Beitragsfoto: Leser | © Pixabay

29.6.02021 5 (2)

Bücherschränke

Seit ein paar Jahren gibt es auch in Heilbronn öffentliche Bücherschränke, z. B. jener am Bollwerksturm. Ich gucke immer wieder gerne danach, welche Bücher gerade zum Lesen angeboten werden. Ein oder zwei Bücher habe ich dabei selbst entliehen, dafür aber auch gleich wieder mehrere eigene eingestellt.

Wohl pandemiebedingt kam ich auf die Idee, die Bücher, welche ich selbst einstelle, zu markieren. Die Hoffnung war dabei, diese einmal in einem anderen oder auch wieder im gleichen öffentlichen Bücherschrank zu finden. Ich ging dabei davon aus, dass diese, von Bürgern eingestellten, Bücher in der örtlichen Leserschaft zirkulieren und deshalb auch immer wieder auftauchen müssen.

Deshalb bin ich doch etwas überrascht, dass ich heute ein solches Buch von einem Online-Händler zugestellt bekommen habe; eine entsprechende Beschreibung auf der Website des Händlers ließ es bereits vermuten, jetzt habe ich die Gewissheit.

Eine Initiative, wie die der öffentlichen Bücherschränke, kann noch so gut gemeint sein, es finden sich immer wieder Mitmenschen, die aber auch jedes bürgerschaftliche Engagement ausnutzen und daraus für sich persönlich ein gutes Geschäft machen.

Ich werde das von mir bereits zum zweiten Mal gekaufte Buch demnächst erneut in den Bücherschrank einstellen und bin schon jetzt gespannt darauf, bei welchem Antiquariat, Buchladen oder Online-Händler ich es wiederfinde.

Wilder Müll

Dass Heilbronn seit langem auch ein Müllproblem mit sich herumschleppt, kann man nun auch in der Heilbronner Stimme als neue, von einem Bezirksbeirat festgestellte, Erkenntnis lesen. Leider wird seitens der Stadt nur die folgende Lösung und nur für eine einzige Müllkippe vorgeschlagen:

„Um die missliche Müllsituation kurzfristig zu verbessern, beauftragt die Stadtverwaltung nun einen Dienstleister, der zwei Mal pro Woche wilde Ablagerungen beseitigt. Auch der Kommunale Ordnungsdienst (KOD) soll im Rahmen seiner Möglichkeiten Kontrollen vornehmen, wobei der Erfolg eher auf Zufall aufgebaut ist.“

Heilbronner Stimme (29.06.2021: 26)

Da sich offensichtlich immer mehr Heilbronner daran gewöhnen, ihren Dreck und Müll einschließlich ihrer Notdurft öffentlich zu entsorgen, sollte die Stadtverwaltung reagieren und dies, bevor es zu spät dazu geworden ist! Notfalls könnte man z. B. wieder Kindergartengebühren verlangen oder andere unnötigere städtische Dienstleistungen oder Verwaltungspositionen reduzieren und dafür, mit mehr Personal und wirksamen Kontrollen, sorgen, dass unsere Stadt wieder zu einer sauberen und ordentlichen wird — auch dies ist ein Werbekriterium und kein schlechtes noch dazu.

Landrat

Bereits im ersten Wahlgang war gestern die Wahl des Landrats entschieden, ein Bewerber hatte kurzfristig zurückgezogen und der Pfedelbacher Bürgermeister Torsten Kunkel erhielt keine Stimme. So entschieden die beiden Kandidaten aus dem Landkreis das Rennen unter sich; der Sieger aus Neuenstadt, Bürgermeister Norbert Heuser, erhielt mit 40 Stimmen eine mehr als nötig und wird neuer Heilbronner Landrat. Immerhin konnte der Leingartener Bürgermeister Ralf Steinbrenner 33 Stimmen auf sich vereinigen.

Es bleiben dabei weiterhin zwei Fragen offen, nämlich erstens, warum wir nur Männer als Kandidaten hatten und zweitens warum so viele Bürgermeister im Kreistag sitzen?

Website des Tages

Landkreis Heilbronn

Unser Landkreis besteht aus 46 Gemeinden und hat ca. 350 000 Einwohner. Die kreisfreie Stadt Heilbronn mit ca. 120 000 Einwohnern wird von ihm umschlossen. Der Kreis als auch die Stadt Heilbronn bilden mit drei weiteren Landkreisen (Hohenlohe, Schwäbisch Hall und Main-Tauber) die Region Heilbronn-Franken mit gut 900 000 Einwohnern. Sie wäre damit ein idealer Wahlkreis für einen schlanken und funktionstüchtigen Bundestag.


Militärcamp in Afrika

Kirchenbesuche 4.7 (3)

Beitragsfoto: Militärlager in Afrika

Da das Christentum die Menschheit schon eine ganze Weile begleitet, ist es eigentlich fast überall auf der Welt möglich, auch einen solchen Gottesdienst besuchen zu können — vielleicht nicht gerade einen der eigenen Konfession aber auf jeden Fall einen christlichen Gottesdienst.

Wenn man als Soldat im Ausland tätig ist, kann man grundsätzlich davon ausgehen, dass man auch von Pfarrern oder Priestern begleitet wird. Ein nicht zu unterschätzender Vorteil, was leider vielen erst vor Ort klar wird — und wenn man Monate lang von zuhause weg ist, durchaus auch dazu führen kann, dass man die eigene Gläubigkeit ganz neu bewertet.

Vor ein paar Jahren konnte ich es leider nicht durchsetzen, dass meine Mitarbeiter und ich bei einem Einsatz in Schwarzafrika auf zumindest einen Pfarrer zurückgreifen konnten. Zugegebener Maßen haben wir dies zumindest in den ersten Wochen auch nicht sehr vermisst — die Herausforderungen waren einfach zu zahlreich.

Als wir uns dann aber vor Ort etabliert hatten und außer sehr viel Landschaft nur noch mehr Gegend vorhanden war, begrüßten wir es sehr, dass wir in der „Nachbarschaft“ eine Kirche fanden, die bei uns wenigstens sonntags für etwas Abwechslung sorgen konnte.

Und als auch ich mich ein paar Wochen später und gut eine Tagesreise von den meisten meiner Mitarbeiter entfernt, ebenfalls so zurecht gefunden hatte, dass ich glaubte, mir doch den einen oder anderen Sonntagmorgen freischaufeln zu können, suchte auch ich mir in der Nähe meiner Unterkunft eine Kirche.

Diese fand ich sogar gleich in der Nähe und pilgerte sonntags sehr früh dorthin, denn durch die Lautsprecherbeschallung einer Moschee in der Nachbarschaft wurde nicht nur ich geweckt, sondern auch ein sehr großes und vor allem sehr lautstarkes Vogelpaar, welches direkt vor meinem Fenster wohnte und sich immer und sehr lange über den Vorbeter beschwerte, so dass ausschlafen keine Alternative war. Unter der Woche konnte man sich gleich an die Arbeit machen, sonntags dann gleich auf den Weg zur Kirche.

Der Vorteil dieser Kirche war dabei, dass zumindest die sonntäglichen Gottesdienste stets in Schichten stattfanden, wobei die Kirche jedesmal bis auf den letzten Platz gefüllt war. Weniger gut waren dabei die Zeitangaben, welche der Kirchengemeinde eher als grober Anhalt dienten.

So konnte ich anhand der Prozessionsaufstellung vor der Kirche sehen, wie lange es noch bis zum nächsten Gottesdienst dauert und mich dann entscheiden, ob ich mich noch in den laufenden Gottesdienst begebe oder auf den kommenden warte.

Die ersten Gottesdienste, welche immer gut zwei Stunden dauerten, verbrachte ich noch hinten in der Kirche, um als einziger Weißer nicht ganz so aufzufallen, verlor aber immer mehr die Scheu und ergatterte mir schließlich, der Bequemlichkeit wegen, doch einen Sitzplatz inmitten der Gemeinde. Was übrigens einmal dazu führte, dass ein kleines, hinter mir sitzendes Mädchen während der Predigt meinen Jackenärmel zurückschob, um zu gucken, ob mein Arm ebenfalls weiß ist. Als ich mich umdrehte und dem Mädchen in die Augen sah, verfiel es in einen Schreikrampf und die sonst sehr laute Kirche war plötzlich mäuschenstill. Die Mutter beruhigte es und die Predigt ging weiter. Kurz darauf schob das kleine Mädchen mein Hosenbein hoch und ich wagte es nicht mehr nach hinten zu schauen.

Bis auf den Frühgottesdienst folgte jeder Gottesdienst derselben Ordnung. Der Platz vor der Kirche war voll und die Menschen unterhielten sich. Bevor die Pfarrer, die Musikkapelle, andere Ehrenamtliche und die Gemeinde selbst feierlich aus der Kirche auszogen, versammelte sich die gleiche Prozession vor der Kirche, um nach dem Auszug der ersten genauso feierlich in die Kirche einzuziehen. Manche Pfarrer begleiteten dabei mindestens zwei Gottesdienste, was ich mitbekam, wenn ich mich zu spät in den Gottesdienst begeben hatte und dann gleich noch den nächsten mitverfolgte.

Da die Gottesdienste hauptsächlich in einer oder mehreren afrikanischen Sprachen stattfanden, konnte ich dem Ganzen inhaltlich nur schwer folgen, was aber weniger tragisch war, da die Musik und der Gesang immer dominierten. Und auch sonst herrschte gewöhnlich in den Reihen der Gemeinde Trubel, was manchmal den Eindruck erweckte, dass Pfarrer und Ehrenamtliche vorne einen anderen Gottesdienst feiern als der Rest der Gemeinde in den hinteren Reihen.

Manchmal kam es sogar vor, dass plötzlich ein Gemeindeglied schreiend, mit Armen und Beinen wedelnd und am ganzen Körper zittern nach vorne eilte und einer der Pfarrer so eine Art „Teufelsaustreibung“ vollführte, wobei dann die gesamte Gemeinde in eine Art Ekstase geriet.

So waren auch nach ein paar Monaten die zweistündigen Gottesdienste immer schneller vorbei als so mancher Gottesdienst bei uns. Auch blieben meine Besuche nicht unbemerkt, und so war es nur eine Frage der Zeit, dass ich nach dem Gottesdienst die Einladung zur gleich darauf folgenden Bibelstunde erhielt, was meinen sonntäglichen Kirchgang auf gut vier Stunden ausdehnte.

Anfangs waren diese Bibelstunden eine ganz besondere Erfahrung, denn die Teilnehmer analysierten unter Anleitung eines Pfarrers ein Kapitel nach dem anderen und versuchten mich dabei mit einzubinden. Dies führte aber auch dazu, dass ich immer mehr von der Gemeinde und ihrer dort vertretenen Religion mitbekam. Als dann gleich mehrere Pfarrer in der Bibelstunde insistierten, dass Homosexuelle getötet werden müssen, weil sie des Teufels seien, waren meine Kirchenbesuche in dieser Gemeinde Vergangenheit und ich nutzte die freigewordene Zeit lieber zu sonntäglichen Ausflügen ins Umland.

Meine Erfahrung mit Kirchengemeinden ist die, dass es keine zwei gleichen Kirchengemeinden gibt. Jede Kirchengemeinde ist anders und dabei einzigartig, sie spiegelt die einzelnen Kirchenglieder wider und entwickelt ihre eigenen Traditionen, auch wenn diese allesamt auf der einen Schrift — unserer Bibel — fußen. Und so kann man sich glücklich schätzen, wenn man als Christ genau die Gemeinde findet, in der man sich selbst wohl und geborgen fühlt.

„Die Irreligiösen sind religiöser als sie selbst wissen, und die Religiösen sind’s weniger, als sie meinen.“

Franz Grillparzer, Studien zur Philosophie und Religion. Historische und politische Studien (2011: 32, 1857.)

Hasen

28.6.02021 5 (2)

Hasen | © Pixabay

Unerträgliches

Der Aufreger des Tages ist erneut eine Äußerung unserer „NSDAP-Heldenvergötterer“-Stadträte, von denen eine seit gestern unsere Bundeskanzlerin als „Killer von Würzburg“ verunglimpft. Wie sich diese Stadträte seit zwei Jahren geben, färbt inzwischen auch auf den gesamten Gemeinderat ab, da dieser solche Ausfälle mit ganz wenigen Ausnahmen toleriert, und damit beim Bürger den Anschein erweckt, dass solch Unerträgliches inzwischen zum guten Ton unserer Stadt gehört.

Torsten Henke hat in seinem heutigen Stimme-Kommentar „Die abscheuliche Tat von Würzburg wirft auch unbequeme Fragen auf“ das Ganze sehr treffend analysiert. Dass es aber gerade wieder die rechtsextremen Gemeinderäte in Heilbronn sein müssen, die sich auf solche tragischen und vielleicht auch vermeidbaren Ereignisse stürzen, macht es für uns Heilbronner nur noch schlimmer!

Impfquote

Jetzt kann man wieder einmal die Entschuldigungen und Ausflüchte lesen, warum es bei uns in Heilbronn nicht so klappt, wie in anderen Städten. Die mangelhafte Impfquote Heilbronns ist eine direkte Folge der ungenügenden Informationspolitik unserer Stadtverwaltung; es genügt einfach nicht — zugespitzt formuliert –, nur eine Agentur zu beschäftigen und deren Produkte dann im Rathauskeller auszuhängen.

Von Anfang an hätte die Verwaltungsspitze — wir sind in einer Pandemie, ergo dringender Handlungsbedarf! — offensiv und persönlich handeln müssen. Leider sitzt unsere Verwaltung bis heute die Pandemie nur aus und wartet darauf, dass alles wieder von alleine vorübergeht. Eine diesbezügliche Bewegung ist nur dort festzustellen, wo es Transferzahlungen oder externe Unterstützung zu ergattern gibt. Eine Verwaltung sollte aber in der Lage sein, mehr zu tun als auf Direktiven von oben zu warten und nach Subventionen Ausschau zu halten.

City-Maut

Eine generelle Maut ist seit Jahrzehnten eine eher liberale Idee, welche in Deutschland trotz ihrer Marktnähe, Einfachheit und Wirksamkeit nie wirkliche Chancen auf eine Realisierung hatte. Die LKW-Maut ist nur ein halbwegs funktionierender und halbherziger Versuch, die auch nur deshalb eingeführt wurde, um dem Staat weitere Einnahmen zu generieren.

Die Idee hinter einer Maut ist jene, nämlich den Bürger nicht ganz allgemein und willkürlich zu schröpfen, sondern die (Maut) Abgabe mit dessen tatsächlicher Straßennutzung zu verknüpfen und dabei zusätzlich die Verkehre durch flexible Tarife zu lenken. Und ganz im Sinne einer Abgabe fließen die Einnahmen zudem alleine in den Bau und Unterhalt der Straßen. Was aber nicht bedeutet, dass man keine weiteren Steuereinnahmen für die Verkehrsinfrastruktur verwenden müsste.

Die nun in Heilbronn aktuell thematisierte City-Maut hätte zudem den Charme, dass sie von unten kommt und sich später über die Kreis- Landes- bis hin zur Bundes- oder gar Europaebene durchsetzen könnte. Und man kann durchaus dazu das bereits vorhandene System der LKW-Maut verwenden, um keine Zollhäuschen errichten zu müssen.

Website des Tages

Deutsche Lebens-Rettungs-Gesellschaft

Als ehemaliger DLRGler kann ich diese Wasserrettungsorganisation ohne Wenn und Aber empfehlen. Es müssten dort aber sehr viele junge Mitbürger als Rettungsschwimmer tätig werden, damit sich das auch bei uns wieder positiv auswirkt, und damit weniger Menschen in unseren Gewässern und Bädern ertrinken.

Geburtstag des Tages

Jean-Jacques Rousseau

Philosoph und politischer Theoretiker, der nicht nur die Anhänger der Französischen Revolution, sondern auch die Romantiker stark beeinflusste. Er findet noch heute sowohl in meinem eigenen Buch als auch hier auf meinem Weblog Erwähnung.