Kontrollraum eines Senders

Mediatheken 5 (7)

Beitragsfoto: Kontrollraum eines Senders | © Shutterstock

Spätestens mit dem Aussterben meiner Generation wird das sogenannte lineare Fernsehen mit tot sein. Umso mehr werden die Mediatheken an Bedeutung gewinnen.

Eine gute Gelegenheit, um für ein paar Mediatheken zu werben.

ARD Mediathek

Die ARD Mediathek und die ARD Audiothek sind Gemeinschaftsangebote der in der ARD zusammengeschlossenen Landesrundfunkanstalten. Dort nicht mehr verfügbare Angebote sind ggf. kostenpflichtig — neben den üblichen Rundfunkgebühren — bei ARD Plus zu finden.

ARTE Mediathek

ARTE bietet eine Vielzahl an Inhalten auf der Plattform arte.tv, im TV und in den sozialen Medien. Das gesamte Programm einschließlich der Mediathek ist in Deutschland, Frankreich und ganz Europa frei verfügbar.

ZDF Mediathek

Auch die Nutzung des ZDF Programms einschließlich seiner Mediathek ist in Deutschland mit den obligatorischen Rundfunkgebühren abgedeckt.

Erschreckend dabei ist es allerdings, dass man mit diesen Mediatheken gerade einmal ein Drittel unserer Bevölkerung erreicht (so vom ÖRR mithilfe verschiedener Erhebungs- und Messmethoden erfasst).

Erfreulich, dass man durch eine weitere Vernetzung versucht, wenigstens den interessierteren Bürgern weitere Angebote zugänglich zu machen. So hat das Netzwerk Mediatheken seit seiner Gründung im November 2000 erheblich dazu beigetragen, dass ganz unterschiedliche bundesdeutsche Institutionen bei der Sicherung, Bewahrung und Erschließung audiovisueller Quellen zusammengearbeitet haben. Audiovisuelles Material soll für Bildung, Wissenschaft, Forschung, Lehre und Kunst bereitgestellt und gleichzeitig auch interessierten Bürgern der Zugang zu diesen dezentralen Mediensammlungen erleichtert werden.

Bereits 1997 versuchte man auch auf europäischer Ebene einer interessierten Öffentlichkeit Bild-, Text-, Ton- und Video-Dateien zugänglich zu machen. Daraus entstand das heutige Europeana, das den Unionsbürgern Europas digitales Kulturerbe zur Verfügung stellen soll.

Letztendlich aber ist es wie immer, jene die sich kundig machen wollen, können dies auch, in der heutigen Zeit sicherlich einfacher als jemals zuvor. Die Frage bleibt, warum nicht mehr Bürger von diesen Angeboten Gebrauch machen?

Ein weitere Frage ist, warum gerade jene, die von diesem Angebot kaum bis gar keinen Gebrauch machen, dieses Angebot auch noch vehement ablehnen?

Die dritte Frage ist, auf was für Angebote die Bevölkerungsmehrheit zugreift und worin deren Vorteile im Vergleich zu den Angeboten des ÖRR liegen?

Kommerzielle Anbieter werden sicherlich eher den Mainstream bedienen wollen und dies sicherlich auch besser können. Allerdings dann auch mit der immanenten Gefahr für weniger kritische Bevölkerungsteile, dass diese so ganz nebenbei indoktriniert werden und dies gerade von jenen Gruppen, die kaum einer öffentlichen Kontrolle unterliegen.

Und so kann man ohne Wenn und Aber die ÖRR Mediatheken als letzte Verteidigungslinie unserer Demokratie ansehen; allerdings nicht wegen ihren Soap-Operas oder „Kulturfilmen“ à la Tatort und anderen Scheußlichkeiten, sondern wegen jenen Angeboten, die den Bürgern Bildung, Politik und Kultur vermitteln, möglichst neutral wie auch umfassend Nachrichten und Informationen zur Verfügung stellen und zudem dabei auch noch die Meinungsvielfalt in einer offenen Gesellschaft aufzeigen.

„Within a democratic system, general elections are a most effective instrument to insure the steady maintenance of fraction σ [of stupid people] among the powerful.“

Carlo M. Cipolla, The BAsic LAws of HUman Stupidity (2011: 48)

Tiefbahnhof

19.10.02024 5 (5)

Beitragsfoto: Tiefbahnhof

Stuttgart 21

Im Gegensatz zu den Neckarschleusen wird der Stuttgarter Eisenbahnknoten, ob nun digital oder nicht, nach gut drei Jahrzehnten bald ein halbwegs versöhnliches Ende finden. Die Gäubahn soll nun doch in ein paar weiteren Jahren gerettet werden, ganz im Gegensatz zur Frankenbahn, die nicht einmal mehr in den Vorträgen Erwähnung findet — wer möchte schon in den Norden Württembergs bzw. nach Franken gelangen?

Auf alle Fälle aber konnte ich mir gestern einen guten Eindruck über den neuen Stuttgarter Hauptbahnhof verschaffen — richtig beeindruckend! Auch wenn ich diesen Bahnhof inzwischen nicht mehr als Berufspendler benötige, wird es sicherlich eine Freude sein, wenn man später einmal dort ein- und wieder ausfährt.

Glaubensfrage

In Afrika ist der Genuss von alkoholischen Getränken schon längst geregelt, denn selbst eine Flasche Bier wird erst am Tisch geöffnet. Bei uns ist der Genuss von Wein, Bier und anderen Spirituosen weiterhin eine Glaubensfrage. Vor ein paar Jahren habe ich mich bereits etwas detaillierter zum Whisky geäußert und bin auch heute noch davon überzeugt, dass man bei uns einen etwas besseren Wein gut kennen muss, um ihn auch in einem Restaurant genießen zu können.

Gestern wollte ich einen gelungenen Abend noch mit einem Glas Moët & Chandon beenden. Als der Schichtführer des Restaurants unsere erstaunten Gesichter bemerkte, versuchte er noch schnell nachzusteuern und präsentierte uns neue Gläser; deren Inhalt mich eher an einen Asti Spumante erinnerte — damit war der Abend endgültig im Eimer.

Lustig, dass er sich dann auch noch über das zu geringe Trinkgeld mokierte, wobei ich dabei nur den Preis für zwei nicht getrunkene Gläser Champagner „abzog“.

Apropos Glaubensfrage, etwas erstaunt war ich am Morgen, als ich erfuhr, dass es Berufsschulklassen gibt, wo angehende Banker noch Religion büffeln müssen; einmal davon abgesehen, dass die meisten der Schüler Muslime oder Atheisten sind. Wobei deren wichtigstes Anliegen nicht eine sinnvollere Ausbildung, sondern einfach nur eine Viertagewoche bei vollem Lohnausgleich war.

Auszeit

Den 67. Bundeskongress der EUROPA-UNION in Stuttgart nutze ich für eine kleine Auszeit. Das Ganze wird mir durch ein paar sehr erfreuliche Restaurantbesuche versüßt. Bereits am Donnerstag konnten meine bessere Hälfte und ich mit ein paar Berliner Föderalisten speisen, wobei einige von uns das hervorragende Wiener Schnitzel im Carls Brauhaus wählten.

Am Folgetag sicherten wir uns einen Platz in der Alten Kanzlei; dort überzeugte mich der Sauerbraten. Den geschmacklichen Höhepunkt des Tages stellte allerdings das Malo sicher, dessen Beef Tatar mich richtig erfreute, gleich gefolgt von einem selbst gemachten Lava Cake zum Ende des Abends.

„Whether you lock yourself in a monastery or decide to spend the rest of your life in the company of beautiful and lascivious women, you always have to face the same percentage of stupid people — which percentage (in accordance with the First Law) will always surpass your expectations.“

Carlo M. Cipolla, The BAsic LAws of Human Stupidity (2011: 26)

Müllbehälter

Probleme 4.6 (9)

Beitragsfoto: Müllbehälter | © Selena Gallagher auf Pixabay 

Während die Studenten in meinem Seminar weiterhin verzweifelt nach Problemen suchen, die man dann auch als Grundlage für eine Seminararbeit nehmen könnte, strömen mir selbst die Probleme einfach nur so zu. Inzwischen habe ich es mir sogar abgewöhnt, von Herausforderungen zu sprechen, denn damit könnte man dem Ganzen doch noch etwas Positives abgewinnen.

Inzwischen bin ich bereits so weit, dass ich die Probleme erst nach Dringlichkeit und Konsequenzen vorsortiere, bevor ich überhaupt noch dazu komme, nach geeigneten Lösungen zu suchen. Und dabei wäre es meist überhaupt nicht meine Baustelle, sondern es gehört ins PAL-Feld, nämlich dem „Problem anderer Leute“. Leider ist es manchmal dabei nicht so einfach, wie man es selbst gerne hätte, denn man macht bei uns immer öfters seine eigenen Probleme zum Problem anderer Leute — und dies ganz egal, ob im Studium oder im „echten Leben“! Ein umgekehrtes PAL-Feld sozusagen.

Ich vermute, dass, wenn ich mein positives PAL-Feld plötzlich mit den negativen anderer Leute zusammenbringe, dann genau das geschieht, was viele Wissenschaftler beim Aufeinandertreffen von Materie und Antimaterie vermuten — der Physiknobelpreis wäre mir wohl sicher.

Und so arbeite ich weiterhin die Probleme anderer Leute ab, eins nach dem anderen, und kann mich nicht einmal daran erfreuen, dass meine ganz eigenen Probleme eher in die Kategorie „Problemle“ gehören.

Nachtrag

Für den Fall, dass doch ein paar Studenten hier vorbeischauen. Dies wäre ein Vortrag von Felix von Leitner zum Thema „Sollen wir in die Cloud gehen?“ — könnte für das Seminar durchaus hilfreich sein.

Passend zum Thema habe ich sogar noch ein Ölgemälde gefunden, das Franz Sedlacek bereits 1933 gemalt hat und den Namen „Geister im Baum trägt“. Sedlacek kannte weder PAL-Felder noch die Cloud, dennoch hatte er eine Vorahnung von beidem.

„Es gibt nur einen Wert, der Grund und Sicherung eines glücklichen Lebens ist, Vertrauen zu sich selbst.“

Seneca, 4. Buch, 31. Brief (2018: 217)