Mittelmeer

Europa ist keine Insel 5 (4)

Beitragsfoto: Mittelmeer | © 8926 auf Pixabay

Eigentlich eine Tatsache, die erstaunlicherweise von vielen heutigen Mitbürgern immer öfters angezweifelt wird. Warum dies so ist und welche Konsequenzen man aus dieser Tatsache ziehen müsste, ist das Thema dieses Beitrages. Einige der von mir angebrachten Argumente wurden bereits in vorangegangenen Beiträgen wie Gedanken zur Migration (2019), Migrationsbewegungen (2015) oder auch Mittelmeerdrama (2015) aufgeführt. Dabei sind die Ursachen für all diese für uns heute scheinbar zu großen Herausforderungen, so alt wie die Menschheitsgeschichte selbst und waren deshalb bereits auch Thema in einem meiner ersten Beiträge zur Integration (2005) und bestimmen wohl auch den Großteil meiner weiteren Gedankengänge auf dieser Website.

Migration gehört zum Menschen wie Egoismus, Neugierde oder Appetit; ohne Migration gäbe es uns Menschen heute nicht. Migration findet immer statt und wird von den meisten Menschen wohl nur dank unserer begrenzten Lebenszeit und selektiven Wahrnehmung kaum bemerkt.

Wir Menschen wandern schon immer einmal langsamer oder auch etwas schneller in Regionen ab, von denen wir uns mehr für uns selbst versprechen. Seit ein paar Tausend Jahren stoßen wir dabei auch immer wieder und heutzutage unvermeidlich auf andere Menschen, die bereits vor Ort leben.

Dass dies nicht immer zum Vorteil der ursprünglich dort lebenden Menschen ist, können die sogenannten „Ureinwohner“ aus Amerika oder Australien berichten, deren Vorfahren Opfer des Rechts des Stärkeren wurden und die es selbst heute noch sind. Diese Tatsache ist kaum zu leugnen und verdiente einen eigenen Beitrag. Wichtig für uns dabei ist, zur Kenntnis zu nehmen, dass wir „Europäer“ über Jahrhunderte hinweg die anderen Menschen verdrängten, beherrschten oder ausbeuteten.

Eine weitere Tatsache ist und deren Leugnung wird unser aller „Todesurteil“, nämlich dass wir „Europäer“ insgesamt von ehemals gut 30 % der Weltbevölkerung heute kaum noch 5 % stellen, wobei darin schon die Wanderungsbewegung der letzten Jahrzehnte nach Europa hinein Berücksichtigung fanden.

Die Leugnung der Tatsache, dass wir Europäer, so wie es uns heute noch gibt, ein Auslaufmodell sind, hilft nur denjenigen, die dieses Ende nicht mehr miterleben werden und die bis zum Schluss ihrer eigenen Existenz alleine nach dem Motto „Nach mir die Sintflut gelebt haben“ (1). Gerade diese Mitbürger verdienen solche „Fürsorge“ nicht, welche zudem in der Behauptung gipfelt, dass Europa eine Insel sei, die sich auch noch ausschließlich um diese Menschen selbst dreht.

Den Anfang vom Ende des alten Europas kann man an zwei Ereignissen festmachen. Zum einen an der weiteren und kontinuierlichen Auswanderung von Europäern in Gebiete, die diesen mehr versprechen, und zum anderen an der von uns Europäern selbst herbeigeführten Situation des gegenseitigen „Ausblutenlassens“, welche von 1914 bis 1945 dafür sorgte, dass alle europäischen Völker so geschwächt aus diesen Kriegen herauskamen und fortan in der Weltgeschichte nur noch eine Nebenrolle spielen.

Seit dieser Zeit ist es auch offensichtlich, dass wir „alten Europäer“ immer weniger werden und seit spätestens den 1970er-Jahren ist es eine Tatsache, dass die Geburtenrate bei Weitem nicht mehr ausreicht, um unsere ursprünglichen Völker, wie wir sie aus dem 19. und 20. Jahrhundert kennen, am Leben zu erhalten. Man muss inzwischen auch davon ausgehen, dass diese Situation unumkehrbar, also irreversibel ist.

Damit schufen wir aber ein „Vakuum“, welches bekanntlich dazu führt, dass andere verstärkter nachdrängen, zumal es Gebiete sind, die immer noch mit zu den attraktivsten unserer Welt gehören.

Zudem ziehen wir seit spätestens der 1950er-Jahre immer mehr Menschen erst aus den europäischen Randgebieten und inzwischen aus der gesamten Welt zu uns, um unsere Produktion und unseren Lebensstandard aufrechtzuerhalten sowie auch, um unsere Renten und Pflegebedürfnisse im Alter zu sichern.

Das Problem dabei ist nicht der unvermeidliche Zuzug von Menschen aus anderen Gebieten in unsere Heimat, sondern die Art und Weise, wie wir mit Migration, Integration, Assimilation oder auch Inklusion umgehen.

Um auch die letzten Egomanen aus ihren Träumen zu reißen, es gibt keinen Zaun, Mauer oder Graben, der Menschen davon abhalten kann, die Kirschen in Nachbars Garten zu pflücken. Auch werden 5 % der Weltbevölkerung selbst mit Waffengewalt den Rest nicht davon abhalten können, in Gebiete zu ziehen, die sie für attraktiver als ihre eigenen Ursprungsregionen halten.

Einzig und alleine helfen würde, unsere Heimat so unattraktiv zu machen, dass keiner mehr kommen möchte, was aber dazu führt, dass wir dann selber alle „rübermachen”, wohin auch immer. Und letztendlich kämen dann doch andere Menschen, die die Chance ergreifen und ihre eigenen Träume in unserer dann ehemaligen Heimat verwirklichen.

Deshalb müssen wir alle erkennen, dass sich die Welt weiterdreht, mit oder auch ohne uns und Menschen dabei weiter in Gegenden ziehen werden, die ihnen attraktiver erscheinen.

Deshalb müssen wir uns auch wieder daran erinnern, dass wir bereits zwischen 1944 und 1947 die Grundlagen schufen, wie wir mit diesen Gegebenheiten umgehen können und müssen, um letztendlich auch für uns selber eine Welt zu schaffen, die weiterhin lebenswert ist und uns dereinst nicht in das Schicksal führen wird, welches wir anderen Menschen z. B. in Amerika und Australien angedeihen ließen.

Deshalb müssen wir uns zudem an die Verträge erinnern, die wir der Welt maßgeblich mit diktiert haben und die nicht nur das Überleben für alle, sondern auch Wohlstand zumindest für die meisten von uns sichern sollen; darunter sind auch die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte (1948) und für keine 10 % der Weltbevölkerung die europäischen Grundrechte (2009).

Mit dem NATO-Vertrag (1949) konnten wir Europäer uns vor der feindlichen Übernahme durch die Sowjets retten, die uns alle zu reinen Arbeitssklaven gemacht hätten, und der weiter sicherstellt, dass wir Europäer nicht von den derzeitigen und auch kommenden Weltmächten dominiert werden.

Mit den Römischen Verträgen (1957) haben wir Europäer uns darauf geeinigt, dass wir zum einen die Europäische Integration voranbringen, um durch Kooperation und Effizienzgewinne unseren Völkern im wahrsten Sinne des Wortes das Überleben zu sichern, und zum anderen durch eine verantwortliche Unterstützung Afrikas – und auch anderer Weltteile – diese durch eine Stärkung vor Ort letztendlich auch davon abhalten, unkontrolliert nach Europa zu migrieren.

Mit den Vertragsabschlüssen waren sich alle Unterzeichner darin einig, dass es Europa gelingen wird, sich von den nationalistischen Katastrophen zu erholen und auch weiterhin seinen Platz in der Welt, dieses Mal aber als gleichberechtigter Partner zu erhalten. Darüber hinaus waren sich die Unterzeichner sicher, dass wir in einer gemeinsamen Welt jedem Volk seinen Platz sichern können und der zukünftige Europäische Bundesstaat auch größere Migrationsbewegungen steuern und koordinieren können wird.

Leider haben sich wider allen Erwartungen in Europa die Nationalisten nach den ersten Erfolgen der europäischen Integration erneut durchgesetzt und dafür gesorgt, dass nicht nur die europäische Einigung verlangsamt und bereits auch schon revidiert wird, sondern auch die Unterstützung zur Entwicklung der anderen Weltregionen auf das absolut Nötigste reduziert wurde.

Damit wird der „Migrationsdruck“ auf Europa immer stärker, und die Möglichkeiten Europas, gemeinsam darauf zu reagieren, sind nicht geschaffen worden. Dies führt gerade wieder zu der aktuellen Situation und wird spätestens in ein paar Jahren von uns nicht mehr zu kontrollieren sein. Dann sind wir Europäer zumindest ein Teil des Problems und andere werden unsere Geschicke zukünftig steuern. Ob diese dann uns gewähren werden, was wir ihnen immer verweigert haben, bleibt zu bezweifeln.

Falsch ist, am Mythos der „Insel Europa“ und der Überlegenheit seiner Bewohner festzuhalten.

Katastrophal für uns alle ist, dass Politiker dieses Mythos zu einer einzigen Lüge aufbauschen und der Bevölkerung versprechen, durch Grenzschließungen, Schießbefehle und Deportationen ihre so geliebten Länder erhalten zu können, Länder, die es faktisch schon längst nicht mehr gibt und welche nur noch am Tropf der Europäischen Union und der Weltbank hängend am Leben erhalten werden.

Richtig ist, dass wir der sich nunmehr immer weiter zuspitzenden Situation dahingehend begegnen, dass wir anfangen, Verträge und Abmachungen auch einzuhalten, endlich den Bundesstaat Europa schaffen, auch wenn wir dabei auf einzelne Länder vorerst verzichten müssen.

Und weil sich inzwischen die Welt gut 70 Jahre weitergedreht hat und die Nationalisten damit auch den Schaden für unsere europäischen Völker weiter erhöht haben, müssen wir der jetzt auftretenden „Notlage“ gehorchend wie damals 1945 auch wieder die Initiative ergreifen und ganz folgerichtig wie auch konsequent weitergehende Ziele setzen:

  • Marokko muss ein Beitrittssignal bekommen,
  • der Türkei muss man den Beitritt unter ganz bestimmten Auflagen zusichern,
  • dem Magreb und auch dem Nahen Osten muss man eine Beitrittsperspektive geben.

Damit befrieden wir diese Regionen, sichern unsere aktuellen Gegenküsten im Süden, mindern den Migrationsdruck und können die notwendige Migration nach Europa wieder besser steuern.

Damit schaffen wir auch die Voraussetzungen, um Europa wieder in eine Größenordnung zu bekommen, die dann mit ca. 10 % der Weltbevölkerung auch eine langfristige Perspektive als eigenständige Entität mit eigenen Werten und Ideen haben wird. Ansonsten wird sich unser Europa in allgemeines Wohlgefallen auflösen und zukünftige Europäer werden auf uns zurückschauen, wie wir heute auf die alten Griechen.


(1) Diese Aussage stammt von Madame de Pompadour, die nach der Schlacht von Roßbach das Folgende sagte:

„Après nous le déluge.“

Madame de Pompadour (5. November 1757)

„Tout est dit, et l’on vient trop tard depuis plus de sept mille ans qu’il y a des hommes qui pensent.“

Jean de La Bruyère, Des Ouvrages de l’Esprit

Synagoge Heilbronn

Synagoge 5 (8)

Beitragsfoto: Synagoge (1900) | © Freundeskreis Synagoge Heilbronn e. V.

Von 1877 bis 1940 stand an der südlichen Allee die alte Heilbronner Synagoge, welche nicht nur durch ihren neo-orientalischen Stil überregionale Bedeutung erlangte.

In der Nacht vom 9. auf den 10. November 1938, der sogenannten „Reichskristallnacht“ zerstörten und schändeten Heilbronner die Synagoge, wobei sie auch nicht vor Mord und Totschlag an anderen Heilbronner Bürgern zurückschreckten.

Seit 1966 gibt es am Ende des Synagogenweges auf der Allee einen Gedenkstein, der am 5. Mai 1993 durch das Mahnmal „Kuppel“ der Künstlerin Bettina Bürkle ergänzt wurde.

Seit 2004 gibt es einen Freundeskreis Synagoge Heilbronn e. V., der einen Beitrag zur Begegnung von Juden und Nichtjuden in Heilbronn leisten möchte. Und seit 2009 gibt es auch eine Vorrichtung, um einen Chanukkaleuchter vor Ort aufzustellen.

Inzwischen sind mehr als 80 Jahre vergangen, und man könnte sich durchaus auch in Heilbronn darüber Gedanken machen, wieder eine eigene Heilbronner Synagoge zu errichten.

Es ist an der Zeit, dass wir Heilbronner darüber auch eine öffentliche Diskussion beginnen, wie und wo wir eine Synagoge für alle jüdischen Mitbürger und deren Besucher errichten. Zusätzlich könnte man dies mit einem entsprechenden Dokumentationszentrum verbinden, welches das dunkelste Kapitel unserer eigenen Geschichte weiter aufarbeitet und dabei zur interreligiösen Zusammenarbeit einlädt.

Auf jeden Fall müssen sich die Heilbronner schnell darin einig werden, wo sie eine neue Synagoge in Heilbronn haben möchten. Ich persönlich bin für den alten Standort am südlichen Ende der Allee.

Danach sollte die Diskussion darüber geführt werden, ob man die alte Synagoge zu neuem Leben erweckt oder ob man wie z. B. in Chemnitz (2002) und Ulm (2012) ganz neue und sehr markante Gebäude erstellt; bei beiden Eröffnungen durfte ich mit dabei sein und war sehr beeindruckt, was Architektur heute leisten kann.

Dabei kann man darüber diskutieren, ob man die neue Synagoge um ein eigenes Gemeindezentrum oder auch um ein Dokumentationszentrum ergänzt.

Zum Schluss bleibt dann noch die Diskussion darüber, wie man einen solchen Bau finanzieren kann und wie und über welchen Zeitraum hinweg man letztendlich das Projekt „neue Synagoge“ in Heilbronn realisiert.

Ich bin fest davon überzeugt, dass man gerade in der heutigen Zeit, wo Dummheit, Rassismus und Intoleranz wieder neuen Höhepunkten entgegenstreben, eine solche in der gesamten Heilbronner Gesellschaft geführte Diskussion, wobei auch über Verantwortlichkeiten gesprochen wird, für den Zusammenhalt aller Heilbronner sehr wichtig ist.

Was letztendlich dabei herauskommt, steht alleine in den Sternen, aber zeigt dann auch, wo wir Heilbronner uns selber einordnen und was wir noch gemeinsam auf die Beine stellen können.

Abzuwarten, bis es dafür Subventionen aus Europa oder vom Bund bzw. Land gibt, wäre sicherlich die falsche Wahl, denn wir Heilbronner könnten bestimmt weit mehr.

„Hope for a miracle. But don’t depend on one.“

TalmuD

Backsteinmauer

Tagespolitik 5 (1)

Foto: Backsteinmauer | © Pixabay

Es wird immer schwieriger miterleben zu müssen, wie verantwortliche Politiker sehenden Auges Land und Leute immer weiter gegen die Wand fahren.

Viele maßgebliche Politiker sind auch noch stolz darauf, dass sie „Probleme erst dann angehen, wenn diese von den ganz normalen Mitbürgern auch als solche letztendlich erkannt worden sind, und erst damit allgemein und von der Politik öffentlichkeitswirksam wahrgenommen werden“.

Die große Masse unserer derzeitigen Probleme sind bereits Jahrzehnte alt. Als Beispiele können Umwelt, Migration, Infrastruktur und Renten dienen. Selbst die jüngst sich abzeichnenden erneuten Flüchtlingsbewegungen sind hausgemacht.

Ja, dieses Aussitzen ist sogar zum politischen Credo, zumindest das der beiden Volksparteien, geworden, nämlich so lange abzuwarten, bis das Kind nicht nur in den Brunnen gefallen, sondern auch längst ertrunken ist, um dann möglichst tragisch „tätig“ zu werden, d.h. Unsummen von Steuergeldern in die Hand zu nehmen und mit der Behauptung einer „Alternativlosigkeit“ möglichst sinnlos aus dem Fenster zu werfen, nur um hinterher, egal wie – und dies dann auch rein zufällig – es auch ausgeht, behaupten zu können, dass man keine Kosten gescheut habe, um unser Land zu retten.

Der Vorteil für die Berufspolitik ist dabei offensichtlich, man kann möglichst lange an und für sich arbeiten und muss nur noch dann halbwegs tätig werden, wenn man erkennbare Folgen keinem anderen Politiker oder den Bürgern ganz allgemein in die Schuhe schieben kann; dabei ist das jahrelange hin und her Schieben von Verantwortlichkeiten schon symptomatisch.

Wie schon erwähnt, besteht zum Schluss die alleinige Kunst noch darin, die bestehende Problematik so lange weiter hinauszuzögern, bis jegliches Handeln, egal welcher Art und Weise, immer noch besser ist, als überhaupt gar nichts mehr zu machen.

Deshalb muss man daraus das Fazit ziehen, dass politische Verantwortungslosigkeit längst zur neuen Staatsraison geworden ist, und kann deshalb auch immer mehr verstehen, warum sich die Bürger nicht nur von der aktuellen Tagespolitik, sondern bereits auch von der Demokratie an sich abzuwenden beginnen.

Deshalb muss man auch erkennen, dass unsere Demokratie nicht an den Bernd Höckes oder Bodo Ramelows scheitert, sondern sich ganz alleine von innen heraus aushöhlt und zerlegt, und diese beiden Herren nicht die Ursache allen Übels, sondern bereits die ersten Auswirkungen des oben beschriebenen Übels sind.

Unsere derzeitigen Probleme und zukünftigen Herausforderungen wie auch mögliche Lösungsansätze liegen bereits seit Jahrzehnten vor. Es wäre wirklich an der Zeit, dass zumindest unsere Volksvertreter beginnen, sich mit diesen Problematiken einmal ernsthaft auseinanderzusetzen und ihren Wählern danach plausible, wenn auch für alle einschneidende Lösungsansätze präsentieren, über die dann in Wahlen und Abstimmungen entschieden werden kann.

Denn danach können andere Politiker mit einfacheren Parolen wie „Ausländer raus!“, „Privateigentum ist ein Verbrechen.” oder „Die Chinesen sind schuld.” bei den meisten Wählern nicht mehr punkten.


„And maddest of all, to see life as it is and not as it should be.“

Peter O’Toole als Don Quixote de la Mancha in Man of La Mancha (1972)