Trümmer

Realpolitik 5 (3)

Beitragsfoto: Trümmer mit Abrissbagger | © Michael Gaida auf Pixabay

Wie schön waren doch noch die Zeiten, als Europa unter dem Schutzschild der US-Amerikaner seine Realpolitik hemmungslos ausleben konnte. Bis zum Fall der Mauer war das Leben für uns Europäer doch so einfach, denn die Generationen, die erstmals unter dem menschengemachten (von uns Europäern hauptsächlich) Klimawandel leiden würden, waren noch nicht geboren und der „wirtschaftliche Erfolg“ konnte durch die Ausbeutung der Entwicklungsländer sichergestellt werden. Zudem konnte man dem Geburtenschwund dadurch ausgleichen, indem der Eiserne Vorhang dafür sorgte, dass nur hoch motivierte und überdurchschnittlich gebildete Menschen den europäischen Arbeitsmarkt verstärkten; der große, meist unnütze Rest blieb im Sowjetkommunismus weggesperrt.

Dann aber gab es doch eine wesentliche Änderung, denn zum einen fingen die Entwicklungsländer eins nach dem anderen an sich zu emanzipieren und die dortigen Menschen erkannten, dass man im vermeintlichen Schlaraffenland Europa doch besser leben könnte, und zum anderen fiel der Eiserne Vorhang, was beides dazu führte, dass es für uns Europäer nun Schluss mit lustig war. Verantwortliche Politik hätte gehandelt, unsere Berufspolitiker aber — ganz realpolitisch — verschleppen die sich anbahnende Misere nunmehr bereits seit gut drei Jahrzehnten. Das mit dem Klimawandel haben sie dabei sehr schnell in den Griff bekommen, denn die Polizeikräfte reichen aus, um die künftig darunter leidenden Generationen noch in Schach zu halten; so lange, bis dieses die Suppe dann selbst auslöffeln müssen.

Schwieriger war es schon bei den anderen Herausforderungen, die man — immer noch unter dem US-Schutzschild — dann aber ebenfalls ganz pragmatisch in den Griff bekam. Zuerst wirtschaftete man die Verteidigung herunter, danach den Bildungsapparat und zum Schluss die Infrastruktur, einzig und alleine, um den vermeintlichen wirtschaftlichen Erfolg und dabei vor allem die eigenen Pfründe zu erhalten.

Und als sich die totalitären Regime (Russland und China) wieder von ihrem Kalten Kriegs-Schock erholt hatten und nun ebenfalls ganz unzweideutig ihren Platz an der Sonne forderten, kam es 2008 zum Höhepunkt der europäischen Realpolitik, nämlich dem Merkel-Sarkozy-Pakt, der der Russischen Föderation erst Georgien, dann die Ukraine und später den Rest Osteuropas zusicherte, einzig und alleine, um dem „wahren Europa“ noch ein paar Jahrzehnte seinen wirtschaftlichen Erfolg zu garantieren. China wurde hingegen dadurch zufriedengestellt, dass man an dieses Land die europäischen Schlüsseltechnologien, eine nach der anderen verscherbelte.

Wirklich blöd dabei nur, dass sich die meisten Ukrainer seit letztem Jahr tatsächlich gegen den russischen Imperialismus wehren und doch so einige Unionsbürger Sympathie für den Freiheitskampf der Europäer im Osten zeigen. Denn damit zerfallen und dies für alle — auch für die ignorantesten Unionsbürger — ersichtlich langsam, aber sicher eins nach dem anderen, sämtliche potemkinschen Dörfer, die unsere Politik über die Jahrzehnte so erfolgreich aufgebaut hat.

Das große Problem dabei ist, dass im Gegensatz zu den USA und anderen demokratischen Ländern unser Europa nie wirklich so richtig demokratisch war — uns Europäern ist es nur gelungen, und dies wird der eigentliche Ursprung der europäischen Realpolitik sein, die europäischen Eliten zu korrumpieren und die mehrheitlich antidemokratisch eingestellten Bevölkerungen durch wirtschaftlichen Erfolg halbwegs für die Demokratie zu begeistern.

Der Überfall der Russischen Föderation wird deshalb — besonders wenn die Ukrainer gewinnen sollten — allen Europäern zeigen, dass Europa schon längst abgewirtschaftet hat und wir zukünftig allesamt viel kleinere Brötchen backen müssen. Dass die Unionsbürger mehrheitlich dafür der Demokratie die Schuld geben werden, ist dabei zu erwarten und auch sehr wahrscheinlich. Und spätestens dann werden wir uns in einem Dritten Weltkrieg befinden und keiner weiß, auf welcher Seite die Europäer kämpfen werden — wohl jeder Staat auf einer anderen.

Deshalb kann man es — aus realpolitischer Sicht heraus — verstehen, dass heute zum einen unser Kanzler Olaf Scholz der Ukraine nach dem Krieg (er meint: nach deren Kapitulation) eine Art von politischem Beistand verspricht und SPD-Politiker in die Ukraine reisen, um diese in „Geheimverhandlungen“ (!) zu einer Art von Frieden zwingen wollen.

Unsere Politik müsste so langsam aber sicher erkennen, dass der Klimawandel mit allen seinen tragischen Folgen schon längst da ist und dass man die Welt und die Demokratie nicht dadurch rettet, indem man Parlamente vergrößert!

Es ist längst an der Zeit, dass sich unsere Volksvertreter der tatsächlich schlimmen Realität stellen und verantwortungsvolle Politik anstatt sich mit realpolitischen Tricksereien selbst einen schönen Lenz machen und dies so lange es überhaupt noch geht.

Übrigens, andere zu verkaufen war noch nie gute Politik!


Kaffeegenuss

Zeit für ein Gedicht 5 (2)

Beitragsfoto: Kaffeegenuss | © Pixabay

Gedichte, egal in welcher Sprache auch immer verfasst, sind hier auf diesem Weblog nicht wirklich der Renner. Die Weblog-Leser dürften sich inzwischen aber daran gewöhnt haben, dass ich meine kleine Leidenschaft hier immer wieder einmal zu Wort kommen lasse.

Und viele sind auch ganz froh darüber, dass ich darauf verzichtet habe, meine eigenen Werke zu präsentieren; bis auf eines — mein letztes Gedicht — habe ich sämtliche meiner Gedichte dem Vergessenwerden übereignet.

Es gibt sie aber weiterhin, nämlich Gedichte, die man besser nicht vergisst, sondern möglichst lange in guter Erinnerung behält. Ein solches Gedicht stammt von Georg Heym und trägt den Titel „Frühjahr“. Heim verfasste es 1911 und dies keine drei Jahre vor Beginn des Ersten Weltkriegs zu einer Zeit, die für etwas sensiblere Gemüter bereits mit Vorahnungen auf das Kommende schwer belastet war.

Georg Heym wurde am 30. Oktober 1887 geboren und gilt als einer der ersten Vertreter des frühen Expressionismus. Er ertrank bereits 1912 beim Versuch, einen Freund zu retten.

Frühjahr

Die Winde bringen einen schwarzen Abend.
Die Wege zittern mit den kalten Bäumen
Und in der leeren Flächen später Öde
Die Wolken rollen auf die Horizonte.

Der Wind und Sturm ist ewig in der Weite,
Nur spärlich, daß ein Sämann schon beschreitet
Das ferne Land, und schwer den Samen streuet,
Den keine Frucht in toten Sommern freuet.

Die Wälder aber müssen sich zerbrechen
Mit grauen Wipfeln in den Wind gehoben,
Die quellenlosen, in der langen Schwäche
Und nicht mehr steigt das Blut in ihren Ästen.

Der März ist traurig. Und die Tage schwanken
Voll Licht und Dunkel auf der stummen Erde.
Die Ströme aber und die Berge decket
Der Regenschild. Und alles ist verhangen.

Die Vögel aber werden nicht mehr kommen.
Leer wird das Schilf und seine Ufer bleiben,
Und große Kähne in der Sommerstille
In grüner Hügel toten Schatten treiben.

Georg Heym, 1911

„Wer aber verzweifelt stirbt, dessen ganzes Leben war umsonst.“

THEODOR W. ADORNO, MINIMA MORALIA (14. AUFLAGE 2022 [1951]: 190)

Monitoranzeige

Zugriffe 5 (2)

Beitragsfoto: Monitoranzeige | © Lorenzo Cafaro auf Pixabay

Seit Dezember 2022 habe ich unabhängig vom Schockwellenreiter wieder einmal einen Zugriffszähler auf meinem Weblog installiert. Und wie Jörg Kantel hoffe ich, dass auch mein Zähler völlig datenschutzkonform ist; zumindest haben weder meine diesbezüglichen Kontrollseiten noch mein Cookie-Manager bisher Anderes behauptet. Wichtiger noch, ich bekam auch keinen entsprechenden freundlichen Hinweis von Detlef Stern.

Selbstverständlich könnte man die Zugriffe auf die eigenen Seiten mit einer entsprechenden Software genauestens festhalten und auswerten, aber mir ist dies zum einen viel zu aufwendig und zum zweiten ist zumindest für mich der Mehrwert dabei nicht erkennbar. Hinzu kommt noch, dass sich der eine oder andere Leser dabei bestimmt „überwacht“ vorkommen würde. Deshalb habe ich mich für den Post View Counter von Digital Factory entschieden, der für mich das macht, was er soll, nämlich, er gibt meinen Lesern und mir einen ungefähren Überblick darüber, wie oft meine Beiträge und Seiten aufgerufen wurden.

In den Einstellungen der Software kann ich zudem einstellen, dass Bots grundsätzlich nicht mitgezählt werden sollen und, wenn dies überhaupt möglich ist, jeder Leser am Tag nur einmal gezählt werden darf.

Heute habe ich mir einmal, motiviert von Jörg Kantel, meine Zugriffszahlen vom Februar 2023 angeschaut. Insgesamt sollen gut 17 000 Besucher auf meine Seiten geguckt haben, wobei interessanter Weise und für mich nicht ganz nachvollziehbar die Foren (gut 7 000 Zugriffe) weiterhin auf dem ersten Platz stehen. Der im Februar am meisten gelesene Blog-Beitrag (400 Zugriffe) stammt übrigens nicht von mir selbst, sondern von Jean Marsia und handelt vom Ukrainekrieg. Dieser Beitrag wurde im Oktober 2022 verfasst und hat insgesamt bereits über 1 300 Leser gefunden.

Jörg Kantels Fazit für den Monat Februar ist „Meckern schlägt technische Information.“ Bei mir war es im Februar 2023 gerade andersherum, Blog-Beiträge zum Thema Ukrainekrieg und USA besetzen die Hitliste und einzig ein völliger Außenseiterbeitrag aus dem Jahr 2010 über Caspar David Friedrich (gut 180 Zugriffe) hält sich dort noch ganz wacker.

Im Februar 2023 konnten meine eigenen Mecker-Beiträge, die sonst für gute Zugriffszahlen sorgen, kaum zum Blog-Erfolg beitragen. Ich könnte mir jetzt die Frage stellen, ob ich im Februar viel zu zart mit meinen Zeitgenossen umgegangen bin?

„Das Humane haftet an der Nachahmung: ein Mensch wird zum Menschen überhaupt erst, indem er andere Menschen imitiert.“

THEODOR W. ADORNO, MINIMA MORALIA (14. AUFLAGE 2022 [1951]: 176)