Smiley

Internet-Foren 4.3 (4)

Beitragsfoto: Beispielbild | © Pixabay

Als ich einem guten Bekannten sagte, dass ich aufgrund der Situation wegen COVID-19 ein Forum erstellen möchte, gab dieser mir zur Antwort, dass das so etwas von 1990er-Jahre sei.

Allerdings bin ich fest davon überzeugt, dass nicht alles was alt oder veraltet ist, damit auch gleich jegliche Existenzberechtigung verliert.

Gerade bin ich sogar am Überlegen, ob ich nicht wieder einen Plattenspieler an meine Stereoanlage anschließen soll. Ob dieser dann auch die vor Jahrzehnten mit der Umstellung auf CD so vermisste „Wärme“ wiedergibt, wage ich dennoch zu bezweifeln.

Wenn man sich aber, um wieder auf mein eigentliches Thema zurückzukommen, die heutigen „sozialen Medien“ so anguckt und was da alles herumschwirrt und vor allem, wie es dann auch noch allseits kommentiert wird, kann man den „antiquierten“ Foren und ihrer immanenten Langsamkeit doch wieder auch etwas Gutes abgewinnen.

Deshalb ist jetzt wieder eine Website „online“, welche europaspezifischen Themen ein neues, altes Forum bieten soll.

Und auch hier wird sich zeigen, ob alte Ideen, insbesondere im Bereich der Kommunikation, wieder ihre Gemeinde finden können.

Ich lasse mich einmal überraschen!

Wer sich das Ganze einmal selber anschauen möchte, der findet dieses Forum gleich hier. [am 7. März 2022 habe ich dieses Forum vom Netz genommen.]

„He who stifles free discussion, secretly doubts whether what he professes to believe is really true.“

Wendell Phillips, Wendell Phillips: The Agitator (1890: 563)

Klopapierrolle

Klopapier 5 (2)

Beitragsfoto: Klopapierrolle | © Pixabay

Dass ich einmal einen Beitrag über Klopapier schreiben werde, kam bisher nicht einmal in meinen kühnsten Träumen vor. Da ich aber in einem Viertel lebe, in dem Klopapier seit Tagen nicht mehr erhältlich ist, und ich zudem über eine ganz normale Verdauung verfüge, mache ich mir schon so langsam meine Gedanken.

Noch glaube ich an das Gute im Menschen und noch mehr an eine funktionierende Marktwirtschaft, so dass ich bisher davon Abstand genommen habe, mit der Produktion von eigenem Toilettenpapier zu beginnen.

Aber es ist schon erstaunlich, was alles passiert, wenn sich die normale Lebenssituation von Menschen plötzlich ein wenig ändert. Das bestätigt vor allem jene, die schon lange behaupten, dass unsere Gesellschaft völlig übersättigt und schon sehr weit heruntergekommen ist.

Und all jene, die einfach nicht glauben möchten, dass es unter uns immer auch eine große Anzahl von „Arschlöchern“ gibt, versuchen ihr Glück in der Psychoanalyse, um plausiblere Gründe für das Horten von Toilettenpapier zu finden. Aber auch diese kommen sehr schnell zur „Analphase“, und sprechen dann gerne, wissenschaftlich fundiert, von analen Charakteren.

Soweit möchte ich nun wieder nicht gehen und bin, nach einer kurzen Überprüfung meiner These durch Anrufe in anderen Städten, zu der Überzeugung gelangt, dass es alleine eine Frage der Intelligenz ist.

Je dümmer – qualitativ und quantitativ – die Menschen in Ihrem Viertel sind, desto weniger Klopapier finden Sie in den Regalen der Supermärkte und Drogerien.

Deshalb muss das alte deutsche Sprichwort „Dümmer als die Polizei erlaubt“ heute wie folgt lauten: „Dümmer als Aldi und Lidl Toilettenpapier liefern können.“

„As his [human] consciousness has broadened and differentiated, so his moral nature has lagged behind. That is the great problem before us today. Reason alone does not suffice.“

Carl Jung, The Undiscovered Self (2006 [1958]: 98)

Hölderlinturm in Tübingen

Friedrich Hölderlin 5 (3)

Beitragsfoto: Hölderlinturm in Tübingen | © Pixabay

Vor 250 Jahren wurde Friedrich Hölderlin in Lauffen am Neckar, ergo vor den Toren Heilbronns geboren, fast zweihundert Jahre vor meiner Frau, die als Schülerin ins Hölderlin Gymnasium ging; eigentlich nur folgerichtig, wenn man am selben Tag wie der Dichter Geburtstag feiert. Seit 2013 wird dieser Tag, von den Vereinten Nationen initiiert, auch als Happy Day weltweit begangen.

Obwohl er den Großteil seines Lebens in Nürtingen und Tübingen verbrachte, bemüht man sich in Lauffen sein Elternhaus in der Nordheimer Straße 5, welches von 1743 bis 1775 in Besitz der Familie war, als Erinnerung an Hölderlin zu erhalten; gerade heute sollte dieses Haus nach einem etwas längeren Umbau sogar als Hölderlinhaus und Museum eröffnet werden.

Friedrich Hölderlin in fünf Minuten

Dem Menschen Hölderlin möchte sich die Hölderlin-Gesellschaft, die ihren Sitz im Hölderlinturm in Tübingen hat, näher widmen und dabei auch das Verständnis für das Werk Friedrich Hölderlins vertiefen, sowie die Erforschung und Darstellung seiner Dichtung, seines Lebens und seiner Zeit fördern.

Mir blieb Hölderlin durch folgenden Rat in Erinnerung, den ich eigentlich erst viel später richtig verstand.

Hast du Verstand und ein Herz, so zeige nur eines von beiden, Beides verdammen sie dir, zeigest du beides zugleich.

Friedrich Hölderlin, Gesammelte Werke (1959: 180)

Auch wenn Friedrich Hölderlin als Philosoph („Urteil und Sein“) durchaus Bedeutung erlangte, ist er uns noch heute wohl eher als Dichter bekannt. Aber auch als Übersetzer war er tätig, und zumindest mir gefällt seine Übersetzung von Sophokles Antigone von allen Übersetzungen ins Deutsche am besten.

Hans-Georg Gadamer – Erfahrungen mit Hölderlin

Damit Sie sich selber einen Eindruck von Hölderlin machen können, folgen jetzt drei seiner Gedichte, welche ich zuvor bereits auf anderen Websites kurz vorgestellt hatte.

Höhere Menschheit

Den Menschen ist der Sinn ins Innere gegeben,
Daß sie als anerkannt das Beßre wählen,
Es gilt als Ziel, es ist das wahre Leben,
Von dem sich geistiger des Lebens Jahre zählen.

Ehmals und jetzt

In jüngeren Tagen war ich des Morgens froh,
Des Abends weint’ ich; jetzt, da ich älter bin,
Beginn ich zweifelnd meinen Tag, doch
Heilig und heiter ist mir sein Ende.

Das Angenehme dieser Welt

Das Angenehme dieser Welt hab ich genossen,
Die Jugendstunden sind, wie lang! wie lang! verflossen,
April und Mai und Julius sind ferne,
Ich bin nichts mehr, ich lebe nicht mehr gerne!

Und auch heute hat uns Friedrich Hölderlin noch Einiges zu sagen, so bin ich mir sicher, dass in den kommenden Tagen noch öfters aus seinem Werk PATMOS zitiert werden wird:

Nah ist
Und schwer zu fassen der Gott.
Wo aber Gefahr ist, wächst
Das Rettende auch.

Erste vier Zeilen aus PATMOS (Hölderlin 1959: 270ff)