Leser

24.5.02021 5 (2)

Leser | © Pixabay

Bargeld

Das Geld liegt bekanntlich auf der Straße, inzwischen auch bei uns. Der jüngste Spaziergang brachte 23 Cent ein; was mich an meine Urlaube in den USA erinnert, wo wir regelmäßig bei Spaziergängen Geld aufsammeln konnten und dies gar zu einem kleinen Wettkampf machten, wer am meisten an einem Tag findet. Interessant wäre herauszufinden, wann und unter welchen gesellschaftlichen Voraussetzungen man Kleingeld auf der Straße einsammeln kann.

Dies sollte dann aber nicht als Argument dienen, um Bargeld insgesamt abzuschaffen, denn das wäre eine weitere Entmündigung und eine Art moderner Versklavung von uns Bürgern, wenn wir damit nicht einmal mehr das Recht haben, Geld aus dem Fenster zu werfen. Die Abschaffung von Bargeld ist eindeutig ein weiterer Schritt hin zur „Total Control“.

Verbraucher

Die ersten entsprechenden Schritte gingen wir Bürger aus reiner Bequemlichkeit oder bloßer Unvernunft von alleine, indem wir uns ohne jeglichen Protest zum Verbraucher abstempeln ließen. Jetzt, da der Begriff „Verbrauch“ immer negativer besetzt ist, erhalten wir einen euphemistischeren Stempel aufgedrückt und werden weiter zum Konsumenten degradiert. Und damit einige von uns sich nicht ganz so schlecht fühlen, dürfen wir ab und zu auch noch für ein paar wenige Tage „Wähler“ sein — wer oder was gewählt wird, entscheiden inzwischen auch andere für uns. Es ist schon erstaunlich, was so ein paar Mitbürger aus dem Souverän — eigentlich uns allen — machen können. Ich habe dies schon öfters in Beiträgen kommentiert: Hauptsache billig! und ohne eigene Anstrengung.

Lesen

Die letzten Bücher, welche ich vor Kurzem gelesen habe, zeigten erstaunlich viele Parallelen zu meinem eigenen Buch — was nicht verwundern sollte, da die Autoren nicht nur in derselben Welt, sondern auch in der gleichen Zeit leben.

So werde ich mich nun in ein Buch vertiefen, das zu erklären versucht, warum wir „Westler“ die verrücktesten aber auch mit zu der derzeit erfolgreichsten Menschengruppe wurden. Dieses Buch hat Joseph Henrich geschrieben und trägt den Titel: „The WEIRDest People in the World“ (2020).


Binärcode

Digitalität 4.5 (2)

Beitragsfoto: Binärcode | © Pixabay

Wir schreiben das Jahr 2021 in Deutschland, und inzwischen gehen bereits die ersten Mitbürger, die selbst mit Computern groß geworden sind, in den wohlverdienten Ruhestand.

Was aber unsere Politik und Verwaltungen nicht davon abhält, weiterhin Digitalität und Internet als deutsches Neuland zu bezeichnen. Jüngster Höhepunkt deutscher Ignoranz und Bildungsschwäche sind die Impfzentren, die es tatsächlich schafften, nach monatelanger Vorbereitung, ihre Dokumentation in Papierform zu organisieren!

Zum besseren Verständnis, das hat dieselbe Qualität, wie wenn die Heilbronner Berufsfeuerwehr mit Kübelspritzen zum Großbrand ausrücken würde.

Unabhängig von der Tatsache, dass man zu Krisenbeginn keine neuen Strukturen schafft, sondern vorbereitete Maßnahmen einleitet und diese im Verlauf der Krise ggf. weiter anpasst, zeigt es doch wie weit unsere Politik und ihre Verwaltungen bereits von der Realität unserer Lebenswelten abgerückt sind — die dafür verantwortlichen Politiker und Beamten haben es geschafft, sich in wirtschaftlich guten und politisch sicheren Zeiten eigene Wolkenkuckucksheime zu schaffen, in denen sie ungestört von allen Turbulenzen ihre ganz eigenen Leben führen.

Das führt dann auch dazu, dass man seit Jahrzehnten verhindert, u.a. eine Glasfaserinfrastruktur aufzubauen, die Verwaltungen zu digitalisieren, ganz zu schweigen vom Schul- und Bildungssystem oder gar dem Steuer- und Gesundheitswesen.

Die Berliner Republik hat eins geschafft, neben der vorbildlichen Restauration von Kaiserdenkmälern und -gebäuden, unser Land und unsere Gesellschaft insgesamt ins digitale Biedermeier zu führen, was der schwergewichtigste Kanzler aller Zeiten uns damals als geistig-moralische Wende angekündigt hat — wir hätten auf eine genauere Beschreibung bestehen müssen. Und als er dann sogar „blühende Landschaften“ versprach, hätten wir fragen müssen, für wen?!

Ich möchte aber nicht so ganz fatalistisch klingen, denn man hat uns inzwischen den „neuen Personalausweis“ für teures Geld angedreht, der aber zumindest in Heilbronn zu nichts zu gebrauchen ist, außer man möchte täglich seinen Kontostand in Flensburg abrufen.

Dabei könnte man diesen ohne größere Schwierigkeiten — in manchen Ländern geht das ohne Probleme — dazu nutzen, dass man sich u.a. damit ausweisen oder gar Tickets oder das Essen in Kantinen bezahlen kann.

Bei uns absolut unvorstellbar, dass man dort auch den COVID-19 Impfnachweis dokumentiert — würde Sinn machen und die Infrastruktur ist bereits vorhanden.

Dafür dürfen sich aber Glücksritter — mit guten Verbindungen in die Politik — nun an Apps und sonstigen Produkten dumm und dämlich verdienen, und müssen nicht einmal nachweisen, dass man ihre Produkte überhaupt benötigt oder diese auch funktionieren.

Den Schulterschluss mit der Bevölkerung erreicht die Politik bei uns dann aber wieder damit, dass man gemeinsam die Erfolge und Errungenschaften anderer Länder oder gar Firmen verteufelt, die letztendlich dafür sorgen, dass auch wir in Deutschland Internet haben und auf vielfältige digitale Produkte und Dienstleistungen zurückgreifen können, auf die keiner von uns mehr verzichten möchte.

Und sollte unsere Politik in den nächsten Jahren aufwachen und tatsächlich eine „Digitalisierungsoffensive“ angehen wollen, dann können wir ganz in Ruhe schon einmal die alten Gebrauchsanweisungen für Telefaxgeräte heraussuchen und uns darauf gefasst machen, dass wir in Kürze die teuersten Telefongespräche führen und die allerteuersten Medien haben werden — aber damit sind wir wieder einmal Weltmeister!

„Das Internet ist für uns alle Neuland, und es ermöglicht auch Feinden und Gegnern unserer demokratischen Grundordnung natürlich, mit völlig neuen Möglichkeiten und völlig neuen Herangehensweisen unsere Art zu leben in Gefahr zu bringen.“

Angela Merkel, Presserklärung (19. Juni 2013)

Kraftwerk-Platten-Cover

Kraftwerk 5 (2)

Beitragsfoto: Kraftwerk-Plattencover (2018)

Wenn sich zwei Geister scheiden, dann an dieser Musikgruppe. Meine bessere Hälfte findet dieses Art von Musik nur grässlich, ich hingegen jeden Ton für gelungen und halte zudem die Aufführungen von Kraftwerk jedes Mal für mehr als bezaubernd.

Meine erste Platte von Kraftwerk habe ich 1978 gekauft und „die Mensch-Maschine“ hoch und runter gehört. Später fand ich es dann sehr passend, die Kraftwerkalben als CD zu erwerben.

Kraftwerk wurde 1970 von Ralf Hütter und Florian Schneider gegründet, die mit jeweils zwei weiteren Musikern performten.

Angefangen haben beide unter dem Namen „Organisation“ und brachten dabei 1970 das Album „Tone Float“ heraus, um dann im selben Jahr noch mit dem Album „Kraftwerk“ zu debütieren.

1971 kam dann „Kraftwerk 2“ heraus, gefolgt von „Ralf und Florian“ (1973), bevor sie mit „Autobahn“ 1974 internationale Bedeutung erlangten.

„Radio-Aktivität“ (1975), „Trans Europa Express“ (1977), „Die Mensch-Maschine“ (1978), „Computerwelt“ (1981) und „Electric Café“ (1986) rundeten ihr Gesamtwerk ab.

Ich gönnte mir 1991 noch „The Mix“ und Jahre später dann auch noch die „Tour de France Soundtracks“ (2003) sowie „Minimum-Maximum“ (2005).

Mein bisher letzter Kraftwerk Plattenkauf erfolgte 2020 wieder als Langspielplatte, als ich mir „Kraftwerk, Live im Kölner Sartory Saal, 22. März 1975“ (2018) gönnte.

Nachtrag:

Es geht kaum passender, denn heute am 30. Oktober 2021 wurde Kraftwerk in die Rock ’n’ Roll Hall of Fame aufgenommen. Dazu finden Sie hier einen FAZ-Beitrag.

„The living culture of Central Europe was cut in the ’30s, and all the intellectuals went to the U.S. or to France, or they were eliminated. We take back that culture of the ’30s at the point where it was left, and this on a spiritual level …“

Ralf Hütter, Rock & Folk Magazine (1976)