Akten

29.12.02022 5 (1)

Beitragsfoto: Akten | © Mariann Szőke from Pixabay

Verwaltung

Vorgestern ging es in einem Gespräch um aktuelle Vergabepraktiken, wobei ein Rechtsanwalt einer erfolgreichen Kanzlei für Vergaberecht mit einer wunderbaren Geschichte aufwarten konnte. Jüngst musste ein Bundesland noch dringend vor Jahresende Millionen verbraten und bat dabei sehr kurzfristig eine Kanzlei um Hilfe. Diese sprang auch ein und stellte sicher, dass alles nach dem aktuellen Vergaberecht abgewickelt werden kann.

Man kann sich gut vorstellen, dass es dabei zu einer gewaltigen Dokumentation kommt, die in der Kanzlei digital — papierlos — erarbeitet und vorgehalten wird. Als man die Dateien übertragen wollte, musste die Kanzlei sämtliche Dokumente ausdrucken und in gut 40 Aktenordnern einsortieren, welche dann per Kurier der zuständigen Stelle übergeben wurden.

Das erstaunt wirklich nicht, da wir noch heute viel zu viele „Fachleute“ in unseren Verwaltungen sitzen haben. Was dann aber alle Beteiligten wirklich erstaunte war, dass man dort dann über Nacht einen nagelneuen Scanner beschaffte, welcher die besagte Verwaltung nur noch mit dem Einscannen der Papierdokumente beschäftigte.

Aber das war dann doch noch nicht das Ende dieser Aktion, denn beim Einscannen hat man nicht das PDF-Format gewählt, sondern Bilddateien erstellt, was nun dazu führte, dass ein weiterer Spontankauf notwendig wurde, um für die erzeugten Dateien ausreichend Speicherplatz zu haben.

Und das alles wurde offiziell, weil sich die verantwortliche Verwaltung bei der Kanzlei über die notwendige Mehrarbeit und – kosten beschwerte.

Was könnten wir nur insgesamt an Kosten sparen, wenn wir endlich Mindeststandards bei unseren Verwaltungen einführen würden. Ich gehe davon aus, unsere Verwaltungen bräuchten dann auch keine externen Kanzleien für Vergaberecht mehr. So aber haben wir unsere Verwaltungen weiterhin einzig und alleine, um ganz besondere Menschen von der Straße weg zu bekommen und um privaten Firmen Aufträge zu vermitteln, die es ohne unsere Verwaltungen nicht einmal gäbe.

Berufspolitik

Heute können wir wieder einmal lesen, wie die Berufspolitik unsere Demokratie langsam aber sicher zugrunde richtet. Arne Schönbohm, der ehemalige Chef des Bundesamts für Sicherheit in der Informationstechnik, welcher noch vor kurzem wegen seiner Verstrickungen in sehr undurchsichtige Geschäfte zurücktreten musste, wurde jüngst nicht etwa wegen Landesverrats angezeigt, was durchaus plausibel wäre, sondern er erhält nun zum 1. Januar 2023 den Posten als Leiter der Bundesakademie für öffentliche Verwaltung. 

Was nun die Frage aufwerfen könnte, was an der Bundesakademie für öffentliche Verwaltung tatsächlich gelehrt wird. Naheliegend anzunehmen, dass Korruption, Vetternwirtschaft und Landesverrat die dortigen Themenschwerpunkte sind.

Deserteure

Auch die Ukraine gibt so langsam zu, dass das Land gewaltige Probleme mit Deserteuren hat. Um die Landesverteidigung auch im kommenden Jahr noch sicherstellen zu können, überlegt man nun, härtere Strafen für Deserteure einzuführen. Und kein einziger selbstgerechter Gender-Aktivist regt sich bei uns darüber auf, dass es einzig und allein wieder nur junge Männer trifft!

Für unsere Bundes- und Landesregierungen ist das überhaupt kein Problem, da dort selbst meist nur noch Drückeberger tätig sind und der Begriff Landesverteidigung eher im Sinne von Selbstbereicherung und Vetternwirtschaft verstanden wird.

Und dabei könnten wir Europäer der Ukraine schon alleine dadurch helfen, indem wir sämtliche Ukrainer zwischen 18 und 65 Jahren mit Ausnahme von Schwangeren oder Mütter mit Kleinkindern wieder in die Ukraine überführen. Denn die Ukraine benötigt nicht nur kämpfende Truppe, sondern auch Helfer und Unterstützer im gesamten Land. Auf jeden Fall aber könnte man der Ukraine Listen mit den Namen ihrer Staatsangehörigen schicken und die ukrainischen Behörden entscheiden dann selbst, wen sie aktuell zur Landesverteidigung benötigen.

Und die bei uns dann eingesparten Gelder könnte man durchaus der Ukraine als weitere finanzielle Unterstützung zukommen lassen.

Eine andere Meinung

Silke Wettach von der Wirtschaftswoche spricht mir in ihrem Beitrag: Blick aus Brüssel – „Meine Überzeugung, dass in Deutschland wenig funktioniert, sitzt mittlerweile sehr tief“ vom 29.12.2022 voll und ganz aus dem Herzen.

Ich ergänze noch, dass wenn in Brüssel etwas schiefläuft, so meine Erfahrung aus 2012, dann hat mindestens ein Deutscher seine Finger mit im Spiel. Wir sind allesamt zu „dilettantischen Bürokraten ohne Hirn und Rückgrat“ degradiert worden — aber dafür zu den allerbesten auf der ganzen Welt.


Cäcilienbrunnen mit Europaflagge

Feiertage 5 (1)

Beitragsfoto: Cäcillienbrunnen mit Europaflagge

Trotz oder gerade wegen der traurigen Weltlage nutze ich die Zeit der Feiertage, um ein wenig kürzer zu treten. Interessant dabei, vor allem für jene, die meine Blog-Beiträge jüngst kommentiert haben, dass nun auch Papst Franziskus die Lage wie folgt beschreibt: „Heute erleben wir einen Dritten Weltkrieg.“

Gute Musik, Spaziergänge und Spiele im Familienkreis sind dabei eine gute Abwechslung zur sonst so ganz normalen Routine. Interessant ist zudem, dass die Erhöhung der Personenzahl im Haushalt in sehr kurzer Zeit die Zimmertemperatur merklich erhöht hat, so dass ich die Heizkörper herunterregeln musste. Was mich nun dazu anregt, einmal zu überlegen, was denn die optimale Raumgröße je Person ist — ganz unabhängig vom gefühlt notwendigen Platzbedarf.

Bestimmt aber gibt es dazu bereits vielfältige Literatur und wohl auch unzählige Untersuchungen, diese sind mir nur noch nicht bekannt. Wer diesbezüglich schon mehr Informationen zur Hand hat, der kann mir diese sehr gerne zukommen lassen.

Sehr erfreulich war heute der Anblick des Cäcilienbrunnen, der ganz nach meinem Geschmack beflaggt war. Solch eine Beflaggung stünde unserer Stadt auch an anderen Stellen ganz gut zu Gesicht! Ich möchte heute aber nicht meckern, denn der Anblick der Europaflagge vor meinem alten Pfadfindertreffpunkt war schon etwas ganz Besonderes.

Ein Mitspazierer meinte ganz lakonisch, ich solle dies besser nicht in meinem Weblog erwähnen, denn sonst besteht die Gefahr, dass die Flagge bereits morgen wieder verschwunden ist. Ich sehe das aber positiver und freue mich schon heute darauf, bei den kommenden Spaziergängen durch die Stadt weitere Europaflaggen zu entdecken.

Der Cäcilienbrunnen lag einst außerhalb der Stadtmauern und bereits ab 1588 lief vom dortigen Brunnenhaus eine Wasserleitung in die Stadt, die dort sechs öffentliche Brunnen, rund 30 Zisternen und etliche Privatbrunnen versorgte. Aufgrund der intensiven Bewirtschaftung von Wald und Flur rings um die Stadt dürfte die Wasserqualität wohl heute nicht mehr ausreichen, um noch als Trinkwasser durchzugehen — zumindest aber wird dessen Aufbereitung sehr hohe Kosten verursachen. Und so wäre es vielleicht gar keine schlechte Idee, wenn unsere Heilbronner Landwirte und Wengerter weniger Pestizide und sonstige Chemikalien ausbringen, auf jeden Fall würde es der Qualität unseres Weines ganz gut tun. Von den Insekten, Amphibien und Reptilien ganz zu schweigen, die im Heilbronner Osten kaum noch vorhanden oder zu finden sind.

„Raumgebung beinhaltet die Auseinandersetzung mit dem dialogischen Verhältnis von Traum und Wirklichkeit. Wir müssen das surrealistische Potenzial ausschöpfen, welches in unserer Umwelt verborgen ist. Es lassen sich damit Basisgefühle wecken.“

Justus Dahinden, Mensch und RauM (2005: 5)

Lesezeichen

Wie Nazis sich in Heilbronn verkrochen 5 (2)

Beitragsfoto: Lesezeichen | © kertlis von Getty Images

Hier finden Sie einen Zeitungsartikel aus dem Trierischen Volksfreund vom 24.12.2022, Seite 28, der vom Apothekerehepaar Hermann und Dorothea Haake handelt, das nach einer sehr kurzen Tour de Republik in Kirchhausen sesshaft wurde und bis zum eigenen Ableben zur besseren Gesellschaft Heilbronns gehörte.


Es ist nur ekelhaft zu lesen, wie sich Verbrecher nach 1945 reinwaschen konnten und als „ehrenwerte“ Bürger unser Land weiter zugrunde richteten. Die Folgen müssen wir heute alle tragen!