Strandhaus

22.5.02023 5 (2)

Beitragsfoto: Strandhaus

Käthchen

Mit großem Vergnügen haben ich heute einen Leserbrief von Anneliese Fleischmann-Stroh in der Heilbronner Stimme (22.5.2023: 6) gelesen. Dieser hat mich an meinen Blog-Beitrag vom 16. Januar 2020 erinnert. Gerne teile ich dieses Vergnügen mit den Lesern meines Weblogs.

Käthchen-Präsentationen

Am Ende eines Konzertes am 9. Mai überreichte eine als Käthchen verkleidete junge Frau dem Leiter des Orchesters und dem Pianisten Wein. Es ist ein Rückschritt ins 19. Jahrhundert, solch ein verstaubtes Frauenbild bei öffentlichen Veranstaltungen zu präsentieren. Über 100 Jahre Emanzipationsbewegung werden einfach über den Haufen geworfen. In der Weihnachtszeit werden wir von Plastik-Käthchen in Lebensgröße und hässlichen Anhängern an den Weihnachtsbäumen im öffentlichen Raum verfolgt. Jetzt wird auch noch Käthchen-Bier präsentiert – blondbezopft und altmodisch verkleidet. In Heilbronn ist inzwischen mehr als die Hälfte der Bevölkerung ausländisch oder mit Migrationshintergrund. Wollten wir nicht überregional kulturell und weltoffen aufgestellt sein? Bei dem Konzert waren viele Konzertbesucher von weit her angereist – was für ein altbackener Eindruck entsteht so von Heilbronn? Heilbronn will sich mit KI schmücken, vielleicht wäre gesunder Menschenverstand mal gefragt.

Anneliese Fleischmann-Stroh, Heilbronn

Bänke

Viele Heilbronner Bänke fristen seit Jahren ein trostloses Dasein. Die entsprechenden Bemühungen der EUROPA-UNION sind schon länger im Sand verlaufen. Und so war ich heute doch ein wenig erstaunt darüber, als Bänke zum Thema in der Heilbronner Stimme wurden. Noch erstaunter, dass mir zeitgleich Thomas Heiligenmann ein Bild einer neuen Bank am Wartberg schickte, die meinem Vorgänger im Amt des Kreisvorsitzenden, Prof. Dr. Walter Dörr, gewidmet ist. Warum gerade am Wartberg und nicht im Stahlbühl, entzieht sich meiner Kenntnis — die Verantwortlichen werden sich sicherlich Gedanken gemacht haben.

Wer etwas mehr über unsere vergeblichen Bemühungen erfahren möchte, der kann gerne meinen Blog-Beitrag Europaweg lesen. Ein paar Jahre später bin ich nun zu der Überzeugung gelangt, dass es genügend andere Vereine und Institutionen gibt, die sich viel besser den Heilbronner Bänken widmen könnten.

Ich gebe allerdings dabei zu bedenken, dass man sämtliche Infrastruktur und auch Immobilien, die man erstellt, warten muss. Eine Tatsache, die zumindest unserem Gemeinderat und der Stadtverwaltung nicht bekannt ist (Stichwort: Wasserspiel und Wassernebel).

Muscheln

Die Nacht über muss es am Strand sehr stürmisch zugegangen sein, denn als wir am Morgen dort spazierten, fanden wir eine größere Menge an ausgewachsenen Wavy Turban Muscheln (Megastaea Undosa) vor, welche sich normalerweise in bis zu 50 Metern Tiefe befinden.

Meine bessere Hälfte und ich begannen damit, die ersten Muscheln wieder ins Meer zurückzubringen, was nicht so einfach ist, und ernteten erstaunte Blicke von den wenigen mit am Strand Spazierenden. Dann aber bemühte sich eine ältere Dame ebenfalls, eine Muschel ins Meer zu verfrachten, und kurz darauf waren sämtliche Spaziergänger einschließlich deren Hunde beschäftigt.

Auf dem Rückweg konnten wir uns dann davon überzeugen, dass unsere Bemühungen erfolgreich waren. Bleibt zu hoffen, dass die Muscheln die restlichen Meter alleine zurück in ihre normales Habitat finden werden.

Nachtrag 26.5.2023:

Bei unserem nachmittäglichen Spaziergang fanden wir an fast derselben Stelle die besagten Muscheln wieder, nun aber leider aufgrund der Sonneneinwirkung in einem Zustand, der wohl eine nochmalige Rettung unmöglich machte. Und so überließen wir die Muscheln ihrem Schicksal. Nun vermute ich einmal, dass wenn sich die Muscheln erstmals am Strand befinden, diese nicht mehr zu retten sind.

„Society is commonly too cheap. We meet at very short intervals, not having had time to acquire any new value for each other.“

Henry David Thoreau, Walden (2020 [1854]: 125}

Newport Beach

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Beitragsfoto: Ein Haus in Newport Beach

Life’s a Beach

Gerade beim Spazieren in einem öffentlichen Park ein Pärchen gesehen, welches es sich zur Musik „Hotel California“ etwas bequemer gemacht hat — mit genügend Beruhigungsmitteln ausgestattet, merken es auch jüngere Menschen nicht, dass die 1970er-Jahre schon längst vorbei sind.

Ja, das Leben könnte durchaus ein Strand sein, aber dann besser einer in den wärmeren Breitengraden, so wie hier an der Pazifikküste oder auf Borneo. Interessanterweise aber stammt dieser Spruch nicht aus der Motivationsecke von doch so zahlreichen Influencern oder gar Management-Beratern, sondern er ist eine Verschönerung des sehr bekannten Spruchs „Life is a bitch!“

Ich bin mir sicher, dass auch dieses Pärchen zu dieser Überzeugung kommen wird, spätestens dann, wenn das Lied verklungen ist und der aktuell hier anzutreffende Nieselregen wieder einsetzt.

Don Giovanni

Wenn ein Bühnenausstatter schon damit wirbt, dass er das Bühnenbild nach Maurits Cornelis Escher gestaltet hat und letzterer Bestandteil eines der Bücher ist, die ich gerade lese, so war meine Neugierde von Anfang an geweckt.

Zur Oper selbst muss man nichts sagen, vielleicht nur, dass ihr jede Inszenierung gut tut, die sich an der heutigen Zeit orientiert. Alles andere war wie zu erwarten und die Musik wie immer hörenswert. Einzig der Kostümwechsel mitten im Stück blieb mir rätselhaft, aber An D’Huys wird sich sicherlich etwas dabei gedacht haben.

Und der prominente wie unkommentierte Wechsel von einer roten zu einer gelben Rose sollte der Oper sicherlich eine Tiefe verleihen, die dieses noch nie hatte. Blickfang des Stücks für mich Federica Lombardi als Donna Anna, die wohl nun zusammen mit Donna Elvira im Kloster endet.

Gartencenter

Ich kann mich nicht daran erinnern, jemals in den USA ein Gartencenter besucht zu haben, und so war dies diese Woche sozusagen eine Premiere. Kaum verwunderlich, dass auch dieses Gartencenter wie die meisten anderen aussah, mit einer Ausnahme allerdings, denn die dortigen Pflanzen hatten im Vergleich zu unseren ein etwas größeres Wachstum und manche auch bei uns bekannte einen erstaunlichen Blütenreichtum; was ich beides auf die klimatischen Verhältnisse zurückführe.

Neu für mich dann das Essen im Gartencenter, welches an Qualität und Service mit sehr guten Restaurants mithalten konnte. Und zum Schluss konnte ich noch einen Flaggenmasten bestaunen, den Ronald Reagan zusammen mit John Wayne bereits 1976 gesetzt hatte; so etwas gibt es auch nicht in jedem Gartencenter.

„People, in fact, are often very unobservant. But machines can be made to be totally unobservant; and people cannot.“

Douglas R. Hofstadter, Gödel, escher, Bach (2021 [1979]: 37)

Newport Beach

Newport Beach 5 (5)

Beitragsfoto: Newport Beach

Mein Lieblingsstrand kann gleich noch mit einer eigenen Stadt aufwarten, die diesem Strand nicht nur zwei Piers hinzufügt, sondern weitere Attraktionen, die Newport Beach zu der Stadt machen, wo ich ohne Probleme meine gesamte Zeit verbringen könnte.

Newport Beach wurde 1906 gegründet und hat heute gut 90 000 Einwohner. Sie besitzt einen der größten Jachthäfen an der US-Westküste und gleich mehrere kleine Inseln, von denen Balboa als eigene Welt betrachtet werden kann. 

Die Stadt liegt am bekannten Highway Number One und grenzt zum einen an Huntington Beach (ca. 200 000 Einwohner) und zum anderen an Laguna Beach mit ca. 30 000 Einwohner. Erstere Stadt ist bei den Surfern eine größere Attraktion und letztere bei Kleinkunstliebhabern, die zudem einen etwas ruhigeren Strand bevorzugen.

Von Newport Beach aus ist man sehr schnell sowohl am LAX und am John Wayne Airport als auch in Santa Ana, Costa Mesa, Anaheim oder auch in Riverside. Übrigens, noch heute liegt John Waynes Boot, die Wild Goose, im Hafen von Newport Beach und man kann mit ihr während eines Abendessens durch den Hafen schippern.

Newport Beach bietet sich ebenso dazu an, mit dem Schiff schnell einmal nach Catalina Island zu gelangen. Wenn man von Deutschland aus nach John Wayne Airport – Orange County fliegen möchte, muss man einen Zwischenstopp einlegen, was über San Francisko allerdings sehr gut klappt. Dies erspart einem eine längere Autofahrt, die man einplanen muss, wenn man direkt in Los Angeles landet.

Und sollte es einem tatsächlich einmal in Newport Beach langweilig werden, dann stehen einem in wenigen Minuten sämtliche Attraktionen des Orange County zur Verfügung und zusätzlich Los Angeles, San Diego oder die anderen Annehmlichkeiten Südkaliforniens.

Wer aber einmal an Newport Beach Gefallen gefunden hat, der muss nicht mehr sehr weit fahren, um ein paar angenehme Tage zu verbringen.

„If I’d learnt one thing from travelling, it was that the way to get things done was to go ahead and do them. Don’t talk about going to Borneo. Book a ticket, get a visa, pack a bag, and it just happens.“

Alex Garland, The Beach (2011 [1996]: 139)