Jacuzzi

4.6.02023 5 (1)

Beitragsfoto: Jacuzzi mit Buch

Spieleabend

Kann ein völlig entspannter Tag schöner ausklingen als mit einem Spiel? Unser aktuell bevorzugtes Spiel ist Rummikub. Aber darüber dürfte ich schon öfters geschrieben haben. Und wenn hier der Tag so langsam aber sicher zu Ende geht, hat er bereits woanders schon längst wieder begonnen — meine E-Mail und Message erinnern mich daran.

Und so frage ich mich zum Schluss des Tages, wie es heutzutage Menschen überhaupt noch langweilig werden kann, denn eigentlich ist das Gegenteil der Fall. Man muss sich heute Langeweile schwer und hart erkämpfen und sollte man diese dann jemals erreichen, ist man bestimmt zu erschöpft, um sie überhaupt genießen zu können.

Mit diesem Gedanken verabschiede ich mich für heute von meinen Lesern aber erst noch einen kurzen Blick in die aktuelle E-Mail.

Jacuzzi

Endlich wurde das Wetter so, dass ich mich wieder meiner liebsten Beschäftigung widmen konnte, dem Lesen von Büchern im warmen Sprudelbad. Wer Per Anhalter durch die Galaxis gelesen hat, kennt bestimmt meinen Gesinnungsverwandten.

Mein einziges Problem dabei ist, wie ich das Gelesene vom Buch in den Zettelkasten bekomme. Schon vor ein paar Jahren fand ich es ganz gut, wenn die damals verwendeten Notepads (Palm III) wasserdicht gewesen wären. Und gute 20 Jahre später ist die Menschheit zumindest diesbezüglich auch nicht viel weiter, was meine Vermutung bestätigt, dass viel zu wenige die tatsächlichen Vorzüge eines Hottubs in Gänze erfasst haben.

Auf jeden Fall aber wäre die Welt eine bessere, wenn mehr von uns die Gelegenheit oder die Muse hätten, um ihren Tag im Whirlpool zu verbringen.

Die Zauberflöte

Zumindest alle ehemaligen deutschen Schulkinder haben einmal in ihrem Leben die Zauberflöte gesehen; für den Fall, dass sie aus Tälern der Ahnungslosen kommen, von einer Schallplatte gehört. Wobei sich wohl alle Musiklehrer berufen sahen, um ihren Schülern die Handlung zu erklären. Alle anderen kennen die Zauberflöte zumindest in Ausschnitten aus dem Fernsehen oder dem Radio.

So hätte ich nie daran gedacht, einmal selbst etwas über die Zauberflöte zu schreiben, vielleicht mit einer Ausnahme, nämlich als Nancy Gibson die Königin der Nacht gab — das ist aber schon sehr lange her.

Gestern aber brachte die Metropolitan Opera die Zauberflöte in die Kinos und ich konnte nicht umhin, um mir dies anzuschauen, besonders deshalb, weil sich die Met schon länger darauf konzentriert, um auch schon etwas verstaubtere Stücke in die heutige Zeit zu transferieren. Also, wenn schon die Zauberflöte, dann eine Aufführung der Met.

Und sorry Nancy, aber die gestrige Zauberflöte war die Beste, die ich je gesehen habe. Ob es besser gesungenere Aufführungen gibt, das kann ich nicht beurteilen, besser aufgeführte seit gestern sicherlich nicht mehr! Wer nicht das Glück oder die Gelegenheit hatte, dieser Aufführung zu folgen, der sollte sich demnächst die entsprechende DVD im Met Opera Shop kaufen.

Simon McBurney ist etwas ganz Besonderes gelungen, er hat diese Oper aus dem Jahre 1791 erneut zum Leben erweckt, und Kathryn Lewek gab in ihrer fünfzigsten (!) Darstellung die beste Königin der Nacht. Auf jeden Fall aber war sie der beste Sänger des Abends.

Die Besetzung des Sarastro mit Stephen Milling eine sehr gute Wahl und die Harmonie zwischen Erin Morley (Pamina) und Lawrence Brownlee (Tamino) stimmig. Ebenfalls erwähnenswert Thomas Oliemans (Papageno), der zugab, dass er sich mit der ihm beigegebenen Leiter nicht so ganz anfreunden konnte.

Das Ganze hat aber hier bei uns in Deutschland einen großen Nachteil. Denn jetzt, wo man den Text während der Aufführung sehr einfach mitlesen kann, steht zu befürchten, dass die Zauberflöte bei uns in Kürze so lange verboten wird, bis ein Künstler mit entsprechendem Parteibuch diese umgeschrieben hat.

„Ein Mann muss eure Herzen leiten,
Denn ohne ihn pflegt jedes Weib
Aus ihrem Wirkungskreis zu schreiten.“

Sarastro, Die Zauberflöte (1791)

Mall

3.6.02023 5 (2)

Beitragsfoto: South Coast Plaza

Geschäftsidee

Wäre ich 20 Jahre jünger, dann hätte ich mich dieses Mal an einem Startup beteiligt. So war aber sehr schnell klar, dass es für mich andere Schwerpunkte gibt und ich keine Lust mehr auf größere Experimente habe.

Und kaum war die eine Sache vom Tisch, da fand ich eine für mich neue und wahrscheinlich sogar völlig risikofreie Geschäftsidee. Beim gestrigen Einkauf in einem Obst- und Gemüseladen wurden ganz prominent Sprühflaschen angeboten.

Bei den Sprühflaschen handelt es sich um einen „Fruit & Veggi Wash“, der zu 5 Dollar und 99 Cent zu haben ist und aus 354ml Wasser und vielleicht noch einer „Geheimrezeptur“ besteht. Dieser „Fruit & Veggi Wash“ soll das Folgende können:

  • Removes dirt and soil that can carry bacteria;
  • Lifts pesticides, chemicals, wax and heavy metals;
  • Keeps produce fresh up to 5x longer.

Wer diesen „Fruit & Veggi Wash“ in Widdern vertreiben möchte, der kann bestimmt 10 Euro für das Fläschchen verlangen.

Rätsel

Ich hatte mich gestern zum Essen verabredet und nutzte die Wartezeit, um wieder einmal durch meine Lieblings-Mall zu schlendern.

Dass das Wetter schlechter werden soll, wenn die Schwalben tiefer fliegen, dürfte allseits bekannt sein. Und dass es wohl ein neues iPhone gibt, wenn junge Männer vor dem Apple-Store Schlange stehen, kann man noch halbwegs nachvollziehen. Heute aber sah ich ein Phänomen, das ich mir bei bestem Willen nicht erklären kann, nämlich eine Schlange vor dem Chanel-Store. Immer mehr Frauen fanden sich dort ein, um nicht gemeinsam in die Schaufensterauslagen zu gucken, sondern ganz brav vor der Ladentür zu warten, bis sie an die Reihe kamen.

Und noch bevor ich das Ganze so richtig erfassen konnte, war die Schlange so lang geworden, dass eine der Verkäuferinnen vor den Laden trat und damit anfing, Termine zu vergeben. Aber auch dies ließ die Schlange nicht kürzer werden.

Ich war bereits versucht, bei den Damen nachzufragen, was es denn heute Besonderes gäbe oder sie gar darauf hinzuweisen, dass es in der Mall noch weitere Gelegenheiten gibt, um sich mit Chanel-Produkten einzudecken, musste dann aber doch weiter, um meine Verabredung nicht warten zu lassen.

Abzocke

Es war schon Thema hier im Weblog, nämlich wie sich die Bürger von Widdern von ihren gewählten Volksvertretern ausverkaufen lassen. Erst kauft der dortige Bürgermeister ohne Einverständnis des Gemeinderats eine völlig überteuerte Homepage und dann macht der Gemeinderat auch noch mit und sie schmeißen zusammen um die 200 000 Euro fürs Erste einfach so zum Fenster hinaus.

Heute können wir dank der Heilbronner Stimme (3.6.2023: 31) erfahren, was so eine Deluxe-Homepage maximal kostet, denn die sehr wohlhabende Gemeinde Flein leistet sich seit 30 Jahren eine neue Homepage. Dafür investieren die Fleiner einmalig 36 000 Euro und zahlen weitere 550 Euro monatlich für deren Betrieb.

Wenn man nur wollte, könnte man das Ganze auch für einmalig 1 000 Euro und monatlich weitere 100 Euro haben — aber das Geld anderer Leute zum Fenster hinaus zu werfen, macht einfach eine ganze Menge Spaß.

Wobei die Widderner sich auch noch einen Bürgermeister leisten, der nicht einmal da sein muss — was wahrscheinlich sogar für alle Beteiligten besser ist. Und schon 2024 wählen die Widderner erneut dieselben Volksvertreter.

Es wäre vielleicht keine schlechte Idee, einen Zaun um diese Gemeinde zu ziehen und Eintritt zu verlangen.

„It is a vulgar error to suppose that you have tasted huckleberries who never plucked them.“

Henry DAvid Thoreau, Walden (2020 [1854]: 161)

Bürger

Demokratiemodell 4.5 (2)

Beitragsfoto: Bürger | © Athena bei Pexels

Zum Ende seines Buches Walden stellt 1854 Henry David Thoreau die Frage, „is a Democracy such as we know it, the last improvement possible in government?“

Leider wird diese Frage und gerade in jenen Teilen der Welt, in denen den Bürgern oftmals der Rotz die Backe hinaufläuft, immer öfters mit nein beantwortet und sogleich auch wieder völlig antiquierte Regierungsformen ins Spiel gebracht. Konservative Politiker, die schon immer vorgeben, zumindest ein Ohr am Volk zu haben, behaupten schon etwas länger, dass sie tatsächlich Kaiserenkel und dann gleich von Karl dem Großen seien oder sie hängen sich überdimensionierte Königinnenbilder ins Amtszimmer.

Immer mehr Bundesbürger finden und dies nun auch wieder ganz öffentlich, dass die ehemaligen Diktaturen, ob Nazi-Deutschland oder gar die DDR, eigentlich gar nicht so schlecht gewesen sind. Ohne Frage, unsere aktuelle Demokratie hat ein Problem.

Auch wenn ich selbst nicht weiß, was in ein paar Tausend Jahren für Regierungsmodelle auf dem Markt sein werden, so bin ich weiterhin fest davon überzeugt, dass die Volksherrschaft zumindest auch dann unter den erfolgreichsten Modellen zu finden sein wird. Und ganz ohne Frage ist die Demokratie in allen ihren Ausprägungen — deren sozialistischen oder gelenkten Modelle einmal außen vor, da sie sich nur als Demokratie verkleiden — derzeit überall auf der Welt „State of the Art“!

Aber wie wir feststellen, sämtliche Demokratien, ob in der Schweiz, den USA, dem Vereinigten Königreich, Frankreich, Italien, Japan oder auch bei uns haben mit ureigenen Problemen zu kämpfen. Eines dieser Probleme dürfte sein, dass immer mehr Bürger davon ausgehen, dass auch Demokratie keine Herrschaft des Volkes ist. Ein weiteres, dass doch so manche Bürger gar nicht selbst herrschen möchten, sondern begierig auf jemanden warten, der ihnen den Marsch bläst. Ein drittes, nämlich viele Bürger stellen langsam, aber sicher fest, dass (gute) Herrschaft auch etwas mit Arbeit zu tun hat. Wobei diese dann zu der Überzeugung gelangen, dass ihnen die Demokratie nicht so wichtig ist, um sich damit auch in Form von eigener Arbeit zu beschäftigen — zumindest so lange ihnen der besagte Rotz die Backe hochläuft. Das letzte Problem ist dabei wohl schon so alt, dass es bereits in der Bibel thematisiert wurde.

Und so ist es auch nicht verwunderlich, dass schon sehr früh repräsentative Demokratiemodelle entwickelt und als Regierungsform gewählt wurden, so wie auch unsere eigene Demokratie.

Ich selbst war jahrzehntelang ein Verfechter der repräsentativen Demokratie, weil diese von allen Demokratieformen die Größe und Komplexität unseres Staates am besten abdecken konnte und dabei auch das besagte dritte Problem ganz gut in den Griff bekommt.

Inzwischen muss ich aber feststellen, dass auch unsere repräsentative Demokratie in den Augen vieler Bürger nicht mehr so positiv gesehen wird, wohl weil sie immer öfters daran zweifeln, ob sie noch selbst von ihren Volksvertretern vertreten werden.

Für mich wird es immer deutlicher, dass die menschliche Hybris, die auf die meisten von uns Einfluss hat, der größte Feind einer repräsentativen Demokratie ist. Und so hat sich bei uns in Deutschland tatsächlich eines in den letzten zweihundert Jahren verändert, nämlich dass aus den Dutzenden deutschen Fürsten inzwischen Tausende deutsche Fürstchen wurden, die wie dereinst ihre Vorgänger an ihren Thronen kleben und sich selbst genug sind.

Dieses gewaltige Problem könnte man nur mit einer generellen Amtszeitbegrenzung beheben, dafür wäre aber in Deutschland eine Revolution notwendig, die jene von 1848 voll und ganz in den Schatten stellen würde — was in Deutschland völlig undenkbar ist.

Und selbst wenn es zu einer Amtszeitbegrenzung käme, würde es wohl der heutigen Zeit nicht mehr gerecht werden, denn die Welt dreht sich schneller weiter, als wir es allesamt wahrhaben möchten.

Deswegen komme ich zum Schluss, dass wir uns gänzlich vom repräsentativen Demokratiemodell verabschieden und zu einer direkten Demokratie wechseln sollten.

Wir Deutschen wählen unsere Bundeskanzler und Ministerpräsidenten alle vier Jahre neu. Und da deutsche Minister schon längst keine guten Beamten mehr sind, auch diese gleich mit. Der jeweilige Regierungschef stellt dann seine eigene Regierung zusammen.

Die Parlamente werden abgeschafft, wobei an deren Stelle die dann ehemaligen wissenschaftlichen Dienste zu „Entscheidungsfindungsbehörden“ ausgebaut werden. Diese bestehen allesamt aus Beamten, die mindestens über einen IQ von 130 und einem abgeschlossenen Universitätsstudium verfügen sowie eine entsprechende Aufnahmeprüfung bestehen müssen; die Ergebnisse werden veröffentlicht.

Wir Deutschen übernehmen die Legislative in Gänze, wobei die Regierungen weiterhin die Gesetzesinitiative mit beibehalten, aber jene von uns Bürgern weiter gestärkt wird. Sämtliche Gesetzesvorlagen werden von der jeweiligen Entscheidungsfindungsbehörde vor- oder aufbereitet und dem Souverän — also uns — völlig neutral zur Entscheidung vorgelegt. Dabei wird diese Neutralität zur „Staatsräson“ erhoben und ein Beamter, der sich nicht daran hält, sofort entlassen.

Sämtliche Gesetzesinitiativen und Entscheidungsvorlagen werden veröffentlicht und grundsätzlich mindestens vier Wochen lang zur allgemeinen Diskussion freigegeben, bevor die jeweiligen Bundesbürger darüber mehrheitlich entscheiden.

In der heutigen Zeit, wo wir über Internet und sogar über die ersten KI-Tools verfügen, ist es kein gesellschaftliches oder technologisches Problem mehr, dass ein Bundesbürger sich in die Gesetzesvorlagen einlesen, sich bei Bedarf weiter kundig machen und später dann auch selbst darüber entscheiden kann — nicht muss.

Eine künftige Viertagewoche lädt gerade dazu ein, dass sich die Bürger einen ganzen Tag in der Woche mit Politik beschäftigen und letztendlich zu Zoon politikon werden.

„If we were left solely to the wordy wit of legislators in Congress for our guidance, uncorrected by the seasonable experience and the effectual complaints of the people, America would not longer retain her rank among the nations.“

Henry DAvid Thoreau, Walden (2020 [1854]: 336)