Gebäude des ungarischen Parlaments

Parlamentarismus 5 (1)

Beitragsfoto: Ungarisches Parlament | © Pixabay

In der Europäischen Union leben wir allesamt in parlamentarischen Demokratien, wobei sich deren Ende immer mehr abzeichnet. Dabei müssen wir nicht einmal mehr mit Fingern auf Ungarn oder Polen zeigen, sondern können uns inzwischen ganz getrost gleich im eigenen Umfeld umsehen.

An erster Stelle sei das Europäische Parlament genannt, da es für uns Unionsbürger eigentlich schon längst die gesetzgebende Versammlung für alle, die Europaebene betreffenden, Angelegenheiten sein müsste. Aufgrund unserer derzeitigen föderalen Strukturen kommen dann noch die jeweiligen nationalen Parlamente, und bei uns in Deutschland noch die Landes-, Regional-, Kreis- und Gemeindeparlamente hinzu.

Allen Parlamenten im System des demokratischen Parlamentarismus, und das unterscheidet sie auch ganz wesentlich z. B. vom chinesischen Volkskongress oder der russischen Duma, ist gemeinsam, dass sich vom Volk gewählte Vertreter versammeln, um über Gesetze zu beschließen, ergo über die Gesetzgebung zu bestimmen; das wunderbare Wort dafür heißt Legislative.

Hinzu kommt, dass das jeweilige Parlament die entsprechende Regierung wählt, kontrolliert und spätestens routinemäßig auch wieder entlässt; eigentlich ist es dabei nicht vorgesehen, dass unterschiedliche Parlamente über Jahrzehnte hinweg immer wieder dieselbe Regierung wählen — so gut kann kein Mensch und schon gar kein Regierungschef sein.

Interessant dabei ist, dass eine der ältesten Demokratien, nämlich die Vereinigten Staaten von Amerika, von Anfang an eine entsprechende Begrenzung eingeführt haben. Noch interessanter ist, dass Berufspolitiker, welche im Parlamentarismus eigentlich selbst nie vorgesehen waren, inzwischen dort von einem in das nächste Parlament tingeln, um diese Begrenzungen auszuhebeln.

Für alle Parlamente in föderalen Strukturen gilt aber eines, nämlich, dass die Legislative auschließlich solche Gesetze verabschieden muss, die auch ihrer jeweiligen föderalen Ebene und entsprechenden Verantwortung gegenüber dem Bürger entsprechen. Je komplexer das föderale System ist, umso größer sind dabei die daraus resultierenden Herausforderungen (Wer entscheidet über was?) für unsere Volksvertreter, und ganz offensichtlich können schon lange viele unserer Volksvertreter diesen Herausforderungen nicht mehr gerecht werden.

Eine weitere Herausforderung für unsere Parlamente ist zu erkennen, was wann zu beschließen ist, um unser Land voranzubringen oder vor größeren Schäden zu bewahren. Spätestens in den 1960er-Jahren hätte man bei uns ein Einwanderungsgesetz beschließen müssen, Infrastruktur- und eine neue Bildungsgesetzgebung wären spätestens in den 1990er-Jahren fällig gewesen, so wie eine tragfähige Sozialgesetzgebung; eine nachhaltige Umweltschutzpolitik hätte noch in den 1970er-Jahren etwas bewirkt.

Allerdings nehmen unsere Parlamente solche Herausforderungen schon lange nicht mehr an. Kaum ein Abgeordenter möchte sich noch in einer Legislaturperiode abarbeiten, um ein Gesetz mit auf den Weg zu bringen, das die Gesellschaft und die Welt rettet, sondern sie möchten sich lieber von einer Legislatur zur nächsten durch die Jahrzehnte hangeln, um möglichst am Ende ihres Parlamentslebens in gut dotierten Ehrenämtern ihre Weisheit zu verbreiten.

Das wirklich Schlimme daran ist, dass viele noch stolz darauf sind und gerne jedem erzählen, dass ein „echter Politiker“ Probleme erst dann zur Kenntnis nimmt, wenn die Bildzeitung diese Problematik bereits in mehreren Ausgaben abgearbeitet hat.

Damit ist das Verschleppen von Entscheidungen parteiübergreifend von der Berufspolitik zur Staatsräson erhoben worden, und erst wenn es nichts mehr Zielführendes zu entscheiden gibt, lassen sich alle dafür feiern. Das einzige „Erfolgskriterium“ sind dabei die Kosten, die dem Steuerzahler neu aufgebürdet werden — je höher diese sind, umso bedeutender ist der jeweils verantwortliche Politiker.

Aus all den Jahren ist mir diesbezüglich nur eine einzige ehrliche Antwort bekannt, und die stammt von Jean-Claude Juncker, der sagte, dass man zwar wisse, was zu entscheiden wäre, man aber nicht wisse, wie man selbst hinterher wieder gewählt werden würde.

Wohl weil unsere Parlamente zumindest diesen beiden oben genannten Herausforderungen schon lange nicht mehr gerecht werden können, und die gesamtgesellschaftlichen Herausforderungen immer größer und dringlicher werden, sehen sich viele Exekutiven genötigt, nunmehr Entscheidungen entgegen dem Credo der Gewaltenteilung und allen demokratischen Prinzipien zu initiieren und selbst zu fällen.

Den Parlamenten, im Falle, dass sie es noch bemerken, bleibt dann meist nur noch das nachträgliche Absegnen von Regierungsentscheidungen; COVID-19 und der BREXIT können hierbei als aktuelle Beispiele dienen.

Man könnte jetzt unken und dies in Verbindung zu einem immer größer werdenden Bundestag setzen, denn je mehr Claquere Regierungsentscheidungen mit frenetischem Applaus im Nachgang absegnen, umso größer ist in den Augen der Verantwortlichen deren demokratische Legitimation.

Da wir Menschen nicht ändern können, und sich Parlamente kaum aus den bereits gut eingefahrenen Bahnen lenken lassen — wobei das Europäische Parlament selbst nicht einmal mehr anstrebt, um in seine einst für es vorgesehene Bahn zu gelangen — aber wir wohl mehrheitlich alle an unseren parlamentarischen Demokratien festhalten möchten, benötigen wir dringend nicht nur einen Verfassungskonvent auf europäischer Ebene, sondern einen Europäischen Verfassungskonvent für die gesamte EU, einschließlich deren föderalen Strukturen.

Ein Ergebnis dieses Verfassungskonvents muss es sein, dass man politische Ämter und Mandate, egal auf welcher Ebene, ausdrücklich begrenzt.

„To decide once every few years which member of the ruling class is to misrepresent the people in parliament is the real essence of bourgeois parliamentarism.“

Vladimir Lenin, Essential Works of Lenin (1966: 304)

3. Hertensteiner Gespräche

4. Hertensteiner Gespräche 5 (1)

Beitragsfoto: 3. Hertensteiner Gespräche 2019

Am 19. und 20. September 2020 wird es wieder soweit sein und die inzwischen 4. Hertensteiner Gespräche bieten allen Teilnehmern in insgesamt fünf Gesprächskreisen die Möglichkeit, sich mit Gleichgesinnten zu aktuellen europäischen Themen auszutauschen.

Aufgrund von COVID-19 haben sich die Organisatoren letztendlich dazu entschlossen, diese 4. Gesprächsrunde ausschließlich virtuell abzuhalten. Und damit auch jeder Interessierte die Chance hat, sich bei diesen Gesprächen einzubringen, hat die EUROPA-UNION Heilbronn, der Veranstalter der Hertensteiner Gespräche, nicht nur eine sehr einfache Videokonferenz-Software gewählt, sondern bietet zudem seit Anfang des Jahres an, dass sich potentielle Mitmacher bei deren wöchentlichen virtuellen Stammtischen mit dieser Software vertraut machen können. Ein weiterer Vorteil der Software ist, dass sich auch Menschen, die keinen Zugriff auf einen PC, Tablett oder Smartphone haben, mit einem Telefon zu diesen Konferenzen dazu schalten können.

Zudem hat die EUROPA-UNION Heilbronn ihre Foren reaktiviert, in denen über alles rund um Europa, die Europäische Union, die Europäische Idee oder auch über den Verband selbst diskutiert werden kann. Diese Foren werden auch dazu genutzt, um die jeweiligen Hertensteiner Gespräche vorzubereiten, zu begleiten und nachzubereiten. Der Zugang zu den Foren ist selbstverständlich für jedem Interessierten möglich. Im Falle, dass Sie dort auch mitdiskutieren möchten, bedarf es einer vorherigen kostenfreien Registrierung.

In den vergangenen Jahren habe ich bereits hier im Weblog über die Hertensteiner Gespräche informiert; besser ist es aber, gleich auf die entsprechende Website der EUROPA-UNION Heilbronn zuzugreifen. Und seit Kurzem gibt es auch, so wie bereits 2018 von den Gesprächsteilnehmern gewünscht, die bisherigen Protokolle der Hertensteiner Gespräche als E-Book. Damit erhoffen sich die Organisatoren zudem, dass die Hertensteiner Gespräche noch bekannter werden und Interessierten eine gute Einstiegsmöglichkeit in die kommenden Gespräche bieten.

Wenn ich nun Ihr Interesse für die 4. Hertensteiner Gespräche geweckt habe, dann nehmen Sie bitte mit der EUROPA-UNION Heilbronn oder gerne auch mit mir Verbindung auf.

„I’ve always believed that a lot of the trouble in the world would disappear if we were talking to each other instead of about each other.“

Ronald Reagan (Los Angeles Times, 4. September 2018)

Drei Bucheinbände von Europa ist für alle da!

Mein erstes Buch 5 (4)

Was lange währt, wird endlich gut (Ovid), und so kann ich jetzt auch berichten, dass mein Buchprojekt, welches mich die letzten gut vier Jahre umgetrieben hat, zu einem – zumindest für mich – gelungenen Abschluss gekommen ist.

Nachdem ich meine erste Fassung auf Anraten von Profis ziemlich kürzen und zudem noch viele Anhänge herausnehmen musste, fanden die von mir angeschriebenen Verlage das Buch immer noch zu umfangreich, wobei nur ein einziger Verlag das Risiko eingehen wollte, für den Fall, dass ich dieses träge.

Ich hatte mich eigentlich schon damit abgefunden, mein Werk den Interessierten nur online zur Verfügung zu stellen, als mir ein guter Freund empfahl, das Buch doch im Selbstverlag herauszubringen, was ich letztendlich dann auch getan habe. In der nunmehr vorliegenden Version meines Buches habe ich dann auch noch die verbliebenen Anhänge herausgenommen und stelle nun alle Anhänge dem interessierten Leser online zur Verfügung.

Damit konnte ich das Buch auf 213 Seiten reduzieren und hoffe nun, dadurch des Lesers Aufmerksamkeit auch bis zum Schluss hin aufrecht erhalten zu können.

Zudem habe ich die wichtigsten Buchanhänge bereits in einem eigenen Blogbeitrag „Neun plus fünf“ zusammengefasst und gucke jetzt einmal, ob diese Zusammenfassung auf Interesse stößt.

Sollte mein Buch Europa ist für alle da! – Vom Homo sapiens zum Homo Europaeus beim Leser Gefallen finden, und zudem der Bedarf artikuliert werden, auch die Anhänge mit im Buch haben zu wollen, so könnte ich später einmal darüber nachdenken, eine erweiterte Fassung des Buches herauszugeben.

Wenn Sie sich jetzt etwas näher mit dem Buch beschäftigen möchten, dann finden Sie das Inhaltsverzeichnis des Buches mit allen Anhängen online auf meiner Website.

Selbstverständlich freue ich mich sehr, wenn Sie das Buch kaufen und auch in Ihrem Freundes- und Bekanntenkreis weiterempfehlen.

Wenn Sie Fragen oder Kommentierungen zum Buch oder seinen Buchanhängen haben, dann können Sie mit mir, oder gerne auch mit anderen Europäischen Föderalisten, darüber in den Foren des Europastammtisches diskutieren.


Eine erste Buchbesprechung finden Sie hier:

Diese dürfen Sie gerne frei verwenden und auch teilen.

„Better to write for yourself and have no public, than to write for the public and have no self.“

Cyril Connolly, The New Statesman (25. Februar 1933)