Foto Umberto Ecos in der la Repubblica

Gute Bücher 5 (2)

Beitragsfoto: Foto und Zitat von Umberto Eco | © La Repubblica

Alljährlich werden viel zu viele Bücher veröffentlicht, und inzwischen meinen sehr, sehr viele Mitmenschen auch, selbst ein Buch schreiben zu müssen; ich möchte mich davon nicht ausnehmen. Meine Feststellung ist wahrscheinlich aber bereits so alt, wie der Buchdruck selbst, so dass es immer wieder auch Ratschläge gibt, wie man am besten mit dieser Bücherschwemme zurechtkommt. Schon George Macaulay Trevelyan stellte hierzu fest:

„Education … has produced a vast population able to read but unable to distinguish what is worth reading.“

George Macaulay Trevelyan, English Social History (1942)

Ralph Waldo Emerson schrieb dazu 1860:

Never read any book that is not a year old, always read well known-books, and always read topics that one enjoys.

Ralph Waldo Emerson, In Praise of Books

Haruki Murakami, den ich erst vor Kurzem hier zur Lektüre empfohlen habe, meint hingegen

If you only read the books that everyone else is reading, you can only think what everyone else is thinking.

Haruki Murakami, Norwegian Wood (2000: 31)

Ray Bradbury ist davon überzeugt, dass Bücher auf alle Fälle jedem Menschen helfen.

„The things you’re looking for … are in the world, but the only way the average chap will ever see ninety-nine percent of them is in a book.“

Ray Bradbury, Fahrenheit 451 (2012 [1953]: 82)

Interessant ist dabei auch die Sichtweise von Kathy Acker, die im Vorwort von Samuel R. Delanys Trouble on Triton (1996 [1976]) schrieb:

„Every book, remember, is dead until a reader activates it by reading. Every time that you read you are walking among the dead, and, if you are listening, you just might hear prophecies. Aeneas did. Odysseus did. …“

Kathy Acker

Unabhängig davon, welche Bücher man nun liest, meint Romain Rolland, dass man dabei eigentlich nie das Buch an sich liest, sondern eher sich selber.

„No one ever reads a book. He reads himself through books, either to discover or to control himself. And the most objective books are the most deceptive. The greatest book is not the one whose message engraves itself on the brain, as a telegraphic message engraves itself on the ticker-tape, but the one whose vital impact opens up other viewpoints, and from writer to reader spreads the fire that is fed by the various essences, until it becomes a vast conflagration leaping from forest to forest.“

Romain Rolland, Journey Within (2004 [1947]: 19f)

Diego Urbina empfiehlt aus seiner eigenen und sehr profunden Erfahrung als Astronaut heraus, auf jeden Fall Bücher zu lesen. Er ist davon überzeugt, dass diese ein gutes Werkzeug sind, um die eigene Existenz zu bewältigen.

„In the end, what you are doing, it’s really cold, really repetitive. You need to stay in touch with your humanity. Books are a really good tool for that.“

Diego Urbina, in The New Yorker (28. Juni 2013, 520 days of solitude)

Ebenfalls sehr nüchtern betrachtet Eldred D. Jones den eigentlichen Zweck von Büchern.

„Legends die hard in the popular minds, while facts tend to languish in books.“

Eldred D. Jones, zitiert in John Reader, Africa – A Biography of the Continent (1997: 328)

Und Francis Bacon gab dabei bereits den Hinweis, wie man Bücher am Besten lesen sollte.

„Some books are to be tasted, others to be swallowed, and some few to be chewed and digested; that is, some books are to be read only in parts; others to be read, but not curiously; and some few to be read wholly, and with diligence and attention.“

Francis Bacon, Essays (1625, Of Studies)

Und er führt weiter aus

„Read not to contradict and confute; nor to believe and take for granted; nor to find talk and discourse; but to weigh and consider.“

Francis Bacon, Essays (1625, Of Studies)

Meine eigene Erfahrung lässt mich behaupten, dass man gute Bücher mindestens dreimal im Leben gelesen haben sollte. Ich empfehle dabei, dass man ein gutes Buch zum ersten Mal möglichst bereits in der Jugend zur Hand nimmt, dann ein zweites Mal, sobald man mitten im Leben, und zuletzt, wenn man im letzten Abschnitt des eigenen Lebens steht. Denn gute Bücher begleiten einen Menschen das ganze Leben hindurch, vorausgesetzt, man liest sie auch.

Um meine Behauptung etwas zu verdeutlichen, greife ich auf ein Beispiel aus der Musik zurück und empfehle zuerst die Einspielung der Goldberg Variationen von Glenn Gould aus dem Jahre 1955 und zum Schluss die aus dem Jahr 1981 anzuhören. Johann Sebastian Bachs Noten haben sich in all den Jahren nicht verändert, sondern nur die Sichtweise Goulds – und dies kann man klar und deutlich hören!

Zum Schluss lasse ich gerne nochmals Umberto Eco zu Wort kommen, welcher bereits oben im Beitrag zu sehen ist.

„Wer nicht liest, hat mit 70 ein Leben gelebt, wer liest, wird 5 000 Jahre erlebt haben.“

Umberto Eco, in einem Interview mit la Repubblica

„From the moment I picked up your book until I laid it down, I was convulsed with laughter. Some day I intend reading it.“

Dieses Aussage wird allgemein Groucho Marx zugeschrieben.

Holocaust-Mahnmal

„Bleibt wachsam!“ 5 (5)

Beitragsfoto: Holocaust-Mahnmal | © Kalahari auf Pixabay 

„Noch fruchtbar ist der Schoß, aus dem dies kroch!“ So zitierte am 7. Mai 2005 Gerhard Bronner anlässlich der Gedenkfeier zum 60. Jahrestag der Befreiung des Konzentrationslagers Gunskirchen Berthold Brecht.

Dass dieser Schoß sehr fruchtbar ist, hat uns Heilbronnern die letzte Gemeinderatswahl gezeigt, bei der nicht nur bekannte und sehr engagierte Bürger als Stadträte gewählt wurden, sondern auch Menschen der übelsten Sorte, die spätestens seit ihrer Wahl öffentlich zu Mord und Totschlag aufrufen, Richter, Soldaten und Beamte in Gänze diffamieren, und sich zudem über unsere Kriegstoten lustig machen.

Das Internet ist voll von ihren Hasstiraden, Verschmähungen, blanken Lügen und widerlichen Bildern, die ganz offensichtlich auch auf große Zustimmung stoßen, und selbst im Heilbronner Gemeinderat bis auf eine einzige Ausnahme offenbar widerspruchslos hingenommen werden.

Wenn ich unseren Stadträten einen Ratschlag geben darf: Appeasement-Politik funktioniert bei dieser Art von Menschen nicht, und faule Kompromisse darf man dabei erst recht nicht eingehen, denn gemäß Avishai Margalit (2010: 5) geben zwar unsere Ideale Auskunft darüber, wer wir gerne wären, aber unsere Kompromisse verraten eindeutig, wer wir tatsächlich sind.

Also liebe Stadträte, geben Sie sich einen Ruck und lassen Sie diese Menschen nicht ständig unkommentiert zu Wort kommen!

Unmögliche Mitbürger haben zwar diese üble Sorte Mensch in den Gemeinderat gewählt, nun liegt es aber an Ihnen, unseren demokratischen Volksvertretern, diesen Menschen die Maske zu entreißen und deren hässliche Fratzen für alle sichtbar zum Vorschein kommen zu lassen; auch das ist die Aufgabe eines Stadtrates!

Abschließend möchte ich gerne Gerhard Bronner selbst zitieren, der anlässlich oben erwähnter Gedenkfeier das Folgende sagte:

„Es gibt drei Dinge, die sich nicht vereinen lassen: Intelligenz, Anständigkeit und Nationalsozialismus. Man kann intelligent und Nazi sein. Dann ist man nicht anständig. Man kann anständig und Nazi sein. Dann ist man nicht intelligent. Und man kann anständig und intelligent sein. Dann ist man kein Nazi.“

Für 2020 erhoffe ich mir von allen Mitbürgern mehr Engagement für unsere Demokratie und unser schönes Land. Von unseren Volksvertretern erhoffe ich mir mehr Mut zur Konfrontation, und wünsche uns allen viel Glück und Gottes Segen.

„90 % of the people in this world are fools and the rest of us are in great danger of contamination.“

Walter Matthau als Horace Vandergelder in Hello, Dolly! (1969)

Ordnungsamt

Unbequemes 5 (6)

Beitragsfoto: Ordnungsamt | © Alex Fox auf Pixabay 

Aus einer Erfahrung heraus, die durch jahrzehntelanges Beobachten und selber Erleben geprägt wurde, muss ich das nun Folgende feststellen; ohne Frage erschüttert diese Feststellung dabei auch meine eigenen Jugendüberzeugungen.

Auf den Punkt gebracht: eine Gesellschaft kann nur dann richtig tolerant sein, wenn es ihre Judikative und Exekutive ausdrücklich gerade nicht sind.

Unsere gemeinsamen Gesetze, Regeln und Grundsätze sind über Jahrhunderte hinweg entstanden und prägen heute unsere freiheitlich demokratische Grundordnung nicht nur, sondern sind auch das Fundament auf dem unsere Gesellschaft steht und sich weiter entwickeln wird.

Demokratie, Föderalismus, Christentum und Humanismus sind dabei aus unserer Gesellschaft nicht wegzudenken: sie prägen unsere offene Gesellschaft, die grundsätzlich allen Menschen offen steht, welche unsere Werte und Gebräuche nicht nur anerkennen, sondern auch selbst leben möchten. Unsere offene Gesellschaft kann es mit anderen Idealen, Werten und Gebräuchen nicht geben, denn dann wäre es eine andere Gesellschaft, vielleicht auch eine ähnlich offene aber auf jeden Fall eine ganz andere.

Deshalb ist es zwingend nötig, dass alle, ob „Alteingesessene“ oder Menschen mit Zuzugsgeschichte, sich zu unserer offenen Gesellschaft und ihrer freiheitlich demokratischen Grundordnung bekennen und diese mittragen.

Unsere offene Gesellschaft kann zwar Andersdenkende in unseren Reihen tolerieren, sich bis zu einem gewissen Maße auch an deren Ideen und Vorstellungen reiben und vielleicht auch das eine oder andere als gut mit übernehmen, denn jede Gesellschaft lebt vom Wandel, und Utopia ist per Definition reine Utopie und in ihrem Stillstand von Anfang an auch tot, aber sobald die oben genannten Grundsätze in Gefahr geraten, hat unsere Gesellschaft in Gänze vehement und effektiv zu reagieren.

Dwight D. Eisenhower mahnte bereits in seiner Antrittsrede als US-Präsident, dass

A people that values its privileges above its principles soon loses both.

Dwight D. Eisenhower, First Inaugural Address” (20. Januar 1953)

Peter Hahne forderte 2004 in seinem viel beachteten Buch „Schluss mit lustig“ das Ende der Spaßgesellschaft. Leider sahen das wohl die meisten unserer Mitbürger als Startschuss, um noch lustiger als zuvor an allen unseren Grundfesten zu rütteln.

Dabei sind es doch genau diese unsere Gesetze, Regeln und Grundsätze, die den Erfolg unserer Gesellschaft erst möglich gemacht und unser Land zu einem der wenigen Traumländer vieler Menschen aus der ganzen Welt gemacht haben. Und mit einer weiteren Nichtbefolgung, Aushöhlung oder gar Abschaffung der Grundlagen unseres Wohlstandes schaffen wir langsam aber sicher unsere gesamte offene wie auch bisher erfolgreiche Gesellschaft ab.

Und genau hier setzt meine Forderung an, nämlich, dass unsere Judikative und Exekutive Null-Toleranz gegenüber allen, die gegen unsere Regeln verstoßen, walten lassen!

Da wir bereits längst die Grenze des Tolerierbaren überschritten haben, müssen wir die Legislative zwingen, dass Jurisdiktion und Exekutive ihren Aufgaben schonungslos und unnachgiebig nachkommen. Zudem dürfen wir bereits bei kleinsten Regelverstößen keine Nachsicht mehr walten lassen, denn sonst reichen bald keine Kapazitäten mehr aus, um das Ganze noch in den Griff zu bekommen.

Schluss mit lustig! muss endlich nicht nur zu einer allgemein formulierten Forderung werden, sondern auch von allen umgesetzt und mitgetragen werden.

Regelverstöße wie auch Verstöße gegen Ruhe und Ordnung müssen schnellstmöglich sanktioniert werden. Der Mehrbedarf an Personal und Aufwand macht sich sehr schnell wieder bezahlt und setzt zudem Kapazitäten frei, die bisher zur Schadenbegrenzung bzw. -behebung aufgewendet werden müssen.

Auch Anforderungen, ob geistiger, körperlicher, technischer oder anderer Art, müssen wieder gänzlich erfüllt werden und dürfen nicht weiter einem vorübergehenden Zeitgeist geopfert werden. Ein Arzt ohne Ethos, ein Richter ohne Hirn oder ein Lehrer ohne Bildung helfen genau so wenig wie ein Feuerwehrmann oder Polizist ohne Arme und Beine.

Aber auch diese Korrekturen sind bei Weitem nicht mehr ausreichend, wir müssen die Schrauben weiter anziehen, um den allmählichen Zerfall unserer offenen Gesellschaft noch abzuwenden.

Die Religionsfreiheit ist eine der Freiheiten, die unsere Gesellschaft mit ausmachen, das heißt aber bei Weitem nicht, dass wir Religionen schützen oder dulden müssen, die eine offene Gesellschaft oder unsere freiheitlich demokratische Grundordnung sowie deren Werte und Regeln ablehnen.

Die Null-Toleranz muss hierbei sogar so weit gehen, dass selbst eine christliche Kirche, die es ablehnt, im Falle von in ihren Reihen begangenen Straftaten mit dem Staat zusammenzuarbeiten, wirkungsvoll sanktioniert wird. Selbst der Verstoß gegen die Geschlechtergleichheit ist nicht nur zu ahnden, sondern der Mangel auch abzustellen.

Eine doppelte Staatsbürgerschaft kann es eigentlich gar nicht geben und macht nur in den folgenden Fällen halbwegs Sinn, nämlich im Falle der Mitgliedstaaten der Europäischen Union, die sich im Prozess befinden, die nationale gegen eine europäische Staatsbürgerschaft einzutauschen, und historisch bedingt mit Israel, den USA und Kanada.

In diesem Falle muss die Null-Toleranz sicherstellen, dass multiple Staatsbürgerschaften dokumentiert und im Zuge dessen auch möglichst aufgelöst werden, und darüber hinaus zudem die Chance ergriffen wird, im Falle krimineller Staatsbürger mit weiteren Staatsbürgerschaften, die deutsche Staatsbürgerschaft zu entziehen.

Das Asylrecht gehört zu den allgemeinen Menschenrechten und ist bei uns nicht nur anerkannt, sondern auch gesetzlich festgeschrieben. Aber auch dieses hat seine notwendigen und allgemein anerkannte Grenzen, nämlich wenn der Asylsuchende zur Strafverfolgung ausgeschrieben ist, die tatsächlich auf Grund von Verbrechen nichtpolitischer Art oder auf Grund von Handlungen erfolgt, die gegen die Ziele und Grundsätze der Vereinten Nationen verstoßen.

Darüber hinaus muss Null-Toleranz auch dann sofort walten, sobald ein Asylant bei uns kriminell wird oder unsere freiheitlich demokratische Grundordnung sowie deren Werte und Regeln ablehnt. Hierfür wären durch die Vereinten Nationen unterhaltene Auffanglager durchaus denkbar und wünschenswert.

Unsere offene Gesellschaft ist offensichtlich immer noch viel zu fragil, um weiterhin den von innen als auch außen angestoßenen Erosionen weiter wie bisher begegnen zu können.

Wenn wir jetzt nicht handeln und endlich für unsere Werte und Überzeugungen offensiv und vor allem auch sehr nachhaltig eintreten, dann wird unsere offene Gesellschaft nicht von außen, sondern von innen heraus zerbrechen und in Zeiten zurückfallen, die wirklich kein normaler Mensch haben oder gar durchleben möchte.

Deswegen müssen wir unsere Judikative und Exekutive dazu auffordern, Null-Toleranz walten zu lassen, auch wenn es für uns selber sehr schwierig, vielleicht auch äußerst unangenehm werden kann.

Barack Obama schrieb dazu 2006:

„If we aren’t willing to pay a price for our values, then we should ask ourselves whether we truly believe in them at all.“

Barack Obama, The Audacity of Hope: Thoughts on Reclaiming the American Dream (2006: 68)

„I only regret that I have but one life to lose for my country.“

Nathan Hale, New York, City Hall Park