Tim Burton

26.9.02024 5 (3)

Beitragsfoto: Tim Burton-Druck

Vermischtes

Es scheint sich nun zu bestätigen, die Regierungsparteien in Baden-Württemberg haben sich mit der Opposition geeinigt und es wird entgegen dem Wunsch der Bevölkerungsmehrheit einen Monster-Landtag geben; dieser soll anfangs jährlich 200 Millionen Euro mehr als jetzt kosten, dabei sind infrastrukturellen Mehrkosten noch gar nicht mit eingerechnet. So können wir schon einmal von 300 Millionen Euro im Jahr zusätzlich ausgehen. Zum Vergleich, das Land unterstützte bisher die Schulträger beim Bau und der Sanierung von Schulgebäuden mit weit weniger als 200 Millionen Euro jährlich. Unsere Landtagsabgeordneten wird es aber weiter nicht jucken, wenn nun die Schulen noch mehr zerfallen, denn ihre stetig wachsenden Diäten garantieren, dass ihre eigenen Kinder sehr gut in Privatschulen unterkommen.

Aber auch in den USA läuft es nicht ganz rund, der New Yorker Bürgermeister Eric Adams wurde jüngst wegen Korruption angeklagt und ein verurteilter Straftäter kandidiert für die Republikaner erneut für das Präsidentenamt. Noch gut fünf Wochen und wir wissen, ob die Welt nochmals eine Chance bekommt. Sollte Kamala Harris scheitern, dann hilft uns künftig auch ein Landtag XXL nicht mehr weiter.

Gerade ist alles so anders, die Grünen haben endlich erkannt, dass man ohne Inhalte schlecht Politik machen kann und selbst beim Tanzen kommen mir die Figuren irgendwie fremd vor. So wunderte ich mich auch nicht mehr darüber, dass ich vor Kurzem einen Druck von Tim Burton fand, den ich selbst vor ein paar Jahren verschenkte. Auch wenn ich bisher noch keine Gelegenheit fand, um mir „Beetlejuice Beetlejuice“ anzuschauen, so schaute ich dann doch wenigstens einmal wieder auf der Website von Tim Burton vorbei und guckte, ob ich dort den Titel des oben gezeigten Druckes finde — vergeblich, was auch wieder wie die Faust aufs Auge passt.

Patientenverfügung

Der Wert einer Patientenverfügung korreliert bei uns ganz gut mit der Auslastung und den Verdienstmöglichkeiten eines Krankenhauses. Und das ist leider nicht nur meine Beobachtung.

Was ein lebenswertes Leben ist, kann nur jedes Individuum für sich selber entscheiden. Und in einer menschlichen Gesellschaft sollte man solche Entscheidungen, vor allem dann, wenn sie nach bestem Wissen und Gewissen gefällt und zudem notariell bestätigt wurden, auch akzeptieren.

Schlimm dabei, wenn Ärzte auf die Angehörigen Druck ausüben. Nicht jedem Angehörigen ist es dabei vergönnt, dass er Unterstützung von einem Krankenhauspfarrer bekommt oder gleich mit einem Rechtsanwalt aufwarten kann.

Unterschied

Bei Seneca habe ich eine sehr nette Unterscheidung zwischen dem Kynismus und der Stoa gefunden. Bis heute geht man davon aus, dass erstere letztere stark beeinflusst hat, auch dürften beide Richtungen auf Sokrates zurückgehen.

Diogenes wie auch Seneca waren im Blog bereits Thema, wobei ich Diogenes auch in meinem ersten Buch mit erwähnte. Nun aber wieder zu Seneca, der in seinem 29. Brief (3. Buch) darauf hinweist, dass die Kyniker jedem ihre Wahrheit aufzudrängen versuchten, hingegen die Stoiker nur denen die Wahrheit sagen, die sie auch hören wollen.

Nett auch Senecas Aufzählung der griechischen Philosphenschulen: Peripatetiker, Akademiker, Stoiker und Kyniker. Von letzteren gibt es kaum bis keine schriftlichen Nachweise mehr — deren Mitbürger haben sich wohl an eine uralte ägyptische Tradition erinnert. Was uns erneut daran erinnern könnte, dass man mit der Wahrheit (was immer dies auch sein mag) nicht sehr weit kommt.

Aber auch hier hält Seneca einen Rat bereit: „Nur auf gemeine Weise kann man die Zuneigung gemeiner Leute gewinnen.“ — ein Rat, der aktuell sehr gerne befolgt wird.

„The greater part of the truth is always hidden, in regions out of the reach of cynicism.“

J. R. R. Tolkien, Letter to his son, Michael Tolkien, 1. November 1963, The Letters of J. R. R. Tolkien, Edited by Humphrey Carpenter, Allan and Unwin (1981: 336)

Blitz

Erkenntnis 5 (7)

Beitragsfoto: Glühbirne | Blitz | © Bild von PIRO auf Pixabay

Bei den Heilbronner Verantwortlichen im Rathaus und Gemeinderat dringt so langsam aber sicher durch, dass Saufen alleine einfach nicht glücklich macht.

Obwohl sie keine Kosten und Mühen scheuen, um möglichst große Feste und Gelage in der Stadt zu veranstalten, kommt es nun immer öfters vor, dass die erwarteten Mengen an Partygästen hinter den eigenen Erwartungen zurückbleiben.

Auch Heilbronn verändert sich, immer mehr Bürger würden sich eher über eine saubere Stadt mit gut funktionierender Infrastruktur freuen.


Bildausschnitt von Albrecht Dürers Ritter, Tod und Teufel

Sterben für Anfänger 4.4 (9)

Beitragsfoto: Albrecht Dürers Ritter, Tod und Teufel | Bildausschnitt | 1513

Bereits seit Tagen quälen mich Kopfschmerzen und hin und wieder habe ich Beklemmungen in der Herzgegend. Meine Hausärztin meint, dies sei altersbedingt und somit normal. Meine Tochter glaubt, dass ich mich bei der Pflege meines immer dementer werdenden Mannes übernehme. Zu Fuß war ich eigentlich noch nie so richtig fit, was mich aber nicht stört.

Und so nutze ich den aktuellen Besuch bei meiner Hausärztin dazu, die Kopfschmerzen sind einfach unerträglich, um auf dem Rückweg gleich noch zwei Brezeln fürs Mittagessen zu kaufen.

Vor Kurzem bin ich noch vor der Arztpraxis zusammengesunken, interessierte dort nur eine nette jüngere Frau und einen zufällig vorbeifahrenden Krankenwagen, ich rappelte mich aber wieder auf und das Leben geht weiter.

Mit den Brezeln in der Hand habe ich gerade die Straße überquert und befinde mich nun auf der gegenüberliegenden Seite des Metzgers und Bäckers auf dem Gehweg. Dieser hat schon sehr lange seine besseren Zeiten hinter sich, dafür gibt es aber neue Farbstreifen für Radfahrer auf der Straße.

Ob es am Gehweg liegt, der an dieser Stelle sehr uneben ist, was wiederum bestimmt einen Hundertwasser glücklich machen würde, oder aber ob meine laut Ärztin eingebildeten Kopfschmerzen Schuld sind, weiß ich jetzt gerade nicht. Ich falle, versuche mich noch mit dem linken Arm aufzufangen, denn in der rechten Hand halte ich die Tüte mit den Brezeln. Ich schlage mit dem Kopf heftig auf dem Boden auf.

Als ich meine Augen wieder öffne, kann ich auf der gegenüberliegenden Seite Menschen sehen, die teilweise interessiert zu mir herüberblicken. Nach einer Weile kommt ein junger Mann herüber und versucht mich anzusprechen, ich kann ihm nicht antworten. Mein Kopf dröhnt.

Zwei Notfallsanitäter gucken mich an und meinen, dass mein linker Arm gebrochen sei, ich kann ihnen immer noch nicht antworten. Sie bringen mich mit dem Rettungswagen in die Notaufnahme des Krankenhauses. Mein Kopf brummt.

In der Notaufnahme sitze ich und warte, dann bandagiert jemand meinen Arm und eine nette Frau ruft meinen Mann an, dass ich gestürzt sei, mir den Arm gebrochen hätte und bald mit dem Taxi nach Hause komme. Mein Kopf brummt.

Kurz darauf bin ich in einem MRT und schon auf Intensiv. Ein Arzt telefoniert mit meinem Mann, fragt nach einer Patientenverfügung und sagt ihm, dass ich zwei Hirnblutungen hätte, mein Kopf brummt.

Überall piepst es, ich kann nicht sprechen, mich kaum bewegen, mein Mann ist da und auch die Kinder und die Enkel, ich kann nicht sprechen. Man möchte eine Blutung durch eine Operation beheben. Mein Sprachzentrum sei betroffen, ich kann nicht sprechen.

Mein Mann sagt, alles wird wieder gut. Ein Arzt, dass die zweite Blutung schlimmer sei. Seit sieben Tagen piepst es um mich herum, sagt mein Sohn zu meinem Mann; Ärzte, Schwestern und Familie wechseln sich ab. Ich kann nicht sprechen und nicht schlucken. Überall piepst es, Kabel überall, was ist an meinem Kopf? Mein Mann ist da.

Es ist still, mein Mann ist da. Kein Piepsen, keine Lichter, Ruhe, Sohn ist da, Schwestern sind da. Mein Mann sagt, ich darf bald in Reha und wieder nach Hause. Ich kann nicht schlucken. Stille. Mein Mann ist da. Ich kann nicht schlucken. Ich kann nicht sprechen. Stille. Eine Schwester versucht mir trinken zu geben; ich kann nicht schlucken.

Ich bin müde, ich will schlafen. Mein Mann ist da. Ich bin müde, ich will schlafen. Ich will nur noch schlafen.

„Nemo quam bene vivat sed quam diu curat, cum omnibus possit contingere ut bene vivant, ut diu nulli.“

Seneca, LIber III, Epistula XXIII (2018: 156)