Blitz

Zäune 5 (1)

Beitragsfoto: Blitz | © Bild von PIRO auf Pixabay

Unsere Bundesregierung hat erneut all jene erhört, die in ihrem gesamten Leben unser Land nicht nur völlig an die Wand gefahren, sondern unserer Jugend auch noch eine halbwegs erträgliche Zukunft genommen haben.

Unsere Mediokratie — Herrschaft der Mittelmäßigkeit (!) — hat genau die Erfolge erzielt, die von Intellektuellen bereits vor Jahrzehnten an die Wand gemalt wurden.

Jetzt werden auf Teufel komm raus Zäune und Mauern um die EU und dann auch wieder um Deutschland herum gezogen, um der Kaputt-Mach-Generation bis zum letzten Atemzug noch ein schönes Leben auf Kosten der Umwelt und der großen Menschenmehrheit zu garantieren.

Und wenn dann die Festung Europa steht, werden unsere noch halbwegs rüstigen Leistungsrentner mit ihren Wohnmobilen durch die Bundeswehr — wozu hat man die denn sonst? — per Luftverladung über die Mauern hinweg in die Entwicklungsländer geflogen, um noch die wirklich letzten unbekannten Orte zu sehen, bevor man selbst das Zeitliche segnet und diese wunderbaren Orte endgültig verschwunden sind.

Und bis dahin tanzen alle den Tango Korrupti und singen im Chor nach uns die Sintflut!

Schöner hätte es auch kein Federico Fellini inszenieren können.


Brennendes Buch

Namensverbote 4.6 (5)

Beitragsfoto: Frau mit Buch | © Kris Møklebust auf Pexels

Unsere menschliche Kommunikation funktioniert eigentlich ganz gut über eine gemeinsame Sprache. Leider aber wird dabei schon immer von herrschenden Mitbürgern versucht, über Sprachmanipulation Einfluss auf alle anderen Bürger zu erhalten.

Am bekanntesten sind wohl noch heute die Namensverbote der alten Ägypter, die unliebsame Herrscher einfach aus den Schriften löschten und damit wohl über Jahrhunderte hinweg dem Vergessen übergaben. Und noch vor ein paar Jahrzehnten wurde darüber diskutiert, ob es nicht für die Gesellschaft sinnvoll wäre, wenn man die Namen von Verbrechern einfach so aus den Medien entfernt — zumindest wollte man es damit vermeintlichen Nachahmern erschweren.

Eine ähnliche Vorgehensweise sind die Retuschen von Bildern, die ebenfalls meist in Diktaturen vorkommen und damit unliebsame Mitbürger auch in Pressefotos verschwinden lassen.

All diese Versuche Namen zu verbieten — selbst jener aus den Harry Potter Geschichten — waren letztendlich völlig zwecklos und funktionierten vielleicht nur bei den alten Ägyptern ein paar Jahrhunderte lang — was meines Erachtens ein sehr trübes Bild auf diese „Hochkultur“ wirft.

Und was bereits mit Namen nicht funktioniert wird schon gar nicht mit Begriffen funktionieren! Zudem ist es noch nie gut gewesen, Probleme durch einfaches Verdrängen lösen zu wollen.

Deswegen haben bereits vor Jahrzehnten totalitäre Systeme wie auch offene Gesellschaften damit begonnen unsere Sprache nicht durch bloße Verbote, sondern durch plumpe Manipulation zu verändern. Hierbei sind die Euphemismen aus unseren westlichen Gesellschaften noch die bekanntesten, wie z. B. wenn aus der Putzfrau eine Reinigungskraft oder aus einem ungelernten Hilfsarbeiter ein Assistant Manager wird.

Aber auch diese sehr plumpen Sprachmanipulationsversuche fruchten nur für sehr kurze Zeit. Deswegen hatte bereits George Orwell das Neusprech erfunden und im Roman 1984 zur ganzen Blüte gebracht. Wie wir es bis heute erleben können, funktioniert aber ein Neusprech auch nur in totalitären Systemen und keiner kann heute vorhersagen, ob das Neusprech wenigstens eine ganz Weile andauern können wird.

Deswegen wäre es sicherlich für alle Beteiligten besser, wenn man Probleme und Konflikte offen und geregelt austrägt als sich auf solche Spielchen mit sehr zweifelhafter Herkunft und noch zweifelhafteren Intentionen einlässt!

Und da sich jede Sprache wie von selbst ändert — jeder von uns kennt unzählige Beispiele — bedarf es keinerlei Sprach-, Sprech-, Namens- oder gar Begriffsverbote! Jeder Staat, der sich auf solche Verbotsversuche einlässt, muss sich vorwerfen lassen, dass er zumindest völlig unseriös handelt, wenn nicht gar einer totalitären Agenda folgt.

Wenn die Menschen das Wort „Fräulein“ nicht mehr wollen, dann verschwindet dieses Wort wie von selbst aus der Sprache und Leser bzw. Hörer von älteren Büchern oder anderen Medien müssen sich über kurz oder lang kundig machen, was der Sprecher oder Schreiber damit ausdrücken wollte.

Der absolute Wahnsinn ist es, solche toten Worte wie „Fräulein“ im Nachgang dann aus allen Büchern und sonstigen Dokumenten löschen zu wollen! — was wir übrigens mit großer Inbrunst derzeit in vielen Teilen Europas tatsächlich machen.

Völlig unbenommen bleibt es jedem Menschen, bestimmte Worte nicht in den Mund zu nehmen. Es gibt in sämtlichen Sprachen unzählige solcher Worte, die man für gewöhnlich nicht aktiv nutzt. Und die allermeisten davon mussten auch nicht extra verboten werden.

Bis heute regeln sämtliche Sprachgemeinschaften ihre jeweilige Sprache völlig eigenständig, und viele meiner Zeitgenossen belächeln wie ich selbst auch bis heute solch spinnerte Versuche, wie z. B. die unserer französischen Nachbarn, ihre Sprache von Anglizismen freizuhalten.

Und deswegen kann ich die aktuelle Diskussion von selbsternannten deutschen Sprachdiktatoren und deren willfährigen Handlangern nicht für gut heißen, die jetzt durch sämtliche Medien tingeln und ein „N-Wort“ propagieren und zeitgleich das uralte und vielleicht auch aus der heutigen Zeit gefallene Wort „Neger“ (Latein: Schwarzer) verbieten wollen.

Ich vermute, dass diese Deppen — ebenfalls ein schönes altes Wort — damit das Wort Neger erst wieder so richtig hoffähig machen, als Beispiel kann das „F-Wort“ dienen, wo heute fast selbst jede Dame ohne zögern von „Fuck You!“ spricht.

Das wirklich Schlimme aber ist daran, dass es in unserer Gesellschaft wieder schick und hoffähig ist, selbst die irrsinnigsten Verbote durchsetzen zu wollen. Im Endeffekt werden diese Deppen dann auch die Todesstrafe für gut heißen, denn wer ihren wirren Ideologien nicht folgen will, der hat auch keine Existenzberechtigung.

Man merke sich bitte: „Wer Bücher verbrennt, der verbrennt auch Menschen!“

Und Bücher bestehen bekanntlich aus Worten.

„Dort wo man Bücher verbrennt, verbrennt man auch am Ende Menschen.“ 

Heinrich Heine, Almansor (1823)

Blitz

Literaturerlebnis 5 (2)

Beitragsfoto: Blitz | © Bild von PIRO auf Pixabay

Mein traurigstes Literaturerlebnis hatte ich im K3. Schon länger hatte ich versucht, mir einmal selbst das ominöse Kleist-Archiv Sembdner anzuschauen, auch wenn ich mit Kleist wenig anzufangen wusste. Im Gegensatz zur Stadtbücherei war der Zugang zum Archiv meist verschlossen.

Eines Tages gelang mir dann aber doch der Zugang durch eine Hintertreppe und ich fand neben vielen verschlossenen Räumen auch ein paar verstaubte Regale mit Käthchen-Devotionalien. Das Spannende dabei, dass meine Eltern ein paar dieser Püppchen selbst einmal gekauft hatten, und ich somit dort auch etwas bereits Bekanntes vorfand.

Das Kleist-Archiv Sembdner stammt übrigens von einem Sammler namens Helmut Sembdner, der irgendwann mit all dem Kruscht nichts mehr anzufangen wusste, das Wertvolle seiner Sammlung schnell an Interessierte verkaufte und den ganzen Rest in einer Nacht-und-Nebel-Aktion der Stadt Heilbronn andrehte — warum kann wohl heute keiner mehr sagen, auf jeden Fall hatte Sembnder einen Dummen gefunden.

Bereits 1991 wurden wir Heilbronner über diesen Coup informiert und wie es der bloße Zufall so wollte ein städtischer Mitarbeiter über Jahre hinweg zur Betreuung dieser Sammlung freigestellt. Und es war wohl dieser Herr, Günther Emig, den ich dann dort vor Ort auch in einem Zimmer des Archivs vorfand.

Er war damals so mit seinen Recherchen und sonstigen Tätigkeiten beschäftigt, dass es ihm nicht gelang, mich von meinem immer noch anhaltenden Feuerproben-Frust zu befreien und auch nicht, mich zumindest etwas mit Heinrich von Kleist zu versöhnen.

Ganz in Gegenteil, dieser Besuch hatte mehr von einem Besuch in einem Beerdigungsinstitut und gab mir schon damals die Idee, zumindest die tatsächlichen Schätze des Archivs zu bergen und an das Deutsche Literaturarchiv in Marbach zu übereignen; eine Idee, die übrigens später dann auch Günther Emig hatte.

Den traurigen und wohl größten Rest kann man noch heute getrost auf den Vogelsang kippen und die Räumlichkeiten einer neuen Verwendung widmen, z. B. für die Stadtbibliothek.

Leider aber hat sich der Gemeinderat jüngst dazu entschieden, dieses „deutsche Kulturgut“ — warum auch immer — weiter in Heilbronn in Ehren zu halten, ähnlich wie die Stadtmodelle in der Ehrenhalle, von denen das teuerste jüngst zur BUGA gekaufte wohl verschollen ist.

Ich vermute, dass die Heilbronner Gemeinderäte nie das „Käthchen von Heilbronn“ lesen mussten oder ihnen ihre Eltern gar diese besagten Püppchen bewusst vorenthalten haben, was diese Heilbronner Käthchenmanie erklären könnte. Auf jeden Fall aber gehe ich davon aus, dass sich noch keiner unserer Gemeinderäte bisher in das Kleist-Archiv verirrt hat.


Nachtrag 11.5.2023

Die Heilbronner Stimme veröffentlichte heute einen Leserbrief von Günther Emig (11.5.2023: 21)

Schäbig

1992 bis 2000 als Direktor der Stadtbücherei, von 2000 bis 2018 als Direktor des Kleist-Archivs Sembdner, war es mein Job, aus den kümmerlichen Überresten einer vorher größtenteils bereits anderweitig verkauften Privatsammlung, die trotz meiner Warnung zu einem irrwitzig überhöhten Preis von der Stadt erworben worden war, etwas zu machen. Dies ist mir mit viel Glück gelungen auf Grund persönlicher Kenntnisse und Fähigkeiten. Als Internet-Pionier in den Geisteswissenschaften durfte ich mit Sondergenehmigung 1996 das Kleist-Archiv Sembdner ins Internet bringen. Der Internetauftritt hat nicht nur in der damaligen Computerwelt für eine Auszeichnung gesorgt, sondern auch Anerkennung bei den germanistischen Kollegen. Sämtliche Arbeiten, technisch wie inhaltlich, sind all die Jahre von mir geleistet worden. Dass mit der Wiedervereinigung die Karten in Sachen Kleist neu gemischt worden sind, konnte man beim Sembdner-Ankauf 1990 nicht unbedingt vorhersehen, wohl aber konnte man erkennen, dass sich in der Folge Bund, Land und Stadt Frankfurt (Oder) mit siebenstelligen Beträgen für das Frankfurter Kleist-Museum stark gemacht haben. Damit ist der Fokus schleichend von Heilbronn nach Frankfurt gewandert. Daraus wären Konsequenzen zu ziehen gewesen. Was bleibt? Ein bisschen Glanz aus vergangenen Zeiten, den man sich auch noch unberechtigt glaubt an den Hut stecken zu dürfen. Wie schäbig.

Günther Emig, Niederstetten