Blitz

Bettelverbot 4.9 (9)

Beitragsfoto: Glühbirne | Blitz | © Bild von PIRO auf Pixabay

So ganz aktuell vor der Wahl will die CDU nun in Heilbronn auch noch ein Bettelverbot bekommen, nicht für sich, sondern für alle anderen versteht sich.

Eine weitere der üblichen Forderungen, um kurz vor der Wahl noch das inzwischen wohl ehemalige Klientel für sich zu gewinnen. Ich verweise diesbezüglich gerne an meinen „Kind in Brunnen-Politik“- Beitrag.

Und wie bei den meisten Forderungen der Union üblich, gibt es das bereits. Leider aber werden solche Dinge bewusst von der CDU und der CSU nicht durch- oder umgesetzt, weil man ansonsten vor der Wahl seine Wählerschaft nicht zur Wahlurne bekäme.

Gerade in Heilbronn, wo das zuständige Innenministerium und damit auch die Polizei sich eigentlich schon immer in Unionshand befinden und die CDU zudem die größte Fraktion im Gemeinderat stellt, hätte man schon längst für Ruhe und Ordnung in Heilbronn, für Sauberkeit und damit auch für ein Sicherheitsgefühl bei der Bevölkerung sorgen können. Damit verlöre die Union allerdings den größten Teil ihrer üblichen Wählerschaft.

Und so weiß ich jetzt nicht so recht, da es der CDU ganz gut gelungen ist, die AfD mindestens zu verdoppeln, ob ich lachen oder weinen soll? Angela Merkel bestand in einem Interview vor Kurzem darauf, dass sie dafür nicht verantwortlich sei.

Die nächste Verbotsforderung wird sicherlich schon von der Union ausgearbeitet: ein Demonstrationsverbot. Es weiß doch jedes Kind, dass bei uns nur Linksradikale und Kommunisten demonstrieren!

Zur Klarstellung: Obwohl längst verboten (Heilbronner Polizeiverordnung, § 19 Belästigung der Allgemeinheit), lauern einen in Heilbronn die Bettler besonders vor den Kirchen sowie den Geld- und Bezahlautomaten auf. Und wenn man nicht spendet, wird man zumindest kräftig beleidigt.

Die Polizei und die Damen und Herren vom Ordnungsamt schauen weg! Den Heilbronner Gemeinderat interessieren die eigenen Gesetze und Verordnungen nur dann, wenn es für die Gemeinderäte von eigenem Vorteil ist –> man damit Wahlen gewinnen kann.


Blitz

Es reicht! 4.3 (10)

Beitragsfoto: Glühbirne | Blitz | © Bild von PIRO auf Pixabay

Schlechte Nachrichten bekam ich in den letzten Monaten wahrlich zuhauf. Privat, in der Familie, im Freundes- und Bekanntenkreis, geschäftlich, ehrenamtlich, politisch und last but not least gesamtgesellschaftlich.

Als vieux renard weiß ich zudem, dass es erstens immer noch schlimmer kommen kann und zweitens, dass das Gesetz der Serie sich eher bei negativen Dingen so richtig austobt. Aber in meinem nun auch schon gut 60 Lebensjahren hatte ich noch nie so einen Lauf. Und dabei habe ich selbst Pferde kotzen sehen.

Inzwischen müsste ich gar bei Seneca neue Briefe in Auftrag geben!

Wenn’s läuft dann läuft’s und so wird es Donald Trump und seiner GOP gelingen, die Demokratie in den USA voll und ganz zu beerdigen und wir in Deutschland ziehen sofort mit einer AfD/CDU-Regierung („die neue CDU“) nach, weil es das Volk einfach so will (Friedrich Merz / Markus Söder).

Diesbezüglich hat Stefan Rose in seinen fliegenden Blättern einen treffenden Beitrag zur Vox populi geschrieben, was allerdings die Spesendemokraten und Populisten unter unseren Volksvertretern noch nie so richtig verstanden haben — diese meinen auch, dass Pleitegeier oder Studienabbrecher zur Crème de la Crème unseres Landes gehören. Sie werden wohl recht behalten!


Kinobesucher

Kino 4.4 (12)

Beitragsfoto: Kinobesucher | © Amit Kumar auf Pixabay 

Großes Kino ist immer eine feine Sache, nicht nur im Film. Aber erst seit dem Zelluloidfilm ist das Filmtheater die einfachste Art und Weise, um „großes Kino“ erleben zu können. Und wie bei allem anderen auch, wird im Film viel zu viel Müll und noch mehr Durchschnittliches produziert. Hierbei fällt es einem immer schwerer, um die richtige Auswahl zu treffen.

Noch heute stelle ich viel zu oft fest, dass ich wieder einmal einen Film zum Schauen angefangen habe, den ich mir besser hätte ersparen sollen. Und seit einem die Filme einfach so ins Haus gespült werden, kommt dies immer häufiger vor. Deshalb habe ich mir es nun vorgenommen, hier ebenfalls die Notbremse zu ziehen. Auch im Film sollte analog zum Buch gelten, dass man grundsätzlich keinen Film angucken sollte, der jünger als ein Jahr ist — dies erspart einem schon einmal sehr viel völlig Unnützes. Wenn der Film gut ist, dann ist er dies noch ein Jahr später. Und im Falle, dass er wirklich gut ist, dann ist er zeitlos — zumindest ein Menschenleben lang.

Und so stellt sich mir viel zu spät die Frage, warum Neues wagen, wenn es mir noch nicht einmal gelungen ist, alle schon bisher wirklich guten Filme anzuschauen.

Gestern gab es eine Veränderung, ich wurde zum ersten Mal Großonkel, welche mich ein wenig melancholisch werden ließ und bei mir das Verlangen zum Filmgucken weckte. Ein Griff ins Regal auf der Suche nach etwas Beschaulichem, vielleicht auch romantisch angehaucht, brachte den Film „Schlaflos in Seattle“ (1993) zum Vorschein. Diesen sah ich zum ersten Mal auf einem Transatlantikflug und kaufte ihn später, um ihn wieder einmal anschauen zu können.

Diesen Film hatte ich schon einmal für gut befunden und war nun gespannt, ob ich ihn heute noch in Gänze anschauen können werde. Ein kurzes Googeln ergab, dass sich die damaligen Filmkinder, welche mir am besten von der gesamten Filmcrew in Erinnerung geblieben waren, heute anderweitig zu beschäftigen wissen. Ross Malinger, der den Jonah Baldwin spielt, ist Autoverkäufer in Malibu — es gibt schlechtere Orte, um sein Geld zu verdienen. Um Gaby Hoffmann, die als Jessica Jonahs Freundin spielt, ist es ebenfalls ruhiger geworden. Sie lebt inzwischen mit ihrer Familie in Woodland Hills, auch kein schlechter Wohnort.

Meg Ryan, die noch heute filmisch unterwegs ist, hatte in den 1990er-Jahren ihren besten Lauf. Tom Hanks hingegen dürfte noch heute zu den richtig guten Schauspielern gehören. Bill Pullman, der den verständnisvollen Ex-Verlobten spielt, ist gleichfalls erwähnenswert. Zum Film selbst ist noch heute nicht viel zu schreiben. Bei der Filmmusik verlässt man sich auf Klassiker und macht dabei wenig falsch. Mir gefallen die vielen Anspielungen auf schon damals etwas ältere Filme, was mich bereits schon einmal hier im Blog zu einem eigenen Beitrag verführte.

Mein heutiges Fazit zum Film, man kann ihn noch immer angucken, ohne dabei das Gefühl zu bekommen, die dafür aufgewendete Zeit zu bereuen. Allerdings konnte und kann „Schlaflos in Seattle“ nicht so ganz mit den anderen zeitlosen Filmen mithalten — aber er ist noch heute etwas fürs Herz, ein klassischer Wohlfühlfilm.

Ob ein Filmzitat aus „Schlaflos in Seattle“ es jemals auf meine damalige Filmzitate-Website schaffte, kann ich nicht mehr sagen, manche der dortigen Zitate habe ich hier auf den Blog gepackt. Vielleicht findet sich ein Leser, der nun dort einmal nachguckt — ebenfalls ein sehr entspannender Zeitvertreib.

„Look, Annie … I love you. But let’s leave that out of this. I don’t want to be someone that you’re settling for. I don’t want to be someone that anyone settles for. Marriage is hard enough without bringing such low expectations into it, isn’t it?“

Bill Pullman als Walter in Sleeples in Seattle (1993)