Detlef Sterns reMarkable

reMarkable 4.5 (8)

Beitragsfoto: Detlef Sterns reMarkable

Seit mehr als 15 Jahren gibt es sie, seit etwas mehr als 10 Jahren werden sie von vielen genutzt: E-Book-Reader. Auf Basis von elektronischem Papier können damit viele Inhalte gelesen werden, ohne dass diese zu sehr ins Gewicht fallen. Auf diesen Geräten finden locker hunderte Bücher in Form von Dateien Platz, was nicht nur für die Urlaubszeit genutzt wird. Der Akku hält meist Wochen durch, was bei Smart Phone und Smart Watch fast schon utopisch ist. Für eine große Gattung an Texten sind E-Book-Reader ein recht bequemes Gerät. Natürlich hat alles seinen Preis. Der Begriff elektronisches Papier signalisiert, dass es auch andere Geräte geben könnte.

Von Papier wird nicht nur gelesen. Manche nutzen es auch zum Schreiben. Tatsächlich ist das Schreiben eine der besonderen Kulturtechniken, mit der das eigene Denken gefördert wird. Zugleich bedeutet Schreiben die Kommunikation von Gedanken, Ideen, Erkenntnissen. Etwas, das mit der täglichen Social-Media-Routine droht verloren zu gehen. Die Segnungen, manchmal auch die Wirrungen, des Fortschritts wären ohne Schreiben, ohne funktionierendes gesellschaftliches Gedächtnis, nicht möglich.

Schreiben ist wichtig.

Zugleich wird vieles erst durch Digitalisierung zugänglich. Da stellt sich die Frage, wie eigene Notizen, Kritzeleien, Skizzen, Texte erst einmal einem selbst und später ggf. auch anderen zugänglich gemacht werden können.

Bei reinen Texten scheint es noch einfach. Dafür gibt es Computer, Tastaturen und Texteingabesoftware. Manche nutzen dafür eine eigene Formatierungssprache, andere verlassen sich auf ein Textverarbeitungsprogramm. Doch so einfach ist es nicht. Eine Tastatur mag geeignet sein, um reine Fließtexte herunterzuschreiben, Es geht dort nur vorwärts, weniger zurück, und kaum diagonal oder gar kreisförmig. Nein, eine Tastatur ist kein Ersatz für Papier, wenn es auf das Denken ankommt.

Es gibt eine Vielzahl an Produkten, welche die Bewegungen des Stifts auf einem Papier digital erfassen und daraus das Geschriebene, Gemalte, Gekritzelte rekonstruieren. Für gute Ergebnisse ist der Aufwand erheblich. Mal benötigt man spezielles Papier. Natürlich nicht ganz billig. Von irgendwas muss der Hersteller leben. Mal muss man alles speziell ausrichten. Wer dann immer einen genügend großen Tisch zur Verfügung hat, genügend Zeit fürs Einrichten, der hat wohl auch genügend Muße, um sich von dem ganzen Gedöns nicht ablenken zu lassen. Ich nicht.

Man könnte auch einen Scanner nutzen, ggf. sogar das Smart Phone, um das zu Papier Gebrachte einzulesen. Manche kommen damit gut klar. Ich nicht. Da fliegen zu viele Textfotodateien, Textscandateien herum, die man erst mal organisieren muss. Und ich muss Papier, Bleistift, Radiergummi, Lineal und wer weiß was noch mitnehmen.

Ein Tablet! Das universelle Allzweckwerkzeug des modernen Menschen. Für alles gibt es eine App, viele Tablets bieten eine Stifteingabe. Damit ist das Tablet mehr als eine Internetfernbedienung. Das wäre es doch, oder?

Leider nicht. Tablets sind optimiert, damit darauf herumgewischt werden kann. Das kann jedes Baby, wörtlich gemeint. Mehr Qualifikation ist nicht nötig. Schreiben ist mehr als Wischen. Die Stifte von Tablets rutschen gerne auch der Oberfläche herum. Im Hintergrund warten zudem jede Menge andere Anwendungen darauf, den Nutzer mit vermeintlich wichtigen Nachrichten zu informieren. Und zur Not lenke ich mich selbst ab, indem ich mal eben etwas nachsehe, anstatt selbst zu denken. Und der Akku ist auch immer wieder leer.

Was ich (und viele andere) benötigen, ist das Pendant eines E-Book-Readers: ein E-Writer.

Ein E-Writer nutzt ebenfalls elektronisches Papier, so dass der Akku erst nach Wochen nachgeladen werden muss. Die Schreiboberfläche ist minimal leicht angeraut, so dass es sich (fast) anfühlt, als schreibe man auf Papier. Leuchtet normales Papier? Genau, ein E-Writer muss keine Hintergrundbeleuchtung haben, höchstens eine ganz dezente. Erscheinen auf dem Papier unmotiviert irgendwelche Post-its? Genau, ein E-Writer unterbricht nicht, hat keine nervenden Hintergrund-Apps. Soweit das haptisch praktische.

Aktuell gibt es zwei Geräte, die all dies (und noch einiges mehr) leisten.

Etwa seit dem Jahreswechsel 2022/2023 gibt es den Kindle Scribe von Amazon. Ein E-Book-Reader, mit dem man auch schreiben kann. Fokus ist das Lesen. Man schreibt, um sich Notizen zum gerade gelesenen Inhalt zu machen. Amazon hat die eine oder andere fehlende Funktionalität nachgeliefert und wird das mutmaßlich weiter tun.

Anfang 2023 wurde von Lenovo ein Gerät mit Namen Smart Paper angekündigt. Dabei ist es bisher geblieben. Auch von anderen Herstellern gibt es Android-basierte Tablets mit elektronischem Papier. Diese können eher zu viel und das nicht richtig. Es sind keine E-Writer im obigen Sinn.

Seit 2020 gibt es die zweite Version des reMarkable. Die erste Version, entstanden via Crowdfunding, war mir etwas schwachbrüstig. Die Zeitläufte im Frühjahr 2020 waren für mich Grund genug, das Gerät nach der Ankündigung vorzubestellen. Geliefert wurde es einige Monate später. Grund: die Zeitläufte.

Natürlich ist das Gerät purer Luxus. Grob 400 Euro für etwas, dass zunächst nicht zu viel mehr kann als ein Stapel Papier, das ist nicht ohne. Für das Geld lassen sich locker 30.000 Blatt Papier kaufen. Dank meiner relativ privilegierten Situation entschied ich mich für das Experiment. Es geht ja nicht nur um Quantität.

Auf einer technischen Ebene ist das reMarkable ein Linux-basierter Computer, mit WLAN, Display und Stifteingabe. Über eine USB-C-Schnittstelle kann man eine IP-Verbindung mit dem Gerät aufbauen und sich in diesen Computer einloggen. Dann steht einem die ganze Linux-Welt offen. Selbst den Zettelstore habe ich dort zum Laufen bekommen. Wer ein wenig recherchiert, findet viele Erweiterungen, bis hin zu einer neuen Oberfläche. Genug mit technischen Details.

Wie schreibt es sich? Wunderbar. Der Stift besitzt austauschbare Spitzen, die über das leicht raue Display reiben und sich wohl im Laufe der Zeit abnutzen sollen. Bisher musste ich noch keine Spitze tauschen. Das liegt aber auch daran, dass ich alternative Stifte verwende. Mir gefällt besonders der Staedtler Noris digital jumbo, der gut in meiner Hand liegt. Dieser haftet zwar nicht magnetisch wie der Originalstift, macht aber nichts. Das magnetische Haften ist sowieso nur ein Gimmick.

Seither ist mein Papierbedarf drastisch gesunken.

Es geht aber nicht nur um quantitatives, wie Anzahl der virtuellen Stifte, deren virtuellen Stärke, Farbe, der Anzahl nützlicher Templates, und so weiter. In der Praxis nutze ich nur wenige dieser Varianten. Das gilt auch für die graphischen Ebenen, die wohl eher für Personen relevant sind, die damit intensiv zeichnen wollen und können. Hilfreich, wenn man es hat, aber nicht entscheidend. Das gilt für auch für die Synchronisation von Inhalten mit Google Drive, bzw. Dropbox. Ich nutze die Synchronisation mit Hilfe der Herstellerdienste. Für Windows, macOS, iPadOS, Android gibt es Client-Software, welche die Inhalte darstellen kann. So habe ich alle Inhalte in vielen Situationen parat.

In Zeiten der Digitalisierung gilt es immer wieder, PDF-Formulare auszufüllen. Leider haben nicht alle genügend Fähigkeiten, solche PDF-Dateien geeignet zu erstellen. Mal lässt sich so ein PDF-Formular nur per Windows / Adobe-Software ausfüllen, mal nur unter macOS. Mal lässt sich ein Eingabefeld nicht ausfüllen, mal würde man gerne eine Graphik einfügen. Das Web-0.8-Ländle ist überall. Da hilft der reMarkable: PDF über die Client-Software mit dem reMarkable synchronisieren, dort alles mit dem Stift ausfüllen und zurück synchronisieren. Fertig.

Den eigentlichen Vorteil des reMarkable gegenüber Papier habe ich erst nach einiger Zeit zu schätzen gelernt. Ganz banal: man kann Texte nicht nur löschen, sondern auch (Trommelwirbel) verschieben. Einfach einen Bereich auswählen und schon kann dieser auf dem virtuellen Papier verschoben werden, ggf. auch in andere Dokumente. Das hilft bei Layoutfragen, Umformulierungen, nach dem Löschen von Texten, you name it. Mit echtem Papier bräuchte es eine Schere und viel Klebstoff. So kann ich zum Beispiel nach dem Mitschreiben in Ruhe den Text / Inhalt in die angemessene Reihenfolge für ein Besprechungsprotokoll bringen. Als PDF exportieren, fertig. So entstehen auch meine Mitschriebe der diversen Zettelkastenrunden, die ich kurz nach Ende der Runde in die Welt tweete bzw. tröte. Dann natürlich als PNG exportiert.

Während beim Kindle Scribe das Lesen im Fokus steht, ist es beim reMarkable das Schreiben. Sprich, man kann damit auch Texte lesen und annotieren. Das funktioniert leidlich gut, liegt aber auch an der Größe / Kleinheit des reMarkable. Eine DIN-A4-Seite passt dort nur verkleinert hinein, wie übrigens bei so gut wie jedem Gerät mit elektronischen Papier. Man kann zwar mit Fingergesten in den Text hineinzoomen, aber das funktioniert bei Tablets besser.

Während sich seitens des Herstellers in den Jahren 2021 und 2022 eher wenig tat, es eher immer wieder kleine Verbesserungen gab, hat sich dies mit dem Erscheinen des Kindle Scribe geändert. Viele Funktionen werden in vielen Details verbessert. So ist nun die Papiergröße nicht mehr auf die Größe des reMarkable beschränkt. Die Texterkennung funktioniert nicht nur per Mail, vielmehr kann der Text auf einer separaten Seite angelegt werden. Man kann das Schreiben live an andere übertragen, was z. B. in virtuellen Schulungen nützlich sein kann. Die Client-Software auf mobilen Geräten erlaubt es nun, Text (d. h. kleine Notizen) ohne den reMarkable zu erstellen. Mit der herstellerseitigen Synchronisation können nun die Inhalte auch per Webbrowser abgerufen werden. Wer mag, der kann sogar nun eine Tastatur an den reMarkable anklipsen. Ein gutes Beispiel dafür, das Konkurrenz das Geschäft belebt.

Ich habe den reMarkable auch deshalb gewählt, weil er sich ganz ohne Dienste des Herstellers betreiben lassen kann. Ein Kindle ohne Amazon ist wie ein Tolino ohne der von den Buchhändler betriebenen Cloud. Man ist auf externe Software wie Calibre angewiesen. Wie schon oben beschrieben: man kann den reMarkable über die USB-C-Schnittstelle mit einem Computer verbinden. Nun kann man vom einem Webbrowser aus die IP-Adresse des reMarkable angeben und der gesamte Inhalt lässt sich rein lokal synchronisieren. Würde mich nicht wundern, wenn das nicht schon jemand automatisiert und das als Open-Source-Software freigegeben hat.

Zusammenfassung

Mir hilft der reMarkable. Ja, zuerst sieht es so aus, als sei es ein reines Luxusgerät. Das ist es wohl auch in Teilen. So wie ein Smart Phone für 800 Euro ebenfalls Luxus ist. Tatsächlich ist die Nutzung sehr intuitiv. Viele meiner interessanteren Gedanken konnte ich mit dem Gerät signifikant vertiefen. Ungestört von irgendwelchen Apps, die zunächst im Hintergrund um meine Aufmerksamkeit buhlen. Eine Notiz hier, ein Fragment da. Und alles lässt sich im Nachgang zu einem Dokument zusammenfügen. Ade Schere, Klebe, Kopiergerät, Tesafilm, Post-its. Dank sinnvoller Synchronisation sind die Inhalte auch dann verfügbar, wenn ich den reMarkable nicht dabei habe. Im positiven Sinne: Schreiben pur.

Wer schreibt, der bleibt.


Blitz

TwitterX 5 (1)

Beitragsfoto: Blitz | © Bild von PIRO auf Pixabay

Kaum habe ich mich halbwegs an Twitter gewöhnt, was u. a. mit der sehr schlechten Performance anderer Social Media zu tun hat, muss ich erfahren, dass Elon Musk Twitter nun zu einer Art chinesischer Allzweckwaffe umbauen möchte.

Auf jeden Fall existiert Twitter jetzt nur noch dem Namen nach, denn die neue alte Firma heißt jetzt ganz schlicht X. Bereits 1999 gründete Elon Musk die Online-Bank X.com. Und auch in SpaceX, dem Tesla Model X und scheinbar selbst in den Namen seiner Kinder taucht das Zeichen X immer wieder auf.

Vor sechs Jahren kaufte er die Domain X.com von Paypal zurück, und jetzt können wir alle gespannt darauf sein, wann Twitter dorthin umziehen wird. Ob ich diesen Umzug dann noch mitmachen werde, kann ich jetzt noch nicht sagen, auf jeden Fall aber benötige ich keine Art von WeChat oder eine etwas andere Form von Facebook.

Und so werde ich mich wohl mehr darum bemühen müssen, dass meine Leser sowie mein Freundes- und Bekanntenkreis mit mir, wenn schon nicht über mein Weblog, dann wenigstens über Delta Chat oder Threema in Verbindung bleiben.

Delta Chat:
Dazu muss man nur eine E-Mail an chat@xirvul.shop schicken, die ich dann als Chat-Nachricht erhalte und verwenden kann. Im Falle dass der Absender ebenfalls Delta Chat — die Software ist kostenlos — verwendet, ist der gesamte Schriftverkehr verschlüsselt.

Threema:
Hierzu muss man einmal die App kaufen (ca. 5 Euro) und erhält dafür ein sehr sicheres und ausgereiftes Kommunikations-Tool an die Hand. Das Gute daran, man kann auch verschlüsselt telefonieren oder mehrere Chat-Räume unterhalten. Für die EUROPA-UNION habe ich dort bereits welche eingerichtet.

Meine Threema-ID ist HS82SV7E.


Blogger

21.3.02023 5 (1)

Beitragsfoto: Blogger | © 8212733 auf Pixabay 

Social Media

Ganz aktuell werden wieder einmal sehr viele Säue gleichzeitig durchs Dorf getrieben, es geht dabei u. a. um vermeintliche rassistische oder nicht-gegenderte Sprache und auch schon wieder einmal um die Social Media.

Gerade darf ich sehr viel darüber lesen, wie gefährlich nicht nur Tiktok und WhatsApp sind, sondern auch darüber, dass inzwischen selbst das völlig verstaubte Facebook — eigentlich nur noch für Menschen über 60 von Relevanz — inzwischen gar eine Angelegenheit zwischen unserer Bundesregierung und deren Datenschutzbeauftragten geworden ist. Und seit gestern ist dies sogar zu einem dringenden Thema bei einer meiner ehrenamtlichen Tätigkeiten geworden.

Nun bin ich tatsächlich versucht, für mich das Beste daraus zu machen und — wieder einmal — die erst jüngst von mir erneut aktivierten Social Media Accounts endgültig zu schließen. Zuletzt hatte mich Herbert Burkhardt dazu motiviert, diese für den kommenden Wahlkampf zu betreiben. Und da ich schon einmal dabei war, habe ich nicht nur Freie Wähler, sondern gleich auch wieder für die EUROPA-UNION Heilbronn ein paar Social Media Konten eröffnet. Und um dies zu können, musste ich auch erneut ein Facebook-Konto einrichten.

Und wieder einmal musste ich feststellen, dass mir außer LinkedIn — welches ich nur nutze, um ggf. mit Kameraden, Kollegen und Bekannten in Verbindung treten zu können — und das ebenfalls etwas verstaubte Twitter alle anderen Social Media Kanäle selbst nur Bauschmerzen bereiten.

Ach, wie gerne würde ich jetzt einfach nur auf die entsprechenden „Konten-löschen“ Knöpfe drücken! Dann aber muss ich daran denken, dass es Menschen gibt, für die ist es weiterhin wichtig, dass man solche Medien bedient. Deshalb, bevor ich schon wieder einmal meinem Bauchgefühl nachgebe, die Frage an meine Leser: Was können Sie mir mit gutem Gewissen raten?

Nachtrag (22.3.2023)

Nachdem sich kaum jemand wirklich interessiert hat, konnte ich meine entsprechenden Konten heute ohne größere Bedenken löschen. Wer sich weiterhin mit mir über Social Media unterhalten möchte, der kann dies gerne über Twitter und LinkedIn versuchen.

Blogger

Ich bin ein Blogger und obwohl ich immer wieder auch Aus- und Weiterbildungen im Journalismus hatte und regelmäßig journalistische Beiträge für Zeitungen schreibe, kein Journalist. Journalismus und Bloggen sind zwei grundverschiedene Tätigkeiten, die auch ganz andere Ziele verfolgen.

Über Journalisten, Zeitungen und Zeitschriften habe ich bereits eigene Beiträge geschrieben. Mein Weblog hier soll möglichst als gutes Beispiel fürs Bloggen dienen. Blogger schreiben zumeist in der Ich-Perspektive und halten sich nicht mit ihrer persönlichen Meinung zurück.

Und wenn ich schon dabei bin, dann lasse ich auch noch einmal Adorno zu Wort kommen; dieser hat m. W. zwar nichts über Blogger geschrieben, aber seine ganz persönliche Meinung über Journalisten kundgetan, die in der folgenden Aussage gipfelt.

„Die ‚Gesinnungslosigkeit‘ der Journalisten, die Prostitution ihrer Erlebnisse und Überzeugungen ist nur als Gipfelpunkt der kapitalistischen Verdinglichung begreifbar.“

THEODOR W. ADORNO, MINIMA MORALIA (14. AUFLAGE 2022 [1951]: 263)

Nachtrag

Peter Schulze hat mich auf einen Beitrag von Jürgen Zietlow vom Oktober 2019 aufmerksam gemacht, der sich in medien.de die Frage stellte: Was unterscheidet Blogger, Influencer, Journalisten, Redakteure und Autoren?

Herausforderung

Manche Studenten möchten gerne „klassische“ Vorlesungen besuchen, weil sie dort angeblich dem Dozenten besser folgen können. Als Dozent habe ich nichts gegen solche Vorlesungen einzuwenden, gebe dabei aber zu bedenken, dass es dort in erster Linie darum geht, was der Dozent während solch einer Vorlesung von sich gibt — nämlich seine Interpretation der thematisierten Lektüre. Und danach darum, was sich während dieser Vorlesungen im gegenseitigen Austausch über das Thema ergibt. Hierbei handelt es sich nämlich gerade nicht um ein Vorlesen wie ehemals aus Kinderbüchern zu Kindergarten- und Grundschulzeiten.

Sehr sportlich ist es als Student, wenn man solche „klassischen“ Lehrveranstaltungen bucht und sich dann damit zufriedengibt, dass man in etwa weiß, welche Literatur den Vorlesungen zugrunde liegt. Noch sportlicher, wenn man in Folge davon keine einzige Vorlesung selbst besucht. Ein klein wenig bewundernswert, wenn man dann als Student die entsprechende Klausur auch noch erfolgreich schreibt — manche könnte dabei aber zu der Auffassung gelangen, dass dies schon ein wenig etwas von einem Hasardeur hat.

Völlig schräg ist es dann aber schon, wenn man sich selbst zu solchem Handeln entschlossen hat und bereits zu Beginn der Klausur feststellen muss, mit den Fragen des Dozenten wenig bis gar nichts anfangen zu können, und dann darauf besteht, dass der Dozent die falschen Fragen stellen würde.

Deshalb mein Ratschlag, einfach gebuchte Vorlesungen auch besuchen, besser noch, sich vorab, während und nach der Vorlesung mit dem dort präsentierten Thema zu beschäftigen.

Ich behaupte, dass bis auf die besagten 5 %, sämtliche Teilnehmer solche Lehrveranstaltungen erfolgreich absolvieren können. Mein Tipp dabei: lesen, zuhören, nachdenken, fragen, zuhören, lesen usw. und sofort.