Allee

23.8.02024 5 (8)

Beitragsfoto: Allee

Wochenende

Erfreulich das Käffchen mit Detlef Stern heute Morgen. Es ging um Zettelkästen, Künstliche Intelligenz und weitere Themen, die uns beide interessieren. Was mich daran erinnert, dass ich noch mein Seminar vorbereiten muss. Auch bei meiner Vorlesung sollten einmal die Folien zumindest etwas aufgehübscht werden; als Student schmunzelte ich noch darüber, dass man so manchen Overheadfolien der Professoren ihr Alter ansehen konnte. Heute bei der Vorbereitung von Vorlesungen erwische ich mich immer öfters dabei, dass ich die alten Folien weiterhin für ganz gelungen halte bzw. als für die Situation ausreichend wiederverwende.

Da ich eigentlich kein Freund von Folien und schon gar nicht von Powerpoint bin, wäre der folgerichtige Schritt, dass ich ganz auf solche Dinge verzichte. Beruflich und bei der Vereinsarbeit nutze ich schon sehr lange keine solchen Hilfsmittel mehr. Am liebsten stelle ich die Bilder im Kopf der Zuhörer oder arbeite gleich mit diesen am „lebenden Objekt“. Für Detlef Stern wäre dies wohl agiles Studieren.

Und so stellt sich mir tatsächlich die Frage, ob ich dann nicht gleich meine Vorlesungen insgesamt auf ein neues Level bringe. Da ich aber nicht sagen kann, wie dies von den betroffenen Studenten aufgenommen würde, verhalte ich mich ganz automatisch so wie meine eigenen damaligen Professoren. Vieles besteht auch heute noch meist aus Nachahmung — bewusst oder unbewusst.

Vermischtes

Sobald man anderer Meinung als die Gaffenberg-Mafia ist, hat man in Heilbronn einen schweren Stand. Das musste nun auch eine Security-Firma feststellen. Diese war eigentlich nur als private OB-Show und zur üblichen Verschwendung von Steuergeldern angeheuert worden, machte aber den Fehler, sich dabei falsch über unsere Stadt zu äußern — den Job ist sie nun los.

Nun dürfen sich wieder ein paar CDU-Stadträte über die unzähligen Messerstecher in der Innenstadt aufregen und damit ihr einfacher gestricktes Klientel bedienen. Was sie dem SPD-OB im Gegenzug zugebilligt haben, werden wir so schnell nicht erfahren.

Erfreulich heute beim Spaziergang, wie schnell die Stadtverwaltung reagieren kann, wenn nur die richtigen Heilbronner einen Wunsch haben. Zum ersten Mal konnte ich die Allee als Parkplatz erleben und am helllichten Tag hoch und runter spazieren. Wobei damit so ganz nebenbei der Beweis angetreten wurde, dass man die Kernstadt insgesamt zur Fußgängerzone ausbauen und die Allee verkehrsberuhigen kann.

Auch der Kiliansplatz war sehr schnell von allen Auflagen befreit und kein Mensch kümmerte sich mehr um Flucht- und Rettungswege oder falsch gestellte Stände, Bühnen oder Buden. Über dreißig Jahre lang habe ich mich selbst diesbezüglich mit städtischen Mitarbeitern herumgestritten und dabei immer den kürzeren gezogen. In Heilbronn sind manche halt schon immer gleicher als andere — ich tippe einmal auf die Hasenmahlgesellschaft.

Dafür konnte ich heute den einen oder anderen Angestellten der Stadt belächeln, die im Lidl-Shirt durch die Stadt stolzierten; dabei verdienen die städtischen Mitarbeiter eigentlich gar nicht so schlecht.

Aktuell fragen sich viele Bürger, warum in den neuen Bundesländern so viele antidemokratisch wählen. Ein Grund könnte sein, dass nach der Wende nicht nur viele Raubritter in den Osten wechselten, sondern noch mehr Verwaltungsbeamte und Politiker, die bei uns keiner mehr haben wollte. Und diese haben den Osten in den letzten gut drei Jahrzehnten gesellschaftlich und politisch einfach abgewirtschaftet. Als ich vor gut zwanzig Jahren selbst in Sachsen lebte, hörte ich zwar die Signale meiner dortigen Mitbürger, habe sie aber — da viel zu blauäugig — nicht verstanden!

Und wenn wir in Heilbronn so weitermachen, dann zerstören wir auch noch unsere eigene Stadt: Demokratie ist einfach kein Selbstbedienungsladen für Volksvertreter und deren Vettern und Parlamente sind kein Tummelplatz für Tunichtgute!

Letzter Tag

Highlight des Tages ohne Wenn und Aber ist die Rede von Kamala Harris. Sie hätte es verdient gehabt, dass ein paar mehr gewichtige Showbiz-Promis zur Convention kommen. Die hatten wohl Sorge, dass ihre Einkommen künftig geringer ausfallen werden, wenn sie sich für Demokratie und die Zukunft der USA aussprechen.

Erfreulich, dass gleich mehrere US-Republikaner auf der Democrat National Convention sprachen, einen möchte ich dabei etwas hervorheben, denn Adam Kinzinger war bereits Thema hier im Blog. Ist es schon schwer, vor vielen Menschen zu sprechen, so ist es sicherlich schwieriger, vor sehr vielen Mitgliedern der gegnerischen Partei zu sprechen. Ich finde, dass Adam Kinzinger einen guten Job gemacht hat.

So viel Größe ist bei unseren eigenen Politikern wohl kaum zu finden. Ich hoffe nun darauf, dass die Republikaner die richtigen Politiker in ihren Reihen berücksichtigen werden, sobald sie von der Krankheit Donald Trump geheilt sind. Es wäre sicherlich sehr bedauerlich, wenn die GOP an Verbrechern wie Trump in Gänze zugrunde geht!

„I’ll never be ashamed to quote a bad writer with a good saying.“

Seneca, On Tranquility of Mind, 11.8

Deutschland Tour

22.8.02024 5 (3)

Beitragsfoto: Radfahrer durch die Wollhausstraße

Vermischtes

Sehr erfreulich heute der Stand der Zusagen zu den 8. Hertensteiner Gesprächen. Neben etlichen Kreisvorsitzenden anderer EUROPA-UNIONen, Landesvorstandsmitgliedern aus gleich mehreren Bundesländern und weiteren Präsidiumsmitgliedern, haben auch der Präsident der EUROPA-UNION Rainer Wieland und mit Evelyne Gebhardt und Thomas Mann auch zwei Landesvorsitzende ihre Teilnahme zugesagt. Dazu kommen noch der EUD-Generalsekretär Christian Moos und die EUBW-Landesgeschäftsführerin Bettina Kümmerle.

Die Europäischen Föderalisten aus Deutschland werden jetzt schon von Föderalisten aus Belgien, Frankreich, Spanien und der Schweiz unterstützt. Schon alleine damit ist sichergestellt, dass mehr als ausreichend Sach- und Fachkompetenz bei den Gesprächen vorhanden ist.

Da die EUROPA-UNION eine überparteiliche Bürgerbewegung ist, lassen es sich auch Vertreter der demokratischen Parteien nicht nehmen und diskutieren zusammen mit Vertretern der Zivilgesellschaft. So sind schon jetzt neben einer Europaabgeordneten, drei ehemalige Europaabgeordnete mit dabei. Auch drei Bundestagsabgeordnete und ein Landtagsabgeordneter bringen sich aktiv in die Diskussionen mit ein.

Bereits jetzt versprechen die Hertensteiner Gespräche ein weiteres demokratisches Highlight des Jahres zu werden und ich bin mir sicher, dass noch weitere begeisterte Europäer mit zu den Gesprächen kommen werden. Schön wäre es, wenn mehr Heilbronner diese Gelegenheit zur Debatte nutzen.

Nachdem ich heute den Tag im Schwimmbad begonnen habe, werde ich diesen nach einem Tanzabend wohl mit dem Tag vier der US-Demokraten beenden — ich bin schon jetzt gespannt darauf, wer noch so alles nach Chicago kommen wird.

Deutschland Tour

Heute zeigte sich das Radfahren von seiner schönen Seite, dem Sport. Die erste Etappe der Deutschlandtour endete gegen 17.00 Uhr in Heilbronn. Morgen soll auf dem Kiliansplatz dann der Start zur 2. Etappe erfolgen.

Die Lidl Deutschland Tour 2024 findet vom 21. bis 25. August 2024 statt. Deutschlands wichtigstes Radrennen wird auch in diesem Jahr als fünftägiges Etappenrennen in der UCI ProSeries, dem Wettbewerb unterhalb der WorldTour, veranstaltet. Diese Radtour ist Deutschlands einziges verbliebenes Etappenrennen der Profifahrer im Straßenradsport. Seit 1911 wird sie in unregelmäßigen Abständen, heute noch als Deutschlandrundfahrt bekannt, veranstaltet. Dieses Jahr startete sie mit einem kurzen Zeitfahren als Prolog in Schweinfurt. Von Unterfranken geht es über Heilbronn an fünf Renntagen nach Saarbrücken.

Mit Dietrich Thurau wurde die Tour 1977 in Deutschland populär und so kaufte ich mir damals ein Rennrad, welches übrigens noch heute in der Garage steht. Wahrscheinlich auch deshalb, weil ein Klassenkamerad zeitgleich sehr erfolgreich im Straßenradsport war und täglich die Strecke Heilbronn – Waldenburg und zurück absolvierte, was mir sehr imponierte. Zum Ende meiner Schulzeit wurde die Tour bereits wieder wegen Geldmangels der Organisatoren ausgesetzt.

Dritter Tag

Nachdem sein Frau Hillary den ersten Tag gerockt hat, betrat nun auch Bill Clinton die Bühne. Und zumindest für mich überraschend, sowohl Hillary Clinton als auch Tochter Chelsea lauschten seiner Rede — old school und staatsmännisch zugleich.

Neben einem Bill Clinton auf der Bühne zu bestehen ist auch heute noch schwierig. Aber das Leben dreht sich weiter und man muss einfach mit den Politikern leben, die man noch bekommt.

Tim Walz akzeptierte seine Ernennung zum Vizekandidaten und ging danach gleich in die Vollen: „Never underestimate a Public School teacher!“

Seitens der Prominenz zeigte sich u. a. Oprah Winfrey und ich hoffe sehr, dass sich morgen die aktuellen Top-Stars des Showbiz zur Unterstützung von Kamala Harris einfinden werden.

„Der Mensch ist gut. Und darum geht’s im schlecht.
Denn wenn’s ihm besser ginge, wär er böse.
Drum betet: ‚Herr Direktor, quäl uns recht!‘
Gott will es so. Und sein System hat Größe.“

Erich Kästner, Der MEnsch ist gut, in GEdichte (1948)

Neckarbogen

21.8.02024 5 (4)

Beitragsfoto: Neckarbogen|© Shutterstock

Zweiklassengesellschaft

Schon länger baut der SPD-geführte Heilbronner Gemeinderat Heilbronn zu einer Zweiklassengesellschaft um. Mit der Fertigstellung der neuen Privatschule im Neckarbogen wird es noch offensichtlicher, nämlich, dass es in Heilbronn Bürger gibt, die einfach gleicher als die anderen sind. Obwohl Kinder von Gemeinderäten oder anderen wichtigen Heilbronnern schon lange nicht mehr in den Dammschulen zu finden sind, denn dafür gibt es schon länger „bessere“ Schulen — und das mit der Zuordnung von Wohnort und Schule gilt eh nur für jene, die sich tatsächlich noch an Regeln halten.

Und so bin ich gespannt darauf, ob es dem Gemeinderat gelingen wird, den Neckarbogen zu einer Gated Community auszubauen.

Schlemmen

Freunde entführten uns ganz spontan in ein nettes Restaurant bei Heilbronn; dieses befindet sich bereits auf meiner entsprechenden Liste. Ich habe mir dort einen exzellenten Zwiebelrostbraten gegönnt und dies nicht bereut.

Erfreulich, dass dabei auch die 8. Hertensteiner Gespräche thematisiert wurden, denn diese liegen aktuell ganz in meinem Fokus; interessant, für wie viele Übernachtungen diese Gespräche inzwischen sorgen. Auch die Geschehnisse in den USA wurden analysiert und zum Schluss brachten wir uns noch auf den aktuellen Stand bezüglich der eigenen Familien, gemeinsame Freunde und Bekannte.

Es sind immer wieder diese spontanen Zusammentreffen, die unser Leben so richtig lebenswert machen.

Zweiter Tag

Laut New York Times nehmen auch republikanische Berufspolitiker, welche die MAGA-Bewegung selber nicht überlebt haben, an der Democratic National Convention teil.

Bevor Barack Obama die Bühne betrat, gab seine bessere Hälfte Michelle Obama eine ganz passable Rede. Eins zieht sich schon jetzt wie ein roter Faden durch die Convention, alle Polit-VIP treten mit ihren jeweiligen Partnern auf und versichern sich dabei ihre gegenseitige — ok, bei den Clintons wird es wohl niemand erwarten — Liebe, was ein klarer Hieb gegen Donald Trump und seine aktuelle, eher gekaufte Partnerin ist.

So wunderbar die Rede von Barack Obama ist, unsere Welt wäre weit besser, wenn Politiker auch heute noch das, was sie sagen, selber denken und schreiben könnten. So bleibt bei aller Integrität, die ich ganz besonders Barack Obama zuschreibe, der bittere Beigeschmack, dass es eigentlich doch nur gute Verkäufer sind.

Schön, dass Bernie Sanders heute mit an Bord war. Auch wenn er es wohl aufgrund seiner extremen Vorstellungen nie an die Spitze der Demokraten geschafft hat, seine Integrität steht außer Frage und seine Unterstützung von Kamala Harris sowie den US-Demokraten insgesamt gerade zu diesen Zeiten ist besonders wichtig. Aber typisch Bernie Sanders bleibt er sich dennoch treu.

Dafür brachte Georgia Lil Jon mit, und für jeden Crunk-Fan war der Abend sicherlich wieder gerettet.

Wahrscheinlich aber wird es nur der Delegation von Georgia klar sein, warum sie gerade auf diesen Song kommen: „Turn Down for What“ (2013) — der Debut-Single des französischen DJ Snake (William Sami Étienne Grigahcine) zusammen mit dem US-Rapper Lil Jon.

Vielleicht aber ziert sich Taylor Swift nur noch ein wenig.

„I am a Trump. We don’t do true.“

Melania Trump in The Late Show with Stephen Colbert (21.8.2024)