufgegossen und hat meine Geschmacksnerven langsam aber sicher sensibilisiert; ein Glas Wasser schließt die Vorbereitungen ab.

Bevor ich dann die Flasche öffne, besteht nochmals die Gelegenheit darüber nachzudenken, wann und wo ich diese „erjagt“ vielleicht aber auch geschenkt bekommen habe. Meist sind diese Flaschen zusätzlich noch schön verpackt und es macht Spaß, sie dann aus der Verpackung zu nehmen. Da es sich dabei durchaus um ältere Flaschen handeln kann, ist das Öffnen nicht immer einfach und ich habe es mir angewöhnt, den Single Malt in eine Karaffe zu dekantieren. Und dies ist schon einer der ersten Höhepunkte des Genusses von Single Malt, denn nach all den Jahrzehnten im Fass und zusätzlichen langen Jahren in der Flasche, kommt der Single Malt zum ersten Mal ans Licht des Tages und bestätigt aufs Vortrefflichste, warum bereits George Bernard Shaw den Whisky als „flüssigen Sonnenschein“ bezeichnete.

Eine Karaffe bringt den Single Malt dabei voll und ganz zur Geltung und es ist bereits eine Augenweide, ihn dort schimmern und glitzern zu sehen.

Stellen Sie sich nur einmal vor, Sie schenken sich einen Single Malt ins Glas, der im Jahr Ihrer Geburt destilliert wurde und danach in einem Fass, welches zuvor bereits gute Weine, Sherry oder andere Whisky hervorgebracht hatte, in einem Lagerhaus an der rauen See über mehrer Jahre hinweg reifte, bevor er letztendlich in genau die Flasche kam aus der Sie ihn jetzt gießen. Was haben Sie in all den Jahren erlebt?

Wenn ich dann den Single Malt im Glas habe, genieße ich erneut seinen Anblick und schwenke ihn dabei hin und her – es ist jedes Mal eine Augenweide und immer wieder eine neue Erfahrung, denn jeder Single Malt hat seine eigene Farbe, die einen gegen das Licht betrachtet, weitere Farbnuancen entdecken lässt.

Danach schaue ich ins Glas, um zu gucken, wie sich der Single Malt darin verhält, ähnlich wie bei einem guten Wein kann man hierbei unterschiedliches Verhalten feststellen. Deshalb ist es auch wichtig, dass das Glas den Whisky nicht nur gut aussehen lässt, sondern ihm auch noch die Gelegenheit zur weiteren Entfaltung gibt.

Schon bis dahin kann eine halbe Ewigkeit vergangen sein, und jede Minute davon war es auch wert, sie gelebt zu haben.

Nachdem ich den Whisky erneut betrachtet habe und sein erster Geruch bereits den umliegenden Raum füllt, vertiefe ich meine Nase ins Glas, um den Single Malt weiter aufnehmen zu können. Auch dies kann eine halbe Ewigkeit dauern und es ist nicht auszuschließen, dass ich dann den Single Malt erneut betrachte, bevor ich erstmals am Glas nippe und den ersten Schluck im Mundraum zerfließen lasse; durch leichtes unmerkliches Schlürfen kann man den Geschmack weiter verstärken und den Single Malt damit gänzlich zur Geltung kommen lassen.

Nach einer weiteren Ewigkeit entlässt man den Single Malt in den Rachen, wobei er sich weiter entfaltet und beim weiteren Hinabgleiten auch noch die letzten Geschmacksnuanzen zur Entfaltung bringt.

Selbst wenn es sich dabei nicht um den ganz persönlich favorisierten Geruch und Geschmack handelt, so ist der Genuss eines Single Malt jedes Mal ein neues und einzigartiges Erlebnis, welches einem durchaus die Vielfalt dieses Getränkes erahnen lässt und dabei auch die Seh-, Geruchs- und Geschmacksnerven jedesmal aufs Neue fordert.

Und mit der Zeit lernt man diese unterschiedlichen Sinneseindrücke schätzen, manche diese auch zu lieben. Auf jeden Fall aber wird es selten eine Liebe auf den ersten Blick sein, vor allem dann nicht, wenn man erstmals mit einem sehr charakterstarken Single Malt Bekanntschaft macht, der die eigenen Sinne völlig überwältigt.

I had once eighteen bottles of whisky in my cellar and was told by my wife to empty the contents of each and every bottle down the sink, or else.
I said I would and proceeded with the unpleasant task. I withdrew the cork from the first bottle and poured the contents down the sink with the exception of one glass which I drank.
Extracted the cork from the second bottle and did likewise with it with the exception of the one glass which I drank.
I then withdrew the cork from the third bottle and poured the whisky down the sink which I drank.
I pulled the cork from the fourth bottle down the sink and poured the bottle down the glass, which I drank.
I pulled the bottle from the cork of the next and drank one sink out of it, and threw the rest down the glass.
I pulled the sink out of the next glass and poured the cork down the bottle.
Then I corked the sink with the glass, bottled the drink and drank the pour.
When I had everything emptied I steadied the house with one hand, counted the glasses, corks, bottle and sinks with the other which were twenty-nine, and as the house came by, I counted them again, and finally had all the houses in one bottle, which I drank.
I’m not under the affluence of incohol, as some tinkle peep I am. I’m not half as thunk as you might drink. I fool so feelish I don’t know who is me and the drunker stand here the longer I get. Oh, me …

Anon

Blended Scotch 5 (1)

Bereits im 18. Jahrhundert begann man die einzelnen Whisky untereinander zu vermischen, um gleichbleibenden Geschmack und Qualität sicherstellen zu können. Anfangs waren es wohl nur Single Malt die verschnitten und dann als Vatted Malt verkauft wurden; ein solcher Vertreter ist heute noch der Johnnie Walker Green Label. Später dann kam aber auch Grain Whisky mit hinzu und man bezeichnete einen solchen Whisky dann als Blended Scotch. Es gibt aber auch Blended Grain Whisky, der nur aus verschiedenen Grain-Whiskys, kontinuierlich gebrannten Getreideschnäpsen, besteht. Diese bezeichnet man dann als Vatted Grain; mir ist ein solcher Vertreter allerdings selbst nicht bekannt.

Hat man sich einmal damit abgefunden, dass man selbst nie alle Single Malt kennenlernen werden wird, so stellt man danach zudem fest, dass dies auch beim Blended Scotch der Fall ist, vor allem in jenen Zeiten, in denen der Scotch weltweit an Akzeptanz gewonnen hat.

So konnte ich in all den Jahren auch ziemlich viele Blends kennenlernen, zumal diese gerne auch als Geschenk Verwendung fanden. Und noch heute liegen einige davon in meinem Keller.

Wie ich es bereits in meinem ersten Beitrag über Whisky geschrieben habe, ist mir dabei der Johnnie Walker mit einer der liebsten. Über all die Jahre hinweg sind mir dabei auch weitere Blends in guter Erinnerung geblieben, die ich immer wieder gerne, vor allem in Kneipen und Bars trinke.

Neben dem Teacher’s sind der J&B und der Black & White richtige Klassiker, wobei letzterer früher einmal mit zwei magnetischen Hunden beworben wurde, und damit bei mir immer wieder Kindheitserinnerungen weckt.

Auch auf den VAT 69 oder den Bell’s kann man getrost zurückgreifen, wobei heute wohl eher Dimple, Ballentine’s oder Chivas Regal angesagt sind. Letzteren gibt es als Chivas Regal 12, 18, 21 und 25, wobei diese Zahl bis auf den „21“ die Mindestzeit der Fasslagerung aller darin verwendeten Single Malt angibt.

Damit kontern die Blends die seit den 1980er-Jahren weiter zunehmende Qualitätssteigerung bei den einzelnen Single Malt und bieten sowohl preislich als auch qualitativ konkurrenzfähige Produkte. Ihr Vorteil dabei ist weiterhin, dass man immer weiß, was einen jeweils im Glas erwartet, vorausgesetzt natürlich, dass man mit dem betreffenden Blend schon seine Erfahrungen gemacht hat.

Und die günstigeren Varianten sind immer wieder gut, um als Basis für ein Mischgetränk Verwendung zu finden, was ich schon alleine aus Kostengründen bei einem länger gelagerten Blended Scotch nicht empfehlen kann.

„There is no bad whiskey. There are only some whiskeys that aren’t as good as others.“

Raymond Chandler