Beitragsfoto: Schachfiguren | © Pixabay

8.11.02021 5 (1)

Beitragsbild: Schachfiguren | © Pixabay

Lachnummer

Da wundere ich mich gerade noch darüber, warum ich heute so vielen Autos und Motorrädern in der Fußgängerzone ausweichen muss, als ich zwei unserer Mitarbeiter der hiesigen Polizeibehörde beim ausgiebigen Schaufensterbummel beobachten kann. Jetzt hoffe ich mal, dass unsere städtischen Mitarbeiter bald ihre Weihnachtseinkäufe erledigt haben, sonst muss das die Bundeswehr auch noch mit übernehmen.

Ich hätte gerne unseren Angestellten noch etwas länger beim Arbeiten zugeschaut, als mir der Impfbus mit einer großen Schlange an Impfwilligen ins Auge stach. Darunter sind plötzlich auch sehr viele, völlig überzeugte und sehr engagierte, Impfgegner, die sich jetzt mit noch mehr Überzeugung vordrängeln, um ja nicht Gefahr zu laufen, für den nächsten COVID-19 Test 10 Euro zahlen zu müssen.

Mein Gedanke hierzu: mit einer Überzeugung, die einem selbst nicht einmal 10 Euro wert ist, sollte man seinen Mitbürgern nicht monatelang auf die Nerven gehen. Und hoffentlich waren möglichst viele defekte Mikrochips in den Spritzen, denn das tut dann beim Pinkeln besonders weh!

Zeichen der Zeit

Dieter Schwarz und Reinhold Würth — nur zwei lokale Beispiele — haben es schon längst erkannt, nämlich, dass unsere Gesellschaft immer mehr zerfällt und ihre, sie bindenden, Organe und Institutionen aufgehört haben zu funktionieren — warum dies so ist, soll hier nicht thematisiert werden.

So bauen Menschen wie diese beiden, eigene Infrastruktur (Flugfeld) und Privatschulen (Grundschule bis hin zur Universität). Selbst der soziale Wohnungsbau wird von ihnen übernommen. Da wundert es auch nicht mehr, dass Kultureinrichtungen und selbst eine eigene Kirche nicht fehlen.

Wenn jetzt noch private Sportanlagen, Kliniken und gesicherte Betreuungseinrichtungen dazukommen, dann kann sich ein Bevölkerungsteil — egal, was sonst so bei uns geschieht — beruhigt auf sich selbst zurückziehen. Für jene Menschen, die das Glück haben, dazugehören zu dürfen, bestimmt eine feine Sache, die in den USA auch ein paar Jahrzehnte lang durchaus gut funktionierte.

Wenn auch andere von uns diese Zeichen der Zeit erkennen, könnten wir einmal darüber diskutieren, ob wir als Gesamtgesellschaft solch eine Trennung tatsächlich wollen, und wenn wir dies verneinen, darüber nachdenken, wie wir alle wieder zusammenfinden können.

Ich bin felsenfest davon überzeugt, dass die Initiativen von Dieter Schwarz und Reinhold Würth zwar gut gemeint sind, bestimmt auch kurz- bis mittelfristig gute Erfolge zeigen, aber langfristig genau das gewollte Gegenteil bewirken werden.

Gesellschaft ist einfach zu komplex, um nur an ein paar Stellschrauben drehen zu können. Manchmal langt es aber bereits schon, wenn man sich wieder auf die gemeinsamen Werte besinnt und diese in der Gesellschaft wieder hoffähig macht. Dann kommt der Rest wie von alleine!

Besorgnis

Die allerjüngsten Entscheidungen unserer Justiz, dass Betrüger keine seien, da sie doch nur vorsätzlich Menschenleben gefährden, und das Fälschen von Dokumenten auch nur in ganz speziellen Fällen zu ahnden sei, lässt tief blicken. Lug und Betrug ist inzwischen bei uns nicht nur höchst ministeriell oder Alleinstellungsmerkmal von Länderchefs, sondern bereits so weit verbreitet, dass es bei unserer Justiz wohl als deutsche Eigenart gilt — damit stehen Betrüger in Deutschland unter „Artenschutz“.

Dennoch sollten wir die Auswirkungen zumindest auf unser Umfeld nicht außer Acht lassen. Direkt sind wir davon betroffen, wenn wir uns in Gesellschaft, ob Winterdorf oder beim Einkauf, wohl fühlen wollen und nunmehr davon ausgehen können, dass wir dort mit die einzigen sind, die mit echten Impfnachweisen den Zutritt erlangten. Tragisch wird es, wenn uns Fälscher und Betrüger damit noch das Leben rauben!

Aber wir sollten auch an die Langzeitfolgen für uns alle denken. Wenn sich bei unseren Nachbarn herumspricht, dass deutsche Dokumente keinen Anspruch auf Gültigkeit mehr haben, könnten z. B. die Flüge in die USA bald wieder ausgesetzt werden. Und was sind dann ein deutscher Führerschein oder gar ein Diplom noch wert?

Website des Tages

European Constitution

Europe is our past and present, and it is our conviction that it is also our future. Not only are we bound by a common European culture and history – and therefore form a common European people –, but we increasingly face challenges that none of us, as European nations, can solve separately. Our ability to ensure a peaceful and prosperous future for ourselves and coming generations depends on our ability to come together. EuropeanConstitution.eu was founded on the belief that a common constitution was a cornerstone element for the realisation of a united Europe, founded on stable and lasting ground.

Geburtstage des Tages

Kazuo Ishiguro und Edmond Halley


Maskerade

7.11.02021 5 (1)

Beitragsfoto: Maskerade | © Pixabay

Schiene

Als Autoländle hatten wir es noch nie so richtig mit der Schiene. Die Frankenbahn ist weiterhin schlechter ausgebaut als vor dem Zweiten Weltkrieg. Jüngst wird selbst die Gäubahn marginalisiert. Die Rheinschiene kommt wohl erst im kommenden Jahrhundert richtig zum Tragen, und hätten der Bund und die Bayern nicht insistiert, wäre selbst Stuttgart 21 kaum verwirklicht worden.

Ganz zu schweigen von den vielen Nebenstrecken, die zumindest bis heute immer weiter stillgelegt wurden und deren Reaktivierung, wenn überhaupt noch möglich, wohl Jahrzehnte dauern wird.

Noch vor ein paar Jahren hatte sich der Verkehrsminister für den Ausbau der Frankenbahn als für nicht zuständig erklärt — leider habe ich diesen Brief in den Müll geworfen — und jetzt sieht er im Falle von Abellio auch ganz folgerichtig keine Verantwortung beim Land. Es wäre auch eine sehr große Überraschung, wenn bei uns Minister für etwas zuständig oder gar verantwortlich wären!

The Länd

Sehr gefreut habe ich mich über die entsprechenden Leserbriefe in der gestrigen Heilbronner Stimme und auch über ähnliche Kommentare in Gesprächen mit meinen Mitbürgern.

Auch soll es vielleicht einen Untersuchungsausschuss im Landtag dazu geben, wobei wir alle wissen, dass diese zwar gerne zur Eigendarstellung genommen werden, ansonsten aber wie das Hornberger Schießen ausgehen.

Dabei muss es doch einen Grund für die plötzliche Verschwendung von 21 Millionen Euro Steuergelder geben. Ein seniler Ministerpräsident wird es wohl nicht sein. So kann man — wenn es andere schon nicht machen — einmal darüber nachdenken, wo jüngst Wahlkämpfe, z. B. im Bund, Mecklenburg-Vorpommern oder Berlin, zu bestreiten waren und wer diese ausgerichtet oder gar mitfinanziert hat. Sehr unschön wäre es, wenn diese jetzt dafür von den 21 Millionen Euro aus Baden-Württemberg profitieren würden.

Sicherlich gibt es aber ganz andere Gründe. Diese könnte man seitens des Staatsministeriums völlig offenlegen und uns Bürgern nicht nur ständig Transparenzversprechen zu geben, sondern einmal auch tatsächlich etwas zu liefern.

378!

Das mit der Inzidenz geht mir so etwas von auf die Nerven, besonders weil ich fest davon überzeugt bin, dass eine kompetente Verwaltungsspitze dies bei uns um einiges besser hätte händeln können.

Aber anstatt von Anfang an die Pandemie und ihre Auswirkungen richtig und verstärkt bei den Heilbronnern zu kommunizieren, hat man — wir erinnern uns (!) — allen Heilbronnern gezeigt, dass man sich als VIP an keine entsprechenden Regeln halten muss. Und als die Heilbronner Stimme das dazugehörige Ringelpiez-Foto veröffentlichte, allen weisgemacht, dass auf dem Bild die vorgeschriebenen Abstände und Maßnahmen eingehalten wurden, leider bildlich aber falsch dargestellt wären.

Nicht nur, dass man uns Heilbronner gerne für dumm verkauft, man ist auch davon überzeugt, dass man mit uns wirklich alles machen kann.

So war es eigentlich abzusehen, dass viele Heilbronner das gleiche Verhalten für sich selbst auch in Anspruch nehmen, und nur ganz folgerichtig hat man dann auch davon abgesehen, die notwendigen COVID-19 Gegenmaßnahmen zu kontrollieren geschweige denn Verstöße zu sanktionieren.

Ich halte also fest:

  • Keine Vorbildfunktion der Verantwortlichen
  • Ungenügende Kommunikation der Sachverhalte
  • Mangelhafte Aufstellung und Kompetenz der zuständigen Stellen
  • Mangelhafte Kontrollen der notwendigen Maßnahmen
  • Kaum eine Sanktionierung bei Verstößen

So muss man sich nicht wundern, dass bei uns die Inzidenz erneut weit über 300 liegt. Das wirklich Schlimme daran ist aber, dass wir alle — besonders jene, die fast alles richtig machen und sich dabei vorbildlich verhalten — weiter leiden müssen und, da man immer noch bei uns eher Rücksicht auf die Täter, als auf die Opfer nimmt, wir bald wohl wieder in eine Gesamthaftung genommen werden.

Und dann wird uns erneut deutlich gemacht werden, wenn wir alle wieder zuhause sitzen müssen aber in der Heilbronner Stimme die neusten Ringelpiez-Fotos sehen können, dass wir zwar alle gleich sind, aber die gleicheren uns aus der Heilbronner Stimme heraus anlächeln.

Geburtstage des Tages

Marie Curie und Albert Camus


Beitragsfoto: Affenmusik | © Pixabay

6.11.02021 5 (2)

Klingenäcker

Heute konnte ich in der Heilbronner Stimme einen entsprechenden Leserbrief von Karlheinz Kimmerle lesen, der eine ganz andere, als mir bisher bekannte, Sichtweise darlegt.

Auf jeden Fall, und dies hatte ich bereits auch so geschrieben, ist die Idee, uns Steuerzahler für die notwendigen Kosten der archäologischen Grabungen auf dem Baugebiet Klingenäcker zu beteiligen, eine sehr abwegige! Es freut mich sehr, dass dies auch Kimmerle so sieht.

Völlig neu für mich ist aber diese Aussage:

Dieses „ungeeignetste Baugebiet der Welt“ musste ja gegen jeglichen Sachverstand unbedingt durchgesetzt werden. Da mussten viele alte Gärten gerodet und mehr als hundert hochstämmige Obstbäume gefällt werden. Das so verschwindende Jagdgebiet für Greifvögel musste durch Baumpflanzungen auf umliegenden Äckern teuer „ersetzt“ werden – als könne man alte Bäume einfach mal so ersetzen.

Karlheinz Kimmerle, Heilbronner Stimme (06.11.2021: 36)

Jetzt bin ich einmal gespannt darauf, ob sich jemand findet, der, zumindest für mich, Licht ins Dunkel bringen kann.

Taxifahrer

Inzwischen fehlt es den Briten sogar an etwa 160 000 Taxifahrern, und so dämmert es inzwischen vielen, dass die eigene Abschottung nicht zu den besten Ideen gehört, die man unbedingt umsetzen sollte.

Aber auch aus einer solchen Situation kann man versuchen, das beste daraus zu machen. Und so wird das Vereinigte Königreich notgedrungen wohl einen schmerzhaften Wandel hin zu einem tragfähigeren Gesellschaftsmodell durchleben.

Dass dieser Wandel auf den Schultern und auf Kosten der Schwächeren ausgetragen wird, überrascht nicht, denn war es wirklich schon einmal anders?

Die Briten werden jetzt gezwungen nicht nur über antiquierte Vorstellungen, was Arbeit eigentlich ist, nachzudenken, sondern, sie müssen diese nun auch ad acta legen und ganz neue Konzepte entwickeln und in Kraft setzen. Und dies wird zu einer gewaltigen gesamtwirtschaftlichen Veränderung führen. In den Augen der Brexiteers eine folgerichtige und intendierte Entwicklung, die das Vereinigte Königreich weiterbringen wird — eine zweite Industrielle Revolution sozusagen.

Ob diese Entwicklung auch dem Großteil der britischen Bevölkerung nutzen wird, muss sich dabei noch herausstellen. Daran müssen sich die Brexiteers letztendlich messen lassen.

Ich hätte mir gewünscht, dass man diesen durchaus notwendigen gesellschaftlichen Wandel gemeinsam europäisch und dabei auch sozial abgefedert angegangen wäre.

So bleibt uns „Kontinentaleuropäern“ — weil das Aussitzen inzwischen unsere erste und edelste Eigenschaft ist — nur abzuwarten, ob die Briten Erfolg haben werden. Sollte dies der Fall sein, werden sie damit nicht nur Europa aus den Angeln heben.

„Bündnis für Heilbronn“

Nach acht Jahren Amt als OB, eines im Gemeinderat und der Stadtverwaltung alt gewordenen Parteipolitikers, welcher angeblich „einer von uns“ ist, wobei das „uns“ auf einen sehr, sehr engen und teilweise sehr finanzkräftigen Klüngel begrenzt bleibt, muss die Angst im Gemeinderat und in Teilen der Stadtverwaltung vor Veränderung inzwischen so groß sein, dass man nun wirklich alles versucht, um seine Wiederwahl zu garantieren, und darüber hinaus bereits an einer internen Nachfolge arbeitet.

Dies erstaunt, da man nicht nur in Großstädten absichtlich nach beständiger Veränderung sucht, um gerade und nachhaltig zu verhindern, dass uralte Seilschaften am Bürgerwillen vorbei arbeiten und sich Strukturen in der Verwaltung festsetzen, die einer offenen Gesellschaft sehr schaden.

Dies lässt auch darüber nachdenken, wie viele Leichen wohl in den Kellern der betroffenen Personen liegen müssen, dass man alles in Kauf nimmt, nur um sich von ja keinem Experten von außerhalb in die Karten schauen lassen zu müssen.

So verwundert es auch keinen mehr, dass der Blitz — wieder eines noch vom Vorgänger des amtierenden OB initiiertes und durchaus auch gutes Projekt — erst kurz vor der OB-Wahl eingeweiht werden wird.

Dieser OB-Wahlkampf nimmt so langsam ungarische, wenn nicht gar westbalkanesische Züge an! Die Initiatoren dieses OB-Bündnisses sprechen deshalb auch und dies ganz zurecht „von einem Bündnis, das es in dieser Breite in einer baden-württembergischen Großstadt noch nie gab.“

Demokratie geht übrigens etwas anders, denn diese lebt gerade von Alternativen! Aber wer weiß, vielleicht wird Heilbronn demnächst sogar die erste europäische Großstadt mit einer Einheitspartei.


Geburtstag des Tages

Feng Yuxiang