Busfahrt

Sarajewo 5 (10)

Beitragsfoto: Busfahrt

Um es gleich zu Beginn auf den Punkt zu bringen, die letzten vier Tage in Sarajewo waren ganz großes Kino! Selten, dass ich unterwegs bin ohne die Reiseleitung zu übernehmen. Dieses Mal konnte ich völlig entspannt alles genießen, was unser Reiseleiter Semin Bristina im Angebot hatte.

Die Reisen unseres Vereins sind schon immer Bildungsreisen, die, wenn möglich, mit der aktuellen Politik verknüpft werden. Eine Reise nach Sarajewo war schon aufgrund meiner eigenen Erfahrungen mit dieser Stadt für Semin Bristina eine kleine Herausforderung. Aber auch die Erwartungen der weiteren Reiseteilnehmer wollten erfüllt werden. Den aktuellen Hintergrund unserer Fahrt bestimmten die Wahlen in Bosnien und Herzegowina; auch wenn wir keinen offiziellen Wahlbeobachterstatus hatten, schauten wir doch etwas näher hin, wie die Wahlen in diesem Land abgehalten werden. So wirklich zufrieden waren wir als Europäer mit dem Wahlausgang nicht und mehr als unzufrieden mit der mageren Wahlbeteiligung, die man einfach nicht beschönigen kann, was dann noch am Sonntagabend zu einer sehr guten Diskussion mit einer weiteren Reiseleiterin führte. Für das inhaltlich sehr fordernde Programm hatte sich Semin Bristina noch zwei weitere Reiseleiter hinzugenommen und bei einem gemeinsamen Essen in einem Privathaus mitten in der Stadt noch eine Schülerin, die mit sehr guten Deutschkenntnissen als weitere Dolmetscherin fungierte.

Weil es für unseren Reiseleiter doch ein wenig zu wenig Aktualität war, kam noch das UEFA Nations League Spiel Bosnien-Herzegowina gegen Schweden mit dazu. Was ich so richtig spannend fand, da wir bereits am Flughafen in Stuttgart alte Bekannte trafen, die extra wegen des Spiels nach Sarajewo flogen. Wir begleiteten das Spielende in einem traditionellen Brauhaus der Stadt und feierten zusammen mit Bosniern und Schweden ein diplomatisches Unentschieden.

Als ausgewiesener Kenner der Völker Bosnien und Herzegowinas zeigte Semin Bristina uns nicht nur Museen und architektonische Schmuckstücke, sondern ganz besonders dabei auch die unterschiedlichsten Trachten und Accessoires. Insgesamt ergab dies ein Ritt durch die Geschichte und gleich durch drei Religionen, die verschiedenen Christen einmal als Ganzes gesehen. An Synagogen, Kirchen und Moscheen mangelte es nicht, um sowohl die Gemeinsamkeiten als auch die Unterschiede weiter herauszuarbeiten.

Aber auch die Kulinarik kam nicht zu kurz, irgendwann vergaß ich es dann doch, jedem der aufgesuchten Restaurants und Gaststätten eine eigene Bewertung zu hinterlassen. Damit werde ich wohl keine Chance mehr haben, um mit Semin gleichzuziehen (kleiner Insider). Sarajewo wäre nicht die Stadt der verschiedensten Kulturen, wenn es hierbei nicht zu Diskussionen um die beste Zubereitung der Speisen gekommen wäre — kulturelle Vielfalt lässt kein einziges Thema unberührt.

Ursprünglich war es von mir gewünscht, die jüngere Geschichte der Stadt bei diesem Besuch auszublenden, schnell erkannte ich aber, dass dies in dieser Stadt nicht möglich ist. Und so gab es auch hierbei sehr spannende Diskussionen mit Menschen, die die unterschiedlichsten eigenen Erfahrungen in den Jahren 1991 bis 1999 gemacht haben.

Erfreulicher wurde es wieder als wir nicht nur die positiven Entwicklungen innerhalb der Stadt und besonders beim Wiederaufbau betrachten, sondern zum Schluss auch noch die schöne Umgebung der Stadt genießen konnten.

Für mich war diese Fahrt in eine Stadt, die ich eigentlich nicht mehr besuchen wollte — vielleicht auch gerade deswegen — ein ganz besonderes Erlebnis! Semin Bristina schaffte den Spagat und konnte dabei die besten Seiten von Sarajewo und seiner Bewohner zeigen.

Wobei diese Stadt nur dann eine Zukunft haben wird, wenn sie nicht dem zunehmenden Einfluss aus der Türkei und weiteren islamisch geprägten Staaten unterliegt, sondern sich trotz des aktuellen Wahlergebnisses wieder mehr nach Europa orientiert. Ganz ohne Frage, nur der Okzident wird sicherstellen können, dass Sarajewo eine wirtschaftliche und politische Zukunft haben wird und vor allem dabei auch ihren Charme als friedliche Schnittstelle zwischen den Kulturen erhalten werden kann!

Dieses friedliche Miteinander der Kulturen kann man so ausgeprägt und authentisch weder in Istanbul noch sonst wo in Europa leben und erleben! Was die Österreicher damals in der Stadt begonnen hatten, das sollte die Europäische Union mit Verve und nicht nur mit Worten weiterführen.

Und hier liegt wohl der Hund begraben, denn eine Stadt kann und darf kein Spielball der Politik sein, was selbstverständlich auch auf den gesamten Westbalkan zutrifft. Auch hier müsste unser Europa ganz dringend in Vorschuss gehen und sich den gesamten Westbalkan sichern — auf alle Fälle wäre dies langfristig nicht nur viel günstiger, sondern dazu auch noch ein Gewinn für alle!

Nun gucke ich mir aber erst einmal meine Fotos der letzten Tage an und überlege dabei, ob ich nicht doch eine eigene Bildergalerie anlege.


Tempus

12.11.02025 5 (4)

Beitragsfoto: Tempus fugit velut umbra

Telekom

Das muss die glorreiche KI sein, denn ich bekam erst per E-Mail Hinweise, dass meine Telekom-E-Mail gehackt sei und missbraucht wird, und heute dann sogar per Briefpost.

Das Problem dabei, seit 2002 nutze ich weder diese E-Mail, noch habe ich ein entsprechendes Konto dafür. Um dem freundlichen Hinweis der Telekom nun zu folgen, wählte ich mich bei meinem Telekom-Konto ein und änderte dort auch mein Kennwort.

Dann auch noch ganz brav das Kennwort für ein E-Mail-Konto, das ich gar nicht habe. Könnte vielleicht aber sein, dass die Telekom seit gut 20 Jahren für mich ein solches Konto bereithält.

Um dies alles einmal zu klären und vielleicht auch zu erfahren, wer vielleicht seit gut 20 Jahren mein E-Mail-Konto bei der Telekom nutzt, habe ich dort einmal nachgefragt.

Ich bekam nach etwa drei Stunden sogar eine Antwort. Dabei wurde keine einzige meiner Fragen nicht einmal im Ansatz beantwortet. Dafür erklärte man mir aber die Bedeutung vom regelmäßigen Ändern aller verwandten Kennwörter und weiteren schönen Dinge des Internets.

Tatsächlich würde es mich aber interessieren, warum ich das Kennwort für ein E-Mail-Konto regelmäßig ändern muss, das ich weder eingerichtet habe noch selber nutze?

Da in Kürze das neue Telekom-Rechenzentrum mit 10 000 Nvidia-GPU in München entsteht, darf ich nun darauf hoffen, dass die Telekom mir diese Frage sogar einmal beantworten können wird — die KI macht es möglich!

Buchprojekt

Ernüchtert von der E-Book-Reihe „Hertensteiner Gespräche“ wollte ich das Bücherschreiben einmal lassen. Und kaum hatte ich diese Absicht gefasst, fiel mir das Buch „Wenn Russland gewinnt“ von Carlo Masala in die Hände. Schnell gelesen weckt es in mir zwar nicht das Verlangen selber etwas über mein ureigenes Fachgebiet zu schreiben, sondern das Projekt „Hertenstein“ etwas anders anzugehen.

Die mir bis dato vorliegenden Protokolle der 9. Hertensteiner Gespräche werde ich nun in Kürze auf die Webpage stellen, mein Entwurf zum entsprechenden E-Book ins digitale Nirwana überführen und dafür kurz entschlossen das Buch Hertenstein schreiben.

Wenn nun der eine oder andere Leser dieses Blogs ‘mal ein paar Beiträge vermissen wird, dann könnte dies daran liegen, dass ich an besagtem Buch schreibe. Ob das Buch letztendlich realisiert werden wird, weiß ich selbst noch nicht. In einem bin ich mir aber ziemlich sicher, ich werde es für eine ganz bestimmte Leserschaft schreiben.

Vermischtes

Ich war gestern nicht der Einzige, der den Start in die kommende Narrenzeit verpasst hat. Bei mir hält sich das Bedauern allerdings sehr in Grenzen.

Dafür gab es ein paar gute Gespräche im Zuge einer Veranstaltung in Stuttgart; nett, wenn man dabei auf seine eigenen Leser trifft.

Erfreulich heute zu lesen, dass Verena Hubertz eine zusätzliche Abgabe für Gutverdienende ins Spiel gebracht hat, nämlich für jene, die in einer staatlich geförderten Sozialwohnung leben. Das war hier im Blog bereits im Vorfeld zweier Gemeinderatswahlen Thema; eine Idee, die selbst von SPD-Gemeinderäten in Heilbronn sehr gerne unter den Tisch gekehrt wird.

Sobald Politiker der eigenen Klientel ins Fleisch schneiden müssten, ist es aus mit den guten Ideen. Wenn es einen selber beträfe, freut man sich, dass man solche Volksvertreter hat. Wenn es andere betrifft, dann können solche Ideen nicht weit genug gehen.

Und genau das ist unser Demokratieproblem. Zum einen will keiner (kaum einer) selber verzichten und zum anderen findet man immer weniger Volksvertreter, die ihrem eigenen Klientel den Verzicht auch nur ein klein wenig schmackhaft machen können.

Und so hauen sich alle weiter gegenseitig die Verzichtsforderungen um die Ohren. Dabei gibt es zwei Möglichkeiten, entweder verzichtet letztendlich keiner auf irgend etwas oder nur die aller Schwächsten werden zur Kasse gebeten (was wohl seit Jahrtausenden der Regelfall sein dürfte).

Funktionierende Demokratien leben sicherlich auch davon, dass in der Gesellschaft der notwendige Verzicht, was immer wieder vorkommt, selbst in Wachstumsgesellschaften, für alle Bevölkerungsteile erst diskutiert und dann auch hoffentlich gut moderiert in Kompromissen so austariert wird, dass jeder Bürger (auch Milliardäre und Volksvertreter) seinen Verzichtsteil beiträgt.

In gesunden und vor allem christlichen Gesellschaften wären es die Starken, die Stärkeren und auch die Stärksten, die dabei etwas mehr als die anderen auf ihre eigenen Schultern nehmen.

In weniger gesunden und weniger christlichen Gesellschaften sind die Schwächsten und die Gutgläubigen die Dummen.

Zumindest aber hat Verena Hubertz einmal gut gebrüllt — Löwen gibt es bei uns allerdings nur noch im Zoo.

Nachdem Donald Trump mit gefühlt 2 000 Friedensschlüssen keinen entsprechenden Nobelpreis bekam, versucht er es jetzt mit ein paar Kriegen und lässt schon einmal seine Truppen in Südamerika auflaufen.

Dafür soll gemäß Recep Tayyip Erdoğan Istanbuls Bürgermeister Ekrem Imamoğlu für keine gefühlten, sondern für echte 2 430 Jahre ins Gefängnis.

Den heutigen Abend werde ich mich im Tango Argentino üben.

Damit Gesellschaften … die Bereitschaft zur Resilienz entwickeln, ist es notwendig, dass Regierungen im Diskurs mit ihnen sehr klar kommunizieren, was auf dem Spiel steht.

Carlo MAsalA (2025: 119)

Beitragsfoto: Schachfiguren | © Pixabay

27.6.02021 5 (1)

Bahnhof

Beim Spazierengehen habe ich mich etwas in der Bahnhofsgegend umgeschaut, das Parkhaus für Fahrräder fügt sich doch ganz gut in den Bahnhofsvorplatz ein, und auch der Blitz, eine Fußgängerbrücke, wird die Gegend sicherlich weiter aufwerten.

Wenn es nach mir ginge, würde man schnellsten noch die neue Kranenstraße realisieren und auch darüber nachdenken, ob man nicht zwischen Bahnhof und Experimenta ein Intercity-Hotel und einen Großstadtbusbahnhof mit 24-Stunden-Service und entsprechender Gastronomie platzieren könnte.

Grillen

Nach all den langen Monaten ohne größere Zusammenkünfte, war es eine sehr schöne Sache, dass wir uns gestern Nachmittag zu siebt um meinen Grill versammeln konnten. Noch besser war, dass ich keine negativen Äußerungen zu meinen Kochkünsten bekam. Ab Juli, wenn es weiterhin erlaubt sein wird, werden wir versuchen, einen etwas größeren Grillnachmittag auf die Beine zu stellen und auch eine öffentliche Lesung anzubieten. Das wirklich Spannende dabei wird sein, ob wir wieder an die Vor-COVID-19-Zeit anknüpfen und viele alte Bekannte und Freunde dazu begrüßen werden können.

Regionalwahlen

Erneut, nach dem 20. Juni 2021, zeigen die französischen Wähler, dass sie das Vertrauen in die aktuelle Politik verloren haben. Inzwischen geht in Frankreich nur noch eine Minderheit wählen. Einzig, dass auch viele der rechtsradikalen Wähler den Wahlurnen fernblieben kann man als positiv bezeichnen.

Da wir uns in Europa ähnlicher sind als viele von uns wahrhaben wollen, ist dies auch für uns ein schlechtes Vorzeichen. Ich vermute, dass, wenn wir bei der kommenden Bundestagswahl erneut eine GroKo bekommen, dass es nicht lange dauern wird, bis auch bei uns nur noch eine Minderheit wählen geht. Was das für unsere Demokratien bedeutet, muss man wohl keinem erklären.

Ich wiederhole gerne erneut, dass das nicht am Bürger oder gar den Wählern liegt, sondern einzig und alleine an unseren Parteien und ihren Berufspolitikern.

Website des Tages

Busbahnhof Esenler

Der Intercity-Busbahnhof Istanbul ist einen Besuch wert und könnte durchaus auch eine Anregung für einen, zugegebener Maßen, etwas kleineren Busbahnhof in Heilbronn sein.