Beitragsfoto: Schachfiguren | © Pixabay

19.9.02021 5 (1)

Beitragsbild: Schachfiguren | © Pixabay

Menschenbild

Es ist schon erstaunlich, was so manche Gemeinderäte von ihren Mitbürgern so denken: „Sie sollen sich nicht nur um Falschparker und Hundekotbeutel kümmern, sondern darüber nachdenken, wie der Ort aufgewertet werden kann.“

Da sitzen so manche im Gemeinderat und haben bestenfalls eigene Aufsichtsratsposten im Sinne, ohne jemals selbst darüber nachdenken zu wollen, was man in Heilbronn verbessern könnte, geschweige denn selbst einmal Positives dazu beizutragen, oder gar mit Hand anzulegen — ok, wenn es pressewirksam ist, lässt man sich schon einmal ein Papierchen zum Einsammeln vor die Füße legen.

So muss der Bürger bereits eigenhändig Menschenkot aus den Straßen, Gassen und Hauseingängen entfernen, dafür sorgen, dass er aus seiner Hofausfahrt herauskommt und Hundekotbeutel aus dem Garten aufklauben, und soll jetzt auch noch darüber nachdenken, neue Erlebnisorte zu schaffen.

Dabei könnte sich der Heilbronner Gemeinderat dafür einsetzen, dass es z. B. ausreichend öffentliche Toiletten gibt, die Sauberkeit auf unseren Straßen verbessert wird, eine funktionierende Verkehrsplanung einschließlich befahrbarer Radwege gewährleistet wird, und vor allem, dass die Stadtverwaltung dafür sorgt, dass in Heilbronn wieder Regeln eingehalten werden.

Ich bin fest davon überzeugt, dass wir schon damit eine wunderbare städtische Erlebniswelt hätten, was dann auch Bürger dazu motiviert, zusätzlich noch einzelne „Tüpfelchen auf die Sahnehaube” zu setzen.

Neue Ideen

Gestern konnten wir wieder einmal von vielen neue Ideen in der Heilbronner Stimme lesen. So zum Beispiel wird angeregt, alle Ampelstandorte daraufhin zu überprüfen, ob ein Rechtsabbiegepfeil für Autofahrer möglich ist. Das ist besonders interessant, da man zuvor still und heimlich solche in Heilbronn entfernt hat, z. B. gleich bei mir um die Ecke an der Südstraße.

Das hat eine ähnliche Qualität, wie das beträchtliche Reduzieren des Polizeiapparates, um gleich danach jahrelang mehr Polizisten zu fordern. So schafft man sich populäre Themen, die eigentlich gar keine wären — auf jeden Fall wird so Politik sehr, sehr bequem.

Die Forderung nach grünen Pfeilen für die Radfahrer in Heilbronn dürfte hingegen ein Novum sein. Nur hat dies einen gewaltigen Haken, denn in Heilbronn gelten für Radfahrer überhaupt keine Regeln. Damit sind solche Pfeile völlig überflüssig.

Gespräche

Gestern hatte ich die Ehre, die inzwischen 5. Hertensteiner Gespräche erneut eröffnen zu dürfen, welche dann in gut zehn Stunden vier Gesprächsthemen sehr intensiv hinterfragten und ausloteten.

Zwar war der Teilnehmerkreis nicht so groß wie bei den vorherigen drei Präsenzveranstaltungen, dafür aber hoch qualifiziert. Dies war von Vorteil, da es gelungen ist, die diesjährigen Themen von allen Seiten zu beleuchten und dabei auch in die Tiefen der eigentlichen Thematiken zu gelangen.

Alle Teilnehmer waren sich nach diesen erneut sehr fordernden Gesprächen einig, dass es gut investierte Zeit war, und die kommenden 6. Hertensteiner Gespräche am 17. September 2022 — dann wieder in Präsenz — auf jeden Fall eine Reise nach Heilbronn wert sind.

Besonders gefreut hat es mich, dass fast der gesamte Heilbronner Kreisvorstand der EUROPA-UNION mit diskutierte, und sich Michael Georg Link MdB trotz Wahlkampf die Zeit nahm, erneut als Moderator eines der Gesprächskreise zu fungieren.

Konstantin Kümmerle, erstmals in der Funktion als Moderator bei den Hertensteiner Gesprächen, legte sehr stark vor und motivierte damit die anderen Moderatoren, ebenfalls in die Vollen zu gehen — das Gesamtergebnis war alleine deshalb eine Veranstaltung, welche für die Diskussionskultur im Gesamtverband Maßstäbe setzen wird.

Geburtstag des Tages

William Golding


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17.9.02021 5 (1)

Fortschritt

Noch vor ein paar Jahren hieß die entscheidende Frage: „Ham Se jedient?” — Heute fragt man sich hingegen: “Hatt du Social Media Account?“

Ohne Wenn und Aber ist alleine hierbei ein gesellschaftlicher Fortschritt erkennbar, denn von einer Militarisierung der Gesellschaft kann niemand mehr sprechen; muss man dabei aber gleich auch Bildung und Verantwortung „in die Tonne treten“?

Wir Deutschen sollten doch in der Lage sein, unsere ureigenen Aufgaben und Angelegenheiten auch ohne das Militär regeln zu können.

Anscheinend sind aber immer mehr Mitbürger davon überzeugt, dass man die guten Dinge, wie z. B. eine Rettung Afghanistans und dabei vor allem vieler Hilfsorganisationen, die Versorgung der Bevölkerung in und außerhalb Deutschlands, oder gar unser Gesundheitssystem ohne militärische Hilfe nicht mehr in den Griff bekommt.

Wenn man immer dann nach dem Militär ruft, wenn es halbwegs kritisch wird, muss man sich nicht fragen warum, wenn es bald ertönt: “Hatt du Bundeswehr?”

Verweigerung

Eine ganz neue Politikart scheint jüngst um sich zu greifen, nämlich die der Entscheidungsverweigerung. Da dies beim Bürger wohl nicht so gut ankommen wird, verschleppt man notwendige Entscheidungen mit Hilfe von Experten und hofft darauf, dass der Bürger — beim aktuellen Fall — im wahrsten Sinne des Wortes eigene Wege finden wird.

Bisher habe ich mich nur bedingt für den weiteren B 27 Ausbau im Abschnitt Neckarsulm interessiert, jetzt aber scheint das Ganze neue Dimensionen zu erhalten — ganz im Gegensatz zur Saarlandstraße.

Die Bundesstraße 27 ist nicht nur deshalb interessant, weil sie eine der letzten Verkehrsachsen ist, die auch durch Heilbronn führen, sondern weil sie auch eine sehr interessante Geschichte hat.

Die B 27 reichte einmal von der Schweizer Grenze bis in den Harz, war eine wichtige Nord-Süd Verbindung und durchquert heute noch landschaftlich sehr interessante Gegenden. Es lohnt sich, diese Bundesstraße zu entdecken, und es wäre für alle, ob Reisende oder Anwohner von Vorteil, wenn sie, größere Städte durchquerend, etwas besser ausgebaut wäre. Der Charme dabei ist, dass die betroffenen Städte das Ganze auch vom Bund, weil Bundesstraße, finanziert bekommen.

Inzidenz

Mit der gestrigen Einführung der aktualisierten Coronaverordnung des Landes, hat sich Heilbronn den Spitzenplatz der 7-Tage-Inzidenz mit beiden Statistiken 158,7 (BW-Seite) und 175,6 (Die Zeit) weiterhin gesichert. Und das Wochenende steht noch bevor.

Unsere Stadtverwaltung baut jetzt wohl ganz verstärkt auf unser gutes Krankenhaus und die volle Belastungsfähigkeit unserer Ärzte, Pfleger und Samariter.

Ich halte diese, bereits seit Monaten anhaltende, Geisterfahrt unserer Stadtverwaltung für völlig verantwortungslos, die meisten Mitbürger hingegen scheinen dies allerdings als hohe Kunst der (Verwaltungs-) Politik anzuerkennen — hoffen wir weiterhin darauf, dass nicht zu viele Heilbronner an COVID-19 sterben oder bleibende Schäden erleiden müssen.

Meine Aufforderung an alle Heilbronner: Bitte lassen Sie sich impfen!

Website des Tages

Klinikum am Gesundbrunnen

Das Klinikum am Gesundbrunnen in Heilbronn ist die größte Einrichtung innerhalb der SLK-Kliniken.“ 

Geburtstag des Tages

Freiherr von Steuben


Maskerade

16.9.02021 5 (1)

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Mandate

Gerade in Zeiten, in denen wir Bürger keine Chance mehr haben, um auf die Anzahl, Bezahlung und Arbeitsweise unserer Volksvertreter einzuwirken, muss man ein neues Kontrollinstrument einziehen, das einem Wildwuchs oder gar Missbrauch von politischen Ämtern entgegen wirkt.

Dieses Instrument wäre auch sehr schnell umsetzbar und führt mittel- bis langfristig auch zu einer Verhaltensänderung bei unseren Abgeordneten und anderen politischen Mandatsträgern.

Das Instrument ist eine zeitliche Begrenzung von Mandaten, indem Politiker nur zweimal in einem Parlament sitzen dürfen. Und dies muss explizit so gehandhabt werden, damit Berufspolitiker nicht zwischen den Landtagen, dem Bundestag und dem Europäischen Parlament hin und her wechseln.

Auch weitere Parlamente, wie Bezirks-, Kreistage und Gemeinderäte müssen — bei sehr wenigen Ausnahmen (z. B. Kleinstädte) — mit einbezogen werden.

Und diese Amtszeitbegrenzung muss auch für Bürgermeister, Landräte, Ministerpräsidenten und Bundeskanzler gelten, die nur einmal zur Wiederwahl kandidieren können sollten.

Agrarminister

Wenn unsere Agrarminister eines nicht gelernt haben, oder auch nie verstehen werden, dann dies: wenn man mehr produziert als der Markt benötigt, sinken die Preise — außer im Sozialismus.

Und wenn man dann noch auf Kosten von Natur und Gesellschaft sämtliche produktionsbegrenzenden Gesetze und Hürden beseitigt sowie die Massenproduktion beständig fördert und anheizt, muss man sich nicht wundern, wenn dabei die schwächeren Landwirte auf der Strecke bleiben und die Großkonzerne aufblühen.

Unsere Landwirte sind demzufolge in ihrer Gesamtheit eine Gruppe, die sich gerne über den Tisch ziehen lässt und die entstehende Reibungshitze als menschliche Wärme des jeweiligen Ministers empfindet.

Defibrillatoren

Wieder einmal kann man beobachten, dass Ideen zu haben, viel einfacher ist, als diese dann auch erfolgversprechend umzusetzen. Auf jeden Fall habe ich heute gelernt, dass die meisten Heilbronner Apotheken mit einem Defibrillator ausgerüstet sind. Und man darf davon ausgehen, dass das dortige Personal sich damit auch auskennt.

Das Problem mit den stationären Defibrillatoren ist aber, dass kaum Menschen gerade vor solch einem Apparat umfallen. Und wenn diese umfallen, dann ist die Suche nach einem solchen, absolut suboptimal.

Richtig ist, dass man sofort mit Wiederbelebungsmaßnahmen beginnt und den Rettungsdienst abruft. Wenn dann noch zeitgleich ein weiterer Bürger mit einem Defibrillator um die Ecke kommt, der in der Nähe stationär vorhanden ist, und mit dem Gerät umgehen kann, ist dies noch besser.

Illusorisch und nicht zweckmäßig (außer für die Produzenten und Defibrillatorenhändler) ist es aber, alle 100 Meter einen solchen zur Verfügung zu haben. Es läuft wohl auch kein Passant in die nächste Arztpraxis, wenn auf der Straße jemand umfällt.

Zudem sieht man an den noch vorhandenen Telefonhäuschen, was unsere Mitbürger daraus machen: erstens beschädigen sie diese so, dass sie nicht mehr funktionieren und zweitens dienen diese dann zur Müllablage. Warum sollte es den freien Defibrillatorstandorten anders ergehen?

Darüber hinaus sind nicht nur die Anschaffungskosten, sondern auch der Unterhalt nicht zu bezahlen, besonders vor dem Hintergrund, dass diese Geräte zu weit über 90 % nur so da wären — so wie sie bereits jetzt in den Apotheken mit Masse nur so da sind.

Deshalb schlage ich vor, dass man Defibrillatoren in allen Apotheken, in Frei- und Hallenbädern, in den größeren Sporthallen und in den Polizeiposten vorrätig hält und dafür auf weitere publikumswirksame „Lagerorte“ verzichtet.

Was Firmen und Privatpersonen nicht davon abhalten muss, eigene Defibrillatoren an die Wände zu hängen, zu unterhalten und die Mitarbeiter entsprechend zu schulen.

Letztendlich kommt es immer darauf an, dass, wenn ein Mensch in Not gerät, ein anderer bereit ist, um zu helfen und den Rettungsdienst zu informieren. Noch besser wäre, wenn der freiwillige Helfer, dann noch in der Ersten Hilfe geschult ist; dabei zählt der Erste Hilfe Schein, den man zusammen mit dem Führerschein vor etlichen Jahren erworben hat, nicht mehr.

Leider leben wir aber in einer Zeit, in der man anderen kaum noch hilft, sich auch nicht dazu befähigt, anderen helfen zu können, sondern lieber an jede Ecke einen Defibrillator hängt und im Notfall zum Mobiltelefon greift, um ein tolles Video in den sozialen Medien zu posten.

Mein Fazit ist, es wäre viel besser für öffentliche Toilettenanlagen zu sorgen, denn diese werden auf jeden Fall täglich dringend benötigt und können auch von sehr vielen Mitbürgern ordnungsgemäß bedient werden.

Und um die Defibrillatorenverkäufer etwas zu beruhigen, könnte man auch die öffentlichen Toiletten mit Defibrillatoren ausstatten. Dabei wäre dann meine Forderung, dass man das Personal vor Ort auch in deren Gebrauch und zusätzlich in der Ersten Hilfe schult.

Geburtstag des Tages

Lauren Bacall