EckertArt

Kunst & Keramik 5 (5)

Beitragsfoto: Collage von Christine Eckert

Wohl die bekannteste Keramikkünstlerin in Heilbronn dürfte Maria Fitzen-Wohnsiedler gewesen sein, die zumindest den etwas älteren Heilbronnern noch sehr gut bekannt ist. Sie begegnet den Heilbronnern noch heute nicht nur in Schulgebäuden, hier erinnere ich mich noch an das Mosaik im Mönchsee-Gymnasium, das ich erstmals bei meinem Schulantritt als Schüler des Robert-Mayer-Gymnasiums zu Gesicht bekam und welches von ihr 1954 als Steinmosaik für den Wandbrunnen in der Eingangshalle des Elly-Heuss-Knapp-Gymnasiums in Heilbronn geschaffen wurde. Auch können alle Heilbronner die Brunnenschale des Siebenröhrenbrunnens bestaunen, die sie 1960 geschaffen hat. Da sie von einigen meiner Familienmitglieder sehr geschätzt wurde, sah ich zudem schon sehr früh Vasen als auch Bilder von ihr, die bis heute immer wieder in den verschiedensten Räumen innerhalb unserer Familie zu entdecken sind und dabei stets Jugenderinnerungen wecken.

Weniger bekannt dürfte Frau Droste sein, welche noch in den 1970er-Jahren ein eigenes Atelier in Heilbronn hatte und sich später, wie übrigens Fitzen-Wohnsiedler auch, in Italien niederließ. Ob ich bei ihr, bei einer Kinderfreizeit auf dem Gaffenberg oder gar in der Hasenmühle meine ersten eigenen Töpferversuche getätigt habe, weiß ich nicht mehr.

Als ich dann meine heutige bessere Hälfte kennenlernte, kam ich erneut mit der Töpferei in Berührung und lernte die noch heute in und um Heilbronn herum aktive Künstlerin Christine Eckert kennen. Dabei durfte ich dann meine Töpferkenntnisse unter Beweis stellen und bin zumindest aus heutiger Sicht ganz froh darüber, dass es der Nachwelt erspart bleiben wird, meine damals geschaffenen Werke betrachten zu müssen.

Im Gegensatz zu Fitzen-Wohnsiedler und Droste ist Christine Eckert allerdings eher auf Spanien als auf Italien fixiert und hat zudem die Raku-Keramik, welche ursprünglich aus Japan stammt, mit in ihr Repertoire aufgenommen. Da Raku wegen der starken Rauchentwicklung meist im Freien gebrannt wird, sind solche Anlässe eine gute Gelegenheit, um sich mit dieser Technik näher auseinanderzusetzen und zudem mit der Künstlerin Christine Eckert selbst ins Gespräch zu kommen.

Christine Eckert stammt aus Stuttgart-Stammheim und kam 1977 erstmals mit der Töpferei in Berührung. Seit 1981 gibt sie selbst Töpferkurse, bereits 1985 hat sie in Heilbronn mit einer eigenen Ausstellung aufgewartet und über die Jahre hinweg ihr künstlerisches Betätigungsfeld nicht nur um Raku erweitert, sondern sich auch sehr erfolgreich der Malerei gewidmet. Mein Lieblingsbild von ihr ist gleich oben als Beitragsbild zu sehen.

Auch wenn Christine Eckert immer wieder in Ausstellungen zu sehen ist, und ihre Werke auch in einigen Schaufenstern in und um Heilbronn zu bestaunen sind, empfehle ich dennoch direkt mit ihr Verbindung aufzunehmen und ihr in ihrer Atelierwerkstatt in Nordheim einen Besuch abzustatten.

Dort finden sich übrigens ihre besten Werkstücke, und ich selbst schaffe es selten, ohne eine weitere Neuanschaffung wieder von dannen zu ziehen. Auf jeden Fall erhält man einen guten Eindruck darüber, wie das Töpfern funktioniert und wie reichhaltig und vielfältig Keramik eigentlich ist.

Ein Tipp von mir, bringen Sie das Thema nicht auf Glasuren zu sprechen, es sei denn, Sie haben sehr viel Zeit mitgebracht.

Wenn Sie jetzt auf Heilbronns derzeitige Keramikkünstlerin ein wenig neugierig geworden sind, dann empfehle ich Ihnen einen Blick auf Christine Eckerts Website EckertArt. Spätestens danach werden Sie mit der Künstlerin einen Vororttermin ausmachen.

Christine Eckert

„’Always learn poems by heart,’ she said. ‘They have to become the marrow in your bones. Like fluoride in the water, they’ll make your soul impervious to the world’s soft decay.’
I imagined my soul taking in these words like silicated water in the Petrified Forest, turning my wood to patterned agate. I liked it when my mother shaped me this way. I thought clay must feel happy in the good potter’s hand.”

Janet Fitch, White Oleander (2002: 8)

Mädchen aus Stockport

Vereine und Interessengruppen 5 (2)

Beitragsfoto: Stockport zeigt in Heilbronn Flagge (2007)

Europa berührt fast alle Lebensbereiche, so ist es auch nicht verwunderlich, dass sich Vereine und Interessengruppen finden lassen, die sich ebenfalls mit Europa oder europäischen Themen auseinandersetzen.

Mit am ältesten davon sind wohl die Vereine, die Städtepartnerschaften unterhalten und pflegen. Es gibt auch zahlreiche ‚Europa-Clubs‘ (der ehemalige Europa-Club Heilbronn und der heute noch existierende in Stuttgart können als Beispiel dienen), welche sich inhaltlich mehr mit Kultur, Land und Leuten auseinandersetzen oder auch ‚internationale‘ bzw. ‚interkulturelle‘ Sportvereinigungen, die in möglichst vielfältiger Gesellschaft ihrer Lieblingssportart nachgehen möchten.

Auch wenn diese Mitbürger dabei keine tiefergehenden eigenen politischen Aktivitäten entwickeln oder bewerben wollen, leisten sie auf jeden Fall einen nicht zu unterschätzenden Beitrag zur Völkerverständigung.

Anders hingegen ist es mit immer wieder neu auftretenden ‚Europa-Aktivisten‘, die sich sehr prominent zu Wort melden und durchaus auch interessante und neue Formate für eine ‚Europabewerbung‘ entwickeln, aber letztendlich doch den europäischen Lackmustest bestehen müssen: Haben sie eigene Zielvorstellungen für unser Europa und sind sie auch bereit, diese über längere Zeiträume hinweg zu verfolgen?

Und ganz wichtig: sind sie bereit zur Zusammenarbeit einschließlich inhaltlicher Auseinandersetzungen?

Wenn nicht, dann erinnere ich gerne an einen Kommentar Charles de Gaulles, den er in einem Interview mit Michel Droit am 14. Dezember 1965 tätigte:

„Bien entendu, on peut sauter sur sa chaise comme un cabri en disant l’Europe! l’Europe! l’Europe! mais cela n’aboutit à rien et cela ne signifie rien.“

„Selbstverständlich kann man wie ein Zicklein auf einen Stuhl springen und immer wieder Europa! Europa! Europa! sagen – doch das führt zu nichts und bedeutet nichts.“

Charles de Gaulle (14. Dezember 1965)

Falls Sie jetzt ein wenig neugieriger geworden sind, dann empfehle ich Ihnen die Lektüre meines Buches Europa ist für alle da!

Mehr Details zum Buch können Sie auch hier finden.


Mädchen in Buchhandlung

Buchhandlungen 5 (3)

Beitragsfoto: JackF, Getty Images

Schöner noch als ein gutes Buch endlich sein Eigen nennen zu können, ist es, in einer guten Buchhandlung stöbern zu dürfen. Über gute Bücher habe ich in meinen Beiträgen bereits mehrfach geschrieben und dabei sogar ein paar Empfehlungen abgegeben, aber kaum über gute „Buchläden“.

Wie bei den Büchern ist es wohl auch bei den Buchhandlungen selber, dennoch glaube ich, dass es Buchhandlungen gibt, welche sich weit von den üblichen Buchverkaufsstellen abgrenzen und dabei sogar noch Erlebnisse schaffen, die jedem in Erinnerung bleiben. Ich bin fest davon überzeugt, dass inzwischen die große Masse der Buchhandlungen den allseits so beliebten Schnellrestaurants gleicht, zwar den ersten Hunger stillt, aber dabei eher bleibende Schäden beim Konsumenten verursacht als den jeweiligen Menschen in seiner eigenen Entwicklung fördert.

Um meine Behauptung ein wenig zu untermauern, empfehle ich Ihnen einfach einmal in die nächstliegende Buchverkaufsstelle zu gehen. Schon beim Eintritt in dieselbe sehen Sie alles, sogar Bücher. Und sofort fallen Ihnen auch die Top Seller der Branche in die Augen, z. B. die Feuchträume ewig pubertierender Senioren oder die umfangreichen Lebenserinnerungen prominenter Säuglinge. Die Auswahl ist immens und dies bei einer sehr begrenzten Themenvielfalt. Zugegebener Maßen werden Sie in den Tiefen dieser Buchhandlungen weiterer Themen fündig, und was nicht vorliegt, kann auch bestellt werden.

Was hat dies alles aber mit einer Buchhandlung zu tun? Erinnern Sie sich vielleicht noch an die Buchhandlung von Wendelin Niedlich in Stuttgart, der sich zudem noch stark politisch engagierte. Hier bei uns in Heilbronn kenne ich noch die seit 1688 (!) bestehende Buchhandlung Stritter, welche wohl gezwungener Maßen ebenfalls mit dem Zeitgeist gehen muss. Und mit der Paulus-Buchhandlung auch noch eine spezialisierte und damit eigentlich eine Fachbuchhandlung, welche inzwischen aber ebenfalls ihr Sortiment stark erweitert.

Auch wenn diese Buchhandlungen ihren eigentlichen Zweck erfüllen, so ist es schwierig, sich dort in den Bücherreihen oder -bergen zu vertiefen oder gar zu verlieren. Stehenzubleiben, sich hinzusetzen und in einem ganz „fremden“ Buch zu stöbern bevor man sich von der Fülle der Themen fasziniert, einem weiteren völlig unbekannten Autoren widmet. Bereits Haruki Murakami meinte, dass man nur das denken könne, was die anderen auch denken, wenn wir alle nur dieselben Bücher lesen.

Eine Buchhandlung zum Träumen

In manchen Städten können Sie ab und zu noch solche versteckten Erlebnisräume finden, wobei durchaus die Gefahr besteht, dass Sie den Ausgang nicht mehr finden oder finden möchten. 

Blattgold-Buchladen
Blattgold-Buchladen

Seit 2014 gibt es nun in Böckingen, einem Stadtteil Heilbronns, den Blattgold-Buchladen von Johanna Chebbi. Dieser hat gerade einmal drei halbe Tage in der Woche geöffnet, nämlich donnerstags und freitags von 14.00 Uhr bis 17.30 Uhr, sowie samstags von 10.30 Uhr bis 14.30 Uhr.


Korrektur: inzwischen leider nur noch freitags und samstags zu den selben Zeiten.

Korrektur 2: Leider gibt es diesen Buchladen nun nicht mehr.


Der Laden entstand zufällig, nachdem Johanna damit angefangen hatte im Internet gebrauchte Bücher bei Amazon zu verkaufen und überlegte, wie sie denn an größere Mengen Bücher kommen könne. Dies wollte sie durch einen einmaligen Bücherankauf lösen und da sie in Böckingen arbeitete, ist sie dort umhergezogen, um sich leerstehende Läden anzuschauen und erstmals in der Klingenberger Straße fündig geworden. Die Ladenbesitzerin wollte ihr den Laden auch für einen Tag vermieten.

Den Bücherankauf hat sie dann in der Heilbronner Stimme beworben und fand dabei regen Zulauf. Ihre Freunde halfen kostenlose Getränke zu offerieren und den Interessenten beim Bücherschleppen. Das ging stundenlang und hinterher war sie nicht nur „fix und fertig“, sondern auch pleite; zumal sie auch noch Bücherabholungen von zu Hause angeboten hatte.

Die Vermieterin bot ihr an, die Bücher noch im Laden stehen zu lassen, bis sie eine Lösung gefunden hätte. Da dies auch nach Monaten nicht der Fall war, wurde der Laden von Johanna letztendlich dauerhaft angemietet. 

Im Jahr 2017 musste Johanna aber dann doch den Laden wechseln und wurde fündig, als ein Fahrradgeschäft in der Stedinger Straße aus Altersgründen aufgab; insgesamt 20 qm ohne Heizung, da es früher nur ein Ausstellungsraum war.

Anfangs dümpelte der Bücherverkauf weiter so vor sich hin, mit der Zeit wurde es dann aber tatsächlich besser. Zwischenzeitlich hat sich ein kleiner, kontinuierlicher Kundenstamm entwickelt. Der ist jedoch immer noch zu klein, da der Durchlauf der Bücher besser sein müsste. Die Bücher stehen zu lange im Regal, bis sie einen Besitzer finden. 

Ihre meisten Umsätze macht sie mit Romanen, Krimis, Thrillern, weniger mit Sachbüchern. Auch hat sie ein paar wenige, aber treue Kunden, die sich für die antiquarischen Bücher interessieren. Zudem bietet sie an, gesuchte oder vergriffene Bücher übers Internet zu bestellen. Diese Kunden nehmen dann auch weitere Bücher aus dem Laden mit.

Heute nicht ungewöhnlich, bekommt sie viele Bücherspenden vor den Laden gestellt. Ihr Lager füllt sich mehr und mehr. „Brauchbare“ Bücher kommen dabei gleich ins Regal, antiquarische erst mal in den Keller. Manche Bücher werden auch gleich als „Zu verschenken“ vor dem Laden angeboten, und erfahrungsgemäß völlig „unbrauchbare“ Bücher werden von den Böckinger Pfadfindern als Altpapier abgeholt. Dennoch platzt ihr Lager aus allen Nähten, da sie auch zeitlich noch nicht dazu kommt, Bücher auch „online“ zu stellen. 

Johanna Chebbi kennt ihre Stammkundschaft und begrüßt diese mit Namen. Da sie auch deren Lesegewohnheiten inzwischen recht gut kennt, reserviert sie ihnen auch Bücher, an denen sie Interesse haben könnten. Ihre Kunden sind im Schnitt 25 bis 85 Jahre alt.

Das Besondere an diesem Stadtteilladen ist, dass Kunden und Verkäuferin sich zwischenzeitlich als „kleine Familie“ fühlen. Es geht meist lustig zu. Das liegt vielleicht auch daran, dass Johanna selbst keine ausgebildete Buchhändlerin ist und von Literatur so viel Ahnung hat wie von Politik. So kommt es, dass sich die Kunden manchmal besser im Blattgold-Buchladen auskennen als sie selbst; auch, dass Johanna ihre anwesenden Stammkunden bittet, gerade nachgefragte Bücher den anderen Kunden zu zeigen. 

Anekdoten, die man sich gegenseitig erzählt und gemeinsames Kaffeetrinken gehören inzwischen zum Aufenthalt im Buchladen mit dazu. Dabei entstehen auch fröhliche Gespräche zwischen den Kunden untereinander, und der Buchladen hat sich zu einer Anlaufstation nicht nur für „Lebenskünstler“ entwickelt, wobei im und vor dem Laden diskutiert, philosophiert oder auch nur der eigene Kummer von der Seele geredet wird.

Das Schöne am Blattgold-Buchladen ist, dass er sich beständig weiterentwickelt und dabei immer wieder neu erfindet. Johannas jüngster Slogan ist: „Besuchen Sie den kleinsten und urigsten Buchladen in Heilbronn.“ Dem ist nichts mehr hinzuzufügen.

„Why can’t people just sit and read books and be nice to each other?“

David Baldacci, The Camel Club (2005)