Altes Auto

29.10.02026 5 (5)

Beitragsfoto: altes Auto | © Bianca Van Dijk auf Pixabay

Kreislaufwirtschaft

Es gibt sie tatsächlich noch, die guten Meldungen. Und dieses Mal kommt eine solche sogar von VW. Stefan Paravicini berichtet in der FAZ (28.10.2026, 21:03 Uhr), dass VW in Zwickau die erste Demontagelinie für Kraftfahrzeuge aus dem eigenen Haus startet. Wenn man es mit der Nachhaltigkeit tatsächlich ernst meint, dann ist dies auf alle Fälle der richtige Schritt.

Und es steckt sogar weiteres Potential dahinter, denn wenn VW keine eigenen Autos mehr baut, dann hat der Konzern ausreichend Know-how entwickelt, um auch andere Autos zerlegen zu können. Das Ganze könnte man sogar noch gesetzlich unterstützen, wenn man zukünftig jedes nach Deutschland gelieferte oder dort gebaute Auto am Ende auch wieder fachgerecht zerlegen muss.

Leider haben wir in der Politik oder vielleicht sogar gesamtgesellschaftlich das Ganze noch nicht so recht durchdrungen, denn wir exportieren aktuell bei uns recycelte Wertstoffe und dabei vor allem die allseits nachgefragten Metalle immer öfter nach China — aktuell kann Aluminium hier als gutes Negativbeispiel dienen! Als ob wir selbst keine Rohstoffe mehr benötigen würden.

Feiertag

Feiertage, egal welcher Art, waren noch nie mein Ding. Die Gründe dafür dürften in meiner frühen Jugend liegen. In meinem Berufsleben war dies dann allerdings ein Vorteil, denn egal welcher Feiertag auch immer, ich musste nie nach Gründen suchen, warum gerade ich an diesen Tagen nicht arbeiten kann. Und so ging auch das gesamte entsprechende Gefeilsche an mir vorbei.

Seit zwei Jahrzehnten erhalte ich jährlich die Einladung zum Tag der Republik, den die Türkei auch bei uns gerne feiert. Früher™ ging ich immer gerne dorthin, um mich mit Demokraten und Föderalisten auszutauschen, dann aber änderte sich auch die türkische Politik grundlegend und ich blieb den Feiern fern.

Dieses Jahr habe ich mich dazu entschieden, wieder an der heutigen Feier in Stuttgart teilzunehmen, denn auch in der Türkei ist nicht immer alles entweder schwarz oder weiß, und so hoffe ich darauf, bei der Feier doch noch den einen oder anderen Demokraten, wenn nicht gar Föderalisten finden zu können.

Unser eigenes Türkeibild wird im wesentlichen von zwei Dingen geprägt, einmal von den Entscheidungen und Maßnahmen der türkischen Regierung, die sich auch auf uns auswirken, und von jenen Türken sowie den türkisch stämmigen Deutschen, die in unserer nahen bis näheren Umgebung leben.

So lange die Türkei noch halbwegs eine Demokratie ist, sind alle Türken für das erste mit verantwortlich. Für letztes können aber vor allem die sehr aufgeschlossenen und wirtschaftlich erfolgreichen Türken, die selbst in der Türkei leben und weiterhin für eine offene Gesellschaft eintreten, rein gar nichts! Sie sind meist selbst überhaupt nicht von ihren ehemaligen Landsleuten begeistert, so wie auch ich nichts mit unseren totalitaristisch veranlagten oder den völlig unterbelichteten Mitbürgern anzufangen weiß.

Und so freue ich mich darauf, nachher auf interessante Gesprächspartner zu stoßen.

Vermischtes

Wieder einmal hat die CDU gezeigt, dass ihr das mit Europa nicht so wirklich am Herzen liegt. Friedrich Merz war einer der ersten Altbackenen, der den Kanadiern den Stuhl vor die Tür stellte. Und immer öfter können wir zudem sehen, dass zumindest Teile der CDU das mit der Demokratie auch nicht so ganz ernst nehmen.

Für mich ist es schon länger klar, dass die Union mit Helmut Kohl das Allgemeinwohl gegen das Eigeninteresse Einzelner eingetauscht hat und wirklich alles verspricht und tut, was der Partei den Machterhalt bzw. die Futtertröge sichert.

Unheimlich wird es aber dann, wenn die Vermögen der russischen Oligarchen in Deutschland sicher und unantastbar bleiben, während wir mit Steuermitteln die russischen Verbrechen und deren Folgen mitfinanzieren müssen.


Briefmarke mit Gaetano Donizzetti und seiner Oper Lucia di Lammermoor

Lucia di Lammermoor 5 (4)

Beitragsfoto: Briefmarke Lucia di Lammermoor | © Shutterstock

Bereits vor gut vier Jahren hatte ich mir mal wieder diese Oper von Gaetano Donizetti aus dem Jahr 1835 gegönnt. Deren Aufführung gefiel mir dabei sehr, auch wenn diese Oper nicht zu meinen Favoriten zählt.

Nun überraschte mich meine bessere Hälfte mit einer weiteren Aufführung in Stuttgart, wobei die Staatsoper Stuttgart diese Inszenierung aus dem Jahr 2016 zusammen mit deren Ausstattung von der Royal Opera London übernommen hat. Im Gegensatz zur Met-Aufführung aus dem Jahr 2021/22 baut die Regisseurin Katie Mitchell auf Kitsch & Kunst, dafür gibt es aber etwas weniger Blut zu sehen.

Hier noch die Wahnsinnsarie aus der Met zum Vergleich.

Da man kaum noch mit der Bahn nach Stuttgart kommt und wir noch einen weiteren Zuhörer aus dem Unterland mitnahmen, wählten wir das Auto. Vor Ort trafen wir uns dann mit Konstantin, denn ein Opernbesuch wird erst in einer Kleingruppe so richtig spannend; ganz passend zur Inszenierung ein „Männerrudel“, dies aber zusammen mit einer selbstbestimmten Dame.

Chelsea Lehnea gab eine der besten Lucias, die ich bisher hören durfte. Sie erreichte Höhen, die meine Hörgeräte klingeln ließen. Kai Kluge, der den Edgardo geben sollte, fiel krankheitsbedingt aus und wurde sehr spontan von Andrew Kim ersetzt, der im wahrsten Sinne des Wortes über Nacht anreiste. Trotz der sehr kurzen Einarbeit gab er einen bemerkenswerten Edgardo und bekam zusammen mit Chelsea Lehnea den völlig verdienten Applaus.

Der Vollständigkeit halber, Björn Bürger sang den Enrico, Charles Sy den Arturo, Adam Palka den Raimondo, Alberto Robert den Normanno und Laura Orueta die Alisa.

Insgesamt eine sehr gute und harmonische Gesangsleistung des gesamten Ensembles, wobei, wie in der Einführung angekündigt, sich das Orchester bewusst zurücknahm, was dem Dirigenten Andriy Yurkevych zu verdanken sein dürfte. Neu für mich die Wassergläser (Glasharmonika) als stimmungsgebendes Instrument bei der Wahnsinnsarie. Ob das besser passt als die übliche Flöte kann ich dabei nicht beurteilen. Musikalisch gefiel mir diese Aufführung sehr gut, am besten dabei aber Chelsea Lehnea.

Wie gesagt, Katie Mitchell ist für die Regie verantwortlich, wobei ich glaube, dass man das Stück etwas besser auf die Stuttgarter Gegebenheiten anpassen können hätte. Vor allem die wohl notwendigen Pausen könnte man heutzutage besser überspielen, vor allem dann, wenn man in der Fachwelt als filmaffin angesehen wird.

Fast 200 Jahre nach der Erstaufführung darf man als Opernbesucher erwarten, dass das Stück nicht mehr altbacken daherkommt, was der Metropolitan Opera 2021 sehr gut gelungen ist. Katie Mitchell verwendete 2016 noch eine Mischung aus viktorianisch und Biedermeier, eher etwas für die schon älteren Zuschauer.

Interessant die geteilte Bühne und die Idee, Lucia damit immer sichtbar zu halten. Spannend auch die beiden „Wahnsinnsfrauen“ im Stück, wobei ich meine, dass diese nicht so richtig zur vermeintlichen Selbstbestimmtheit von Lucia sowie zu dem in dieser Aufführung geplanten und gezeigten Mord an ihrem Ehemann Arturo und ihrem eigenen Ableben passen.

So wie ich es verstanden habe, wird Lucia bereits zweimal im ersten Akt von den „Wahnsinnsfrauen“ angesteckt und wohl endgültig als sie Edgardo ihre ewige Liebe schwört. Man könnte meinen, dass Edgardo hierbei diesen beiden Frauen noch ausweichen kann, nicht aber später im Stück.

Wie dann das Stück am Ende genau ausgeht, wer sich wie und überhaupt noch tötet, wird wohl immer öfter anders gesehen — so auch in dieser Inszenierung. Auch das Motiv einer Schwangerschaft oder Fehlgeburt, die den Wahnsinn von Lucia erklären soll, wird wie auch hier im Stück immer öfter genommen und kommt damit ebenfalls schon etwas altbacken daher.

Auf alle Fälle hat sich auch dieser Opernbesuch wieder voll und ganz gelohnt und so habe ich die Rückfahrt einschließlich eines Umwegs durch die Pampa stoisch hingenommen.


Blogger

14.10.02026 5 (5)

Beitragsfoto: Blogger | © Shutterstock

Spielen

Auf Initiative des Landesverkehrsministeriums gibt es nun für sechs Städte im Land ein nettes Online-Spiel, dabei auch für unsere Stadt. In Heilbronn sollen nun mit der inzwischen zweiten Online-Beteiligung konkrete Maßnahmen in den Blick genommen werden. Man könnte auch gerne einmal und dies nach gut 60 Jahren voller Absichtserklärungen mit der Sanierung der Turmstraße beginnen; unzählige Bürgerbeteiligungen verliefen dabei im Sand — wohl weil es noch kein extra mit Steuermitteln zusammengebasteltes Spiel dafür gab.

Aber eine Bürgerbeteiligung mithilfe einer Software wird es nun sicherlich richten. Das Ganze nennt sich MobiPlaner; der Name dafür kommt wohl aus dem Kindergarten.

Mit dem MobiPlaner will man wieder einmal eine langfristige Strategie dafür entwickeln, wie Mobilität in Heilbronn künftig gestaltet werden soll — das hat alleine schon bei der Saarlandstraße oder der Friedrich-Ebert-Trasse in den letzten gut 50 Jahren so wunderbar nicht geklappt! Jeder Heilbronner weiß, dass noch jede langfristige Planung der Stadtverwaltung spätestens beim nächsten Hasenmahl in die Tonne getreten wurde.

„Der MobiPlaner ist ein digitales Beteiligungsinstrument für die kommunale Mobilitätsplanung in Baden-Württemberg. Er wurde auf Initiative des Ministeriums für Verkehr Baden-Württemberg entwickelt und durch das Kompetenznetz Klima Mobil der NVBW gemeinsam mit urbanista umgesetzt. Für den Mobilitätsplan Heilbronn wird das Instrument mit den für Heilbronn entwickelten Maßnahmen eingesetzt.“

KompetenzNetz KlimaMobil (14.10.2026)

Dabei ist es bei uns ganz einfach, die Dieter Schwarz Stiftung sagt, was sie gerne hätte, und dann wird das Ganze innerhalb weniger Wochen von allen Verantwortlichen bis zum Ministerpräsidenten durchgewunken und von uns Steuerzahlern auch bezahlt.

Das alles geht dann so schnell, dass man wie beim letzten Brückenbau die notwendigen Mauern vergisst und die Treppen zur Brücke nach ein paar Metern einfach in der Luft enden.

Vermischtes

Aktuell fällt bei mir eine Mauer um, diese wird eigentlich nur noch von ein paar Efeu halbwegs aufrechtgehalten. Mit dem Nachbarn, dem die Mauer gehört, konnte ich mich schnell einigen. Ich lasse diese demnächst einmal auf meine Kosten entfernen.

An einer anderen Stelle steht ein alter einsamer Kamin, der so langsam aber sicher zu wackeln beginnt. Sollte er fallen, fällt er auf einen Weg zu meinem Haus. Wenn ich Pech habe, auch noch ins Arbeitszimmer meiner besseren Hälfte. Dieser Nachbar wartet wohl ebenfalls darauf, dass ich die Nerven verliere und die Entfernung auf meine Kosten anbiete.

Erfreulich, dass auch andere „Deutschblogger“ so langsam aber sicher den neuen Weltenbrand zu riechen beginnen. Ich dachte schon sie schwelgen allesamt in einer Art Wein- und Bierseligkeit des neuen deutschen Selbstbewusstseins.

Und auch mit der Bahntrasse hin zum Lerchenbergtunnel geht es nun weiter; schon wieder sind sechs Jahre hinüber! Gert M. Hofmann war es gleich einen eigenen Blog-Beitrag wert, der einen Zeitungsartikel in der Heilbronner Stadtzeitung Nr. 21 (14.10.2026) wiedergibt: Die Bottwarbahntrasse wird Radweg. Spannend dabei, dass er sich einen eigenen Kommentar verkniffen hat. Ich nutze die bisher freigegebene Strecke als Fußweg und zähle dabei gerne die totgefahrenen Eidechsen — beim Kleingetier zählt bei uns noch das Survival of the Fittest.

Ich sage nichts mehr zu den vielen Rodungen im Stadtgebiet oder gar im Stadtwald. Bäume hatten bei uns noch nie eine Lobby. Auch keine Tiere, die Bäume benötigen. Eidechsen hingegen lieben wir, weil diese Mauern bevorzugen und sich so gut plattfahren lassen.

Kurz dachte ich daran, den Fröschen aus meiner Jugend, die wir noch in Gläsern sammelten, eine neue Heimat zu geben. Lass es aber lieber, denn sonst überlebe ich den Spaziergang über die nächste Kreuzung nicht mehr.

Und wenn ich schon einmal in die Stadtzeitung schaue, muss ich den Satz „Die Kultur kann auf die SPD als starke Partnerin zählen“ wie folgt ergänzen, solange es ein paar Genossen hilft. Das war schon einmal anders!

Lustig auch noch, dass wir alle Mädchen sind, egal wie alt auch immer. Meine Oma hätte sich das allerdings nicht gefallen lassen! Aber auch hier ändern sich wohl die Zeiten, wenn sich Endsechziger im Gemeinderat noch als Mädchen fühlen dürfen — Frau ist man dann wohl erst nach der Menopause. Bei der CDU qualifiziert man sich damit auf alle Fälle für höhere Ämter.

Recherche

Auf der Suche nach meiner Heimatstadt bin ich auf die Datenbank GeoNames gestoßen, wo man sämtliche Orte dieser Welt auflisten möchte. Und ich habe Heilbronn sofort gefunden. Sehr schön dabei die hierarchische Einordnung unserer Stadt, die allerdings sogleich einen wesentlichen Bug in der Datenbank offenbart. Weder die Europäische Union noch die Vereinten Nationen sind dort als Hierarchieebene verzeichnet. Was wieder einmal zeigt, wie langwierig es ist, seinen Mitmenschen alleine die realen Gegebenheiten zu vermitteln — allzu lange hängen wir Menschen an der vermeintlich besseren Vergangenheit fest; wobei immer mehr wieder davon überzeugt sind, dass die Welt doch eine Scheibe ist.

Auf alle Fälle aber zählt Heilbronn auch nach der Lesart dieser Datenbank zu den Städten, wie man jene Orte bezeichnet, die über 50 000 Einwohner verfügen. In der Datenbank bin ich stolzer Bewohner Heilbronns und dies in seiner vierten Ordnung, also ein richtiger und kein eingemeindeter. Ob wir echten Heilbronn dann aber noch als Stadt bezeichnet werden können, müsste eine neue Volkszählung prüfen — ich könnte aber auch gut und gerne mit dem Begriff Gemeinde leben, beim Begriff Dorf reagiere ich allerdings etwas allergisch. Dies hängen uns die Eingemeindeten sehr gerne an und ergänzen das Ganze noch mit Wein, Winter und Sommer. Wohl weil sie selber bloß in Stadtteilen leben, wo man bestenfalls einen Besen organisiert bekommt.

Und so ganz nebenbei bin ich auf die Definition von Stuttgart gestoßen: „Vierzig Dörfer auf der Suche nach einer Stadt.“ Was mich etwas freut, weil Heilbronn in der dritten Ebene gemäß dieser Definition aus einer Stadt und acht Dörfern besteht.

Urkundlich wurde Heilbronn bereits im 9. Jahrhundert erwähnt, während Stuttgart erst im 13. Jahrhundert Erwähnung fand. Bei den verbrieften Stadtrechten dürfte Stuttgart dann allerdings wieder ein paar Jahrzehnte Vorsprung haben. Dafür war Stuttgart aber niemals eine Freie Reichsstadt.

Nun ist Heilbronn auch noch eine waschechte „Capital“, zumindest nach der Meinung der Europäischen Kommission, die seit 2010 den Preis einer European Green Capital auslobt.

Was mich nun doch ein wenig verwundert, weil es erstens überhaupt nicht in die Tradition einer Freien Reichsstadt passt und zweitens die Heilbronner Verantwortlichen alles tun und lassen, um ja keine Verbindungen Heilbronns außer zu Lidl und Schwarz zuzulassen.

Normalerweise werden die Subventionen und Transferzahlungen aus der Europäischen Union klammheimlich eingesteckt und die Europaflagge nur dann gehisst, wenn die Stadt regelrecht dazu gezwungen wird.

Nun aber bei einem Preis konnten weder der Gemeinderat noch der OB widerstehen! Die Kommission hat es letztendlich verstanden, in einer traditionellen Handelsstadt kauft man sich seine Loyalitäten.

Alternativ betrachtet, könnte der aktuelle OB ähnlich verzweifelt wie Donald Trump sein, der wirklich alles versucht, um selber einmal einen Preis zu erhalten.

Noch alternativer gedacht, wenn der Mülleimer stinkt, dann wird das Duftspray ausgepackt.