Mädchen mit Europaflagge

Nullnummer 5 (8)

Beitragsfoto: Mädchen mit Europaflagge | © Shutterstock

Heute durfte ich mal wieder große Politik miterleben. Solche Staatsmenschen wünscht man sich doch gleich am besten noch für die eigenen Gesprächskreise!

„Our Union and our democracy are constant work in progress. And there is more that we can do. We need an ambitious reform agenda to ensure the functioning of a larger Union and to increase democratic legitimacy.While reforms were necessary before, with enlargement they become indispensable. We must use this as a catalyst for change in terms of our capacity to act, our policies and our budget. We will of course focus on what we can already do, of which there is a lot. But we should be more ambitious. I believe we need Treaty change where it can improve our Union. And I want to work on that with this House. And this will be part of a closer partnership between the Commission and the Parliament.“

Ursula von der Leyen, Straßburg, 18. July 2024

Wenn man sich diese obige Aussage etwas genauer auf der Zunge zergehen lässt, dann deckt diese einen Strip-Poker auf der einen und einen Bundesstaat auf der anderen Seite und dies ganz ohne größere Probleme ab — jedem so, wie es ihm gefällt! (William Shakespeare).

Dabei wäre ernsthafte Politik doch so einfach. Man könnte mit der Beschreibung des eigentlichen Problems beginnen, zum Beispiel, dass die Nationalstaaten zumindest in Europa seit über 80 Jahren den permanenten Nachweis erbringen, dass sie alleine in dieser Welt nicht mehr handlungsfähig sind, geschweige denn ihren Bevölkerungen Sicherheit, Freiheit oder gar ein gewisses Maß an eigenem Wohlstand garantieren können.

Danach könnte man eine dafür passende Lösung des Problems als das Ziel sämtlicher, zumindest der politischen Bemühungen vorstellen. In diesem Falle der europäische Bundesstaat, welcher möglichst eng mit seinen Nachbarn, z. B. den anderen Mitgliedern der NATO, zusammenarbeitet und diese allesamt fest in den Vereinten Nationen eingebunden.

Und jetzt mit diesem Hintergrund, könnte man Vorschläge anbieten oder gar zur Entscheidung vorlegen, die eine Zielerreichung kurz-, mittel- oder auch nur langfristig und dies gleich mit den damit einhergehenden Kosten versprechen oder gar erreichbar erscheinen lassen.

Könnte man, macht man aber nicht! Es wird so lange herumgeschwafelt bis kein einziger Mensch wer weiß, um was es eigentlich ging.

Danach ruft man eine Diktatur aus, zumindest aber eine Monarchie und lässt sich gleich am besten selbst krönen.


Zukunft

Erfolgsgeheimnis 4.8 (4)

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Neben der Schrift und ihrem ganzen Drumherum ist es wohl die Fähigkeit in der Westlichen Welt gewesen, in der Kommunikation zwischen der Sach- und der Beziehungsebene zu unterscheiden.

Manche Älteren von uns erinnern sich noch an die demokratischen Titanen zu Anfang unserer Bundesrepublik, die sich in Bonn die größten und wildesten Wortgefechte lieferten, nur um sich im Anschluss wieder zum Kartenspiel und ein paar Alkoholika zu versammeln. Unbedarftere Zeitgenossen sahen dies als ein falsches Spiel an — weit gefehlt!

Selbst beim Militär wurde großer Wert darauf gelegt, geflissentlich die Unterschiede bei den Ebenen und Rollen zu bewahren — ganz besonders in der Kommunikation. Man schuf sogar eigene Zonen, um dort nach gewaltigen inhaltlichen Auseinandersetzungen die Beziehungsebene zu stärken; dort war es verboten, „den Dienst“ mit hineinzubringen. Allerdings konnte ich gerade dort über die Jahrzehnte hinweg den Zerfall unserer eigenen Kultur ganz gut miterleben.

Und so zerfällt so langsam aber sicher nicht nur das Schriftliche in unserer Gesellschaft, damit einhergehend zerfällt auch unsere Sprache immer weiter und ganz folgerichtig auch das Gehirn und Gedächtnis unserer Gesellschaft.

Sondern es ist es auch nicht mehr weiter verwunderlich, dass immer weniger Mitbürger zwischen einer inhaltlichen und einer Beziehungsebene unterscheiden oder gar die unterschiedlichen Rollen, die ein Mensch einnehmen kann, erkennen können oder noch erkennen wollen.

Allerorten werden notwendige Unterschiede nivelliert und auf dem Altar einer Gleichmacherei geopfert. Und so fällt es schon gar nicht mehr auf, dass man inzwischen Globuli und Hokuspokus neben immer wortgewaltigeren, aber nichtssagenden Anglizismen zur Wissenschaft verklärt und dafür ganze (Bildungs)Parks einrichtet.

Kommunikation findet fast nur noch auf der Beziehungsebene statt, die Rollen wurden bereits auf zwei reduziert: Verbraucher und Macher — was man auch immer darunter verstehen möchte — und wir müssen uns alle lieb haben, am besten in einer Unisex-Form. Am allerbesten aber unseren Großen Bruder, der bekanntlich dann auch schnell wechseln kann — was uns allen inzwischen aber völlig egal sein dürfte.

Denn wir schwimmen nun alle in derselben Suppe, einer Suppe, die bereits vorab ganze Gesellschaften in Afrika, der arabischen Welt und Asien ruinierte, und greifen sogleich verstärkt zum Messer, wenn einer einen nicht lieb hat: Wir sind alle gleich! Und wer nicht, der wird weggemetzelt.

Dabei waren es doch die kleinen, aber feinen Unterschiede, die unsere westlichen Gesellschaften erst zum Erfolg führten — und auch die Möglichkeit, aus seinem eigenen Leben das machen zu dürfen, was man selber wollte.

„Je nach der Lage des Staates und den Fügungen des Schicksals werden wir vorankommen oder auf der Strecke bleiben, jedenfalls werden wir tätig sein und nicht der Furcht unterliegen und dadurch in Reglosigkeit verfallen. […] Wenn du aber in eine weniger günstige Lage des Staates gerätst, musst du dich mehr ins Privatleben zurückziehen und dich mit der Wissenschaft beschäftigen, wie auf gefahrvoller Seefahrt sofort einen Hafen anlaufen, nicht auf deine Entlassung warten, sondern von selbst zurücktreten.“

Seneca, De tranquillitate animi V 4–5