Internetpräsenz

Never Change a Running System 4.8 (5)

Beitragsfoto: Beispielbild | © Gerd Altmann auf Pixabay

Dies ist ein altbekannter Grundsatz, dessen Befolgung mir sicherlich in den letzten Jahrzehnten viel Arbeit und noch mehr Nerven erspart hätte, aber für solch profane Hinweise war ich eigentlich noch nie zu haben.

Und so war es auch nicht wirklich überraschend, dass ich, nachdem ich erst vor Kurzem mein Weblog auf sehr gute Beine gestellt hatte, und dieses auch ohne Probleme und fast ganz von alleine lief, mit einer für mich neuen Idee konfrontiert wurde, nämlich der eines eher dezentralen Web-Systems. Diese Idee nennt sich IndieWeb und hat eine ganz interessante Anhängerschaft. Und so kam es, dass ich mich — noch bevor ich mich mit den Grundlagen so richtig selbst beschäftigt habe — dazu entschloss, dieses Weblog entsprechend und sofort umzubauen.

Was jetzt zur Folge hat, dass nicht nur die Blog-Leser hier immer wieder Neues oder gar Altbekanntes nicht mehr finden, sondern, dass auch ich jetzt ständig damit konfrontiert werde, was geht und was überhaupt noch nicht funktioniert.

Für mich war es dabei auch nicht sehr überraschend, dass Detlef Stern ebenfalls mit dieser Idee liebäugelt und entsprechend bereits 2016 einen eigenen Blog-Beitrag dazu schrieb — hätte ich diesen nur vorab gelesen!

Ich könnte jetzt einfach — dank der heutigen Technologie — auf den Reset-Button drücken und das letzte und ganz gut funktionierende System wiederherstellen, aber das wäre einfach nicht ich.

Ich könnte auch einmal damit beginnen mit Backups zu arbeiten, aber auch dies halte ich weiterhin für völlig übertrieben, und Detlef wartet bestimmt schon seit einigen Jahren darauf, dass mir mein ganzes, „selbst zusammengezimmertes“ System demnächst mal um die eigenen Ohren fliegt. Und inzwischen hat er die Wartezeit dazu genutzt, um mit seinem Zettelstore ein System anzubieten, was in seiner Einfach- und vor allem Übersichtlichkeit ganz besonders gut zu Bastlern wie mir passt.

Interessanter Weise konnte ich in anderen Blogs lesen, dass diese Ideen (HTML, IndieWeb und Einfachheit) ebenfalls schon andere Mitmenschen zuvor bewegt haben, und manche davon wieder, nach eigenen Versuchen, mit ihren Weblogs zu Word Press zurückkamen, weil es immer noch eines der am einfachsten zu bedienenden Systeme ist.

Ich kam ursprünglich selber aus einer ganz anderen Web 2.0 Ecke und blieb ebenfalls wegen seiner Einfachheit bei Word Press hängen; inzwischen dürften alle meine benutzten Vorgängersysteme ins digitale Nirvana abgewandert sein, und Detlef wird sicherlich anmerken wollen, dass ich deren Inhalte mit einem funktionierenden Backup auch mit in diese neue Zeit hinüberretten hätte können — hätte, hätte, Fahrradkette.

Auf jeden Fall warten nun auf mich wohl ganz spannende Wochen und dies nicht wegen den aktuellen Entwicklungen in unserer Welt oder auch nur um mich herum, sondern einfach nur deswegen, ob es mir jemals gelingen wird, mit diesem Weblog das IndieWeb-Konzept umzusetzen. Aber egal wie es auch ausgehen mag, zum Schluss der ganzen Aktion werde ich dann wohl wissen, was es genau mit diesem IndieWeb auf sich hat.

Neben dem Grundsatz „never change a running system“ gibt es auch den Versuchsaufbau des „trial and error“ und dies ganz im Sinne der Heuristik.

Und da wir schon bei Grund- und Vorsätzen sind, begrenze ich mich dieses Mal nur auf einen einzigen guten Vorsatz für das neue Jahr, nämlich dieses Weblog wieder so zum Laufen zu bekommen, dass mir seine Pflege und Bestückung möglichst einfach zur Hand geht und ich danach nicht mehr der Versuchung erliege, weitere grundlegende Veränderungen an diesem durchführen zu wollen. Denn auch ich komme so langsam in das Alter, in dem der Grundsatz „never change a running system“ durchaus nachvollziehbar wird.

Zum Schluss bleibt mir nur noch übrig, allen meinen Lesern einen erfreulichen Rutsch in das neue Jahr zu wünschen. Bitte bleiben Sie weiterhin gesund und munter sowie meinen Blog-Beiträgen gewogen!

„C’était l’explosion du nouvel an : chaos de boue et de neige, traversé de mille carrosses, étincelant de joujoux et de bonbons, grouillant de cupidités et de désespoirs, délire officiel d’une grande ville fait pour troubler le cerveau du solitaire le plus fort.
Au milieu de ce tohu-bohu et de ce vacarme, un âne trottait vivement, harcelé par un malotru armé d’un fouet. 
Comme l’âne allait tourner l’angle d’un trottoir, un beau monsieur ganté, verni, cruellement cravaté et emprisonné dans des habits tout neufs, s’inclina cérémonieusement devant l’humble bête, et lui dit, en ôtant son chapeau : “je vous la souhaite bonne et heureuse !” puis se retourna vers je ne sais quels camarades avec un air de fatuité, comme pour les prier d’ajouter leur approbation à son consentement.
L’âne ne vit pas ce beau plaisant, et continua de courir avec zèle où l’appelait son devoir. Pour moi, je fus pris subitement d’une incommensurable rage contre ce magnifique imbécile, qui me parut concentrer en lui tout l’esprit de la France.“

Charles Baudelaire, Le Spleen de Paris, Un plaisant (2021 [1869]: 10)

Beitragsfoto: Leser | © Pixabay

22.12.02021 5 (1)

Bändchen

Auch wenn sich das Ganze sehr schön anhören mag, nämlich, dass man jetzt mit bunten Bändchen offizielle Dokumente ersetzt — bei uns in Heilbronn den Impfausweis. So sollte man doch daran denken, dass wir uns einen der teuersten Staats- und Regierungsapparate der Welt leisten, welcher gerade dafür existiert und eigentlich auch dafür prädestiniert sein müsste, dass dieser für uns Menschen bürgernahe und auch hilfreiche Lösungen bietet.

Um es noch etwas deutlicher zu formulieren, demnächst kann man dann wohl auch mit weiteren Bändchen den Führerschein ersetzen oder schneller durch die Kontrollen am Flughafen gelangen.

So schön sich das alles auch anhören mag, und so gut diese privaten Initiativen auch sein mögen, dies konterkariert staatliche Aufgaben und Verantwortlichkeiten.

Letztendlich muss es aber vorab geklärt sein, wer dafür haftet, wenn es aufgrund eines Missbrauchs solcher Bändchen zu folgenschweren Schäden — vielleicht gar zu Todesfällen kommt.

Hier wäre das Verursacherprinzip anzuwenden, und im Falle, dass diese nicht in Regress genommen werden können, dann auf jeden Fall aber die entsprechenden Initiatoren bevor wir alle jetzt auch schon von Privatleuten in „Sippenhaft“ genommen werden.

Lug & Betrug

Ganz aktuell konnten wir alle erleben, wie bei uns in Deutschland Lug & Betrug die maßgeblichen Karrierekriterien wurden, zumindest wird man damit Regierende Bürgermeisterin von Berlin oder deutsche Außenministerin. An korrupte Volksvertreter, um die Männer nicht zu vergessen, haben wir uns schon so gewöhnt, dass unsere Gerichte dies inzwischen scheinbar als nationale Eigenart einstufen.

Dass wir Deutschen damit beim Rest der Welt auf Unverständnis stoßen, ist halb so schlimm, denn wir können schon lange weder Flughäfen bauen, noch eine Bimmelbahn halbwegs pünktlich fahren lassen.

Schlimmer ist aber, welche Signale wir damit an unsere eigene Jugend senden: man darf lügen und betrügen so viel man möchte, muss keine Leistung mehr zeigen oder überprüfbare Erfolge nachweisen können, denn so lange man ein Parteibuch hat und zu einer Quoten-Gruppe zählt, wird man bei uns alles — Deutschland als ewiges Weihnachten, Ostern und Schlaraffenland zugleich.

Europastammtisch

Der letzte Europastammtisch des Jahres war wieder, und dies auf Wunsch der Mitglieder, ein virtueller. Leider ließ dann deren Präsenz am Stammtisch doch ein wenig zu wünschen übrig, was uns Anwesenden dann aber die Chance gab, für die künftigen virtuellen Europastammtische neue Pflöcke einzuschlagen. So sind wir z. B. wieder zur GoToMeeting-Software zurückgekehrt.

Auch haben wir uns darauf geeinigt, dass wir die zum Beginn der Pandemie geschaffenen Foren des Europastammtisches wieder schließen werden und auch keinen Ersatz dafür vorsehen werden. Unser Fazit: es war zwar gut gemeint, und hat auch den einen oder anderen zum Mitmachen motiviert, aber letztendlich nicht den Erfolg gebracht, an den zumindest ich geglaubt hatte.

So gilt auch hier, oftmals ist weniger mehr.

Geburtstage des Tages

Giacomo Puccini und Frank Billings Kellogg


Internetpräsenz

Internetpräsenz 5 (3)

Beitragsfoto: Gerd Altmann auf Pixabay

Dieses Wochenende konnte ich nicht nur mit einem produktiven Federal Committee Meeting verbringen, sondern wurde — überraschender Weise — erneut mit dem Thema der „eigenen“ Internetpräsenz konfrontiert. Dieses Mal ging es um die Internetpräsenz der EUROPA-UNION auf Wikipedia.

Mit dem immer mehr an Bedeutung gewinnenden Wikipedia begann auch ich mich, und dies noch in den Nullerjahren, daran zu beteiligen. Da ich ganz sicher kein Encyclopedist bin, machte ich anfangs nur auf offensichtliche Fehler oder Unstimmigkeiten aufmerksam. Dann, 2009, begann ich erstmals einen eigenen entsprechenden Artikel zu schreiben und ergänzte Wikipedia mit einem Eintrag zur EUROPA-UNION Heilbronn. 2010 war ich dann doch etwas verärgert, als mein Beitrag wegen Irrelevanz wieder gelöscht wurde, denn damit waren doch einige Tage an Arbeit einfach so und völlig umsonst verbracht. Der einzige Trost dabei war, dass man mir erklärte, dass auch andere Beiträge über unsere Bewegung, weil ebenfalls irrelevant, gelöscht wurden.

So begrenzte ich mich weiterhin auf die Ergänzung von bereits bestehenden Beiträgen und korrigierte munter weiter vor mich hin. Einzig, und dies zu meinem großen Leidwesen, wurden meine Ergänzungen zu UEF Themen immer öfters gelöscht oder erneut wieder geändert.

2020 war ich dann sogar erfreut darüber, dass inzwischen auch die Relevanzkriterien bei Wikipedia gelockert wurden, und neue Beiträge zur EUROPA-UNION zu finden waren. So nutzte ich die Gelegenheit und schrieb erneut einen relevanten, begründeten und sehr ausführlichen Beitrag zur EUROPA-UNION Heilbronn. Leider musste ich kurz darauf feststellen, dass es auch auf Wikipedia gleichere Menschen als mich gibt, und mein Beitrag wurde erneut gelöscht — dieses Mal allerdings ohne die Möglichkeit der Diskussion oder einer Verteidigung, denn, als ich mein, von Wikipedia allen anderen gewährtes, Recht der Gegendarstellung in Anspruch nehmen wollte, löschte ein „Super-User“ meinen Beitrag sofort.

Damit stellte sich mir die Frage, ob ich meine Zeit nicht sinnvoller nutzen kann und ich beschloss, nur noch bestehende Beiträge zu pflegen, zumindest so lange, wie es diese auf Wikipedia noch gibt.

Deswegen war ich gestern schon etwas erstaunt, als Wikipedia erneut in unserem Verband zum Thema wurde: anscheinend werden die Relevanzkriterien inzwischen wieder etwas enger gesehen — was mich, über ein Jahr später, nun nur noch extrem peripher tangiert.

Auf jeden Fall aber passt es zu meinen derzeitigen Überlegungen, nämlich Überflüssiges einzusparen und Notwendiges besser, d. h. im Sinne der Effizienz, zu kombinieren. Letztendlich ist es die Zeit, die uns allen täglich viel zu leicht zwischen den Fingern zerrinnt, welche uns allen dann letzten Endes fehlen wird.

Und so habe ich nicht nur die eine oder andere Internetpräsenz gelöscht, sondern auch angefangen, relevante Inhalte umzuziehen. So findet man seit heute die Hertensteiner Gespräche auf diesem Weblog — für mich eine sehr große Zeitersparnis und zudem ein kleiner Umweltschutzbeitrag.

Als nächstes werden wohl die Foren des Europastammtisches eine wesentliche Veränderung erfahren — erste Gespräche dazu finden bereits statt.

„Caution: Do not mistake the Internet for an encyclopedia, and the search engine for a table of contents. The Internet is a sprawling databank that’s about one-quarter wheat and three-quarters chaff.“

Norm Goldstein, The Associated Press Stylebook and Briefing on Media Law (2007: 267)