Maskerade

7.12.02021 5 (2)

Europastammtisch

Zum Ende eines turbulenten Tages gab es dann noch den monatlichen Europastammtisch, den ich mir nicht entgehen lassen wollte. Dieser war dann nicht nur durch neue Informationen sehr interessant, sondern auch dadurch, dass wir eine neue Stammtischbesucherin begrüßen durften. Und da die daraus resultierenden Gespräche wieder etwas länger dauerten, verlängerte sich auch unser Stammtisch.

So ist der Rest der Nacht jetzt zu kurz, um mich in meinen Roman zu vertiefen. Deshalb läuft jetzt ganz nebenher eine ältere Krimiserie zur Entspannung.

Faust auf Auge

Kaum hatte ich hier im Weblog über die Bedeutung des Ehrenamts für unsere Gesellschaft geschrieben, kann man in der Heilbronner Stimme darüber lesen, was man in unserer Stadt darunter versteht. So werden weiterhin „ehrenamtliche“ Frühstückshelfer gesucht, auch hierüber hatte ich bereits berichtet, welche aber inzwischen wohl ebenfalls bezahlt werden (Heilbronner Stimme, 07.12.2021: 31).

Das Ganze wird aber doch noch von der jüngsten Heilbronner Entwicklung übertroffen, indem ein gerade noch abgewählter Berufspolitiker nun in eine, extra für ihn geschaffene, Position (Heilbronner Stimme, 07.12.2021: 32 — „Aktivposten“) in einer bekannten sozialen Einrichtung Heilbronns gehoben wird, die übrigens von unseren Steuern — auch Kirchensteuern — und Spenden getragen wird.

Demnächst darf man dann wieder lesen, wie sich „unsere“ Berufspolitiker mit ihren „Ehrenämtern“ brüsten.

Geburtstag des Tages

Tom Waits


Ehrenamt & Freiwilligendienst

Ehrenamt 5 (1)

Beitragsfoto: Hände | © Pixabay

Der 5. Dezember, internationaler Tag des Ehrenamts, ist eine gute Gelegenheit, um einmal ein wenig über das „Ehrenamt“ nachzudenken. Eigentlich eine klare Angelegenheit und auch eine bürgerliche Selbstverständlichkeit. Ich behaupte sogar, dass jede Gesellschaft, die das Ehrenamt kennt und auch pflegt, eine erfolgreiche ist. Und Gesellschaften die das Ehrenamt nicht kennen, die sogenannten Bakschisch-Gesellschaften, auch nie so erfolgreich werden können.

Dies wurde mir erst vor Kurzem so richtig bewusst, als ich ein eigentlich sehr positives Gespräch mit einem Berufspolitiker hatte, der es tatsächlich überhaupt nicht verstehen konnte, dass es Menschen gibt, die etwas „für umsonst“ machen. Und so war es für diesen auch eine Selbstverständlichkeit, dass er durch sein „Ehrenamt“ und sein dabei gezeigtes Engagement nicht nur gut leben kann, sondern sich auch, verdienter Maßen, eine unbeschwerte Zukunft sichern konnte.

Deshalb möchte ich in diesem Beitrag doch noch einmal auf die eigentlichen Grundlagen ehrenamtlicher Arbeit zurückkommen. Das Ehrenamt ist das Engagement in öffentlichen Funktionen, welche durch Wahl legitimiert werden und von den Amtsträgern unentgeltlich, das heisst ohne jegliche Bezahlung und sonstigen materiellen Zuwendungen, nachgegangen wird.

Das Ehrenamt wird idealer Weise durch weiteres bürgerschaftliches Engagement, wie z. B. den Freiwilligendiensten, ergänzt und dadurch komplettiert. Deswegen sind Gesellschaften, die solch engagierte Bürger haben, auch so erfolgreich, weil diese Bürger viele Tätigkeiten „umsonst“ verrichten und damit eine Gesellschaft maßgeblich voranbringen.

Die typischen Ehrenämter sind dabei Vereinsvorstände, Schöffen und Gemeinderäte. Diesen Bürgern, die solche Ämter begleiten, kann man durchaus Altruismus unterstellen, das Gegenteil von Egoismus. Und damit ist es auch eindeutig belegt, warum solche Gesellschaften einfach erfolgreicher sind.

Inzwischen aber hat es sich bei uns eingebürgert, dass wohl viele Ehrenämter mit sogenannten Aufwandsentschädigungen verbunden sind, die von der ursprünglichen Idee her, wohl den Amtsinhabern die Kosten für Transport und notwendige Büromaterialien erstatten sollten — was die Idee des Ehrenamts konterkariert — und immer mehr zu einer sehr guten Verdienstmöglichkeit für die Amtsinhaber wird. Wenn es sich um einen größeren Verein oder Verband handelt, gerne in die Hunderttausende Euro im Jahr an Aufwandsentschädigungen gehen, oder zumindest aber, wie bei Gemeinderäten, für ein über dem Durchschnitt der Gesellschaft liegendes Einkommen sorgen kann.

Die Bundesregierung formuliert es wie folgt: „Ehrenamt hat viele Gesichter: In Deutschland engagieren sich 31 Millionen Menschen freiwillig. Sie leisten damit einen wichtigen Beitrag für unsere Gesellschaft.“ 

Die Crux dabei ist, dass es kein Ehrenamt mehr ist, wenn der Inhaber dafür entlohnt wird, und man dadurch auch nicht mehr von altruistischen Motiven der Amtsinhaber ausgehen kann, sondern diesen gerade jenen Egoismus, welcher die Bakschisch-Gesellschaften dominiert, unterstellen muss.

Und gerade das Fehlen von altruistischen Motiven zerstört die Idee des Ehrenamtes und zerstört damit auch dessen eigentlichen Sinn und Zweck. Ich behaupte, dass wir schon lange auf dem Weg zu einer ehrenamtlichen Bakschisch-Gesellschaft sind und das Ehrenamt demnächst nur noch ein hohler Begriff sein wird, den man dann verwendet, wenn man etwas schönreden möchte.

Was können wir tun, wenn wir unsere Gesellschaft retten möchten?

Als erstes müssen wir für Transparenz sorgen und gerade bei „Ehrenämtern“ das jeweilige Preisschild anfügen. Und als zweites müssen wir die Ehrenämter wieder zu solchen machen.

Ich bin voll und ganz davon überzeugt, dass es bei uns noch ausreichend Bürger gibt, die solche Ehrenämter auch begleiten würden und zudem stolz darauf wären, zum Wohle unserer Gesellschaft tätig sein zu dürfen — die Ehre wäre ihnen sicherlich Lohn genug.

„Get people to share stories about work they do for nothing, the causes and community groups they or their family are involved in, or used to be and would still support if they had time. … You could learn more about your fellow workers in ten minutes than in the last ten years.“

Patrick Dixon, Building a Better Business (2005: 3)

Beitragsfoto: Affenmusik | © Pixabay

25.11.02021 5 (1)

Thanksgiving

Wenn man, wie ich, doch so einiges an US-amerikanischer Verwandtschaft hat, bleibt es nicht aus, dass man auch mit dieser Version unseres Erntedankfestes konfrontiert wird. In den Vereinigten Staaten ist der „Thanksgiving Day“ ein staatlicher Feiertag, der jährlich am vierten Donnerstag des Monats November gefeiert wird

Und so habe ich, über all die Jahrzehnte hinweg, doch den einen oder anderen Truthan verdrückt, obwohl mir diese possierlichen Tierchen lebend besser zusagen. Und so werde ich wohl auch weiterhin vergebens auf ein jährliches Zwiebelrostbratenfest warten müssen.

Auf jeden Fall aber erinnere ich mich immer wieder gerne an die gemeinsamen Thanksgiving-Essen zurück, die wir mit der Familie, Freunden oder Kameraden erleben durften. Und gerade heute, da es sich zum zwanzigsten Male jährt, an ein entsprechendes Essen in Polen, wobei der Gastgeber einen gewaltigen Truthan auftischte und dabei seine Gattin als ausgezeichnete Köchin lobte. Meine beiden Jungs bekamen beim Anblick dieses gewaltigen Hühnchens große Augen, und wir allesamt, als der Gastgeber den Truthan anschnitt, und ein Plastikbeutel mit all den Innereien zum Vorschein kam.

Militärfamilien sind doch so einiges gewohnt, so „ließen wir den Truthan schwimmen“ und hatten einen wunderbaren Thanksgiving Day, der allen bis heute in bester Erinnerung blieb und wahrscheinlich auch weiterhin bleiben wird.

Dilettantismus

Manche erinnern sich noch daran, wie die grüne Fraktionsvorsitzende Susanne Bay im Heilbronner Gemeinderat und in der Heilbronner Stimme „tobte“, als die Freien Wähler durch Übertritt eines AfD-Stadtrats stärker wurden und in Folge davon, die Grünen ein Aufsichtsratspöstchen weniger hatten. Kurz und plakativ wurde allen Bürgern wieder vor Augen geführt, worum es im Gemeinderat eigentlich geht.

Jetzt, da das Verwaltungsgericht Stuttgart den Heilbronner Gemeinderat dazu verurteilt hat, in einer ähnlichen Angelegenheit ein Verfahren zur Neubesetzung von beschließenden und beratenden Ausschüssen sowie kommunalen Aufsichtsräten einzuleiten, wird dieser unschöne Sachverhalt — Heilbronner Pfründe — erneut publik.

Joachim Friedl schreibt heute hierzu sehr treffend in der Heilbronner Stimme (25.11.2021: 28) „die Haltung des Gemeinderats ist vielmehr ein Beispiel dafür, wie politische Gremien an ihren Pfründen hängen – wissend, dass sie politisch nicht korrekt handeln.“

Noch schlimmer aber ist, dass unsere sehr gut alimentierten Gemeinderäte — die Zeiten, wo dies ein Ehrenamt war, sind längst vorüber — sich weiterhin in sämtlichen Angelegenheiten auf die Expertise der Stadtverwaltung verlassen, die, wie wir erneut sehen müssen, selbst über keine oder kaum noch eine belastbare Expertise verfügt.

Am schlimmsten aber ist, dass dieser Heilbronner Sachverhalt des „gelebten Dilettantismus“, Wasser auf die Mühlen der bekennenden Demokratiegegner ist und zudem wieder einmal ohne jegliche Folgen für die Verantwortlichen bleibt — jede Demokratie stirbt von innen heraus!

Koalitionsvertrag

Der gestern veröffentlichte Koalitionsvertrag lässt aufhorchen und stimmt zumindest mich etwas positiver. Unter Punkt VII wird auf 28 Seiten von insgesamt 177 Seiten Europa thematisiert und in dem Wunsch gipfelt, dass „die Konferenz [zur Zukunft Europas] sollte in einen verfassungsgebenden Konvent münden und zur Weiterentwicklung zu einem föderalen europäischen Bundesstaat führen, der dezentral auch nach den Grundsätzen der Subsidiarität und Verhältnismäßigkeit organisiert ist und die Grundrechtecharta zur Grundlage hat.“  Noch wichtiger in der heutigen Zeit ist, dass nach einem bunten Sammelsurium an europäischen Wunschvorstellungen weiterhin — und dies war im Wahlkampf noch sehr umstritten — das Folgende im Vertrag verankert bleibt: „Bei allen diesen Schritten muss die Interoperabilität und die Komplementarität mit Kommandostrukturen und Fähigkeiten der NATO gesichert bleiben.“

Ganz besonders ist dies wichtig, wenn man sich vor Augen führt, dass Frankreich erneut andere Vorstellungen von einem gemeinsamen Europa äussert und unter dem Schlagwort „Offene strategische Autonomie“ bei den anderen Mitgliedstaaten eher um einen europäischen Nationalstaat mit Supermachtallüren buhlt.

Die nächsten Tage werde ich mir den Koaliitionsvertag mit dem Titel „MEHR FORTSCHRITT WAGEN – BÜNDNIS FÜR FREIHEIT, GERECHTIGKEIT UND NACHHALTIGKEIT“ noch etwas genauer ansehen.

Alles in allem bleibt wieder einmal zu hoffen, dass die guten Ideen halbwegs umgesetzt und die weniger guten Ideen schnell wieder in Vergessenheit geraten.

Wenn Sie sich gerne selber einen Überblick über das Vertragswerk verschaffen wollen, dann können Sie dieses gerne hier einsehen oder herunterladen:

Geburtstage des Tages

Andrew Carnegie und Carl Benz