Berliner Wahlurne

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Beitragsfoto: Berliner Wahlurne | © Shutterstock

Stadtbad

Unser heutiges Stadtbad steht neben dem Bollwerksturm und ist zurzeit wieder eine sehr gute Möglichkeit, um zu schwimmen. Dies liegt wahrscheinlich daran, dass man sowohl das Außenbecken als auch die Sauna vorübergehend geschlossen hat.

Meine bessere Hälfte und ich genießen es nun wieder, um in angenehmer Atmosphäre unsere Runden zu ziehen. Mich stört nur dabei, dass ich diese Runden nun nicht mehr in 1 000 Meter Einheiten messe, sondern jetzt eher opamäßig unterwegs bin; die mangelhaften Trainingsmöglichkeiten der letzten Jahre haben ihre Spuren hinterlassen.

Und so bin ich weiterhin und jetzt noch verstärkt der festen Überzeugung, dass unser Stadtbad wieder voll und ganz ein Sportbad werden sollte. Wer seine Drinks am Beckenrad genießen möchte oder seine Schwätzchen gerne im lauwarmen Wasser abhält, der kann doch ganz einfach die vielen Spaßbäder um Heilbronn herum aufsuchen.

Das Wegbleiben dieser eher spaßorientierten Klientel hat nun auch dazu geführt, dass die Umkleiden, Duschen und Toiletten seit Langem wieder in einem sehr guten Zustand sind. Und auch das Bäderpersonal ist richtig entspannt. Ergo, insgesamt eine runde Sache!

Berliner Wahl

Jetzt haben es die Richter am Berliner Verfassungsgericht in der Hand, um Wladimir Putin und anderen Diktatoren oder auch nur jenen Politikern, die zum Organisieren von Wahlen einfach nur zu blöd sind, zu zeigen, dass das Wahlrecht ein hohes Gut ist.

Damit würden sie auch ein deutlich sichtbares Zeichen für eine funktionierende Gewaltenteilung, die für jede echte Demokratie von existenzieller Bedeutung ist, setzen.

Bernhard Walker von der Heilbronner Stimme bringt es auf den Punkt, wenn er schreibt:

„Sollten die Berliner Richter wie erwartet urteilen, gerät auch der Bundestag in Zugzwang. Dann kann er unmöglich dafür eintreten, dass die Bundestagswahl, die ebenfalls Opfer des Chaos’ war, bloß in einzelnen Stimmbezirken wiederholt wird. Kein Mensch glaubt ja, dass es nur bei den Landtags- und Kommunalwahlen Pannen gab, die eine Wahlwiederholung erzwingen – beim Votum für den Bundestag aber nicht.“ 

Bernhard Walker, Heilbronner Stimme (29.9.2022: 2)

Unsere Richter und Abgeordnete haben es nun in der Hand zu zeigen, dass wir Deutschen bessere Demokraten als die Putins und Orbans dieser Welt sind. Wenn man wie gestern aber auf den ostdeutschen Mob schaut, der wieder einmal durch die Straßen zog, dann können durchaus berechtigte Zweifel kommen.

Schleusendrama

Jahrzehntelang verschleppen sämtliche Regierungen den zeitgemäßen Ausbau unserer Infrastruktur und verschaffen zudem durch eine weitgehende Privatisierung derselben regelmäßig ihrem eigenen Klientel Milliardengewinne, die einzig und alleine auf Kosten unserer Infrastruktur erzielt werden.

Und so kommt es, ob Energieversorgung, Kommunikationswege, Straßennetz, Eisenbahn oder wie im heutigen Falle den Wasserstraßen, dass wir Steuerzahler letztendlich eine völlig abgewirtschaftete Infrastruktur sanieren werden müssen — wobei der einzige politische Streit sein wird, wer sich daran dann bereichern darf.

Das Ganze verläuft nach dem bewährten Berliner Modell: vom Steuerzahler gebaute Wohnungen werden an Miethaie verscherbelt, die diese dann völlig herunterwirtschaften. Danach kauft der Staat genau diese inzwischen kaputten Wohnungen wieder völlig überteuert zurück und saniert sie dann auf Steuerzahlerkosten. Und sobald diese gut vermietet und im besten Zustand sind, werden sie wieder an Miethaie verscherbelt.

Unsere Neckarschleusen (maximal 110 Meter lang) sind bald allesamt 100 Jahre alt und so kommt es, dass man diese nicht nur an die heutigen Bedürfnisse (Rheinschleusen mindestens 185 Meter lang) anpassen müsste, wobei die angestrebten 135 Meter bereits ein Kompromiss sein dürften, sondern inzwischen auch allesamt sanieren muss, um überhaupt noch einen Schiffsbetrieb auf dem Neckar sicherstellen zu können. Von den seit Jahrzehnten bekannten Umweltschutzauflagen (z. B. Fischtreppen) ganz zu schweigen!

Seit 1973 hat sich jede Regierung, ob Bund oder Land, um diese ureigene staatliche Aufgabe gedrückt und das Ganze so lange wie nur irgend möglich verschleppt. Wirklich auf den allerletzten Drücker hat man sich 2007 doch dazu entschlossen, die 27 Neckarstaustufen in Ordnung zu bringen, nur um das Ganze doch wieder weiter auszusitzen; frei nach Angela Merkels Motto: nach mir die Russen.

Und so können wir heute in der Heilbronner Stimme (29.9.2022: 1) lesen, dass der für Baden-Württemberg seit 2011 (!) verantwortliche Winfried Kretschmann nun alle Schuld von sich weist und die alleinige Schuld dem Bundesverkehrsminister Volker Wissing (verantwortlich seit 2021) in die Schuhe schiebt. Wie wir alle wissen, hat dieser Verkehrsminister genau so ein Interesse an seinem Ministerium und dessen Aufgaben wie unser seit 2011 für die Schleusen verantwortliche Verkehrsminister aus Baden-Württemberg, Winfried Hermann.

Wenn wir weiterhin keine Verantwortung übernehmende Politiker finden, werden die Schleusen eine nach der anderen einfach nur zerbröseln — bleibt zu hoffen, dass es dabei keine Toten geben wird.


Bring Backs Plattencover

Alfa Mist 5 (1)

Beitragsfoto: Bring Backs Plattencover

Wenn es einmal etwas ungemütlicher wird, dann ist es eine gute Idee, erst einmal innezuhalten und zu schauen, ob es sich hierbei um existentielle Dinge handelt oder nicht. Und so habe ich den gestrigen Abend bei einem Affogato in der Sülmerstraße ausklingen lassen und mich am Anblick der vielen Passanten erfreut, die trotz des Wetters dort noch unterwegs waren.

Übrigens, wer gerne immer wieder einmal auf die Schnelle einen Espresso trinkt oder sich gar an einem Espresso Affogato erfreut, dem kann ich das Gelatone empfehlen.

Meinen heutigen Tag habe ich erst einmal mit ein paar Runden im Schwimmbad begonnen und es mir dann mit Platten von Alfa Mist so richtig gemütlich gemacht.

Alfa Mist ist ein junger Musiker aus London, der wohl Anfang der 1990er-Jahre geboren und ab 2015 mit Nocturne EP auch sehr schnell bekannt wurde. Diese Platte wird allgemein dem Hip Hop, Funk oder Soul zugeordnet. Mit der Platte Structuralism aus dem Jahr 2019, die man gut und gerne dem Jazz zuordnen kann, hat er mich dann vollends überzeugt. Aber auch die bereits 2017 erschienene Platte Antiphon sollte man sich einmal anhören.

Seine Platte Bring Backs, die vergangenes Jahr erschienen ist, habe ich mir sofort gekauft und dies ohne vorab hineinzulauschen — und dies bis heute nicht bereut.

Das Lied Organic Rust von der Platte Bring Backs (2021)

Während ich diese Zeilen schreibe höre ich allerdings die Platte Structuralism und, wenn ich heute noch dazu komme, Two for Mistake (2021) oder doch Epoch, die bereits aus dem Jahr 2014 stammt.

Je länger ich Alfa Mist lausche, umso mehr erinnert er mich an den jungen Thelonious Monk — die Sach- und Fachkundigen werden sich nun wohl die Haare raufen, mir aber egal.

Auf jeden Fall aber empfehle ich jedem zumindest einmal eine Platte von Alfa Mist in Gänze anzuhören.

Antiphon (2017)

Selbstverständlich hat Alfa Mist auch eine eigene Website. Diese finden Sie gleich hier.


Altes Auto

26.9.02022 5 (2)

Beitragsfoto: altes Auto | © Dariusz Sankowski auf Pixabay

Verleumdungen

Allgemein ist bekannt, dass man in Deutschland das Hauptwort „Feind“ steigern kann, nämlich wie folgt: Feind – Parteifreund – Genosse. Dies habe ich bereits Ende der 1980er-Jahre erkannt und angewidert meine damalige Partei verlassen. Über die Jahrzehnte hinweg konnte ich dann als externer Beobachter feststellen, dass dies eine parteiübergreifende Angelegenheit ist. Und es amüsiert mich noch heute, wie sich gerade unsere Berufspolitiker untereinander beharken.

Politisch interessiert, habe ich nach Rückkehr in meine Heimatstadt die Freien Wähler für mich entdeckt, ein Heilbronner Verein, dessen Mitglieder für Heilbronn Politik machen wollen ohne aber von der Politik leben zu müssen. Also eine gute Möglichkeit, um sich zu engagieren und dies ohne dabei parteiimmanente Streitereien ertragen zu müssen — denn es hängt ja nicht die eigene Existenz vom Wahlamt ab.

Inzwischen bin ich zum Vorsitzenden der Freien Wähler gewählt worden, ein Amt, das ich nun wirklich nicht angestrebt habe. Ich hätte es mir denken müssen, denn seit ich dieses Amt innehabe, bin ich nun verstärkt Ziel etlicher Verleumdungen. Zum Glück bleiben mir bisher die allerschlimmsten Vorwürfe erspart und so bewundere ich die Gleichmut von jenen Mitbürgern, die diese jahrein und jahraus ertragen müssen — hier gibt es einen Sumpf, den man wohl nur dann überlebt, wenn man darin gefangen ist. Wer ein paar Jahrzehnte außerhalb davon lebte, der wird das weder verstehen, geschweige denn ertragen können.

Derzeit bin ich mir nicht mehr ganz sicher, ob ich nun als Vorsitzender der Freien Wähler unter Beobachtung des Verfassungsschutzes stehe, da ich den Umgang mit linksextremen Kräften pflege oder doch der Chef eines rechtsradikalen bis rechtsextremen Sammelbeckens bin — der Sumpf selber scheint sich aber auch noch nicht so ganz klar darüber zu sein. Und man kann sich schon einmal fragen, warum man sich als echter Ehrenamtler — ganz ohne Aufwandsentschädigungen oder Aufsichtsratsmandate — überhaupt so etwas antut?

Heute hat sich ein solcher Verleumder bei mir mit Vor- und Nachname geoutet und mir, als ich ihn zur Rede stellen wollte, vorgeworfen, dass ich weder höflich sei noch die Datenschutzgesetze einhalten würde. Mir wird wohl nur der Gang vor Gericht übrig bleiben. Zum Glück des Verleumders ist in Heilbronn Rufmord höchstens ein Kavaliersdelikt.

Nachtrag

Ein etwas älterer Heilbronner Haudegen hat mich gerade beruhigt und mir versichert, dass dies hier zum einen der ganz normale Umgangston sei und zum anderen ich es doch schätzen solle, wenn einmal einer ganz offiziell hetzt.

Und wenn ich dann daran denke, dass bei uns Hetzer ungestraft davonkommen, sobald sie behaupten, ihr Account sei gehackt worden, dann lohnt sich der ganze Aufwand tatsächlich nicht.

Geschwindigkeit

Ein Begriff, mit dem man bei uns wenig anfangen kann. Gerade heute durfte ich wieder einmal mit halbwegs 60 Stundenkilometern übers Land zuckeln. Manche erinnern sich noch daran, dass man dort eigentlich nicht viel über 100 Stundenkilometer fahren sollte, aber dennoch bis vor Kurzem bei uns sämtliche Landstraßen so ertüchtig wurden, dass auch 200 Stundenkilometer kein Problem wären.

Wie wir alle wissen, gibt es zwei Gruppen bei uns, die nicht Autofahren können: jüngere Frauen und ältere Männer. Meine bessere Hälfte flucht immer über ältere Herren, wenn sie wieder einmal auf ein Verkehrshindernis stößt. Und so habe ich heute, als ich mich zum Überholen entschlossen hatte, neugierig geguckt, was für einen Opa ich mit meinem meseno-Bus überholen werde. Erschreckt stellte ich fest, dass der gut und gerne zehn Jahre jünger als ich war, bremste sofort ab und zuckelte etwas langsamer in Richtung Heilbronn, nur um mich dort dann hinter einem tatsächlich älteren Mann einzureihen, der es schaffte, mit konstanten 20 Stundenkilometern durch Heilbronn zu zuckeln — dazu werden wir ja jüngst von der Stadtverwaltung auf den neuen Hinweisschildern aufgefordert, die zum Schulbeginn die 30 Stundenkilometer im Bereich von Schulen und Schulwegen bereits als viel zu schnell erachtet. Mich interessiert inzwischen dabei nur noch, wie lange für unsere Stadtverwaltung der Schulbeginn eigentlich noch dauert; wahrscheinlich so kurz bis vor Schuljahresende.

Geschwindigkeit ist bei uns in Heilbronn immer wieder einmal ein Thema, und so hatte ich mich riesig gefreut, als ich in den Science Dome durfte, um eine Präsentation über Geschwindigkeit mitzuverfolgen. Science und Geschwindigkeit, da kann man schnell auf Gedanken wie Lichtgeschwindigkeit und die Frage, was denn schneller als Licht sein könne, kommen. Heilbronn als Wissens- und Weltraumstadt ließen mich schon vorab in Begeisterungstürme verfallen. Ich dachte schon an die Voyager Raumsonden, weitere Raketen, Satelliten und als Soldat auch an Düsenjäger, die bis in die 1990er-Jahre hinein Menschen noch mit sehr hohen Geschwindigkeiten transportierten.

„You’ve never been lost until you’ve been lost at Mach 3.“

Paul F. Crickmore

Und neben all der Hightech und weiteren naturwissenschaftlichen Herausforderungen hätte man das Ganze noch mit den schnellsten Lebewesen kombinieren können oder gar dem schnellsten Menschen auf 100 Meter oder der Marathondistanz. Vielleicht hätte man auch den Begriff Geschwindigkeit angesichts des bereits erzielten technologischen Fortschritts betrachten und dabei darstellen können, wie sich das Verhältnis zur Geschwindigkeit über die Jahrtausende veränderte.

So aber musste ich einem älteren Herren in einem noch älteren Auto dabei zusehen, wie er auf Feldwegen „herumrandalierte“ (die Geschwindigkeit selbstverständlich seinen Alter angepasst!) während sogenannte Experten etwas über Schnelligkeit redeten. Ein wenig Lokalkolorit hätte wenigstens dafür gesorgt, dass man eine NSU gezeigt hätte, die damals vor fast 100 Jahren Geschwindigkeitsrekorde aufstellte und sicherlich noch meinen Großvater zu Begeisterungstürmen hingerissen hätte.

So aber ließ mich diese Veranstaltung nur mit Fragezeichen zurück. Was hat ein altes Auto auf Feldwegen mit Geschwindigkeit zu tun? Und dies dann alles mit Wissenschaft?

Uniform

Es gibt immer wieder Anlässe, das werfe auch ich mich in Schale und ziehe meine beste Uniform an. Ich weiß dabei dann aber nicht, wenn meine Mitbürger darüber spekulieren, ob dies eine Uniform ist oder doch nicht und wenn ja, ich einer vom Zoll oder doch einer vom Bundesgrenzschutz sei, ob ich darüber lachen oder weinen soll.

Auf jeden Fall aber steht fest, dass wir alles andere als eine militaristische Gesellschaft sind — und das ist auch gut so! Weniger gut ist, wie scheiß egal unserer Gesellschaft all jene sind, die sich für diese überhaupt noch einsetzen.

Diese staatstragenden Mitbürger sind nur dann wichtig, wenn es brennt, man selber einen Herzinfarkt bekommt, Sandsäcke geschleppt werden müssen oder in Behörden tatsächlich einmal Arbeit anfällt.