Triell-Gedanken

Triell-Gedanken 5 (3)

Beitragsfoto: Scrabble mit Flagge | © Shutterstock

Ich habe dieses heutige Triell — weil es beim öffentlich rechtlichen Rundfunk lief — mit großem Interesse verfolgt. Musste dann aber, gleich und parallel zu den Äußerungen der drei Parteivertreter, wieder in die Tasten greifen — meine Art und Weise, um das Ganze seelisch zu verarbeiten.

Sozialismus

Selbst ein demokratischer Sozialismus, also jener, der Marktwirtschaft und Demokratie nicht revolutionär abschaffen möchte, muss sich immer wieder fragen lassen, ob und wie weit er noch zu unserer freiheitlich demokratischen Grundordnung steht.

Der Sozialdemokratie — ursprünglich ein Gegenkonzept — ist es bisher nicht gelungen, sich ganz vom Sozialismus zu distanzieren. Im Gegenteil, sie schwadronieren immer wieder von sozialistischen Koalitionen.

Linke und grüne Parteien sind da schon etwas deutlicher und fordern immer wieder, mehr oder weniger, die völlige Entmündigung der Bürger. Entweder aus „sozialen“ oder „ökologischen“ Begründungen heraus, aber immer totalitaristisch motiviert.

Konservatismus

Eine politische Richtung, die es bei uns interessanter Weise gar nicht mehr gibt, da die Unionsparteien von Anfang an eigentlich nur eine bürgerliche Alternative zur Sozialdemokratie waren, ob „christlich“ oder „sozial“, und dabei den Anspruch erheben, in Gänze auf dem Boden unserer freiheitlich demokratischen Grundordnung zu stehen. Leider wird dieser Anspruch ebenfalls von Anfang an immer wieder durch „nationalsozialistische“ Parteimitglieder konterkariert, wobei diese regelmäßig von rechtsnationalen Koalitionen schwadronieren.

Gemeinsames

Allen diesen Parteien, vielleicht außer den Grünen, ist dabei eines gemeinsam, nämlich, dass sie offiziell das Wohl aller Bürger, ob aus sozialen oder christlichen Motivationen heraus, anstreben und schützen wollen. Sie bauen ihre politische Existenz gerade auf diesem Versprechen „Wohlstand für alle“ auf.

Wie wir alle erkennen müssen, können gerade diese Parteien dieses Versprechen nicht realisieren.

Liberalismus

Leider eine politische Richtung, die, ähnlich wie der Konservatismus, bei uns kaum noch vorhanden ist. Die Freien Demokraten, die immer wieder den Anspruch formulieren, den Liberalismus zu vertreten, haben sich im Austausch mit den obigen Parteien und Strömungen — und dies ganz zurecht — bereits vor Jahrzehnten auf die Soziale Marktwirtschaft festlegen lassen.

Einzig aber sind es noch die Freien Demokraten, die darauf bestehen, dass wir Bürger nicht gänzlich entmündigt werden sollen und zudem dem Markt noch Luft zum Atmen lassen möchten.

Vielleicht oder gar sehr wahrscheinlich, die einzige Möglichkeit, um die Versprechen der anderen Parteien „Wohlstand für alle“ Realität werden zu lassen.

Mainstream

Beim Triell hat es erwartungsgemäß ganz gut gepasst, dass die drei präsentierten Parteivertreter alle aus dem erweiterten „sozialdemokratischen Umfeld“ kommen; eigentlich eine dreigeteilte Einheitspartei — die SuperGroKo.

Hoffen wir nur, dass es allen drei Parteivertretern gelingen wird, auch weiterhin ihre linken und rechten Ränder in Schach zu halten — zum Wohle unserer Demokratie.

Zukunftsfähigkeit

Einen politischen Fortschritt erreichen wir aber nur dann, wenn die beiden politischen Hauptströmungen, nämlich der Konservatismus auf der einen und der Liberalismus auf der anderen Seite, wieder die Chance erhalten, sich aneinander zu reiben. Auf jeden Fall wäre dieses Duell interessanter und bestimmt auch zielführender.

Vertrauen & Solidarität

Vertrauen erreicht man durch Taten und nicht durch Worte! Und wenn uns die COVID-19 Pandemie etwas gezeigt hat, dann eines, nämlich, dass Solidarität nur ein hübsches Wort ist.

„POLITICS, n. A strife of interests masquerading as a contest of principles. The conduct of public affairs for private advantage.“

Ambrose Bierce, The Devil’s Dictionary (2020 [1911])

Beitragsfoto: Sülmerstraße | © Shutterstock

6.8.02021 5 (1)

Beitragsfoto: Sülmerstraße | © Shutterstock

Waldsterben

Unser Wald — ein schöner Euphemismus für die wirklich letzten Baumplantagen Deutschlands. Erstaunlicher Weise geht es diesen immer schlechter und ganz besonders bei uns, wo seit gut 10 Jahren eine grüne Partei das Sagen hat; selbstverständlich sind dafür wieder alle anderen Schuld.

Dabei gäbe es ganz vernünftige Rezepte, wie z. B. den Plantagen eine Chance zu geben, sich langsam aber sicher wieder zum Wald zu entwicklen. Diese Wälder auch zu schützen — vor allem vor uns Menschen und nicht vor kleinen Käfern — und letztendlich dann auch dafür zu sorgen, dass die ersten halbwegs großen Bäume nicht wieder für den Export gefällt oder für die vielen heimischen Kamine im wahrsten Sinne des Wortes verheizt werden.

Mit den städtischen Wäldern könnte man anfangen und diese ganz einfach für die kommenden 500 Jahre einmal in Ruhe lassen. Unsere Nachfolger würden es uns sicherlich danken.

Klassengesellschaft

Nachdem in der EU jetzt auch noch Künstler Sonderrechte erhalten, muss man uns wohl so langsam aber sich als „Klassengesellschaft“ bezeichnen, da es immer deutlicher zutage tritt, dass ganz bestimmte Gruppen bei uns gleicher sind als die anderen und zudem von sämtlichen Schikanen, wie Visa-Pflicht, Reiseverbote oder Zwangstests verschont werden und nicht einmal notwendigen Quarantänebestimmungen unterliegen. Und dabei spreche ich schon gar nicht von deren inzwischen ganz üblichen „Incentives“, wie vergünstigten Bankkrediten oder sonstigen Zuwendungen aller Art.

Wir Normalbürger müssen einfach zur Kenntnis nehmen, dass es in unserer Demokratie zwei Arten von Menschen gibt, jene, die sich an Recht, Gesetz und Ordnung halten müssen, und die anderen, die über allem schweben und angeblich „nur“ von unserer Bewunderung leben oder sich, ganz altruistisch, völlig für uns Bürger aufopfern. Es wäre wirklich an der Zeit, dass das Buch „Farm der Tiere“ wieder gelesen wird.

Herold

Wir können zwar froh sein, dass wir in Heilbronn noch eine Tageszeitung haben, allerdings sollte deren Chefredakteur nicht die Funktion eines Herolds übernehmen. Auch müssten sich Zeitungsartikel sehr schnell und einfach von schlichten Werbebeiträgen unterscheiden lassen können. Zumindest ich bekomme hierbei immer größere Schwierigkeiten.

Ohne Frage wäre es darüber hinaus sinnvoll, wenn zumindest berechtigte Kritik an Personen des öffentlichen Lebens oder unserer Institutionen nicht nur in homöopathischer Form zu lesen wäre, denn man kann den Lesern durchaus noch ein wenig mehr an Kritik- und Rezeptionsfähigkeit zutrauen.

Und eine Zeitung sollte ab und zu schon noch für echte Schlagzeilen sorgen dürfen. Diese sollten dann aber nicht „Wir sind alle schön!“, „Alles wird gut!“ oder „Wir machen uns einen Schlitz ins Kleid!“ lauten. Denn inzwischen dürften auch wirklich alle wissen, wer der Schönste im ganzen Land ist.

Zudem sollte man als Redakteur oder gar Verleger darauf achten, dass man mit seiner Zeitung nicht die Grenze zum bezahlten Werbe- oder einfachen Hofberichterstatterblatt überschreitet. Denn die Leser erwarten heutzutage, dass solche Blätter für sie kostenfrei verteilt werden.

Website des Tages

Stiftung Unternehmen Wald

Die Stiftung Unternehmen Wald ist eine gemeinnützige Stiftung aus Hamburg, die sich für die Förderung des Naturschutzes, der Umweltbildung und der Waldforschung einsetzt. Sie wurde im Jahr 2006 gegründet und ist vor allem operativ tätig. Mit Partnern aus den Bereichen Forstwirtschaft, Waldpädagogik und Naturschutz, realisiert die Stiftung regionale Projekte gemäß den aufgeführten Stiftungszielen.

Geburtstag des Tages

Andy Warhol


Bundestag

Wohlfühlzonen 5 (5)

Beitragsfoto: Bundestag |  © clareich auf Pixabay

Unsere Landtage und der Bundestag haben sich in den letzten Jahren zu den reinsten Wohlfühlzonen weiterentwickelt. Deshalb muss man sich auch nicht mehr wundern, dass immer mehr Berufspolitiker und Menschen ohne eigene Perspektiven einen Platz darin anstreben.

Seit Jahren verstößt die aktuelle Größe unseres Bundestags gegen das Gesetz, wobei das Parlament weiter wächst und wächst. Aktuell geht man davon aus, dass im September 2021 die 1 000er Grenze überschritten werden kann.

Das bleibt selbstverständlich bei den letzten Hinterbänklern der anderen Parlamente nicht unbemerkt, und so wurde jüngst von Bündnis90/DieGrünen und der CDU in Baden-Württemberg eine Wahlrechtsreform eingeleitet, die nicht nur dafür sorgen soll, dass der Landtag von Baden-Württemberg ebenfalls immer mehr Berufspolitikern eine möglichst komfortable Heimat bietet, sondern auch, als bundesdeutsches Novum sozusagen, dass der Wähler zudem immer weniger Einfluss auf dessen Zusammensetzung hat (Stichwort: Quotenregelung).

Im Vergleich zu den USA ist es sehr interessant zu beobachten, dass dort in Wahlrechtsreformen darüber gestritten wird, wer noch wählen gehen darf, und damit letztendlich die eine oder andere politische Richtung gestärkt werden soll.

Bei uns hingegen, geht man mit den Wahlrechtsreformen noch einen Schritt weiter, indem man, ganz überparteilich, möglichst allen Kandidaten einen Sitz in den Parlamenten gewähren möchte; eine Stärkung der einen oder anderen politischen Richtung spielt dabei keine Rolle, da bei uns wohl die Tendenz in Richtung Chinesischer Volkskongress geht — der einzigen Wohlfühlzone, die unseren Bundestag heute noch übertrifft; die Betonung liegt dabei auf noch.

Buchempfehlung des Tages:

„Wie Demokratien sterben“ von Steven Levitsky und Daniel Ziblatt (ISBN 978-3421048103)

„Demokratien sterben nicht mehr in erster Linie durch Putsche und Staatsstreiche, sondern mit einem Prozess, der an der Wahlurne beginnt.“