JEF Treffen 2007

Inklusion 5 (7)

Beitragsfoto: JEF Treffen 2007 u. a. mit Dr. Manfred Weinmann | © Bettina Kümmerle

Die soziale Inklusion ist der nächste Schritt nach einer erfolgten Integration, die interessanter Weise vor gut zwanzig Jahren hier im Blog ein Thema war. Es darf bezweifelt werden, dass man erfolgreich von einer Separation oder gar Exklusion zu einer Inklusion gelangen kann.

Ich betrachte das Thema Inklusion nun wie das Thema Integration vorab auch aus meiner ganz speziellen Sicht als Vereinsmitglied der EUROPA-UNION heraus. Auch wenn es uns in den letzten zwei Jahrzehnten nicht gelang, alle Neubürger — aus welchen Gründen auch immer — zu integrieren, so kann man dennoch feststellen, dass der Großteil sich längst in unsere Gesellschaft integriert hat. Die sicherlich bestehenden Parallelwelten (Separation) sind eine Ausnahme, auch wenn dieses Thema immer wieder und auch völlig zurecht in die Medien kommt, dabei aber von totalitaristischen Kreisen für eigene Umtriebe missbraucht wird.

Zudem und zum Leidwesen vieler Heimatvereine mit Migrationshintergrund sind die jüngeren Neubürger, ganz besonders aber die Folgegeneration längst einen Schritt weiter und bereits in unserer Gesellschaft inkludiert — dies im positiven Sinne und somit auch nicht assimiliert. Übrigens, eine Assimilation hat den großen Nachteil, dass sie eine Gesellschaft um die Vorzüge, welche Neubürger mitbringen, beraubt.

Meine Erfahrung zeigt dabei, dass eine offene Gesellschaft Integrationsschritte nicht steuern muss, sondern dass diese, wenn die Gesellschaft gut funktioniert, von ganz alleine stattfinden. Wie diese Menschen sich in unsere Gesellschaft einbinden, ob durch Arbeit, Familienbande oder gar eine politische Beteiligung, dürfte dabei sekundär sein.

Wer sich mit dem Thema Inklusion ein wenig mehr beschäftigt, der stellt sehr schnell fest, dass es dabei noch um weit mehr geht, nämlich dass jeder Mensch in seiner Individualität von der Gesellschaft akzeptiert wird und zudem die Möglichkeit hat, in vollem Umfang an ihr teilzuhaben — sich wenn gewünscht, beteiligen zu können. Ob und dass dies nicht nur eine freiwillige Angelegenheit ist, soll hier in diesem Beitrag nicht weiter thematisiert werden.

Faktum ist, dass Inklusion alle Bürger gleichermaßen in eine Gesellschaft einbindet, was durchaus bei geistigen oder körperlichen Nachteilen Einzelner eine höchst komplizierte und vor allem auch sehr teure Angelegenheit ist. Hierbei gilt es auch zu beachten, dass eine Inklusion nicht zum Nachteil anderer gereichen darf — unsere Schulen können hierbei als gutes Beispiel dienen.

Bereits seit den 1970er-Jahren dürfte die Inklusion bei uns Thema sein, zumindest war sie es während meines eigenen Studiums in den 1980er-Jahren, wobei ich damals eher schon alleine aus Pragmatismus heraus der Integration den Vorzug gab; was letztendlich auch zu meinem Integrationsbeitrag vor zwanzig Jahren führte.

In den 1990er-Jahren etablierte sich die Inklusion international im Bildungssektor, was, weil ich beruflich anderweitig beschäftigt war, offensichtlich nicht so recht von mir wahrgenommen wurde. Zu meiner eigenen Entlastung erzielte die Inklusion aber erst nach meinen damaligen Beitrag den politischen Durchbruch und dürfte tatsächlich erst in ab den 2010er-Jahren ein fester Bestandteil der deutschen Politik sein.

Bekannter Weise hat die Politik erst dann damit begonnen, sich um die bereits in den 1980er-Jahren erkannten pragmatischen Gesichtspunkte der Umsetzung wie Gefahren, Kosten und Qualität zu kümmern.

Spannender Weise und hier komme ich nun zu meinem eigentlichen Punkt, sind es gerade unsere Parteien und politischen Verbänden, die das Thema Inklusion Lügen strafen. Dabei gerade ganz besonders jene Parteien, die sich die Inklusion seit Jahren auf die eigenen Fahnen schreiben!

Zur Erinnerung unter Inklusion stellen wir uns die gleichberechtigte Teilhabe aller Menschen am gesellschaftlichen Leben, unabhängig von individuellen Merkmalen wie Behinderung, Herkunft, Alter oder Geschlecht vor.

Damit alleine müssten in unseren Parteien und politischen Verbänden nicht nur sämtliche Frauen und Senioren Unionen aufgelöst werden, sondern ganz besonders auch die eigenen Jugendorganisationen!

Inklusion ist richtig und wichtig! Allerdings auch sehr schwer umzusetzen, besonders dann, wenn man als Gesellschaft Gefahr läuft, dabei die Mehrheit zugunsten einer Minderheit zu benachteiligen. Wenn wir allerdings ehrlich sind, dann war das in allen Gesellschaften schon immer so, nur mit dem Unterschied, dass man bisher immer die mächtige Minderheit bevorzugt.

Für meinen eigenen Verein und auch Verband rege ich nun an, endlich und dies interessanter Weise auch im Sinne unserer Gründungsväter (die hatten damals noch den Durchblick!) alle Mitglieder gleichermaßen zu behandeln. Dazu benötigen wir keine eigene Jugendorganisation.

Da wir aber einen erkennbaren Mangel an Jugendlichen und auch der Mittelalter haben, benötigen wir jeweils einen dafür Beauftragten in unserem Verein, wie auch in unserem Verband. Diese Beauftragte haben sich um das jeweilige Thema zu kümmern und Vorschläge zu unterbreiten, wie man am besten diese Altersgruppen für den Verein gewinnen kann.

Für den Fall, dass sich im Verein gleich mehrere Jugendliche engagieren, kann man gerne über eine Jugendgruppe nachdenken, die die besonderen Bedürfnisse dieser Mitglieder abdeckt — aber auch nicht mehr!


Fediverse Reactions
Partnervereine der EUROPA-UNION

Integration 5 (7)

Beitragsfoto: Partnervereine der EUROPA-UNION

Von einem positiven Integrationsbegriff ausgehend und der Tatsache, dass bis zu einem Drittel unserer Bevölkerung in die bestehenden politischen und sozialen Strukturen zu integrieren sind, ist eine erfolgreiche Integration von Bürgern mit Migrationshintergrund in unsere Gesellschaft grundsätzlich eine freiwillige Angelegenheit. Dabei müssen sowohl die Integrationsbemühungen als auch die Hilfestellungen „Alteingesessener“ von den Bürgern selber kommen.

Ziel aller staatlichen Bemühungen sollte es sein, die Integration der Neubürger und ihrer Nachkommen in die bestehenden Strukturen zu fördern. Dabei ist zu beachten, dass Integration von neuen Bevölkerungsteilen nicht ausschließlich eine Einbahnstraße ist, sondern unausweichlich auch Veränderungen der bestehenden Strukturen mit sich bringt. Auch ist eine erfolgreiche Integration schwer quantifizierbar aber zu jeder Zeit in ihren Auswirkungen qualitativ erlebbar.

Alteingesessene Bevölkerungsteile sollten sich mit dem Integrationswunsch von Neubürgern identifizieren, diesen mindestens aber tolerieren, zumal, wenn es sich dabei nicht um Einzelfälle handelt und Auswirkungen auf die eigene, ursprüngliche Lebensart und -weise zu erwarten sind.

Deswegen ist meines Erachtens eine für alle Betroffenen gültige Zielvorgabe des zu erlangenden Endzustandes notwendig. An diesem gesellschaftspolitischen Ziel gilt es sich zu orientieren:

Die Europäische Idee, mit dem Grundgesetz und der deutschen Sprache als Grundlage, bietet hierbei einen erfolgsversprechenden und zielführenden Ansatz.

Dieser Ansatz wird seit Jahren von der EUROPA-UNION Deutschland (EUD) verfolgt. Die EUD ist schon von ihrer Idee her ein wesentlicher Träger jeglicher Integration. Im Großen die Integration Deutschlands und weiterer Staaten in ein vereintes Europa und im Kleinen die Integration seiner Bürger in die regionalen Gebietsstrukturen.

Deswegen wirbt die EUD für ein vereintes und geeintes Europa, bemüht sich Vorurteile abzubauen und ein für alle tragbares Endziel (Europäische Union) zu formulieren.

Die Migrationsbewegungen und ihre Folgen von Anfang an erkennend, hat der Kreisverband Heilbronn der EUD schon seit Jahrzehnten auch für ein besseres Verständnis der unterschiedlichen Bevölkerungsanteile untereinander geworben und bemüht sich auch weiterhin, durch Information und Zusammenarbeit auch im Kleinen Vorurteile abzubauen und integrierend zu wirken.

Mit dem Treffpunkt Europa, der im Mai eines jeden Jahres auf dem Kiliansplatz in Heilbronn stattfindet, hat der Kreisverband Heilbronn der EUD in enger Zusammenarbeit mit der Stadt Heilbronn schon Ende der 1980er-Jahre ein erfolgreiches Integrationsinstrument geschaffen. Dabei wird vor allem durch das Ansprechen der emotionalen Ebene aller Heilbronner Bevölkerungsteile ein „Wir-Gefühl“ als Voraussetzung für eine erfolgreiche Integration entwickelt und gefördert.

Die erfolgreiche Durchführung des Treffpunkt Europas hat sich damit als ein für alle Beteiligten gültiges und erstrebenswertes Ziel entwickelt und wurde über die Jahre hinweg ohne jeglichen Zweifel ein erfolgreiches Integrationsinstrument.

Während des Treffpunktes Europa werden durch gemeinsames Feiern Ängste und Vorurteile abgebaut sowie tragbare und hilfreiche Verbindungen geknüpft.

Schon mit Beginn der Vorbereitungen zum Treffpunkt werden den beteiligten Gruppen mit Migrationshintergrund neben der Verbesserung der sprachlichen Voraussetzungen auch Inhalte vermittelt, die sie auch über den Treffpunkt Europa hinaus anwenden können. Gleichzeitig wird ihr Verständnis für bestehende städtische und bürgerliche Strukturen Heilbronns gebessert.

„Alteingesessene“ Gruppen können im Zuge der Vorbereitungen und in der Mitarbeit mit den „ausländischen“ Gruppen ihrerseits ihre Vorurteile überprüfen und abbauen.

Über den Treffpunkt Europa hinaus werden Neubürger in bestehende Strukturen Heilbronns integriert und zu einem wesentlichen Bestandteil der Heilbronner Gesellschaft, ihrer Vereine und Parteien.

„Eines ist aber auch klar: Integration funktioniert nur, wenn Familien aller Kulturen das Recht ihrer Kinder auf Bildung ernst nehmen. Dafür muss die Politik sorgen.“

Marcus Hasselhorn, 10 Leibnitz-Forscher blicken in die Zukunft (2016: 8)