Mann beim Ausfüllen eines Formulars

Ideen und Notizen 4.8 (5)

Beitragsfoto: Beispielbild | © Pixabay

Jeder der lesen und schreiben kann, kennt sie: die Notiz- und Tagebücher. Die etwas Älteren unter uns auch noch Poesiealben und sonstige nette bunte Büchlein, in denen man seine Ideen, Gedanken und vieles mehr festhält.

Wer allerdings seine Ideen und Gedanken etwas besser strukturieren wollte, kam kaum um Karteikarten oder Zettel herum, welche man dann am besten in Kartons oder Kästen sammelte. Manche fingen sogar an, diese mit Schlagworten und weiteren Hilfsmitteln zu kennzeichnen und weiter untereinander zu verknüpfen.

So war es auch nicht verwunderlich, dass man mit dem Aufkommen der ersten Personal Computer anfing, seine bewährten analogen Hilfsmittel in die Computerwelt zu übertragen. Anfang der 1990er-Jahre hatten sich dann verschiedene kleine Computerprogramme etabliert, die sehr einfach, voll funktionsfähig und auch voll umfänglich alle Aufgabe von Karteikästen bravourös meisterten — zumindest in den Augen der Nutzer.

Aber schon damals fingen Software-Firmen und Entwickler an, datenbankgestützte eierlegende Wollmilchsäue auf den Markt zu werfen, die hunderttausende von Schriftarten, Schriftzeichen, unendliche Farbeinstellungsmöglichkeiten und weitere unnötige Gadgets boten. Das einzige was dabei ins Hintertreffen geriet war, dass man als Nutzer die eigentlichen Funktionen kaum noch wiederfand und der ursprüngliche Sinn und Zweck von Zettelkästen in Vergessenheit geriet. Dafür konnte man das, meist ganz zufällig, auf dem Bildschirm Erscheinende möglichst bunt ausdrucken sowie bei Bedarf fast immer auch in, für andere kaum lesbare, Formate transformieren, auf Datenspeichern weitergeben oder gar via Datenleitung versenden.

Da auch die E-Mail-Programme immer umfangreicher und monströser wurden, fingen viele Nutzer an, sämtliche Aufgaben — auch die der Zettelkästen — mit diesen E-Mail-Programmen zu bewältigen.

So ist es heute sehr erfreulich, dass sich viele Entwickler und auch potentielle Nutzer wieder Gedanken darüber machen, wie man möglichst einfach, verständlich, vielleicht auch sicher und langfristig aufzubewahrend, die Funktionen der alten Zettelkästen nachbilden kann. Mein ganz persönlicher Tipp an alle, die sich dieser Aufgabe widmen, ist wie folgt:

  • KISS — keep it simple and stupid.
  • Wenn das Ganze nicht auf einen Datenträger mit 2 MB passt, ist es weiter verbesserungswürdig und
  • alle Daten sollten auch zukünftig lesbar sein.

Deshalb freut es mich auch ganz besonders, dass sich Detlef Stern dieser Herausforderung gestellt hat. Noch mehr, dass er bereits mit einem sehr gelungenen „Tester“ aufwarten kann.

Selbstverständlich hat Detlef Stern dafür auch schon eine eigene Website: https://zettelstore.de. Und hier entsteht gerade das entsprechende Handbuch, welches selbst ein Beispiel für einen Zettelstore ist.

Sein Zettelstore hat je nach Rechner und Betriebssystem ca. 8 – 11 MB und ist somit etwas größer als meine ursprüngliche Erwartung — dennoch müssten die meisten Nutzer damit leben können.

Zudem ist der Zettelstore nicht „Cloud basiert“, was zwar weniger komfortabel, aber dafür nachhaltiger sein dürfte.

Nichtsdestotrotz möchte ich Ihnen die weiteren, mir inzwischen bekannten Projekte nicht vorenthalten:

Diese Aufstellung wurde übrigens mit Hilfe von Detlef Stern und dessen Zettelstore erstellt.

Bei der Entscheidung für einen digitalen „Zettelkasten“ sollten Sie sich von zwei Dingen leiten lassen:

  1. Ist das Ganze für Sie einfach genug und
  2. glauben Sie, dass die Software auch in Zukunft noch verfügbar sein wird?

Ich werde mich wohl für Detlef Sterns Zettelstore entscheiden und dabei die Vorzüge des „kurzen Weges“ nutzen, wobei das in der heutigen Zeit von überall aus der Fall sein müsste.

Don’t worry about people stealing an idea. If it’s original, you will have to ram it down their throats.

Howard H. Aiken, „Portraits In Silicon“ by Robert Slater (1992: 88)

Zeitungsausschnitt

Politische Dystopie 5 (3)

Beitragsfoto: Zeitungsausschnitt | © Pixabay

Wir schreiben das Jahr 2030, eigentlich das Jahr, in dem sämtliche Versprechungen der damaligen Großen Koalition, welche noch in den 2010er bis 2020er-Jahren sehr populär war und gerne auch liebevoll als GroKo bezeichnet wurde, hätten erfüllt sein müssen.

Mitte der 2020er-Jahre kam aber alles ganz anders, die angestauten und neu hinzugekommenen Herausforderungen konnten weder von den Regierungen noch von den völlig überforderten Parlamenten gelöst, wenn überhaupt, nur noch annähernd wahrgenommen werden. Die Enttäuschung bei der Bevölkerung wurde damals immer größer, sodass die verantwortlichen Politiker die Flucht nach vorne suchten und ihr Glück in der politischen Vergangenheit fanden.

„Getriggert“ wurde das Ganze, als die Umfragen in einem erneut als Superwahljahr beworbenen Event für die Parteien allesamt unvorteilhaft ausgingen: kurz entschlossen bildeten sich in Deutschland zwei Hauptblöcke: zum einen die Nationalistische Einheitspartei Deutschland (NED: AfD, CDU und CSU) und zum anderen erneut die Sozialistische Einheitspartei Deutschland (SED: Bündnis 90/Die Grünen, Die Linke und SPD) sowie ein eher lockerer Zusammenschluss von Kleinstparteien, wobei die FDP heute noch am bekanntesten sein dürfte. In einem sehr polarisierten Wahlkampf konnte sich 2025 die NED nur sehr knapp durchsetzen und es wurden in Folge davon neue Pflöcke eingeschlagen.

Zum Wohle Deutschlands wurde die Europäische Union zwar nicht ganz beerdigt, sondern in eine neue Version des alten Heiligen Römischen Reiches deutscher Nationen überführt und fristet seither das Dasein seines heute so beliebten Vorgängers; dies ganz im Sinne der französischen Präsidentin Marine Le Pen, die zugleich auch alle EU-Präsidentenämter in Personalunion innehat. Als deren Stellvertreterin in allen EU-Ämtern wurde Ursula von der Leyen auf Lebenszeit bestätigt, wobei diese Funktion mit einem Erbrecht versehen wurde.

Um den nationalen Frieden wieder herzustellen, haben sich die beiden Blöcke (NED und SED) darauf geeinigt, nach jeder Wahl abwechselnd die Regierungsaufgabe zu übernehmen, wobei die jeweiligen Vorgänger ihre Ämter bis zum eigenen Ableben weiterhin mit dem Zusatz „momentan nicht in Regierungsfunktion“ beibehalten. Im Zuge davon wurde auch für alle Abgeordnete der Bestandsschutz garantiert und jedem entsprechende Ausgleichsmandate zugebilligt. Zudem wurde den Kleinst- bzw. Blogparteien zugesichert, dass sie an der jeweiligen Regierung beteiligt werden, sobald sie die 10 % Hürde überschreiten.

Um eine bereits absehbare Überschreitung der Bundestagsgröße von 3 000 Abgeordneten zu begegnen, wurde eine freiwillige und großzügige Abfindungsregelung eingeführt, wobei jene, die das Angebot nutzen, alle ihre Titel und Aufsichtsratsmandate weiter beibehalten dürfen. Diese Regelung gilt selbstverständlich auch für sämtliche Landtage und unterscheidet sich — dem deutschen Föderalismus geschuldet — nur in der Höhe der jeweiligen Abfindungen, wobei nirgends die Sechsstelligkeit der Zahlungen unterschritten werden darf.

Um die Ungleichheit innerhalb unserer Gesellschaft zu beenden, wurden alle Ämter und Leitungsfunktionen gedoppelt und müssen seither zwingend jeweils mit einem Mann und einer Frau besetzt werden.

Um die Bevölkerung besser in die neue und jetzt viel bessere Demokratie einzubinden, wurde generell die Wahlpflicht eingeführt und die freien Wahlen zum Wohle aller in geregelte Wahlen überführt.

Um die nationale Identität weiter und auch das Zusammengehörigkeitsgefühl partei- wie bundeslandübergreifend zu fördern, wurden z. B. die Bundesautobahnen in Volksautobahnen mit dem Namenszusatz von verdienten Politikern umbenannt. Wegen seines großen Verdienstes um die deutsche Autobahn wurde die Strecke Berlin – München in Volksautobahn Adolf Hitler und die Strecke Berlin – Saarbrücken in Volksautobahn Erich Honecker umbenannt sowie u. a. die Strecke München – Stuttgart in Volksautobahn Andreas Scheuer.

Auch auf lokaler Ebene wurde diese brillante Idee meistens gerne übernommen, so auch in Heilbronn, wobei die Allee auf Anregung der Porschefahrer in der NED Fraktion in Volksstraße Albert Leo Schlageter umbenannt wurde und sich in Heilbronn zudem schnell eine weitere Tradition etablierte, nämlich indem jährlich am 1. Mai Porsche- und Mercedesfahrer gut zwei bis drei Stunden lang über die Volksstraße Albert Leo Schlageter brettern und zum Takt des allseits bekannten AfD-Volkslieds „Eure Armut kotzt mich an!” ihre Hupen erklingen lassen.

Leider wurden, so wie es bei Dystopien der Fall ist, damit keine gesellschaftlich und existenziell relevanten Probleme gelöst, aber sie konnten erfolgreich weiter verdrängt werden, und für den Fall, dass das eine oder anderen Problem erneut hochkocht, weiß jetzt wieder jeder ganz genau, wer daran schuld ist: die allseits bekannten Minderheiten, der gesellschaftszerstörende Kapitalismus oder die mündigen Bürger, welche einst für freiheitliche gesellschaftliche Konzepte eintraten.

Wohlgemerkt, wir schreiben das Jahr 2030 und alles ist gut!

P. S.
Übrigens, Victor Orban ist inzwischen auch Ehrenbürger Europas.

„Now, the dividing line is not between left and right but globalists and patriots.“

Marine Le Pen, We Are Not the World (6. Januar 2017)

Mädchen

Requiem for a Nun 5 (2)

Beitragsfoto: Mädchen | © Khusen Rustamov auf Pixabay 

Jetzt, da der bereits seit längerem veraltete ganz neue James Bond Ende des Jahres endlich in die Kinos kommen soll, ist es eine gute Gelegenheit, William Faulkner sprechen zu lassen:

„The past is never dead. It’s not even past.“

William Faulkner, Requiem for a Nun (2012 [1951]: 73)

Bereits im Dezember 2019 hatten sich meine Frau und ich auf den inzwischen 25. offiziellen James Bond Film gefreut, wobei ich Daniel Craig von Anfang an für die James Bond Reihe für eine absolute Fehlbesetzung hielt, da er der, zumindest für mich, unerfreulichen Weiterentwicklung der ursprünglich von Ian Fleming erfundenen Charaktere mehr als nur Vorschub leistet; dabei war es doch der besondere Charme der Ian Fleming Bücher, dass sie weder politisch korrekt noch mainstream waren — sie machten sich einfach über eine Zeit lustig, die es so vielleicht niemals gab, und ließ Männer wie auch Frauen über Dinge schmunzeln, die ganz offensichtlich „zu gut“ waren, um überhaupt wahr sein zu können. Und genau das war der besondere Charme von Bond und keiner konnte ihn besser verkörpern als Sean Connery.

Daniel Craig wurde offensichtlich nur deshalb ausgesucht, weil man nicht gleich — ganz mainstream — zu einer Frau als Bond wechseln wollte; denn soviel Mut haben selbst Serienschreiber nicht. Dabei wäre es doch nur gut gewesen, wenn endlich eine Frau das gesamte James Bond Seriengetue beendet und dabei ins völlig Lächerliche zieht, und damit eine ganz neue Art fröhlicher und familientauglicher Unterhaltung kreiert — eine Second Hand Barbarella sozusagen.

So müssen wir uns wohl, wenn man den ersten Testschauern glaubt, weiterhin mit dem Depri-Bond begnügen, der immer noch versucht, zum Sinnbild politischer Korrektheit zu werden. Wenigstens — ganz zur Freude meiner besseren Hälfte — hat Daniel Craig davon abgesehen, sich bereits 2015 die Pulsadern aufzuschneiden, und wird uns wohl als letzter männlicher James Bond zusammen mit seinen Kollegen in die noch tieferen Tiefen menschlicher Abgründe führen; wohl soweit, dass es auch eine Frau nicht mehr besser machen kann. Seien wir alle froh darüber, dass Sean Connery und besonders Ian Fleming das nicht mehr miterleben müssen.

James Bond soll im jüngsten Film „No Time to die“ William Faulkner zitieren: „Die Vergangenheit ist niemals tot.“ Dieses Zitat stammt aus dessen Buch „Requiem for a Nun“ aus dem Jahr 1951 und dürfte mit zu den meist zitierten Faulknersätzen gehören.

„Requiem for a Nun“ schrieb Faulkner zwanzig Jahre nach seinem Roman „Sanctuary“ (1931) als dessen Fortsetzung. Die Geschichte spielt acht Jahre nach der von „Sanctuary“, wobei Temple Drake inzwischen mit dem „Verursacher“ ihres Leidens, Gowan Stevens, verheiratet ist. Die Geschichte beginnt mit der Verurteilung von Drakes Kindermädchen, Nancy, wegen des Mords an Drakes Tochter.

In beiden Büchern finden sich nur kaputte Helden, und die Abfolge sowie der Ausgang der Handlungen könnte durchaus die letzten Bondgeschichten inspiriert haben. Wer von den Depri-Bondfolgen nicht genug bekommt, dem empfehle ich beide Bücher zur Lektüre; ich persönlich finde, dass es dabei egal ist, mit welchem Buch man beginnt; wieder eine Ähnlichkeit zur Bondgeschichte.

Aber das Schöne daran ist, man muss nicht darauf warten bis das Drama im Kino ein Ende findet, sondern kann sich beide Bücher sofort kaufen oder auch ausleihen. Dann weiß man auch, was mit Nancy geschieht und was aus Temple Drake wird.

Übrigens, Albert Camus hat 1956 aus dem Buch ein Theaterstück namens „Requiem pour une nonne“ gemacht und auch das Vorwort zur französischen Übersetzung des Buches geschrieben.

„In time you become old, you see death then. Then you realise that nothing — nothing — nothing — not power nor glory nor wealth nor pleasure nor even freedom from pain, is as valuable as simple breathing, simply being alive even with all the regret of having to remember and the anguish of an irreparable worn-out body; merely knowing that you are alive.“

William Faulkner, A Fable (2011 [1954]:347)