Konferenzraum

Videokonferenzen 5 (2)

Beitragsfoto: Konferenzraum | © Pixabay

Eine der Folgen, der bei mir durch die von COVID-19 verursachten erlassenen Ausgangsbeschränkungen früher einmal gerne auch als Hausarrest bezeichnet, ist eine erfreuliche, nämlich, dass ich mich wieder und dies nach gut dreißig Jahren mit meiner alten Plattensammlung beschäftige, einen Plattenspieler an die Stereoanlage anschloss und zum Leidwesen meiner besseren Hälfte auch wieder Schallplatten kaufe.

Eine weitere, eher weniger erfreuliche Folge ist, dass ich in den letzten Wochen wieder mehr Videokonferenzen sowohl als Teilnehmer als auch nur Zuschauer bzw. Zuhörer er- und überlebe. Dies ist wiederum der glücklichen Lage geschuldet, dass ich mein Leben nicht als Single fristen muss.

Leider aber ist es den hiesigen Telekommunikationsunternehmen ganz offensichtlich bis heute völlig fremd, dass in einem Haushalt mehr als eine Person leben kann oder aber mehrere Haushalte in ein und derselben Stadt auch zur selben Zeit fernsehen möchten, und so müssen meine bessere Hälfte und ich trotz „des besten Internets“ ein eigenes Bandbreiten-Management unterhalten; dabei hatten wir bereits vorab die Hälfte der Familie ausgelagert.

Und dieses völlig unverschuldete Verwalten von Mängeln, die es im 21. Jahrhundert gar nicht geben dürfte, holen bei mir Erinnerungen hervor, die ich schon lange verdrängt hatte.

Ende der 1980er-Jahre durfte ich erstmals an einer Übung im Mittelwesten der USA teilnehmen, die zwar vor Ort virtuell stattfand, aber zeitgleich real in Deutschland, Südkorea und irgendwo auf See. Für mich war der Höhepunkt der Übung, als die ersten Videos auf die Bildschirme kamen, die die Geschehen an den anderen Enden der Welt dokumentierten und uns bei der Entscheidungsfindung unterstützten.

In den 1990er-Jahren waren dann Videokonferenzen State of the Art, wobei wir damals der Technologie geschuldet, noch auf Bandbreiten von Satelliten- oder Richtfunkverbindungen achten mussten.

Da diese Videokonferenzen der Entscheidungsfindung dienten und regelmäßig als Resultat auch schwerwiegende Folgen mit sich brachten, war es zumindest damals noch üblich, dass der Schwerpunkt der Konferenzen auf der Inhaltsvermittlung und -übertragung lag.

Und schon damals mussten auch diese Konferenzen vorbereitet werden. Erschwerend kam aber hinzu, dass die „Briefer“ bis zum Beginn der Videokonferenz sicherstellen mussten, dass die jeweiligen Präsentationen auch an allen teilnehmenden Konferenzorten, egal wo auf der Welt vorlagen. Diese Datenübertragung konnte mehrere Stunden dauern und bis zum Schluss war man sich dabei nie sicher, ob auch jeder dann eine und auch die letzte Version vorliegen hatte. Da es sich meist um mehrere „Briefer“ handelte, die zudem von den unterschiedlichsten Orten zugeschaltet wurden, kann man sich jetzt gut vorstellen, was es jedes Mal für ein Gerangel um die letztmöglichen Übertragungszeiten gab. Und da sich die Welt dabei immer und unermüdlich weiterdrehte, die Nachrichtenticker nie stillstanden und auch die unterschiedlichen Nachrichtensender gerne parallel mitliefen, musste man jedes Mal hoffen, dass zumindest beim Beginn des eigenen Briefings die übertragenen Präsentationsinhalte noch mit dem Briefing-Inhalt übereinstimmten. Bei bis zu drei Briefings am Tag, jeden Tag und dies über Monate hinweg, lehrt es einen Betroffenen eins, es kann nie genug Bandbreite geben.

In den 2010er-Jahren hatte man letztendlich diese Technologie voll und ganz im Griff und selbst Low-Budget-Unternehmungen am „Arsch der Welt“ – im von mir erlebten Fall höflicher ausgedrückt, am Entstehungsort der Menschheit – konnten videounterstützt stattfinden. Wobei ich anmerken möchte, dass die damals dort erreichten und ständig verfügbaren Bandbreiten heute bei uns in Deutschland im Bestfall zwischen 3 Uhr und 5 Uhr morgens zu erreichen sind.

Allerdings durfte ich eine zumindest für mich fundamentale Änderung des Einsatzzweckes von Videokonferenzen feststellen. Lag der ursprünglich intendierte Zweck bei der Inhaltsvermittlung und -übertragung, kam jetzt etwas für mich Neues mit hinzu, die Selbstdarstellung. Konferenzhintergründe und -ausstattungen sowie die Ausleuchtung einzelner Personen waren nunmehr Schwerpunkt zumindest aller Vorbereitungen.

Diese Änderung prägte dann auch die letzten Videokonferenzen, an denen ich bis zu meiner Pensionierung beiwohnen durfte, und weckte mein Interesse an gangbaren Alternativen.

Diese kamen meines Wissens dann aus der Spieleindustrie, welche die virtuelle Kommunikation anhand von Avataren ermöglichte; Avatare sind Figuren, die den einzelnen Nutzern zugeordnet werden. Aufgrund meiner bisherigen Erfahrungen war dies für mich die ideale Lösung des Problems, da sie zum einen der Bandbreitenproblematik und zum anderen dem Selbstdarstellungsbedürfnis oder im Gegensatz dazu der Angst, sich selber präsentieren zu müssen, ausgezeichnet begegnet und damit dem Transport von Inhalten wieder mehr Raum gibt.

Ich habe leider in den letzten beiden Jahren vergeblich versucht, diese Kommunikationsform in einem ehrenamtlichen Verband hoffähig zu machen. Dabei hatte ich geglaubt, in der Software von virBELA, welche inzwischen von Universitäten als auch von Firmen erfolgreich angewendet wird, eine passable wie auch attraktive, weil spielerische Lösung gefunden zu haben.

Die Bereitschaft, sich in einem virtuellen Umfeld zu begegnen, um Reisezeit und Kosten für alle zu sparen sowie Verwaltungs- und Organisationsaufgaben zu vereinfachen, war einfach nicht gegeben; das persönliche Miteinander für alle Beteiligten viel zu wichtig.

Zu Beginn von COVID-19 versuchte ich dann einen zweiten Anlauf, weil ich davon überzeugt bin, dass bei uns in Deutschland das Bandbreitenproblem, welches übrigens seit den 1970er-Jahren bekannt ist, erst in den kommenden Jahrzehnten gelöst werden wird.

Durch den Wegfall der Videoübertragung und das vorherige Installieren der notwendigen Software kann fast die gesamte vorhandene Bandbreite dazu genutzt werden, um bei Bedarf Informationen, Präsentationen und weitere Inhalte stets aktuell nicht nur für alle zur Verfügung zu stellen, sondern diese auch untereinander bilateral sowie in Untergruppen auszutauschen.

Offensichtlich dem Zeitgeist geschuldet, hat sich aber in den letzten Wochen die Videokonferenz bei den meisten Besprechungen durchgesetzt, und es geht nunmehr eher darum, wer die „schickere“ oder auch nur die datenschutzrechtlich abgesichertste Software benutzt.

Ich gestehe dabei gerne ein, dass eine Echtzeitbildübertragung insbesondere von den sprechenden Personen ebenfalls Inhalte transportiert und zudem das gegenseitige Verständnis durchaus unterstützen kann, aber gebe auch zu bedenken, dass der Mehrwert gegenüber normalen Telefonkonferenzen überschaubar ist und im Gegensatz zu den Bildtelefonaten zweier Personen untereinander Gefahren birgt, da Video- und Tonmitschnitte sowie die beliebten Screenshots von jedem Teilnehmer und zu jeder Zeit von allen anderen Personen gemacht werden können.

Aber wie es so schön heißt, „don’t fight the system“ und versuche das Beste daraus zu machen.

Da nach dem Wegfall der COVID-19-Beschränkungen wohl die meisten wieder in den alten Trott verfallen werden, muss man davon ausgehen, dass die Videokonferenzen eher wieder zur Ausnahme und dadurch wohl auch wieder alleine aus Kostengründen eher von potenteren Unternehmen und Institutionen weiter verwendet werden.

Der Einsatz einer Videokonferenzsoftware, die mehr als Bildtelefonie und einer rudimentären Chat-Funktion bietet sowie datenschutz- und urheberrechtlich abgesichert ist, wird für die meisten Anwender technisch wie finanziell nicht realisierbar sein.

Und sollte eine solche „Volks“-Software doch noch auf den Markt kommen, muss diese sich auch dort noch durchsetzen.

Deshalb versuche ich jetzt in meinem Bereich eine Hybrid-Lösung zu etablieren. Zum einen verwenden wir jetzt eine datenschutzrechtlich weniger bedenkliche und auch einfachere wie kostengünstigere Videokonferenz-Software und zum anderen verwenden wir eine bewährte Foren-Software, die wir beide in Kombination miteinander verwenden möchten.

Damit können wir den Vorteil der Videokonferenzen mit dem für alle einfachen Weitergeben von Inhalten in Foren kombinieren und damit für unseren Bereich die Kommunikation untereinander sicherstellen.

Wer jetzt aber weitergehendere „Features“ wie z. B. Abstimmungs- und Planungstools mit integriert haben möchte, dem empfehle ich nun bereits zum dritten Mal die eingangs erwähnte Avatar-Lösung, weil sie bereits vorhanden und inzwischen auch bewährt ist sowie Ressourcen schont – ein Vorteil, den man angesichts unsere Umwelt- und Rohstoffprobleme durchaus in Betracht ziehen sollte!

Zudem bietet sie den Vorteil, dass sie für die meisten Nutzer einfach zu verstehen und zu „erspielen“ ist.

„Reading maketh a full man; conference a ready man; and writing an exact man.“

Francis Bacon, Of Studies – Essays (1625)

Pferdeschädel

Aus gegebenem Anlass 5 (3)

Beitragsfoto: Pferdeschädel | © Pixabay

Gerade wenn man sich unablässig bemüht, die Dinge zum Laufen zu bekommen und dabei über Monate, vielleicht sogar Jahre hinweg, das Gefühl hat, nicht weiter zu kommen, dann wäre es wirklich einmal an der Zeit, um anzuhalten und zu versuchen, das ganze Geschehen aus der Distanz oder gar aus der Vogelperspektive heraus zu betrachten.

Der allseits bekannte Sisyhos soll um das Jahr 1 400 v. Chr. gelebt haben und König zu Korinth und Sohn des Aiolos gewesen sein. Bekannt ist weiterhin, dass er sich durch große Weisheit ausgezeichnet haben soll.

Sisyphos’ Strafe, weil er offensichtlich nicht nur mit Weisheit, sondern auch noch mit ausreichend Bauernschläue ausgestattet gewesen war, besteht nun darin, seit seinem Tod, der ihn in die Unterwelt verfrachtete, fortwährend einen Felsblock einen steilen Hang hinaufzurollen. Ihm entgleitet dieser Stein jedoch stets kurz vor Erreichen des Gipfels und er muss immer wieder von vorne anfangen.

Homer hat dies bereits in der Odyssee berichtet, und man darf deshalb hoffen, dass sich der Felsbrocken inzwischen ein wenig abgenutzt hat.

Wer jetzt glaubt, es könnte nicht mehr schlimmer kommen, den möchte ich an Naranath Bhranthan erinnern, der dies offensichtlich freiwillig und unermüdlich macht, da er sich jedes Mal aufs Neue freut, wenn er den Felsbrocken den Berg hinunterrollen sieht.

Am Schlimmsten dürfte es aber sein, wenn man selbst bereits zu Lebzeiten ein totes Pferd reitet und dies zudem nicht wahrhaben möchte. Schon die Lakota kannten diesen Umstand und empfahlen das Folgende:

When you discover that you are riding a dead horse, the best strategy is to dismount.

Weisheit der Lakota

Nichtsdestotrotz haben wir uns in Europa und der Westlichen Welt insgesamt andere Strategien zugelegt, die wir bis heute unermüdlich anwenden und dazu noch den jeweils anderen als die best mögliche anempfehlen wollen.

Einige dieser Strategien finden Sie hier:

– EL: buying a stronger whip;

– MT: changing riders;

– UK: saying things like: “This is the way we always have ridden this horse.”

– SE: appointing a committee to study the horse;

– IE: arranging to visit other sites to see how they ride dead horses;

– FR: increasing the standards to ride dead horses;

– PT: appointing a team to revive the dead horse;

– DE: creating a training session to increase our riding ability;

– FI: comparing the state of dead horses in today’s environment;

– HU: change the requirements, declaring that, “This horse is not dead.”

– BE: hire contractors to ride the dead horse;

– LU: harnessing several dead horses together for increased speed;

– ES: declaring that, “No horse is too dead to beat.”

– EU: providing additional funding to increase the horse’s performance;

– US: do a study to see if contractors can ride it cheaper;

– IT: buying a product to make dead horses run faster;

– AT: declaring that the horse is “better, faster and cheaper” dead;

– NL: forming a quality circle to find uses for dead horses;

– CY: revisiting the performance requirements for horses; saying this horse was procured with cost as an independent variable;

– PL: promoting the dead horse to a supervisory position.

Jetzt müsste man nur noch jemanden finden, der einem zeigt, wie man eigentlich am Besten von einem toten Pferd absteigt. Für die Lakota war dies wohl kein Problem und so normal, dass es keiner weiteren Erklärung bedurfte.

Aber so lange wir nicht wissen, wie man gesund von einem Gaul oder gar Roß herunterkommt, reiten wir wohl weiterhin und jeder auf seine eigene Art und Weise … tote Pferde.

„A horse! a horse! my kingdom for a horse!“

William Shakespeare, King Richard III

Smiley

Das Forum neu entdeckt 4.3 (3)

Beitragsfoto: Beispielbild | © Pixabay

Der derzeitige Trend geht wohl zu allumfassenden sogenannten Content Management Systemen als „eierlegende Wollmilchsäue“, die alles, was das so Internet bietet, in einem einzigen System abbilden.

Dieses Phase habe ich bereits hinter mir und werde dieses Jahr wohl auch das letzte derartige System auf meinen Servern stilllegen. Im Gegenzug habe ich für mich die altbewährte Foren-Software wiederentdeckt und für die Europäer unter uns eigenständige Foren eingerichtet, die während der COVID-19 Zeit dazu dienen, die Diskussionen über Themen mit Europabezug am Laufen zu halten und zudem die Suche nach einer geeigneten Software für einen virtuellen Europastammtisch unterstützen sollen.

Jetzt bin ich selber einmal gespannt, wie dieses alte Format aus den 1990er-Jahren heutzutage bei den Nutzern ankommt?

Foren im World Wide Web sind seit dieser Zeit nämlich vermeintliche Spielwiesen für „Nerds“, dienen aber auch sehr gut als Diskussions- oder Wissensplattformen, indem sie Erfahrungen weitergeben und erste Hilfe bei wichtigen Fragen bieten können. Noch heute finden sich Tausende Nutzer täglich in den verschiedensten Foren wieder, wo sie Beiträge lesen und posten, Anhänge verschicken oder verlinken und für sich und andere das Leben etwas kurzweiliger und unterhaltsamer gestalten.

Auch die jüngst neu hinzugekommenen Foren des Europastammtisches sollen dies für möglichst viele Nutzer erreichen.

Aber schon jetzt zeichnet sich der Trend ab, dass für viele Mitbürger die eher gegenstandslosen aber auf jeden Fall sehr unverbindlichen Unterhaltungen via Chat-Räumen und dabei möglichst mit Video-Funktion die Ultima Ratio sind, wobei man zugegebener Maßen sehr gut seine eigene Frisur und einen eigens ausgewählten Hintergrund, sei es die Fototapete einer Bücherwand oder möglichst bunte Zertifikate von weniger bekannten Hochschulen und Institutionen, zur Schau stellen kann. Das eigene „Schaulaufen“ frei nach dem altbekannten Motto „Mehr Schein als Sein“ hat unsere Gesellschaft auch in Zeiten von COVID-19 noch fest im Griff.

Die althergebrachte Foren-Software ist dazu weniger in der Lage. Ganz im Gegenteil, denn hier trennt sich die Spreu vom Weizen, denn jeder aktive Teilnehmer ist gezwungen, seine Gedanken in schriftlicher Form niederzuschreiben und damit den anderen Teilnehmern möglichst plausibel darzulegen und auch für spätere Konsultationen zur Verfügung zu stellen.

Und wenn im Gegenzug dann ein Andersdenkender seine Gedanken formuliert, geschieht es, dass durchaus neue Aspekte zum Vorschein kommen und jeder seine Gedanken und Vorstellungen zumindest neu ordnen kann. Eine Win-Win Situation für alle, die sich die Mühe machen, auch selber einmal eigene Gedanken zu formulieren und anderen zur Kommentierung anzubieten.

Für all jene, deren Erfolgsmodell lediglich ist, die Niederschriebe anderer Leute möglichst gekonnt vorzulesen und mit zunehmender Praxis auch in leicht vereinfachter Form nachzusprechen, sind solche Foren sicherlich ein Horror. Aber auch hier gilt, die Übung macht den Meister, und ich bin mir ziemlich sicher, dass sehr viele, sobald sie eigene Versuche in Foren starten, durchaus ihr Potential erkennen und damit die Foren-Welt insgesamt bereichern werden.

Wie bereits gesagt, ein Forum war schon immer eine Win-Win Situation für alle – unabhängig ob es ein Forum Romanum oder nur eine sehr vereinfachte digitale Version davon ist.

Nachtrag

Am 7. März 2022 habe ich dieses Forum aus dem Internet genommen und durch ein Forum auf diesem Weblog ersetzt.

„Ich rede mit mir selbst und setze mich durch.“

Jean-Claude Juncker,  im Gespräch mit Stephan Mayer im „Alpha-Forum“