Wielandshöhe

2.7.02026 5 (8)

Beitragsfoto: Ausblick

Wielandshöhe

Das Blog von Vincent Klink lese ich schon etwas länger. Und so suchte ich immer wieder nach einer Gelegenheit, um mir mal auch die Wielandshöhe etwas näher anzuschauen. Als er dann wieder einmal über Kutteln schrieb, war es dann so weit und aus reiner Neugier wurde Verlangen.

Rein zufällig wurden Kutteln fast zeitgleich Thema an einer ganz anderen Stelle und so fanden sich ganz spontan drei weitere Kuttelliebhaber, die sich bereit erklärten, zusammen mit mir nach Stuttgart zu pilgern. Wie die meisten Leser wissen, ist Stuttgart personifiziertes Verkehrschaos und so muss man die Anreise zur Wielandshöhe vorab genau planen. Auch wenn die Zacke direkt vor dem Restaurant hält, muss man erst einmal zur Zacke kommen. Wegen des Wetters planten wir spontan um und nutzten meinen Jüngsten, der fast in der Nähe wohnt, für den Zubringerdienst.

Wir hatten für 18.00 Uhr gebucht und kamen trotz einer eineinhalbstündigen Anreise auf den Punkt genau an; ein Fensterplatz war unser Lohn. Das Restaurant selbst tadellos. Zudem die besten Toiletten, die ich in den letzten Jahren bei uns in Restaurants vorgefunden habe; einzig der Zugang über eine Wendeltreppe für Menschen mit Behinderung ein Malus. Wer es aber erst einmal nach Stuttgart schafft, der bekommt auch das geregelt.

Von der Empfangsdame angefangen bis hin zum Verlassen des Restaurants ist das Personal eine reine Freude. Zuerst tippte ich auf eine erfreuliche Entspanntheit, schnell fand ich heraus, dass es professionelle Souveränität ist. Erst vor Kurzem servierte man mir in Stuttgart abgelaufenen Champagner, in der Wielandshöhe testet ein Sommelier jede Flasche vorab.

Erst stellte sich „unsere“ Servicekraft vor, dann bekamen wir frisch gebackenes Brot und Butterschmalz. Zusammen mit dem Aperitif ein Amuse-Gueule; ohne Probleme wurde sofort ein Sonderwunsch erfüllt.

Kutteln als Suppe kannte ich bisher nicht, diese Kutteln überzeugten allerdings auf der gesamten Linie! Das mit dem Apfeldicksaft und Apfelessig konnten wir uns im Anschluss noch vom Küchenchef erklären lassen. Bisher war bei uns die Diskussion Weiß- oder Rotwein, nun wurde diese um das Süßen erweitert. Schon alleine die Kutteln sind die Reise wert.

Die restlichen Speisen ohne jeglichen Tadel. Sicherlich den Stuttgartern geschuldet, waren die servierten Portionen mehr als ausreichend. Auch wurde ich erstmals in einem Sternerestaurant gefragt, ob ich gerne Nachschlag hätte. Man passt sich offensichtlich den lokalen Gegebenheiten an — was ich als Bonus werte.

Erstmals war ich in einer Sterneküche vor dem Nachtisch bereits mit dem Essen voll und ganz zufrieden. Den anderen am Tisch ging es ebenso. Unser Servicemitarbeiter konnte uns davon überzeugen, dass ein Nachtisch der krönende Abschluss eines jeden Essens ist. Und so kam jemand von uns auf die Idee, dass ein „Le Colonel“ ein guter Abschluss wäre. Ohne jegliches Wenn und Aber bekamen wir diesen serviert.

Mein Fazit: das beste Preis-Leistungsverhältnis in einem Restaurant der letzten zehn Jahre!

Audi

Ich kann mich noch daran erinnern wie wir in den 1970er-Jahren darüber spekulierten, was mit Neckarsulm geschieht, wenn Audi das Werk schließt. Ich hoffte darauf, dass NSU Heilbronn zugeschlagen wird und sich unsere Stadt damit zu einer echten Großstadt weiterentwickeln kann.

Gut 50 Jahre später wo unser bundesdeutsches Wirtschaftsmodell wieder einmal ins Schwanken gerät, denkt man wieder einmal darüber nach, unnötige Fabriken zu schließen.

Was auch mich nun erneut wieder hoffen lässt, denn NSU gäbe einen guten Stadtteil ab und man könnte, wenn man schon einmal dabei ist, Heilbronn noch mit Flein, Weinsberg, Nordheim, Untergruppenbach und Talheim ergänzen.

Auf alle Fälle aber werden sich nun die Handwerksbetriebe in der Region freuen können, denn doch so mancher Audi-Mitarbeiter würde sicherlich auch in einem mittelständischen Betrieb glücklich werden — und könnte dann auch ohne schlechtes Gewissen Daimler fahren.

Vermischtes

Diesen Monat darf ich auf der Landesversammlung einen Impulsvortrag geben und damit eine hoffentlich sehr spannende Diskussion einleiten. Dafür habe ich sogar eine kleine Präsentation vorbereitet, welche sich nun in einer Art von Peer Review befindet. Damit möchte ich sicherstellen, dass man meine Gedankengänge auch verstehen kann.

Gleich heute Morgen gab es eine Preisverleihung des Europäischen Wettbewerbs. Es ist schon ziemlich lange her, weit über 15 Jahre, dass wir einen Europapreis vergeben konnten, auch bei den Bundespreisen wird es immer enger. Umso mehr freute es uns heute, dass wir die beste Arbeit auf einem Teilgebiet des Wettbewerbs auszeichnen durften — das hatten wir in weit über 30 Jahren noch nie.

Ebenfalls neu, dass es nun Urkunden gibt, für jene, die in eine nähere Betrachtung für einen Bundespreis kamen, was immer dies auch bedeuten mag. Solche „Preise“ dürfen dann später einmal unsere Nachfolger verleihen. Das ist nun wie bei den Bundesjugendspielen: erst bekommen alle eine Urkunde und dann lässt man den Wettbewerb gleich ganz sein.

Spannend wie die Schulen von und mit dem Engagement der Eltern leben, damit meine ich keine Helikoptereltern, die ihre Kinder nur deshalb von der Schule abholen, damit sie wieder Zugriff auf den Tablett-PC mit YouPorn haben. Ich meine damit jene Schulen, wo Eltern ihre Kinder hinschicken, damit sie in einem halbwegs geordneten Umfeld möglichst selbständig den Schulalltag bewältigen können.

Viel zu viele Schulen sind inzwischen reine Verwahrungsanstalten, was genau dann geschieht, wenn eine kritische Masse an Nicht-Eltern erreicht wurde und damit auch die Schule ihren ureigenen Aufgaben nicht mehr nachkommen kann.

Für uns ist dies sehr eindeutig zu beobachten, denn Schulen, die ihre eigentliche Aufgabe nicht mehr bewältigen können, bleiben dem Europäischen Wettbewerb einfach fern — meist sogar bereits, sobald die Lehrer erkennen, dass ihre Schule zur reinen Verwahrungsanstalt umkippt. Wie es ein frustrierter Junglehrer einmal so schön an meiner ehemaligen Grundschule formulierte: „Meine Aufgabe ist es, dass kein Kind während meines Unterrichts verstirbt.“

Die wenigstens Schüler, die solche Schulen überleben, kommen auch gestärkt aus diesen heraus. Die meisten dürften künftige Leistungsrentner sein. Und nein, es liegt nicht an den Lehrern, die sind inzwischen — zumindest die tatsächlich auch ausgebildeten — weit besser als es die Lehrer in meiner Schulzeit waren!

Die Lehrer werden inzwischen leider genau so sinnlos verheizt, wie man es mit uns Soldaten bereits seit den 1980er-Jahren macht. Und dafür gibt es genau zwei Gründe, Eltern, die schulunfähige Kinder zur Schule schicken und Bildungspolitiker, die ihre Köpfe in den Sand stecken.


Lesezeichen

Geld stinkt nicht 5 (2)

Beitragsfoto: Lesezeichen | © kertlis von Getty Images

Rüdiger Soldt und Jonas Wagner | Frankfurter Allgemeine Zeitung

Tonnenweise Treibhausgase aus einer einzigen Fabrik (zuletzt aufgerufen am 1.7.2026 um 23:21 Uhr)

„Ein Gasleck in Baden-Württemberg sorgt für enorme Klimaschäden. Als Forscher das entdecken, stellt das Land den Betrieb unter Kontrolle – und will die Dinge nun zum Guten wenden. …

Bad Wimpfen geriet erstmals im Dezember national in die Schlagzeilen. Damals wurde bekannt, dass das dortige Solvay-Werk deutlich mehr SF6 ausstößt als zuvor bekannt. Die Anstrengungen der Klimaschutzpolitik auf Landesebene – Baden-Württemberg will bis 2040 klimaneutral sein – wirkten auf einmal ziemlich kleinteilig und hilflos. Denn die Klimaschäden, die die SF6-Emissionen verursachen, sind enorm: Ein Kilogramm emittiertes SF6 ist so klimaschädlich wie 24 Tonnen CO₂. …

Zwischen Anfang 2023 und Ende 2025, als das Problem bekannt wurde, liegen fast zwei Jahre. Warum wurde die Öffentlichkeit so spät informiert? Und weshalb hat es so lange gedauert, bis die Politik reagiert hat?“


Heilbronn ist schon sehr lange ein Eldorado für Menschen, die sich mit Geld alles erkaufen möchten. Ob ein völlig antiquiertes Kohlekraftwerk oder Sondermüllentsorgung, bei uns geht alles.

Dass wir aber alleine in einer kleinen Fabrik fast so viel CO₂-Äquivalente verbrauchen wie der gesamte bundesdeutsche Flugverkehr war selbst mir neu.

Dafür dürfen wir Heilbronner in der Innenstadt maximal 30 Stundenkilometer fahren, „damit wir nicht allesamt frühzeitig sterben müssen“. In unserer Demokratie sind wir Bürger weder systemrelevant noch werden wir mitgenommen.

Stimmt nicht so ganz, denn den Bad Wimpfenern hat man jüngst den Titel schönste Altstadt Deutschlands gekauft. Und den Nachbarn erklärt man, dass Schadstoffe sich an Stadtgrenzen halten. Und so ist die Welt bei uns wieder völlig in Ordnung.

Selbstverständlich hat dies alles kein Verantwortlicher vorab gewusst; genau diese Damen und Herren wundern sich noch heute und wurden deswegen jüngst wohl auch wiedergewählt. Gut dabei, dass man ihre persönlichen Finanzen nicht überprüft.

Nachtrag

Muss jetzt einfach noch sein! — liegt wohl am Wetter und, dass ich unter dem Dach schlafe:

Lebt Ihr Opa oder die Oma viel zu lange, dann schicken Sie diese einfach zur Kur nach Bad Wimpfen.


Fediverse Reactions
Konzert

Musikvideo zum Tag 5 (3)

Beitragsfoto: Konzert | © Bild von Pexels auf Pixabay

Heute habe ich mit der offiziellen Bewerbung der 10. Hertensteiner Gespräche begonnen. Und schon jetzt sind Teilnehmer aus dem Vereinigten Königreich, Belgien, Polen, Frankreich, Luxemburg, Österreich und der Schweiz wieder mit dabei; Ungarn und Bosnien-Herzegowina nicht zu vergessen.

Die ersten 40 Plätze sind vergeben und auch fast alle Gesprächskreise festgezogen. Und auch die reservierten Hotelbetten werden bereits nachgefragt, was mich nun darauf hoffen lässt, dass wir die 90 Teilnehmer wieder gut erreichen und vielleicht sogar an unsere Teilnehmerobergrenze von 120 stoßen werden.

So ist meine Stimmung heute ganz gut, abends werde ich auch noch ein klein wenig das Tanzbein schwingen. Was mich jetzt ganz plötzlich an Eurodance denken lässt! Wer kennt noch diese Musikrichtung aus den frühen 1990er-Jahren?

Michael Münzing und Luca Anzilotti gründeten 1989 das Projekt Snap!, das mit „The Power“ gleich 1990 auf sämtlichen Tanzflächen in und außerhalb Europas für gute Stimmung sorgte.

Der Song befindet sich auf dem ersten Album „World Power“ (1990). Die kommenden Jahre beflügelte Eurodance und ist meines Erachtens ein ganz guter Nachfolger der Neuen Deutschen Welle, die zehn Jahre zuvor die Welt doch etwas in Erstaunen versetzte. Wir wurden nun doch etwas weniger mit Marsch- und Blasmusik in Erinnerung gebracht, denn zuvor wurden Gruppen wie Kraftwerk eher als Unfälle der deutschen Leitkultur betrachtet. Wobei der Titel des besagten Albums auch hier keinen Zweifel ließ, wir wollten weiterhin Weltmeister sein. Zumindest sahen es doch so einige sehr positiv, dass wir dies nun nicht mehr mit Blasmusik erreichen wollten — Chinesen und Japaner mal außen vorgelassen.

Aber nun wieder zurück zum Tanzen. „Rhythm Is A Dancer“ befindet sich auf dem Album „The Madman’s Return“ (1992).

Ich lege gleich noch mit „Ooops Up“ nach, ein Song, der mich an eine durchgetanzte Nacht in Kansas City denken lässt — war bestimmt schon einmal Thema hier im Blog; ich war damals der einzige nichtschwarze unter Hunderten von Tänzern, was auf der Tanzfläche sicherlich ganz gut aussah. Wobei sich die gesamte Tanzfläche wie auf Kommando in die Luft erhob und um 180 Grad gedreht weiter tanzte.

Das Lied befindet sich auf dem erstem Album von Snap! aus 1990. Meine Stimmung wird immer besser …

Wobei damals in Kansas City der Gap Band „Song I Don’t Believe You Want to Get Up and Dance (Oops!)“ auch öfters gespielt worden sein dürfte. Dieser befindet sich auf dem Album „The Gap Band II“ (1979 — kleiner Insider).

Aber nun wieder zurück zu Snap! Das letzte Lied für heute „Cult of Snap“ stammt auch vom ersten Snap!-Album.

Ob meine gute Stimmung nun bis in den September hinein bis zum Beginn der 10. Hertensteiner Gespräche weiter anhält darf bezweifelt werden, ganz unmöglich ist es aber auch nicht.

„I don’t know and I don’t understand.
Why can’t a man be a man?“

Snap!, Colour Of Love (1991)