Kaffeegenuss

Zeit für ein Gedicht 5 (5)

Beitragsfoto: Kaffeegenuss | © Pixabay

Leider viel zu wenig bekannt dürfte der Arzt und Politiker Friedrich Wilhelm Weber sein, der im 19. Jahrhundert wirkte, wobei er heute noch mit seinen Gedichten weiter punkten kann. Als ich mich ein wenig näher über ihn kundig machte, viel mir auf, dass er nach seinem abgeschlossenen Medizinstudium auf Wanderschaft ging und dies ganz traditionell nicht nur im damaligen Preußen, sondern in Europa insgesamt.

Diese Tradition wird heute leider nur noch vom restlichen Handwerk, wenn überhaupt noch gepflegt. Dabei wäre diese eine für alle Beteiligten sehr gute Sache, wenn sämtliche europäischen Jungärzte zwei bis drei Jahre auf Wanderschaft gingen — neben der eigenen Bildung stärkte dies auch das weitere Zusammenwachsen unserer europäischen Gesellschaft.

Vertrau auf Gott und eigne Kraft
Und nicht auf fremde Mächte;
Wer jeden Tag das Rechte schafft,
Der schafft im Jahr das Rechte.

Es frommt nicht, daß du zagst und klagst:
Wenn rückwärts ohne Reue
Ins alte Jahr du blicken magst,
So zieh mit Mut ins neue.

Friedrich Wilhelm Weber

Sein Vermächtnis findet man auf einem Grabkreuz in Nieheim.

Und schlaf’ ich längst schon unter Friedhofslinden,
das sollst du stets bewahren im Gedächtnis
als meiner Liebe teuerstes Vermächtnis:
Es ist kein Heil, als nur im Kreuz zu finden.

Friedrich Wilhelm Weber, Inschrift auf seinem Grabkreuz

Heilbronn

28.12.02023 5 (4)

Beitragsfoto: Blick auf Heilbronn

Feuerwerk

Nun darf man auch wieder ganz offiziell Böller und sonstige Kracher kaufen. Viele haben zudem noch Restbestände, die sie dieses Jahr unbedingt einmal loswerden möchten. Dabei scheinen gerade die Menschen in Baden-Württemberg sämtliche Maßstäbe verloren zu haben. Gemäß eines SWR Aktuell-Berichts haben sich nach Angaben des Statistischen Landesamts und nach vorläufigen Ergebnissen der Außenhandelsstatistik die Baden-Württemberg-Importe von Feuerwerkskörpern im Zeitraum Januar bis Oktober 2023 mit einem Gewicht von 562,5 Tonnen binnen Jahresfrist fast verzehnfacht (Gesamtjahr 2022: 63,3 Tonnen). 

Bei solchen Mengen kann kein Mensch mehr behaupten, dass das Feuerwerk zum Jahresende mehr als bloß ein sinn- und hirnloses Herumgeballere sei! Man hätte mit dem vielen Geld gut und gerne auch etwas Gutes machen können, z. B. für gute Zwecke spenden, den Tier- und Naturschutz voranzutreiben oder vielleicht sogar alternative Feierlichkeiten zu unterstützen.

Letztendlich aber bewahrt sich erneut eine alte Militärweisheit: je blöder und unfähiger die Menschen, umso mehr Geballere. Und so passen die Einkaufszahlen ganz gut zum sinkenden Bildungsniveau unseres Landes — was zudem befürchten lässt, dass unsere Krankenhäuser in den kommenden Tagen sehr viel zu tun haben werden.

Midnight in Paris

Man kann sagen, was man will, als Regisseur ist Woody Allen einfach eine Wucht. Gestern habe ich seinen Film „Midnight in Paris“ aus 2011 gleich zweimal angeschaut.

Owen Wilson brilliert als erfolgreicher Hollywood-Drehbuchautor, der die Republikaner im allgemeinen und seinen künftigen Schwiegervater im besonderen nicht ausstehen kann und wohl mit seiner Zukünftigen ebenfalls nicht viel mehr anzufangen weiß. Corey Stoll gibt übrigens einen guten Ernest Hemingway.

Den Rest verrate ich jetzt einmal nicht … bitte den Film einfach einmal selber anschauen. Nur so viel, dass Woody Allen für die Regie bereits 2012 einen Oscar erhielt.

S-Bahn

Wie wir es heute in der Heilbronner Stimme (28.12.2023: 28) lesen können, wird bei uns aus der Stuttgarter S-Bahn nichts. Schon wieder eine Hoffnung weniger. Und der eigene Stadtbahnausbau lässt weiterhin auf sich warten. Auch wenn mir persönlich Züge und S-Bahnen — wohl ein Relikt aus meiner Kindheit — gefallen, werden diese bei uns nicht erfolgreich sein, wenn sie ein paar Jahrzehnte zu spät kommen und inzwischen ein automatisierter Individualverkehr die Schiene längst ad absurdum geführt hat.

Wohl gerade dann, wenn dereinst die gesamte Welt die Schienen wieder zurückbaut, werden bei uns die Milliardensubventionen nur so fließen und — koste es, was es wolle — die S-Bahn nach Stuttgart gebaut.


Blitz

Wo bin ich? 5 (5)

Beitragsfoto: Blitz | © Bild von PIRO auf Pixabay

Und damit meine ich selbstverständlich auch mit, wo Sie, mein lieber Leser, sind, zumindest aber meinen zu sein. Damit denke ich nicht an jenen Ort, an dem Sie sich gerade befinden, sondern vielmehr an den Platz in Ihrem eigenen Körper, von dem Sie meinen, dort tatsächlich zu sein.

Eine kurze und nicht repräsentative Umfrage über die Feiertage ergab, dass sich neben mir auch die anderen Mitmenschen selbst in ihrem Kopf ansiedeln, ergo, auf den Rest ihres Körpers wie von außerhalb schauen, als wären sie dies eigentlich nicht oder dieser nur eine Art Anhang des eigenen Seins.

Die von mir Befragten gaben an, dass sie sich in ihrem eigenen Kopf zuhause fühlen, da dort die Informationen, die auf sie zukommen, verarbeitet werden. Zudem, weil im Kopf die meisten der klassischen fünf und der weiteren Sinne auch angesiedelt sind. Diesbezüglich wäre es sicherlich spannend zu wissen, wo ein blinder Taubstummer selber meint zu sein.

Als der Mensch noch nicht wusste, dass das Denken im Kopf stattfindet und das Herz eine sehr zentrale Bedeutung einnahm, meinten diese damals auch schon, dass sie eigentlich nur in ihrem Kopf stattfinden?

Und lässt sich der Mensch, wie in manchem Science-Ficton dargestellt, nur auf den Kopf oder gar das Hirn reduzieren und ist man dann immer noch Mensch oder zumindest das eigene ich?

Was uns nun auch schon wieder zu der uralten Frage führt, ob es die Welt außerhalb unserer eigenen Gedanken überhaupt gibt? Wenn Sie dies nun damit bejahen möchten, weil Sie diese meine Zeilen gerade lesen, möchte ich Sie sogleich fragen, ob ich nicht vielleicht doch nur ein Hirngespinst Ihrer eigenen Gedanken bin?