Sinnierende Frau

All the world’s a stage. 5 (7)

Beitragsfoto: sinnierende Frau | © Pixabay

Obige Aussage wird sofort von den meisten William Shakespeare zugeordnet. Manche kennen sogar das ensprechende Theaterstück „Wie es euch gefällt“, als dessen Autor Shakespeare gilt.

Interessanter findet ich aber sein Drama Heinrich V. wohl aus dem selben Jahr, also so um 1599 herum veröffentlicht, aus dem ich gerne aus der ersten Szene des dritten Aktes zitiere:

„In peace there’s nothing so becomes a man
As modest stillness and humility;
But when the blast of war blows in our ears,
Then imitate the action of the tiger:
Stiffen the sinews, summon up the blood.“ 

William Shakespeare

Diese Aussagen sind zwar schon etwas älter, aber immer noch gültig. Man könnte meinen, wir hätten es inzwischen auch verstanden. Zumindest …

„All the world’s a stage,
And all the men and women merely players;
They have their exits and their entrances;
And one man in his time plays many parts, …“

William Shakespeare

… klappt bei den meisten ganz gut. Nur bei der ‚Demut‘ müssen wir wohl alle noch etwas üben. Und das mit dem ‚Tiger‘ lassen wir wohl am Besten gleich ganz weg, denn, zwar mangelt es uns nicht an Papiertigern, nur bekommen die nicht einmal mehr etwas Vernünftiges in Friedenszeiten zustande.

„You are seeing me at my absolute fucking worst.“

Monica Lewis, in The New Yorker (7. September 2015, Hollywood Sunset)

Goethes gesammelte Werke

Ein Hinweis von Goethe 5 (2)

Beitragsfoto: gesammelte Werke | © Pixabay

Johann Wolfgang von Goethes Buch Wilhelm Meisters Lehrjahre (1795-1796) ist immer noch lesenswert. Ursprünglich eine Lektüre während meines Studiums, nehme ich es auch heute noch gerne zur Hand.

Das folgende Zitat stammt aus diesem, und zwar aus Buch 8, Kapitel 4:

„Wenn wir … die Menschen nur nehmen, wie sie sind, so machen wir sie schlechter; wenn wir sie behandeln als wären sie, was sie sein sollten, so bringen wir sie dahin, wohin sie zu bringen sind.“

Johann Wolfgang von Goethe

Obwohl Goethes Erkenntnis heute noch Gültigkeit hat, fällt es zumindest mir immer schwerer, diesen Hinweis umzusetzen.

Wahrscheinlich aber ist dies nur dem eigenen Alter geschuldet.

„We are what we are, because of the vibrations of thought which we pick up and register, through the stimuli of our daily environment.“

Napoleon Hill, Think and Grow Rich (2015 [1937]: 30)

Trauerbeflaggung vor dem Landgericht Heilbronn

Heuchelei 5 (2)

Beitragsfoto: Trauerbeflaggung vor dem Landgericht Heilbronn

Was immer mehr Bürger immer weniger ertragen können, ist die Heuchelei, mit der viel zu viele unserer Politiker heutzutage unterwegs sind.

Jüngste Beispiele gab es wieder beim Volkstrauertag und beim öffentlichen Gelöbnis der Bundeswehr in Berlin.

Ersteres nannte ein mir nicht näher bekannter Kommentator nur noch „Kranzabwurfgelegenheit“, wobei sich der besagte ‚Abwerfer‘ nicht einmal mehr die Mühe machte, auf dem Kranz nachzulesen, warum er überhaupt vor Ort war.

Und als er dabei ertappt wurde, bekannte er nicht einfach nur:
a) weil es zu seinem Job gehört und b) weil er wieder gewählt werden möchte — offensichtlich traut er seinen Wählern so viel Ehrlichkeit schon gar nicht mehr zu —, sondern er hetzte einem Opfer verfehlter deutscher Bildungspolitik noch die Polizei und die Staatsanwaltschaft auf den Hals.

Ein solch erbärmliches Verhalten fügt dem Volkstrauertag einen ganz neues Aspekt hinzu.

Ist es aber schon traurig genug miterleben zu müssen, wie Krokodilstränen beim Volkstrauertag vergossen werden, so wird das Ganze inzwischen von einer weiteren Gelegenheit für „politisches Schaulaufen“ übertroffen, nämlich bei den öffentlichen Gelöbnissen und Vereidigungen deutscher Soldaten.

Oftmals findet man dort neuerdings gerade jene, die sich selbst nicht nur um Wehrpflicht oder Ersatzdienst gedrückt haben, sondern jahrzehntelang ganz offen kundtaten, dass das nur etwas für Deppen und „Zivilversager“ sei.

Und auch dieses Verhalten kann man noch um eine weitere Erbärmlichkeit steigern, nämlich indem sich anerkannte Kriegsdienstverweiger oder „professionelle“ Drückeberger, ihre politischen Verbindungen nutzend, im Nachhinein zu Offizieren der Bundeswehr ernennen lassen, mit ihrer neuen Uniform wie „Westentaschenbokassas“ durch die Medien stolzieren und den jungen ‚Kameraden‘ dann im kleinen Kreis mit großen Worten erklären, dass es an der Zeit sei, um wieder „das Sterben zu lernen.“

„I was fortunate that I could devote myself to my duty in my young and vigorous years.“

Hiroo Onoda, in der New York Times (17. Januar 2014)