Mann mit Tiger

21.4.02022 5 (1)

Mann mit Tiger | © Pixabay

Kriegsgefangene

Heute habe ich mir ein paar Interviews mit russischen Kriegsgefangenen angehört. Eines ist dabei jetzt schon festzuhalten, es darf kein Russe jemals wieder Deutschen wegen Kriegsverbrechen Vorwürfe machen! Was diese Russen im Jahr 2022 wieder verbrechen, dürfte eigentlich — gerade nach den Erfahrungen des Zweiten Weltkrieges — überhaupt nicht mehr möglich sein.

Immer wieder wird diesbezüglich gefordert, dass man die russischen Siegerdenkmäler in Deutschland abbaut. Ich halte dies für falsch. Aber wir sollten diese Denkmäler allesamt so lange verhüllen bis die Russische Föderation in den Kreis der zivilisierten Länder zurückgekehrt ist und zumindest damit angefangen hat, Entschädigungszahlungen für die an der Menschheit vergangenen Verbrechen zu leisten.

Und bis dahin sollten wir alle diese monströsen Denkmäler in Berlin und anderswo, ähnlich wie Christo, verhüllen und mit Friedenstauben sowie mit LGBT + Pride Flaggen verzieren.

Das wäre ein echtes und aussagekräftiges Friedenszeichen!

Die Berliner Putin-Fans werden es zu verhindern wissen, so wie sie auch unser Denkmal für Demokratie in Berlin verhindert haben — an das sich inzwischen wohl kaum noch einer erinnert.

Opposition

Dass zurzeit die Opposition aus allen Rohren schießt, wäre eigentlich wünschenswert und einer Demokratie nur förderlich. Wenn dabei nicht das große Manko wäre, dass die Opposition zuvor als maßgeblicher Teil der Regierung das Haus selber in Brand gesteckt hat und jetzt die Feuerwehr daran hindert, den Brand zu löschen.

Das sieht man derzeit ganz gut an der Causa Bundeswehr. Diese wurde seitens der SPD und auch der Grünen aus puren ideologischen Gründen heraus zerstört. Die Union hingegen sah dabei die Bundeswehr eher als eine sehr gute Möglichkeit an, sich daran selbst zu bereichern — ähnlich wie bei den bekanntgewordenen Masken-Deals. Und alle Parteien waren allesamt derselben Meinung, dass man den Wehretat sehr gut dazu nutzen kann, um die Sozialhaushalte weiter zu stärken. Der Raubbau an der Bundeswehr ist bis heute Staatsraison.

Und von vorne herein war es auch beschlossene Sache, dass, wenn es schiefgehen sollte, die Bundeswehr selbst dafür verantwortlich sei — hierbei haben sämtliche Parteien sehr gute Arbeit geleistet. Man erinnert sich, bis vor Kurzem durften alle Soldaten noch ganz legal als potentielle Mörder diffamiert werden!

Die Bundeswehr ist ein Scherbenhaufen, und die Militärführung (nicht die Politik!) versucht zurzeit, die Bundeswehr halbwegs noch einsatzfähig zu halten, um gegebenenfalls gegen die Russische Föderation und ihre Verbündeten ein wenig Widerstand leisten zu können, zumindest so lange bis richtiges Militär, z. B. die US-Amerikaner, die Kanadier, die Australier und die Briten zur Hilfe eilen.

Man kann die dafür Verantwortlichen beim Namen nennen! Denn diese haben sich als Verteidigungsminister nicht nur dumm und dämlich verdient sowie ihre eigene Klientel bedient, sondern sind gerne auch als Inhaber der Befehls- und Kommandogewalt durch sämtliche Medien getingelt. Ganz besonders dann, wenn deutsche Soldaten völlig sinnlos für Deutschland geopfert wurden: Hans Apel (SPD), Manfred Wörner (CDU), Rupert Scholz (CDU), Gerhard Stoltenberg (CDU), Volker Rühe (CDU), Rudolf Scharping (SPD), Peter Struck (SPD), Franz Josef Jung (CDU), Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU), Thomas de Maizière (CDU), Ursula von der Leyen (CDU), Annegret Kramp-Karrenbauer (CDU) und Christine Lambrecht (SPD).

Da militärische Veränderungen in Zehnjahresschritten gemessen werden, können wir feststellen, dass die heutige Opposition — die CDU — die Hauptverantwortung für den katastrophalen Zustand der Bundeswehr und die Nichtverteidigungsfähigkeit der Bundesrepublik Deutschland trägt!

Und kaum wagt ein verantwortlicher General uns Deutschen zu erklären, warum man bestimmte Dinge — gerade in der aktuellen Lage — einfach nicht machen sollte, kommt schon ein Vertreter der Opposition um die Ecke und greift diesen General in aller Öffentlichkeit an (aber auch nur, weil er ganz genau weiß, dass sich kein Bundeswehrsoldat gegenüber der Politik wehren darf!).

Wenn die Union tatsächlich Opposition zum Wohle Deutschlands machen möchte, dann wäre es an der Zeit, dass sie sich zu ihren Schandtaten bekennt und in einer ersten Maßnahme alle ihre noch lebenden Verteidigungsminister vor Gericht bringt.

Bis dahin könnten die Maulhelden unter den CDU-Abgeordneten einfach nur einmal versuchen, zum Wohle Deutschlands zu agieren und jene Staatsbürger unterstützen, die nun versuchen müssen, uns aus dem Schlamassel zu ziehen. Leider aber geht es diesen wohl weiterhin nur darum, sich durch Andienung bei der Waffenlobby weitere Einkünfte zu sichern.

Neckar-Schleusen

Heute können wir in der Heilbronner Stimme (21.04.2022: 1) lesen, dass der Bund auf Distanz zum Schleusenausbau geht. In Zeiten, wo die Schuldenberge weiter steigen und man weiterhin Parlamente und Behörden vergrößert sowie möglichst große Sozialhaushalte zum Staatsziel Nummer 1 erklärt, muss man sich nicht wundern, wenn es kein Geld für Verteidigung, Bildung und Infrastruktur mehr gibt.

Wir haben unser Land heruntergewirtschaftet und scheuen nun die notwendigen Ausgaben, um es wieder flott zu bekommen. Die Schuld nun aber alleine beim Bund zu suchen ist falsch. Zum einen werden dessen Beschlüsse und Entscheidungen auch von unseren Volksvertretern mitgetragen — hier darf ich nur an die Frankenbahn erinnern — und zum anderen weigern sich Land, Kreise und Gemeinden selbst sehr gerne ihre ureigenen Aufgaben zu erfüllen, z. B. kommt es so kaum noch zum Straßenbau (z. B. Turmstraße) ohne Zuschüsse „von oben“.

So freut es mich aber dennoch ein wenig, eine weitere Meldung in der Heilbronner Stimme (21.04.2022: 5) lesen zu dürfen. Diese Meldung besagt: „Das Verkehrsministerium erhöht die Mittel für den Bau und die Sanierung von Straßen und kommunalen Brücken im Südwesten. In das Förderprogramm für das laufende Jahr seien 81 Projekte mit einem Volumen von rund 217 Millionen Euro aufgenommen worden.“ Denn dies lässt hoffen, dass man zumindest im Verkehrsministerium erkannt hat, dass es nicht mehr so weitergehen kann.

Das wirklich Gefährliche an dieser Entwicklung ist, dass letztendlich ohne funktionierende Infrastruktur und mit ungebildeten Mitbürgern auch unsere Sozialhaushalte bald nicht mehr unterhalten werden können. Was machen unsere Politiker dann? Der übliche Ausweg in solchen Situationen wäre Krieg.

Eine gute Lösung ist es, dass man sich über die Notwendigkeit von sämtlicher Infrastruktur Gedanken macht und diese dann an die tatsächlichen Gegebenheiten anpasst sowie auch wieder die Verantwortlichen an ihre Aufgaben erinnert. So wäre es nur folgerichtig, dass ein Kreis, wenn er eine Kreisstraße als notwendig ansieht, diese auch selber unterhält. Einfach nur „haben wollen“ und „andere zur Kasse bitten“ war noch nie ein Erfolgsrezept.

Meldung des Tages

Diese stammt heute aus der Frankfurter Allgemeinen Zeitung und lautet: „Deutschland bereitet Ringtausch für Waffenlieferungen vor“ (FAZ, 21.04.2022: 11.30 Uhr). Es gibt sie immer noch, die etwas vernünftigeren Politiker! Ich hatte diese Möglichkeit jüngst in einem Beitrag erwähnt.

Geburtstag des Tages

Max Weber


Gardesoldaten

Militärexpertise für Dummies 5 (5)

Beitragsfoto: Gardesoldaten | © Pixabay

Dies ist mein erster Teil für einen Schnellkurs in Militärexpertise. Fangen wir gleich einmal mit den Dienstgraden an, nämlich jenen, die derzeit in aller Munde sind.

Oberst

Der Oberst ist ein Offiziersdienstgrad und der Letzte in einer langen Reihe. Nach dem Oberst kommen sogleich die Generalsränge.

Gemäß Duden gibt es für den Oberst keinen Plural, was den Soldaten allerdings nichts nutzt, wenn sie gleich mehreren Obersten begegnen. Wenn Sie jetzt als Militärexperte — was bei uns inzwischen meist Ungediente sind — in den deutschen Medien brillieren wollen, dann sprechen Sie bitte nicht von Obristen. Denn Obristen sind Soldaten, die gerne gegen demokratische Regierungen putschen. Hier finden Sie gute Beispiele z. B. in Griechenland von 1967 bis 1974, man sprach dabei gerne vom „Regime der Obristen“.

Damit, wenn Sie von Obristen reden, beleidigen sie alle Oberste, vor allem jene, die keine Putschabsichten haben, und unterstellen diesen zudem eine antidemokratische Grundeinstellung.

Kommen wir aber jetzt gleich zu den wichtigsten Ansprechpartnern unserer deutschen Militärexperten, denn darunter machen es diese Fachleute schon lange nicht mehr, denn ohne selbst General zu sein, versteht man die Weisheiten dieser Mischung aus Clausewitz und Gottschalk überhaupt nicht.

General

Der General ist der ranghöchste Dienstgrad sämtlicher, mir bekannter Streitkräfte. Dieser höchste Dienstgrad wird gerne auch als „Viersternegeneral“ bezeichnet oder ganz selten noch als „Fünfsternegeneral“. In Deutschland wurde dieser Dienstgrad bis 1945 noch als Generaloberst bezeichnet. Und so dürfen heute nur noch Nachrichtensprecher des ÖRR einen General als Generaloberst ansprechen — bei allen anderen mit etwas Sachverstand würde ein General dies ebenfalls und ganz zurecht als Beleidigung auffassen.

Der Plural von General ist übrigens Generale. Davon gibt es bei uns so viele, dass auch der Duden diesen Plural anerkennt.

Deswegen empfehle ich Ihnen auch diesen Plural zu verwenden. Sollten Sie aber sowohl mit dem Militärischen als auch mit der deutschen Sprache auf Kriegsfuß stehen, dann können Sie weiterhin den „Plural“ Generäle verwenden. Als ausgewiesener Militärexperte sollte es Ihnen dabei aber bewusst sein, dass es sich hierbei ebenfalls um eine Beleidigung handelt, denn als Generäle bezeichnet man jene Offiziere, die den Streitkräften als „politische Agitateure“ beigestellt werden — landläufig wohl noch besser als Politruks bekannt.

Als ausgewiesener Militärexperte fragen Sie sich jetzt bestimmt, warum es denn Viersternegenerale gibt? Die gibt es, weil man gewöhnlich in den Streitkräften die höchsten Dienstgrade in einer eigenen Dienstgradgruppe der Generale zusammenfasst, wobei es hier die oben bereits erwähnten Abstufungen gibt. Angefangen vom „Einsternegeneral“ (deutsch: Brigadegeneral) über den „Zweisternegeneral“ (deutsch: Generalmajor), dann den „Dreisternegeneral“ (deutsch: Generalleutnant) bis hin zum „Viersternegeneral“ (General).

Zu Kriegszeiten gibt es dann manchmal noch eine weitere Steigerung aufgrund besonderer Leistungen, und ein General konnte seinen fünften Stern erhalten, z. B. Dwight D. Eisenhower (General of the Army) oder Douglas MacArthur (General of the Army). In Deutschland wurden diese Generale als Generalfeldmarschall bezeichnet. Und wenn Sie jetzt gegoogelt haben, dann wissen Sie, dass es zweimal sogar einen „Sechssternegeneral“ gab, zum einen George Washington und zum anderen John J. Pershing (beides Generals of the Armies).

Eine weitere Besonderheit findet sich bei den Marinen (bitte nicht mit Marinas verwechseln). Denn da wird aus einem „Wasseroberst“ ein Kapitän, und aus einem General ein Admiral. Noch eine ganz nette Anmerkung am Rande. In Frankreich werden die, im Dienstgrad über einem stehenden, Militärs der Luftwaffe und des Heeres mit Monsieur und Dienstgrad angesprochen, also z. B. Mon Général — was Sie nicht mit „mein General“ verwechseln sollten. Aber die Herren der Marine allesamt ohne Monsieur — eine Eigenart, die noch auf Napoleon Bonaparte zurückgehen soll und selbst von Charles de Gaulle (beides Generale) nicht verworfen wurde.

So für heute ist Schluss, und wenn Sie das alles nun auch beherrschen, dann kann der nächste Krieg ruhig kommen!

„Ein guter Soldat träumt immer davon General zu werden.“

Russisches Sprichwort

Beitragsfoto: Affenmusik | © Pixabay

20.4.02022 5 (1)

Affen als Musikanten | © Pixabay

dpd

Ich wundere mich noch, wer da vor der Haustüre herumkreucht, was man bei einer Glastüre gut sehen kann, und denke mir dabei, dass wenn er etwas von uns möchte, dann klingelt er.

Kurz darauf gehe ich zum Briefkasten und finde eine dpd-Karte „Ihr Paket ist da!“ und dem zusätzlichen freundlichen Hinweis, dass ich auch mein Abstell-Okay geben kann. Dies habe ich schon sehr lange erledigt, und manche dpd-Boten sind auch in der Lage, dies umzusetzen. Während ich diese Zeilen schreibe, konnte das ein Bote der Konkurrenz ohne Probleme machen. Er hat zusätzlich noch geklingelt und so konnte ich mich auch noch bei ihm bedanken.

So bleibt mir jetzt nur im Internet nach dem „Pickup Paketshop“ von dpd zu forschen, der sicherlich am anderen Ende der Stadt liegt.

Dass dpd das wirklich Allerletzte ist, hatte ich schon einmal geschrieben. Und seither hat sich nicht viel verändert.

Jetzt habe ich doch gleich noch nach dem „Pick-up Paketshop“ geforscht und erhalte zur Info, dass mein Paket in etwa einer Stunde zugestellt werden soll. Auch habe ich dort vier Änderungsoptionen, u. a. kann ich mein Abstell-Okay geben — leider stehen die „grau hinterlegten Änderungsoptionen … nicht zur Verfügung.“

Jetzt weiß ich zumindest, um welches Paket es sich handelt und kann bei der Firma nachfragen, wie oft ich die Annahme bereits verweigert hätte. Aber warten wir nochmals die eine Stunde ab, es soll ja noch Wunder geben.

Nachtrag:

Kaum waren zwei Stunden vorüber, konnte ich nachlesen, dass ich das Paket in einem „Pick-up Paketshop“ zu Pizzalieferservice-Zeiten abholen könne, ganze 10 Tage lang. Allerdings nur dann, wenn ich vom Adressaten auch eine Vollmacht besitze. Diese muss ich mir nun besorgen und danach spazieren gehen.

Renten

Unsere Umwelt verabschiedet sich so langsam aber sicher, und weil es bei uns weit populärere Themen gibt, auch ganz still und heimlich. Unsere Ressourcen gehen langsam zur Neige und — ich hatte dies schön öfters thematisiert — keinen interessiert es, so lange man selbst noch glaubt, bis zum eigenen Ableben alles geliefert zu bekommen.

Und so ist es nun auch kein Wunder mehr, dass man auch ohne größeres Murren akzeptiert, dass demnächst aus 2,3 Billionen Euro Staatsschulden gut 4 und gerne noch mehr werden — denn die Politik hat uns glaubhaft versichert, dass die Rückzahlung dieser Schulden frühestens die Enkelgeneration trifft.

Und selbst moralische Fragen wie die einer Kriegsschuld können wir locker dadurch entgehen, dass wir weiteres Geld ausgeben und dabei auch noch unsere Bundeswehr weiter zerstören. Jetzt darf diese auch noch ihre letzten funktionierenden Waffen der Industrie zur Verfügung stellen, damit diese sie gewinnbringend verkauft — alleine auf Kosten des Steuerzahlers versteht sich.

Unsere letzten Bedenken, dass solch eine Politik vielleicht nicht tragfähig sein könnte, werden jetzt dadurch zerstreut, indem Hubertus Heil mit einem neuen Rentenpaket langfristige Weichen für die Zukunft der Rente in Deutschland stellt. „Erstens: Wir sorgen dafür, dass das Rentenniveau stabil bei 48 Prozent bleibt, und zwar langfristig. Und zweitens: Wir stellen die Finanzierung der Rente auf eine breite Basis mit dem Aufbau eines Kapitalstocks.“ (Heilbronner Stimme, 20.4.2022: 1).

Dass diese Rente jetzt schon gut 400 Milliarden im Jahr, darunter gut 100 Milliarden an Steuergeldern kostet, ist bei uns völlig normal — wir haben uns dies als die letzten wirklichen Leistungsträger und menschliche Elite doch alle mehr als verdient. Das neue Rentenpaket wird nun sicherlich dafür sorgen, dass unsere Staatsausgaben mehrheitlich für den Verbrauch ausgegeben werden: da bleibt kein Geld mehr für Umwelt, Forschung, Bildung oder gar eine Bundeswehr übrig, die nicht einmal über 50 Milliarden Euro im Jahr verfügen darf, nicht einmal die Hälfte der Gelder, die wir völlig illegitim jährlich in die Rentenzahlungen stecken.

Und wie schon gesagt, der Weltuntergang interessiert uns nicht, Hauptsache, unsere Renten sind sicher!

Volkszorn

Der Volkszorn ist heute digitalisiert und wird in den sozialen Medien zelebriert. Die Gefahr dabei ist, dass gerade jene Parteien, deren Programm von Opportunismus geprägt ist, damit immer schneller ihre eigene Richtung ändern und letztendlich selbst in der ein und derselben Partei kein Konsens mehr herzustellen ist.

Das „Problem“ mit dem Volkszorn ist dabei schon immer vorhanden gewesen und wird heute dank der Medien nur wesentlich besser instrumentalisiert. Und aus aktiven Minderheiten, wie z. B. den Ostermarschierern oder Querdenker-Spaziergängern, werden so sehr schnell vermeintliche Mehrheiten, denen man unbedingt folgen muss, nur um selbst noch akzeptiert zu bleiben.

Und wann dann aus einer Minderheitsmeinung plötzlich eine Mehrheitsstimmug wird, hängt immer mehr von Bots und Algorithmen ab, weniger noch von sehr professionellen und zugkräftigen Agitatoren. So liegt unsere letzte Hoffnung darin, dass sich die konkurrierenden „Mehrheitsmeinungen“ gegenseitig aufheben oder wenigstens etwas egalisieren. Und bereits der alte Goethe meinte:

„Nichts ist widerwärtiger als die Majorität; denn sie besteht aus wenigen kräftigen Vorgängern, aus Schelmen, die sich akkommodieren, aus Schwachen, die sich assimilieren, und der Masse, die nachtrollt, ohne im mindesten zu wissen, was sie will.“

Johann Wolfgang von Goethe, Maximen und Reflexionen (2013: 72)

Und so sollte man sich spätestens dann darüber doch so einige Gedanken machen, wenn man plötzlich merkt, dass man eine Mehrheitsmeinung vertritt.

Geburtstag des Tages

Joan Miró