Heilbronner Rathaus in Acryl von Wolfgang Loesche

Unrechtsstadt 4.7 (13)

Beitragsfoto: Heilbronner Rathaus in Acryl von Wolfgang Loesche

Notgedrungen war ich heute Morgen wieder einmal in der Stadt unterwegs. Dabei genoss ich anfangs noch den Morgen und wie sich unsere Stadt langsam, aber sicher füllt. Da so gewohnt, machte ich noch einen Schlenker, um nach dem Rechten zu schauen — Familie verpflichtet.

Im nördlichen Teil der Fußgängerzone sah es wieder so aus, als ob über Nacht die Müllhalden Kalkuttas eingewandert sind. Kein Vorwurf an die städtischen Müllwerker! Mit manchen bin ich seit Jahren befreundet. Das Problem liegt in der Stadtverwaltung, wo die Sesselfurzer die notwendigen Dienstposten für den arbeitenden Teil der Verwaltung blockieren; zu viele Häuptlinge und zu wenige Indianer.

Hinzu kommt noch, dass wir seit Jahren ein waschechtes Führungs- und Verantwortungsproblem in der Stadt haben; der Fisch stinkt am Kopf zuerst!

Und dann haben wir auch noch ein weltmeisterliches Bildungsdefizit, das dafür sorgt, dass wir immer mehr zu einer Müllkultur werden — man sieht es nicht nur bereits in allen Ecken der Stadt, sondern man stolpert schon regelrecht darüber.

So war ich wieder einmal genötigt und sammelte zumindest den groben Müll ein, eine freundliche Mitarbeiterin eines größeren Geschäfts erlaubte mir, diesen in deren Müllcontainer zu entsorgen. Aber alles geschenkt, das regt mich schon lange nicht mehr auf, ich war sogar froh darüber, dass ich heute keinen Menschenhaufen (Kot) entsorgen musste. Und so setzte ich meinen Weg durch die Stadt fort und war ziemlich guter Stimmung.

Als ich dann zum Kiliansplatz kam, wusste ich sofort nicht mehr, ob ich nun heulen oder weinen soll! Geldverschwendung, Selbstbereicherung und Korruption sind eine Sache, Dinge, die regelmäßig von alleine geregelt werden — selbst der korrupteste Politiker segnet irgendwann das Zeitliche.

Schon lange lache ich nur noch darüber, wie in unserer Stadt das Geld zum Fenster hinausgeworfen wird und freue mich jedes Mal sogar, wenn es wieder einmal tatsächlich auch uns Bürgern oder unserer Stadt zu Gute kommt. So freute ich mich heute ein paar Sekunden lang, dass es bald wieder eine Kulturveranstaltung auf dem Kiliansplatz gibt.

Dann aber musste ich nur noch weinen! Über 30 Jahre lang kämpfte ich selbst mit städtischen Sesselfurzern um jeden Zentimeter Fläche auf dem Platz. Selbstverständlich mussten wir für die Kämpfe auch noch zahlen. Jedes Mal verloren wir wegen der unzähligen und später immer neuen Auflagen der Stadt. Den größten Teil des Platzes durften wir nicht bespielen, weil er für Rettungsgassen, Rettungsplätze und sonstige Verwaltungsbedürfnisse gesperrt war. Noch heute könnte ich die viele meterbreiten Gassen im Schlaf über den Platz ziehen — und das waren nur die stelltechnischen Auflagen der Stadt.

Wie ich heute wieder einmal sah, gibt es in unserer Stadt mindestens zwei Arten von Recht und Gesetz, welche ganz offensichtlich von der Stadtverwaltung rein willkürlich angewendet werden!

Der gesamte Platz ist ohne eine einzige Rettungsgasse bestuhlt, was der EUROPA-UNION über Jahrzehnte hinweg ganz offiziell verwehrt wurde. Und es gibt heute keinen Feuerwehrhauptmann, der auch nur mit der Wimper zuckt. Oder gar Sanitäter wie auch Polizisten, die vehement insistieren, dass sie zu jeder Zeit mit ihren Fahrzeugen über den Platz sausen können müssen.

Auch erblickte ich keinen der üblichen, sonst anwesenden städtischen Mitarbeiter, welche normaler Weise mit dem Maßband die Bühne nachmessen oder gar die Stuhlreihen neu anordnen lassen.

Korruption und Geldverschwendung verschwinden mit den entsprechenden Verantwortlichen wieder, aber das Unrecht bleibt! Das Unrecht gräbt sich tief und fest in die Gesellschaft ein und zerstört jede Demokratie.


Brainticket

Gong & Brainticket 4 (9)

Beitragsfoto: Plattencover

An manche Musikbands sollte ich mich erst erinnern, wenn ich „home alone“ bin. Auf alle Fälle aber nur dann auf den Plattenteller legen.

Gong und Brainticket sind zwei dieser Gruppen, die aktuell und wohl nur heute ihre Runden auf meinem Plattenteller drehen. Erstaunlicher Weise kam noch kein einziger Nachbar zu Besuch.

Mancher Leser wird nun über meinen Musikgeschmack etwas erstaunt sein und jene, die mich schon etwas länger kennen, dass ich diese Platten überhaupt noch besitze. Auch heute gilt noch, dass man sich als Mensch nicht in Schubladen pressen lassen sollte. Sich aber auch nicht allzu schnell selbst auf das eine oder andere festzulegen, denn dafür ist unsere Welt auch heute noch viel zu bunt und vielfältig. Zugegeben, nicht mehr annähernd so wie noch Ende der 1960er- bis Ende der 1970er-Jahre!

Meine damaligen Freunde gingen noch bis Frank Zappa mit, hatten zwar auch von Janis Joplin und Jimi Hendrix gehört, stiegen dann aber doch bei den nun beschriebenen Bands aus. Erfreulicher Weise kamen sie aber wieder, und dies entgegen der ersten Ansage von Brainticket, dass man Freunde verlieren wird, sobald man deren Platten mit diesen zusammen hört.

Die 1970er-Jahre waren für persönliche Experimente und die eigene Selbstfindung ein exzellentes Jahrzehnt. Nur wer halbwegs die gesamte Bandbreite des Angebots kennt, kann sich guten Gewissens für einzelne Dinge entscheiden. Und wer nur den Jazz kennt, kann niemals ein echter Jazz-Liebhaber sein! Und wenn man wie ich eine ganz passable Jazz-Plattensammlung hat, bedeutet dies noch lange nicht, dass man dann nur noch Jazz hoch und runter hört.

Für manche Menschen dürfte es gar keinen Unterschied machen, ob man nun Psychedelic-, Krautrock- oder Jazz-Musik spielt. Auch Liebhaber von Folk- oder Volksmusik muss es geben; durch gut 30 Jahre Treffpunkt Europa gestählt, erschüttert mich diesbezüglich gar nichts mehr; eine Helene Fischer mal ausgenommen.

Gong wurde 1968 gegründet aber von mir erst mit ihrem Sidekick „Planet Gong – Live floating anarchy 1977“ im Jahr 1978 wahrgenommen. Mit ihrer Platte „Downwind“, die nun jazziger wurde bekam die Gruppe 1979 etwas mehr Aufmerksamkeit. Zwar spielte dort noch Mike Oldfield mit und Carlos Santana ließ sich höchst persönlich von der Platte inspirieren, dennoch wanderte mein Interesse eher in Richtung Hip-Hop und Rap ab.

Gong, das waren hauptsächlich Daevid Allen, Pierre Moerlen, Allan Holdsworth, Steve Hillage und bei „Planet Gong“ noch Gilli Smyth, experimentierte damals ebenfalls und ich weiß nicht, wo die Musiker inzwischen gelandet sind. Auf alle Fälle folgte ich auch deren Aufforderung nicht, die Platte gleich am besten im Laden zu klauen; ich bekam sie vom Ladenbesitzer zum Sonderpreis, wer hätte sie bei uns auch sonst genommen?

Bereits 1976 wurde ich auf Brainticket aufmerksam, eine Band, die ihre Wurzeln im Soul-Jazz hatte und mit der Platte „Cottonwoodhill“ 1971 für mehr Verwirrung als sonst üblich sorgte. Und so war dies auch meine erste Platte von Brainticket.

Vielleicht hätte ich aber dem zweiten Plattenhinweis folgen sollen, nämlich: „Only listen once a day to this record. Your brain might be destroyed!“ Mancher Leser wird jetzt wohl denken, das erklärt doch so einiges. Ich hörte diese LP auf alle Fälle mehrfach hoch und runter. Auch wenn der Bandleader Joel Vandroogenbroeck noch bis 2019 durchhielt, war für mich dieses Abenteuer bereits 1980 mit der Platte „Adventure“ zu Ende — für meinen damaligen Geschmack zu zahm und zu altbacken.

In den 1980er-Jahren nutzte ich „Cottonwoodhill“ nur noch um Stereoanlagen zu testen oder als Waffe, der reinste Psychoterror. Konnten meine männlichen Freunde, Kameraden oder gute Bekannte das Ganze noch halbwegs nachvollziehen und ab einer bestimmten Promillegrenze sogar für gut befinden, traf der erste Warnhinweis der Platte bei meinen weiblichen Gästen voll und ganz zu: „After listening to this record your friends won’t know you anymore“. — wohl der beste Rausschmeißer aller Zeiten und vielleicht ist diese Platte deshalb heute so gesucht.


Füllfederhalter

Hurensöhne 4.3 (8)

Beitragsfoto: Füllfederhalter | © Markéta Machová auf Pixabay

Du dreckiger Hurensohn! | 13. Mai 2025 um 13:31 Uhr

Leider ist dies bei uns in Heilbronn gängige Realität. Gerade heute stand ich neben einem mit zwei Beamten besetzten Polizeiauto an der Ampel, als ein anderer Autofahrer kurz zuckte aber dann doch bei Rot über die Ampel schoss. Im Wegschauen ist man bei uns in Heilbronn Weltspitze! 

Leserbriefe an Werbeblätter zu schreiben war schon immer keine gute Idee.