Messestand

17.1.02023 5 (2)

Beitragsfoto: Messestand auf der CMT

Käffchen

Heute gab es nach meinem Repetitorium und dem spontanen Reinigen einer öffentlich zugänglichen Kaffeemaschine ein Käffchen. Das Besondere daran, mein Gesprächspartner war Detlef Stern. Dieses Mal ging es fast gar nicht mehr ums Projektmanagement, denn dazu hatten wir beide wohl in den letzten Wochen viel zu viel gesagt. Für mich bleibt es aber dennoch spannend, nämlich wie sich „meine“ Studenten nun schlagen werden. Auf die Schnelle wüsste ich jetzt nicht, was ich besser hätte machen können. Und so muss ich nun die Ergebnisse der Klausur abwarten und diese dann auswerten.

Und schon morgen geht es dann mit einer Zettelkastenrunde weiter — man gönnt sich doch sonst nichts. Zu meiner Schande muss ich gestehen, dass ich in den letzten Tagen sowohl das Lesen meiner bereitgelegten Bücher als auch das Befüllen meines eigenen Zettelkastens vernachlässigt habe. Was ich aber wieder verstärkt machen werde, sobald ich die Klausur fertiggestellt habe; bin gerade am Überlegen, wie ich diese am besten verzettele.

Mitarbeiter

Besonders der Politikbetrieb hat immer mehr Mitarbeiter als überhaupt notwendig. Und auch die Zeiten, wo ein Abgeordneter mit einer Sekretärin zurechtkam, sind längst Geschichte. Wenn es der Qualität von Politik gut tut, dann kann niemand etwas dagegen haben, wenn es doch einmal mehr Mitarbeiter werden. Und so lange diese dann nicht versuchen, sich selber als Abgeordnete zu generieren oder gar für die Abgeordneten an parlamentarischen Abstimmungen teilnehmen, ist die Welt noch halbwegs in Ordnung.

Zwar werden auch diese Mitarbeiter allesamt von uns als Staatsbürger alimentiert aber sie bleiben weiterhin in der Verantwortung der jeweiligen gewählten Volksvertreter — und sind diese dann nicht mehr, entfallen auch die Kosten für die entsprechenden Mitarbeiter. Manchmal werden diese Mitarbeiter dann an die Nachfolger weitergereicht, was bestimmt Sinn machen kann.

Leider aber ist es inzwischen noch ganz anders gekommen! Nicht nur abgewählte Politiker bleiben dem Polit-Apparat weiterhin erhalten, ob der Wähler will oder nicht, und finden verstärkt neben dem Polit-Apparat an sich in Ministerien und Verwaltungen sowie staatseigenen Betrieben ein gutes Auskommen, sondern man sorgt immer mehr dafür, dass auch deren Mitarbeiter an sämtlichen Bildungs- und Qualifikationsmaßnahmen vorbei in Ministerien und Verwaltungen in Ämter und Funktionen kommen.

Und so ist es auch völlig verständlich, dass heute gerade jene Bürger, die Lern- und Leistungsprobleme haben, sich über den Polit-Betrieb — den Parteien — für die höchsten Verwaltungsämter positionieren und diese dann auch erhalten. Es ist nur noch eine Frage der Zeit, wann die letzten Verwaltungsmitarbeiter oder Ministerialbeamten in den Ruhestand treten, die noch mit einer fundierten Berufsausbildung oder gar nach einer Bestenauslese in ihre Funktionen und Ämter gelangten.

Dabei wäre es doch gerade heute sinnvoll, wo sich unsere Verwaltungsapparate völlig neu erfinden und diese auch möglichst effizient arbeiten müssen, dass man bei der Auswahl der künftigen Mitarbeiter nicht auf das Parteibuch, den Parteiproporz, Parteiquoten oder die Macht einzelner Abgeordneter schaut.

Es macht dabei durchaus Sinn, dass man gerade jene Bürger dafür verpflichtet, die unser Bildungs- und Ausbildungssystem erfolgreich durchlaufen haben und zudem für die Arbeit im Ministerium und der Verwaltung notwendige Qualifikationen mitbringen.

Für die Abgeordneten, die der Bürger nicht mehr oder deren Mitarbeiter, die kein anderer Abgeordneter haben möchte, sollten die Arbeitsplätze in den Parteizentralen und parteinahen Stiftungen vorgesehen werden — das könnte man durchaus als soziale Komponente bzw. Verpflichtung der Parteien bezeichnen. Allerdings, wenn die Parteien zu der Überzeugung gelangen, dass diese Parteimitglieder dort nicht produktiv eingesetzt werden können oder gar die Gefahr besteht, dass diese dort Schaden anrichten, ja dann, müsste es doch völlig außer Frage sein, dass man diese Menschen dann in unseren Verwaltungen oder gar Ministerien entsorgt!

Messe

Den gestrigen Tag habe ich schwerpunktmäßig auf der CMT in Stuttgart verbracht. Der Anlass dazu hatte weder etwas mit Tourismus und Freizeit noch mit Reisen zu tun, dennoch war es ein durchaus ansprechender Tag, den ich mit zum Teil sehr interessanten wie auch produktiven Gesprächen verbringen durfte.

Und es blieb auch ein wenig Zeit, um die dortigen Angebote zu bestaunen. Es ist schon beeindruckend, wenn man dort Wohnmobile findet, in die man selbst mit Autos hineinfahren kann oder die man über Leitern wie bei einer Ritterburg besteigen muss. Aber auch hier stellt sich mir die Frage, wer benötigt so etwas eigentlich und ist das nicht doch ein wenig überdimensioniert, vor allem dann, wenn man ein wenig über den eigenen Zaun hinaus auf den Rest der Welt blickt — wozu eine Reisemesse eigentlich bestens geeignet wäre.

Und so stelle ich mir das Ganze einmal bildlich vor, wie sich so eine Armada von Riesenreisemobilen durch die Slums dieser Welt wälzt und abends dann zu einer Wagenburg zusammenfährt, um in exotischen Ländern ganz ungestört das heimische Brauchtum feiern zu können. Aber ganz ohne Wenn und Aber die Dinger und dies auch in den etwas abgespeckteren Versionen waren doch schon beeindruckend.

Und da diese meist nur dazu benutzt werden, um die Sicht auf den eigenen Bungalow zu versperren oder, nach einer kurzen Promenade über ein paar Landstraßen nach Heilbronn hinein, zum aufgebesserten Eisessen in der Heilbronner Fußgängerzone dienen, kann ich mich gut damit anfreunden, da dieser florierende Industriezweig dem Erhalt von Arbeitsplätzen und der Wirtschaft dient und darüber hinaus noch ein paar rüstige Rentner davon abhält, sich weiter und verstärkt in Politik und Gesellschaft einzumischen.

Noch mehr habe ich darüber gestaunt, was man heute alles unter nachhaltigem Reisen versteht und selbst das Campen ohne den Luxus eines Viersternehotels scheint es fast schon gar nicht mehr zu geben. Da hat es mich auch nicht weiter erstaunt, dass man auf die kommenden Urlaubstage auf dem Bauernhof ganz stilsicher mit leicht überdimensionierten Weinschwenkern angestoßen hat; sollte ich dann dort einmal selbst vorbeischauen, dann erwarte ich aber, dass Ziegen und Schweine mindestens in Gucci gekleidet sind.

So wie es sich für eine Publikumsmesse gehört, sie war mehr als sehr gut besucht, und man darf sich dann doch einmal die Frage stellen, ob wir in Deutschland eigentlich überhaupt ein paar Probleme haben? — abgesehen vielleicht davon, dass es mit dem Skifahren dieses Jahr wohl nicht so recht klappt; aber auch nur für die wenigen unter uns, die sich das mit dem Helikopter und dem Gletscher nicht erlauben wollen.

Deswegen verstehe ich auch meine Leser, die mir ab und zu Polemik oder gar Sarkasmus vorwerfen und mir raten, mich doch bei Kritik etwas mehr zurückzuhalten — ganz besonders dann, wenn ich es mir erlaube, die Verantwortlichen beim Namen zu nennen.

Ganz ohne Frage, es geht uns allen immer noch viel zu gut! Nur wie lange noch?

Leseempfehlung

Peter Addor schreibt heute über „Die Wissenschaft soll’s richten“. Sein Fazit ist u. a.:

„Auch wissenschaftliche ‚Facts‘ sind Meinungen, allerdings wohlfundierte, im Gegensatz zu vielen persönlichen Meinungen. Meinungen sind Aussagen ohne jegliche „Wahrheitsgarantie“. Meinungen sind sogar Aussagen, deren Wahrheitsgehalt weder verifiziert, noch falsifiziert werden kann, z. B. weil sie in einer falschen Logik formuliert sind. Warum also sollten wir uns über andere Meinungen empören?“

Peter Addor, Die Wissenschaft soll’s richten (17.1.2023)

Rick’s Café Américain

15.1.02023 5 (1)

Beitragsfoto: Rick’s Café Américain, Schnappschuss von der Filmkulisse | © Warner Bros. Pictures

Sonntagabend

Zum Ausklang des Wochenendes noch kurz einmal in die Tanzschule, um das Tanzbein zu schwingen. An den Discofox werde ich mich wohl nicht gewöhnen, dafür gab es zum Schluss aber einen Tango.

Der Discofox ging, was man den Namen auch entnehmen kann, aus dem Foxtrott hervor, welcher auch heute noch gelehrt und getanzt wird. Der Beat-Fox, Vorläufer des Discofox, blieb mir erspart. Leider — meiner Meinung nach — entstand gerade während meiner Tanzstundenzeit der sogenannte Discofox und wurde sogar 1979 zum Ende meiner Tanzstundenzeit mit ins Welttanzprogramm aufgenommen.

Als es meine bessere Hälfte endlich geschafft hatte, mich wieder zu Tanzstunden zu bewegen, war ich nicht erfreut darüber, dass der Discofox die Jahrzehnte überdauert hatte. Und nicht nur das, inzwischen gibt es dazu mehr Figuren als in meinen kühnsten Träumen befürchtet. Und so muss ich mich wohl oder übel damit abfinden, dass, wenn ich Tango und Walzer möchte, auch einen Discofox oben drauf bekomme.

Spielen und Bingen

Den gestrigen Abend und die Nacht haben wir uns im kleinen Kreis etwas gegönnt. Zuerst ein paar Spiele und danach das Bingen einer Krimiserie. Ohne Frage, ein wunderbarer Abend. Näher betrachtet muss man sich dann aber doch fragen, ob die Serienproduktion von Filmen wirklich der Weisheit letzter Schluss ist?

Wie im Krieg auch, setzt man in der Kultur immer mehr auf Quantität anstatt von Qualität. Und so ist es doch erstaunlich, dass man an manchen Serien erst dann Gefallen finden kann, wenn man diese völlig hemmungslos konsumiert. Meines Erachtens aber auch nur dann, wenn man diesen Konsum zu einem Gemeinschaftserlebnis macht. Auf jeden Fall hat das Bingen gegenüber dem Spielen den Vorteil, dass es einem niemand krummnimmt, wenn man währenddessen noch z. B. die Post erledigt.

Ich frage mich nun, was aus einem meiner Lieblingsfilme Casablanca wohl inzwischen geworden wäre, hätte man diesen zur Serie ausgebaut. Diese Woche hätte Humphrey Bogart wohl einen russischen Politruk im Hangar erwischt und gegenüber Claude Rains, der inzwischen als chinesischer Polizist fungiert, den Beginn einer wunderbaren Freundschaft verkündet. Und jede Woche gingen im Rick’s Café Américain neue illustre Gestalten ein und aus. Kein nennenswerter Politiker, der dort nicht bereits am Piano gesessen wäre und As Time Goes By geträllert hätte. Nur bei Ingrid Bergman bin ich mir nicht so sicher, die hätte man bestimmt über die Jahrzehnte hinweg immer wieder einmal ausgetauscht.

Klausuren

Bei mir hat es sehr, sehr lange gedauert, bis ich mich mit dem Klausurenschreiben so halbwegs anfreundete. Zu dieser Zeit hatte ich Schule und Studium längst beendet und musste feststellen, dass das lebenslange Lernen zumindest in der Vorstellung von sämtlichen Entscheidungsträgern weiterhin auch das Schreiben von Klausuren beinhaltet. Noch eine ganze Weile habe ich mich mit alternativen Konzepten auseinandergesetzt, mich dann aber doch damit abgefunden, dass ich die Welt nicht mehr ändern kann und mich auch mit dem Schreiben von Klausuren abgefunden. Und mit diesem Schritt konnte ich diesen dann auch erstmals etwas Positives abgewinnen, indem ich sie für mich als eine Art von Kreuzworträtsel für Leistungsträger umdefinierte.

Zwischenzeitlich hatte ich das Korrigieren und später dann auch das Erstellen von Klausuren für mich entdeckt, was wohl in meinem Beruf einfach mit dazu gehört. Aber noch heute bin ich mir nicht so ganz sicher, welche dieser Beschäftigungen mit Klausuren dabei die angenehmste ist; wohl die, die man gerade nicht machen muss. Und mit diesen Gedanken beschäftige ich mich gerade deshalb, weil ich heute damit angefangen habe, die kommende Klausur zu erstellen.

Wohl die beste Klausur schrieb einmal ein Philosophiestudent, der, als er zusammen mit seinen Kommilitonen die Aufgabe gestellt bekam, warum der Stuhl des Professors nicht existiert, seine Arbeit kurz nach Beginn beendete. Seine Antwort bestand dabei aus einer einzigen Frage: „Welcher Stuhl?“ Es wird noch heute kolportiert, dass er die Prüfung als bester bestanden habe.

Und wohl noch heute raten alle Lehrer und Dozenten, dass sich die Klausurenschreiber erst einmal einen Gesamtüberblick über die Klausur verschaffen sollten, bevor sie mit dieser beginnen; ganz besonders dann, wenn die entsprechende Klausur mit einer Zeitdauer von drei bis vier Stunden angesetzt wurde. Am besten lernt man sich einen Überblick zu verschaffen, wenn in einer sehr schweren Klausur die allerletzte Aufgabe einfach nur lautet: „Wenn Sie die Klausur innerhalb der ersten 10 Minuten unbeantwortet abgeben, haben Sie diese bestanden.“ — leider, vermute ich einmal, hat man in unserem Bildungssystem dafür den Humor schon lange nicht mehr.

Diesen Kurzbeitrag möchte ich noch mit einem kleinen Tipp beenden, der für die heutigen Klausurenschreiber sicherlich sehr interessant und auch sehr hilfreich sein kann. In Zeiten, wo man mit Tastaturen arbeitet oder gar die Eingabe über die Sprachfunktion nutzt, sollte man das Schreiben von Hand wieder etwas mehr üben. Das hat nicht nur mit der Lesbarkeit der eigenen Handschrift zu tun, sondern auch mit der Fähigkeit, drei bis vier Stunden lang mit einem Stift schreiben zu können. Bei meinen letzten eigenen stundenlangen Klausuren hatte ich, weil man bereits seit den 1990er-Jahren weitgehend digitalisiert arbeitet, tatsächlich mit Krämpfen in den Fingern zu kämpfen.

Und inzwischen gibt es auch immer mehr Menschen, die wieder das Schreiben von Hand empfehlen und dies u. a. mit einer verbesserten Auffassungs- und Erinnerungsfähigkeit begründen.


Gedanken

Gedankengänge 5 (2)

Beitragsfoto: Glühbirne | © Image by Colin Behrens from Pixabay 

Eigentlich wollte ich nicht mehr zu diesem Thema schreiben. Aber der Krieg in Europa, welcher ohne Frage ein hybrider Weltkrieg ist — meine Meinung (!) — treibt mich einfach um und führt nun dazu, dass ich doch wieder ein paar ganz aktuelle eigene Gedankengänge in einem Blog-Beitrag festhalte. Diese sind weder strukturiert noch für einen Blog-Beitrag ausgearbeitet; ich schreibe mir hier einfach meinen Kummer von der Seele. Der Auslöser dazu war ein Artikel von Ivo H. Daalder und James Goldgeier in Foreign Affairs vom 9. Januar 2023 mit dem Titel: The Long War in Ukraine – The West Needs to Plan for a Protracted Conflict With Russia.

Selbstverschuldet führen wir heute noch Kriege wie im letzten Jahrtausend und dafür mache ich unsere Berufspolitik und unsere Waffenproduzenten bzw. -händler verantwortlich. Genau so wie ich diesen eine Teilschuld am Überfall der Russischen Föderation auf die Ukraine gebe. Zumindest nach militärischen Gesichtspunkten — wenn man auf verantwortungsbewusste Militärs gehört hätte — gäbe es diesen aktuellen Krieg nicht; leider in diesem Fall, gilt aber auch hier weiterhin das Primat der Politik und man muss unumwunden zugeben, dass Kriege immer von der (Berufs)Politik gemacht werden. Selbst wenn Kriege vom Zaun brechende Berufspolitiker einmal gedient haben sollten (siehe: GröFaZ), heisst das noch lange nicht, dass das Militär den Krieg begonnen hat. Das Militär muss meistens diese Kriege führen aber letztendlich immer verantworten. Die Berufspolitik unterschreibt später dann die Friedensverträge und lässt sich wieder einmal feiern. Und dabei sind es neben der Berufspolitik die Waffenproduzenten und -händler die aus Kriegen ihre Vorteile ziehen — ich kenne keinen Soldaten, der in einem Krieg jemals gewonnen hat, außer an Erfahrung vielleicht.

Spätestens in den 1980er-Jahren war allen Beteiligten klar, dass Kriege, die es übrigens seit 1945 nicht mehr gibt bzw. geben dürfte, wenn überhaupt noch, dann völlig anders zu führen sind. Damit meine ich nicht, die damals bereits überholte Abschreckungsstrategie der „Massive Retaliation“, sondern zeitgemäßere und moderne Kriegsführungstechniken, wie eine weitgehende Automatisierung und der noch heute so von der deutschen Politik angefeindeten Roboterisierung des Gefechts. Bereits damals wurden uns professionellen Soldaten Konzepte vorgestellt, wie zukünftig eine zeitgemäße Kriegsführung auszusehen hat.

Weg von der Levée en masse hinzu einer weitgehenden Professionalisierung der Streitkräfte, die zudem nur noch multinational und zumindest mit Zustimmung oder aber im Auftrag der Vereinten Nationen eingesetzt werden. Die Leere des Gefechtsfeldes wurde dabei bis ins Höchste zelebriert wobei nur noch einzelne Offiziere unterstützt von Robotern und weiteren modernen Waffensystemen künftigen Kriegen ein ganz anderes Gesicht gegeben hätten.

Aber Wissenschaft und Militär hatten die Rechnung ohne Industrie und Berufspolitik gemacht, wie letztere zuvor auch „völlig unbedarft“ Kriege insgesamt abgeschafft hatte und nunmehr darum bemüht war, diese wieder hoffähig zu bekommen. So dienen noch heute Kriege dazu, um von einer völligen Inkompetenz oder gar kriminellen Machenschaften der verantwortlichen Berufspolitiker abzulenken — entsprechende Beispiele finden sich in den letzten Jahrzehnten zuhauf. Die Hauptursache lag und liegt allerdings noch heute darin, dass man mit „Verteidigungspolitik“ am einfachsten mit Billionenbeträgen an Steuergelder jonglieren kann ohne jemals tatsächlich zur Rechenschaft gezogen zu werden — der sogenannte militärisch-industrielle Komplex kann als Beispiel für dieses Gebaren angeführt werden.

Und so wurde nicht nur in der Russischen Föderation — wie wir es aktuell erfahren können — die „Verteidigungsindustrie“ dahingehend ausgebaut, dass Berufspolitiker und „Unternehmer“ sehr einfach sehr reich wurden. Auch in der westlichen Welt wurden auf Kosten der Streitkräfte Billionen an Steuergeldern veruntreut und an Potemkinschen Dörfern festgehalten und dies immer mit dem Hinweis, dass dies der Wirtschaft und der Gesellschaft diene. Sobald manche Bürger dieses Verhalten in Frage stellten, wurde darauf hingewiesen, dass man doch nicht die Sicherheit unserer Länder gefährden könne oder dies gar wolle.

Ganz aktuell erleben wir in der Ukraine wieder einmal, dass sich Fortschritt und moderne Technologie nicht ignorieren lassen und wir — auch die militärisch Unbedarftesten — können allesamt erahnen, wie zukünftige Kriege aussehen werden. Zudem erleben wir in sämtlichen Medien hautnah mit, wie dort die eigenen Staatsbürger und Freiwillige aus anderen Ländern regelrecht verheizt werden, teilweise nur um kriminelle Machenschaften zu vertuschen oder die Versäumnisse von Jahrzehnten auszugleichen.

Hinzu kommt auf beiden Seiten eine Kriegsführung, die kein morgen zu kennen scheint und das spätestens seit Vietnam gescheiterte Konzept „Masse statt Klasse“ nunmehr zu einem neuen Höhepunkt führt. Wir erleben dabei Munitionsverbräuche, die kein einzelner Staat mehr tragen kann und es muss einen aufhorchen lassen, dass alleine die Ukraine in einer Woche mehr Granaten verbraucht als selbst die USA in einem Monat herstellen können.

Wenn man nun aber glaubt, dies sei der Höhepunkt des Ganzen, dann irrt man sich gewaltig, denn wir erfahren zudem, dass die deutsche Waffenindustrie — ähnlich wie bei der Bundeswehr üblich — überteuerte Waffensysteme liefert, die dann ihren Zweck nicht erfüllen, da unsere Waffenindustrie traditionell nur wunderbare Luftschlösser verkauft. Ganz aktuell hierbei die Information, dass die Ukraine zwar das deutsche System IRIS-T erhalten hat, was übrigens in der Ukraine nun gewaltige Ressourcen bindet, dieses System aber mangels notwendiger Flugkörper „nur jedes Schaltjahr einmal“ einen Schuss abgeben kann.

Schlimmer noch, wir können in der Ukraine bereits einen Wissens- und Technologietransfer beobachten, der wohl kaum beabsichtigt noch geregelt ist und uns allen insgesamt, besonders der westlichen Welt, zukünftig sehr schaden wird. Und auch dies zeigt erneut, dass es ein großer Fehler war, unsere ehemals tatsächlich funktionsfähige Rüstungsindustrie, wohl alleine wegen des kurzfristigen Gewinnstrebens einzelner, zu reinen Waffenhändlerorganisationen umzubauen. Übrigens, das daraus resultierende schlechte Gewissen hat man durch Waffenexportgesetze beruhigt, die aber nur dazu führten, dass die Industrie durch Korruptionszahlungen diese wieder umgehen kann, was wiederum für beide, Industrie und Politik, eine Win-Win-Situation darstellt.

Jeden Krieg muss man so schnell wie möglich beenden, diesen in der Ukraine leider aber nicht! Denn es handelt sich hierbei „nur“ um einen einzelnen Kriegsschauplatz, nämlich von einem, sich gerade langsam aber sicher weiter entfaltenden Weltkriegs. Und wenn wir diesen gewinnen möchten, müssen wir weiterhin Ukrainer und Russen „verheizen“, so lange bis sich die Russische Föderation in Wohlgefallen auflöst und damit unsere ideologischen Gegner so geschwächt werden, dass diese bereit sind, um wieder an den Verhandlungstisch zurückzukehren.

Diese dann hoffentlich erzielte Gefechtspause wird zumindest seitens der Gegenseite dazu genutzt werden, um die eigenen Streitkräfte tatsächlich zukunftsfähig zu machen. Und auch wir wären gut beraten, wenn wir uns wieder an die originären Aufgaben von Streitkräften und Rüstung erinnern würden und zudem dafür sorgen, dass in künftigen Kriegen nicht das unsinnige Opfern von Menschenmassen notwendig ist, um eine „Entscheidung auf dem Schlachtfeld“ herbeizuführen.

Selbstverständlich wäre es für alle viel besser, wenn wir verantwortliche Politiker, wie jene nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges hätten, die ihre Aufgabe darin sehen, den Krieg an sich abzuschaffen und Modelle zu entwicklen, wie man ohne Waffengewalt Interessenkonflikte ausgleichen kann — eine zeitgemäße Form der Vereinten Nationen böte die geeignete Plattform dafür. Alleine es fehlt uns an den dazu notwendigen Politikern, und diese erhalten wir nur, wenn wir unsere Demokratien allesamt wieder in Ordnung bringen — Bildung, Moral und Verantwortung sollten wieder hoffähig werden!

Und wer jetzt glaubt, dass wir Deutschen wieder einmal ungeschoren davon kommen, der wird sich irren, denn selbst, wenn alles zu unseren Gunsten liefe, muss irgendwer die Zeche zahlen und dieser Krieg, der wird die Welt Billionen Euro kosten. Und die Russen werden, so wie wir Deutschen übrigens nach dem Zweiten Weltkrieg auch, diese Kosten nicht zahlen können, die Ukrainer werden ebenfalls nichts mehr haben, die US-Amerikaner zahlen jetzt schon bereits mehr als sie können, die Chinesen können wir wohl kaum zur Kasse bitten und so wird ein großer Teil der Zeche an uns hängen bleiben — dies ist neben den Folgen des Klimawandels und den Kosten einer völlig aus dem Ruder gelaufenen „Sozialpolitik“ nur ein weiterer Grund, warum spätestens unsere Enkel weitaus kleinere Brötchen backen müssen.

Deshalb wäre es ganz gut, sich schon jetzt darüber Gedanken zu machen — nicht wer den kommenden Mallorcaurlaub für unsere „Leistungsrentner“ finanziert, sondern — wie wir unser Wirtschaftssystem insgesamt am Leben erhalten können. Ich glaube, eine Besteuerung zu 100 % für die Gewinne bei Waffen und Munition wären ein ganz guter Anfang.

Leseempfehlung

Zum meinen spontan geschriebenen Blog-Beitrag passt ein Artikel von Matthias Gebauer und Konstantin von Hammerstein aus dem Spiegel 3/2023 zum Thema „Zeitenwende bei der Bundeswehr: Heerjemine – wie schlimm es um die Truppe wirklich steht“ ganz gut. Dieser Artikel wurde am 13. Januar 2023 auch online bei S+ veröffentlicht.

Wenn wir vielleicht doch noch etwas zum Positiven wenden wollen, dann müssen wir nicht nur die letzten verantwortlichen Minister, sondern auch die zuständigen MdB vor Gericht bringen und mindestens wegen Landesverrats anklagen. Weitere Anklagepunkte werden im Laufe der Ermittlungen sicherlich folgen.