Auszeit

27.8.02024 5 (3)

Beitragsfoto: Auszeit | © Shutterstock

Populismus

In Heilbronn simuliert man wieder einmal Politik, dabei weiß jeder, dass man selbst mit bildschöner Symbolpolitik nicht weit kommt. Deshalb greifen OB und Gemeinderat lieber gleich zum Populismus — der hilft zwar auch nicht, heizt dafür aber die schlechte Stimmung im Land weiter an. Und sobald unsere Politiker ganz genau wissen, gegen wen man am erfolgreichsten hetzen kann, wird es kein Halten mehr geben.

Das Messerverbot ist so ein schönes Beispiel: es hilft überhaupt nichts, weil man weder ausreichend qualifiziertes Personal hat, um solche Verbote auch nur halbwegs annähernd durchsetzen zu können, noch lassen sich Täter von Verboten abschrecken. Und ich gebe Jürgen Maurer (Heilbronner Stimme, 27.8.2024: 21) voll und ganz recht, wenn er anführt, dass man mit solchen Verboten nur die Anständigen trifft und letztendlich damit drangsaliert.

Besser ist hier schon die Forderung, dass man die Nationalität und von mir aus gerne auch die Ethnie von Verbrechern öffentlich macht. Und gerade in Kriegszeiten, in denen wir uns aktuell befinden, müssen wir auch die Gefährder und potenziellen Terroristen öffentlich machen, damit sich unsere Bevölkerung langsam, aber sicher auf die kommenden Auseinandersetzungen vorbereiten kann — die ersten russischen Drohnen fliegen bereits bei uns.

Unsere Politiker werden später wieder völlig überrascht sein und von allem nichts gewusst haben.

Doof

Da fragt ein „Ossi-Blogger“ jüngst, ob sie denn alle doof seien. Ohne Frage wirken sich 57 Jahre purer Totalitarismus nicht nur auf den Einzelnen, sondern auch verstärkter auf die gesamte Gesellschaft aus. Sie sorgen zudem dafür, dass die kommenden Generationen noch mit einer Behinderung groß werden — auch für uns in der Bundesrepublik hinterließen die vorherigen zwölf Jahre schwerste Schäden, unter denen viel zu viele noch heute sehr leiden. Interessant dabei nur, wie viele Generationen es benötigt, bis sich dies wieder auswächst, wenn überhaupt.

Und so wäre es nur opportun gewesen, dass man 1990 allen Neudeutschen sofort und ganz automatisch einen Grad der Behinderung von 40 zugesprochen hätte. Man hätte damit auch die sogenannte Aufbauhilfe in bereits etablierte Bahnen lenken können und jeder hätte gewusst, woran er eigentlich ist. Die geistig und moralisch etwas Fitteren nutzten dabei ganz von alleine die erstbeste Gelegenheit und „flohen“ damals aus der Ostzone.

Jene, die im Gegenzug in den Osten wechselten, erhielten völlig berechtigter Weise eine Entschädigung. Nur hätte der Staat darauf achten müssen, dass sie sich nicht allzu lange in einem solchen Umfeld aufhalten — schon alleine der eigenen Kinder wegen (man kann dies gut und gerne mit Tschernobyl vergleichen). Zudem hätte man die gesellschaftliche Rehabilitation wissenschaftlich begleiten müssen, um festzustellen, ab wann ein Aufenthalt in den neuen Ländern sich nicht mehr so schädigend auswirkt.

All jene, die sich in den letzten Jahren nicht aus diesem Umfeld befreien konnten, sind nun meist selbst in einer Art Dauerschleife („Ossi-Blase“) gefangen und sorgen zudem dafür, dass die eigenen Nachkommen noch weiter geschädigt werden, zumindest so lange, bis der Totalitarismus halbwegs abgeklungen ist. Und wir „Wessis“ wissen dabei ganz genau, dass es selbst bei einer sehr kurzen Sucht immer wieder zu einem Flashback kommt! — ganz plötzlich sind auch bei uns Nazis wieder hoffähig und man lässt dem Nationalismus, Rassismus und Antisemitismus freien Lauf.

Deshalb bin ich noch heute ganz froh darüber, dass meine Familie und ich bereits 2002 den Osten Hals über Kopf verließen. Auslöser war unser Ältester, nämlich als er nach der Schule in einer 1. Klasse fragte, ob er ein böser oder ein guter Deutscher sei, wobei ihm seine Lehrer zuvor bereits die Antwort gegeben hatten.

Und so beantworte ich die Frage des obigen Bloggers einfach einmal: nein, nicht doof, aber sehr oft schwer behindert.

Nachtrag

Ralph Bollmann schreibt heute in der FAZ (27.8.2024, 8:23 Uhr), „Das Geld [gut 2 Billionen Euro!] hat dem Osten nicht geholfen.“ Wobei man erfährt, dass es für die „Ossi-Blase“ bereits den Fachbegriff der „Ossifikation“, einer pathologischen Verknöcherung, gibt.

Wenn man davon ausgeht, dass Journalisten gerne ein Blatt vor den Mund nehmen, dann ist meine obige Einschätzung doch nicht so falsch.

[https://iiics.org/h/20240827081100]

Weltuntergang

Der Weltuntergang ist nicht nur ein Teil unseres Lebens, sondern das Leben an sich. Das wirklich Besondere dabei ist die Geburt, der Schöpfungsakt. Danach sterben wir allesamt nur noch, egal ob einzelne Zelle, Mensch oder Galaxie. Manche von uns nutzen den Zeitraum dazwischen, um zu wachsen, manch andere genießen den Augenblick und noch andere nerven einfach nur. Aber egal was wir auch machen, sterben müssen wir alle.

Detlef Stern hat sich gestern diesem Thema in einem eigenen Blog-Beitrag angenommen und zieht für sich das Fazit: „Den Weltuntergang wird man damit so oder so weder verhindern noch angenehmer gestalten.“

Und so wie uns die unzähligen, sich ständig ereignenden Untergänge egal sind, außer man ist gerade einmal selbst davon betroffen, so wird sich auch kaum jemand um unseren eigenen Weltuntergang scheren. Glücklich jener, der sich dabei mit seinem eigenen Untergang abfinden kann.

Detlef Stern greift in seinem Beitrag noch die Frage auf, was man eigentlich so bis zum eigenen Ableben machen könne. Da er davon ausgeht, dass wir allesamt in einer Infrastruktur leben, schlägt er vor, dass wir unsere Zeit dazu nutzen, um diese Infrastruktur ein klein wenig besser zu machen.

Im Gegensatz zu ihm sehe ich den Weltuntergang aber nicht als Zeitpunkt an, von dem kaum einer weiß, wann es ihn selbst treffen wird, sondern als einen gewöhnlichen, allgegenwärtigen und immer währenden Vorgang, nähere mich damit wohl ganz ungewollt den besagten ersten Christen an und beschreibe das eigene Leben als „Geburt – Sterben – Tod“. Diesbezüglich habe ich bereits einmal über die Zeit geschrieben, die man gut und gerne durch das Wort „Sterben“ ersetzen kann. Ich erinnere dabei nochmals an das Gedicht von John Wilkes; wobei die Franzosen gerne vom „la petite mort“ reden.

Und so sollte uns der Weltuntergang nicht so sehr beschäftigen, dann eher die kurze und spannende Zeit davor. Ganz im Gegenteil, wir sollten uns eher fragen, wie es überhaupt beständig zu Schöpfungsakten kommt. Eine Antwort darauf werden wir wohl nie erhalten und so bleibt uns nur zu hoffen, dass wir unsere eigene Endlichkeit so schnell wie möglich erkennen und uns zu fragen beginnen, was wir mit dem verbliebenen Rest unseres Daseins (Martin Heidegger) machen wollen.

„Am angenehmsten ist das Lebensalter, das sich zum Untergang neigt und dennoch nicht jäh absinkt; und selbst jenes, das an der Schwelle des Todes steht, hat, so meine ich, seine eigenen Freuden; oder es tritt gerade das an die Stelle der Freuden, sich nach keinen mehr zu sehnen. Wie angenehm ist es, die Leidenschaften müde gemacht und hinter sich gelassen zu haben.“

Seneca, 1. Buch, 12. Brief (2018: 71)

Neckar

26.8.02024 5 (7)

Beitragsfoto: Neckar

Vermischtes

Erst Deutschland an die Wand fahren und ausverkaufen, dabei Polizei und Bundeswehr völlig herunterwirtschaften und nun in der Opposition bei jeder Gelegenheit den Nationalismus heraushängen — Politik müsste besser gehen!

Da war dann nach dem kurz in die aktuellen Nachrichten schauen die Übungsstunde Paso doble doch um einiges angenehmer. Und so nahm das Wochenende noch ein sehr angenehmes Ende.

Am Samstag habe ich mich bei Erich Kästner festgelesen. Seine Gedichte sind weiterhin meine Favoriten, den kleinen Grenzverkehr habe ich mir nun aber wirklich zum letzten Mal gegeben.

„Nichts bleibt, mein Herz. Bald sagt der Tag Gutnacht.
Sternschnuppen fallen dann, silbern und sacht,
ins Irgendwo, wie Tränen ohne Trauer.
Dann wünsche Deinen Wunsch, doch gib gut acht!
Nichts bleibt, mein Herz. Und alles ist von Dauer.“

Mit der letzten Strophe aus der August (1955) beende ich meinen Rückblick für heute.

Spaziergang

Ein wunderschöner und entspannter Spaziergang führte erst an den Neckar, dort entlang bis zum BUGA-Stegende, dann in den Bildungscampus und wieder zurück durch die Fußgängerzone.

Überraschend wenige Fußgänger waren unterwegs, und so konnte ich die vielen Neubauten auf der Strecke ganz ungestört bewundern. Überraschend auch, dass die Fauna am Neckar sehr dürftig war — sind wohl alle noch im Urlaub. Ach ja, die Teiche im Neckarbogen fangen zu stinken an, könnte am Müll liegen, der sich dort so langsam aber sicher sammelt; deswegen wohl auch die Schaumentwicklung am Abfluss hin zum Neckar.

Dafür war die Fußgängerzone in einem besseren Zustand, man kann einfach nicht alles haben. Und da ich schon immer gerne Flaggen gucke und zähle, gleich noch der heutige Stand: Europa 0, Russische Kriegsflagge 1. Wir holen uns nicht nur einfach die falschen Menschen ins Land, sondern unser Gemeinderat setzt dazu noch die völlig falschen Anreize!

Über Ecke

Als „Splitterbrötchenleser“ wurde ich von Chris Kurbjuhn darauf aufmerksam gemacht, dass Jan Fleischhauer wieder einmal etwas Nettes geschrieben hätte.

Da musste ich selbstverständlich mal auf den Focus rauf, ein Magazin, das bereits mit seiner ersten Ausgabe seine völlige Überflüssigkeit nachwies und sich spätestens seitdem der Spiegel auch nicht mehr das ist, was er einmal war, noch überflüssiger gemacht hat.

Aber wieder zurück zu Jan Fleischhauer, der bei beiden Magazinen sein Geld verdiente. Er fragt sich in seiner Kolumne: „Was ist schöner als eine ordentliche Beleidigung?“ (Samstag, 24.8.2024, 11:40 Uhr) und führt weiter an, dass eine Beleidigung den Blick fürs Detail schärfe.

Ich halte seine Argumentation für stimmig und würde mich freuen, wenn man sich auch einmal in unserem Gemeinderat ein paar vernünftige Gedanken macht. Bisher führte das Denken im Gemeinderat nur dazu, dass man ein Nazi-Porträt aufhängte und mit Wladimir Putin ewige Freundschaft (aka Städtepartnerschaft) schloss.

Vielleicht ist es deshalb ganz gut, dass so manche Gremien, die man einfach haben muss, dann halt nur so da sind — was ich zudem einmal näher betrachten könnte, wenn ich wieder einmal über Opportunitätskosten referiere.

„You don’t need to be a prisoner of dead old men who stopped learning two thousand years ago.“

The Daily Stoic (2016: 254)

Allee

23.8.02024 5 (8)

Beitragsfoto: Allee

Wochenende

Erfreulich das Käffchen mit Detlef Stern heute Morgen. Es ging um Zettelkästen, Künstliche Intelligenz und weitere Themen, die uns beide interessieren. Was mich daran erinnert, dass ich noch mein Seminar vorbereiten muss. Auch bei meiner Vorlesung sollten einmal die Folien zumindest etwas aufgehübscht werden; als Student schmunzelte ich noch darüber, dass man so manchen Overheadfolien der Professoren ihr Alter ansehen konnte. Heute bei der Vorbereitung von Vorlesungen erwische ich mich immer öfters dabei, dass ich die alten Folien weiterhin für ganz gelungen halte bzw. als für die Situation ausreichend wiederverwende.

Da ich eigentlich kein Freund von Folien und schon gar nicht von Powerpoint bin, wäre der folgerichtige Schritt, dass ich ganz auf solche Dinge verzichte. Beruflich und bei der Vereinsarbeit nutze ich schon sehr lange keine solchen Hilfsmittel mehr. Am liebsten stelle ich die Bilder im Kopf der Zuhörer oder arbeite gleich mit diesen am „lebenden Objekt“. Für Detlef Stern wäre dies wohl agiles Studieren.

Und so stellt sich mir tatsächlich die Frage, ob ich dann nicht gleich meine Vorlesungen insgesamt auf ein neues Level bringe. Da ich aber nicht sagen kann, wie dies von den betroffenen Studenten aufgenommen würde, verhalte ich mich ganz automatisch so wie meine eigenen damaligen Professoren. Vieles besteht auch heute noch meist aus Nachahmung — bewusst oder unbewusst.

Vermischtes

Sobald man anderer Meinung als die Gaffenberg-Mafia ist, hat man in Heilbronn einen schweren Stand. Das musste nun auch eine Security-Firma feststellen. Diese war eigentlich nur als private OB-Show und zur üblichen Verschwendung von Steuergeldern angeheuert worden, machte aber den Fehler, sich dabei falsch über unsere Stadt zu äußern — den Job ist sie nun los.

Nun dürfen sich wieder ein paar CDU-Stadträte über die unzähligen Messerstecher in der Innenstadt aufregen und damit ihr einfacher gestricktes Klientel bedienen. Was sie dem SPD-OB im Gegenzug zugebilligt haben, werden wir so schnell nicht erfahren.

Erfreulich heute beim Spaziergang, wie schnell die Stadtverwaltung reagieren kann, wenn nur die richtigen Heilbronner einen Wunsch haben. Zum ersten Mal konnte ich die Allee als Parkplatz erleben und am helllichten Tag hoch und runter spazieren. Wobei damit so ganz nebenbei der Beweis angetreten wurde, dass man die Kernstadt insgesamt zur Fußgängerzone ausbauen und die Allee verkehrsberuhigen kann.

Auch der Kiliansplatz war sehr schnell von allen Auflagen befreit und kein Mensch kümmerte sich mehr um Flucht- und Rettungswege oder falsch gestellte Stände, Bühnen oder Buden. Über dreißig Jahre lang habe ich mich selbst diesbezüglich mit städtischen Mitarbeitern herumgestritten und dabei immer den kürzeren gezogen. In Heilbronn sind manche halt schon immer gleicher als andere — ich tippe einmal auf die Hasenmahlgesellschaft.

Dafür konnte ich heute den einen oder anderen Angestellten der Stadt belächeln, die im Lidl-Shirt durch die Stadt stolzierten; dabei verdienen die städtischen Mitarbeiter eigentlich gar nicht so schlecht.

Aktuell fragen sich viele Bürger, warum in den neuen Bundesländern so viele antidemokratisch wählen. Ein Grund könnte sein, dass nach der Wende nicht nur viele Raubritter in den Osten wechselten, sondern noch mehr Verwaltungsbeamte und Politiker, die bei uns keiner mehr haben wollte. Und diese haben den Osten in den letzten gut drei Jahrzehnten gesellschaftlich und politisch einfach abgewirtschaftet. Als ich vor gut zwanzig Jahren selbst in Sachsen lebte, hörte ich zwar die Signale meiner dortigen Mitbürger, habe sie aber — da viel zu blauäugig — nicht verstanden!

Und wenn wir in Heilbronn so weitermachen, dann zerstören wir auch noch unsere eigene Stadt: Demokratie ist einfach kein Selbstbedienungsladen für Volksvertreter und deren Vettern und Parlamente sind kein Tummelplatz für Tunichtgute!

Letzter Tag

Highlight des Tages ohne Wenn und Aber ist die Rede von Kamala Harris. Sie hätte es verdient gehabt, dass ein paar mehr gewichtige Showbiz-Promis zur Convention kommen. Die hatten wohl Sorge, dass ihre Einkommen künftig geringer ausfallen werden, wenn sie sich für Demokratie und die Zukunft der USA aussprechen.

Erfreulich, dass gleich mehrere US-Republikaner auf der Democrat National Convention sprachen, einen möchte ich dabei etwas hervorheben, denn Adam Kinzinger war bereits Thema hier im Blog. Ist es schon schwer, vor vielen Menschen zu sprechen, so ist es sicherlich schwieriger, vor sehr vielen Mitgliedern der gegnerischen Partei zu sprechen. Ich finde, dass Adam Kinzinger einen guten Job gemacht hat.

So viel Größe ist bei unseren eigenen Politikern wohl kaum zu finden. Ich hoffe nun darauf, dass die Republikaner die richtigen Politiker in ihren Reihen berücksichtigen werden, sobald sie von der Krankheit Donald Trump geheilt sind. Es wäre sicherlich sehr bedauerlich, wenn die GOP an Verbrechern wie Trump in Gänze zugrunde geht!

„I’ll never be ashamed to quote a bad writer with a good saying.“

Seneca, On Tranquility of Mind, 11.8