Beitragsfoto: Kinobesucher | © Amit Kumar auf Pixabay
Man hält mich weiterhin am Schreiben, was nichts Schlechtes ist. Durch seine Bekenntnisse lerne ich Jean-Jacques Rousseau von einer ganz anderen Seite her kennen. War sein „Émile ou De l’éducation“ (1762) noch während meines Studiums Pflichtlektüre, so laß ich ihn lieber wegen seiner Abhandlungen und ganz besonders wegen seines Gesellschaftsvertrages sehr gerne. Über den Menschen selbst hatte ich mir dabei kaum bis keine Gedanken gemacht.
Und nun, seine Bekenntnisse lesend, mache ich mir doch so meine Gedanken, nämlich, ob er ein Mensch wie wir alle war oder doch ein ganz gewiefter Selbstvermarkter. Seine feuchten Träume gleich zu Anfang des Buches bestätigen dabei nur, dass wir Menschen vor 200 Jahren auch nicht anders waren als wohl bereits vor 2 000 Jahren und heute noch. Wir Menschen verändern uns langsamer als die Folgen unseres eigenen Tuns, was eine sehr ungesunde Konstellation ist.
Auf alle Fälle war es vor gut 200 Jahre schon für die vielbesungene Reichweite sehr hilfreich, wenn man sämtliche Facetten menschlicher Sexualität ins Felde führt — vielleicht wird gerade deshalb Rousseau heute noch gelesen, was mich an Marquis de Sade (1795) und weitere Schlüpfrigkeiten wie „Fifty Shades“ (2011 bis 2012) denken lässt und bestätigt, dass selbst Gesellschaftsverträge dagegen keine Chance haben! Was auch erklären könnte warum wir bis heute noch keine europäische Verfassung besitzen.
Und so ließ ich mich gerne ablenken und schob einen weiteren Filmabend ein. Das Thema bereits gesetzt: die Komödie. Selbst Panos kam mit seinem jüngsten Thema „migrantische Sexarbeit“ nicht dagegen an, damit werden wir uns später beschäftigen.
Der gestrige Filmabend machte gleich drei Filme zwingend, da wir mit einem Werk von Terry Jones begannen — was bei Filmliebhabern sicherlich etwas komödiantische Seriosität verspricht. „Absolutely Anything“ (2015) lässt in seiner deutschen Übersetzung „Zufällig allmächtig“ sofort an Tom Shadyacs „Bruce Almighty“ (2003) denken, was der Film dann auch bestätigt. Und so war auch der dritte Film sogleich gesetzt, da Tom Shadyac mit „Evan Almighty“ 2007 nochmals nachlegte — übrigens „Fifty Shades“ ist eine Trilogie, Zufälle, nichts als Zufälle. Schneller verkaufte sich noch nie ein Taschenbuch im Vereinigten Königreich. Und selbst bei uns bevölkern über 10 Millionen dieser Schlüpfrigkeiten unsere Bücherregale!
Dennis, der Hund in „Absolutely Anything“, bringt es dabei auf den Punkt: „Rational thinking creature still have desires.“ Woran sich bereits Jean-Jacques Rousseau in seinem Bestseller „Julie ou la Nouvelle Héloïse“ (1761) abgearbeitet hatte. Zurück zum ersten Film. Simon Pegg als Neil gewohnt gut, die Wahl für Dennis zwischen Dennis und Catherine, die von Kate Beckinsale gut verkörpert wird, bemerkenswert folgerichtig. Noch folgerichtiger fällt meine Wahl für die nächst besten Schauspieler auf die Außerirdischen.
Insgesamt eine der weniger guten Komödien, die mich die gesamte Zeit an „Bruce Allmighty“ denken ließ und, weil ich erst kürzlich „Get Away“ (2024) gesehen habe, auch an „Paul“ (2011). Was wiederum passte, da auch dort ein UFO im Film eine prominente Rolle spielt. Für die Cineasten unter uns sei angemerkt, dass ein in „Absolutely Anything“ gezeigtes Raumschiff zudem eine Nebenrolle in „Monty Python’s Life of Brian“ (1979) spielt, was das Raum-Zeit-Kontinuum durchaus gefährdet — vielleicht aber hat auch hierbei Dennis Wunder bewirkt; was Hunde eigentlich schon immer machen.
„Bruce Allmighty“ bringt Jim Carrey als Bruce Nolan zum Glänzen. Und auch dieser hat einen Hund. Wir sahen den Film bereits 2003 zum ersten Mal im Kino und hatten schon damals unsere Freude daran. Tony Bennett im Film ist eine nette Zugabe. Jennifer Aniston als Grace Connelly ebenfalls gut. Und Morgan Freeman dürfte im Film seine Glanzrolle gefunden haben.
Insgesamt ist dieser Film für mich eine Komödie, die man auch heute noch anschauen kann.
Spielt Steve Carell als Evan Baxter im Film noch Bruces Gegenspieler, so verkörpert er im zweiten Teil „Evan Almighty“ die Hauptrolle als gottgläubiger Kongressabgeordneter — auch das soll es noch geben! Folgerichtig spielt Morgan Freeman in derselben Rolle wie zuvor auch mit; das US-Publikum hätte den Film sonst sicherlich voll und ganz durchfallen lassen, denn in den USA tauscht man seine Götter frühestens alle vier Jahre aus.
Der zweite Teil ist in allem eine ganze Nummer kleiner und hält sich durchweg an die alte Regel: „One act of random kindness at a time.“ Das Lustigste am Film dürfte sein, dass sich Lauren Graham als Joan Baxter so wunderbar, frisch und fromm über die GOP-Frauen lustig macht — wohl ohne es selbst zu merken.
Insgesamt ist dieser Film zwar auch eine Komödie, die man aber nur dann gucken sollte, wenn man schon den ersten Teil gesehen hat — was aber auch nicht zwingend ist.
Ich habe daraus gelernt, dass heute Raumschiffe weit attraktiver als Archen sind, was allerdings auch Tom Shadyac hätte wissen können. Wobei, für die systemrelevanten Menschen sind Raumschiffe die künftigen Archen, mit denen sie neue Welten besiedeln wollen, sobald sie unsere verlebt und völlig zerstört haben, was wiederum eine Tragödie wäre!
Fun Fact am Rande, sowohl die Komödie als auch die Tragödie entstanden aus dem Dionysoskult, wobei Phallosträger Lieder zu Ehren des Dionysos sangen. Simon Pegg als Neil würde nun fragen wollen: „Gibt es den auch in weiß?“ Jennifer Aniston als Grace Connelly hingegen weiß, dass es bei den „Boobs“ nur auf die Größe ankommt.
Ich mach mich nun wieder an Jean-Jacques Rousseaus Bekenntnisse und fürchte, dass diese noch eine ganze Weile schlüpfrig bleiben werden: der erfolgreiche Schreiber kennt sein Leser.


