Sinnierende Frau

Zeit für ein Gedicht 4.4 (5)

Sinnierende Frau | © Pixabay

Aktuell befinde ich mich noch dabei, das laufende Semester abzuschließen, eine Voraussetzung, um es dann mit gutem Gewissen schnell vergessen zu können. Ein einziger Student wird mir und wahrscheinlich auch Detlef Stern dabei eine Weile in Erinnerung bleiben, letzterem weil er diesem in den kommenden Semestern bestimmt ein paar Mal begegnen wird — ich hingegen habe meine Schuldigkeit getan und gehe dabei davon aus, dass er mich im kommenden Semester nicht mehr hören wird bzw. muss.

Fast schon resigniert habe ich mich mit meinem Schicksal abgefunden und so war es dann auch kein großer weiterer Schritt, um auch noch bei den Vorbereitungen für die Hauptschulabschlüsse zu unterstützen. Auf alle Fälle führte es bereits dazu, dass ich mich ein wenig mit dem aktuellen „Pauker“ beschäftigte. Sehr erstaunlich dabei, was die Schüler für einen Hauptschulabschluss alles wissen müssen. Hätten diese nur 80 % vom Geforderten parat, lebten wir sicherlich in einer heilen Welt. So aber leben wir in einem Land der Spannungsverhältnisse, u. a. zwischen einem völlig plausiblen schulischen Anspruchsdenken und der bei uns vorherrschenden menschlichen Realität — inzwischen reichen meine Erfahrungen von der Grund- und Hauptschule bis hin zur Universität, einzig die Sonderschulen habe ich mir noch nicht näher angeschaut.

Sicherlich wäre es sehr spannend zu ergründen, warum es bei uns überhaupt zu einem solchen Spannungsverhältnis gekommen ist. Ich behaupte schon lange, dass unser falsch konzipierter Sozialstaat jegliches Leistungsdenken ausgehebelt hat, mit dem Essen und Trinken als einzige Ausnahme, denn selbst die Libido blieb irgendwann auf der Strecke [kleiner Insider an das 2. Semester. Stichwort: Maslowsche Bedürfnishierarchie].

Passend dazu das Gedicht, welches ich heute als prüfungsrelevant im Pauker gefunden habe. Dieses stammt von Erich Kästner aus dem Jahr 1928 und trägt den Titel „Sachliche Romanze“. Von den Schülern wird dabei eine Textbeschreibung gefordert. Das einzig wirklich interessante Wort wird sogleich in der Aufgabe erklärt; wahrscheinlich wird die Kenntnis dieses Wortes bei den heutigen Abiturienten dann vorausgesetzt — auch bei uns muss es wohl noch Unterschiede geben.

Sachliche Romanze

Als sie einander acht Jahre kannten
(und man darf sagen: sie kannten sich gut)
…

…

…

…
Sie saßen allein, und sie sprachen kein Wort
und konnten es einfach nicht fassen.

Erstmals erschien die Romanze in der Vossischen Zeitung am 20. April 1928. Noch heute findet man das Gedicht in Erich Kästners Gedichtband „Lärm im Spiegel“ (1929).

Ich halte dieses Gedicht für ein sehr gutes Beispiel für die Diskrepanz von Anspruch und Wirklichkeit an sich. Und vielleicht wird gerade deshalb in unserem Bildungssystem so viel Kaffee getrunken.

„Facing this new world, there seems little doubt that our minds will continue to adapt and change. We’ll think, perceive, and moralize differently in the future, and we’ll struggle to comprehend the mentality of those who lived back at the dawn of the third millennium.“

Joseph Henrich (2020: 489)

Lesezeichen

Geld 4.8 (6)

Beitragsfoto: Lesezeichen | © kertlis von Getty Images

Volker Looman | Frankfurter Allgemeine Zeitung

Die goldenen Regeln der Geldanlage (zuletzt aufgerufen am 16.1.2025, 22.05 Uhr)

„Vor einiger Zeit hat sich der FAZ-Kolumnist nach 25 Jahren verabschiedet. Fast alles, was es über den Umgang mit Geld zu sagen gibt, schrieb er in 1 240 Artikeln nieder und gab zum Schluss zehn Gebote mit auf den Weg.

Dear friends, chers amis, cari amici, liebe Freunde meiner Artikel! Nun ist es so weit! Die letzte Stunde dieser Kolumne hat geschlagen. Erinnern Sie sich noch an mein erstes Stück? Es ist am 6. März 1999 erschienen. Damals habe ich geschrieben, die Altersvorsorge sei das Gebot der Stunde. Daran mögen Sie erkennen, wie „zeitlos“ manche Dinge sind. Wer das Gebot befolgt und auch die weiteren 1 239 Artikel gelesen hat, ist heute mit hoher Wahrscheinlichkeit ein kleiner Millionär. Damit ist meine Mission erfüllt. Ich habe Ihnen alles gesagt, was es über den Umgang mit Geld zu sagen gibt.

Meiden Sie, wenn es um Geld geht, den Banker von vorn, den Vertreter von hinten und den Verwalter von allen Seiten. Bitte verstehen Sie mich richtig. Ich habe nichts gegen die Menschen, die in diesem Metier arbeiten. Nur kann ich mich mit den Systemen, in die sie eingebunden sind, nicht anfreunden. Es gibt in Deutschland kaum Finanzberatung, sondern in erster Linie provisionsgetriebene Verkäufe von Finanzprodukten aller Art. Das kann nicht gut gehen, das muss im Chaos enden. Dafür sind letztlich auch Sie verantwortlich, liebe Leser. Wer nicht bereit ist, für neutralen Rat faire Honorare zu bezahlen, bekommt eben wie in der Politik die Kost, die er gewählt hat. Bildung und Erfahrung sind die einzige Vorsorge gegen Reinfälle bei Geldgeschäen! Bitte denken Sie, vor allem wenn Sie selbständig sind, egal ob als Freiberu]er oder Unternehmer, an mein Kleeblatt der Girokonten. Auf dem ersten Konto gehen alle Einnahmen wie Gehälter, Mieten und Zinsen ein. Die festen Ausgaben, wie zum Beispiel die Kreditraten, Mieten und Versicherungen, bezahlen Sie vom zweiten Konto. Das dritte Konto ist das Steuerkonto. Was für Konsum und Vorsorge übrig bleibt, fließt aufs vierte Konto. Mit diesem „Rest“ müssen Sie über die Runden kommen. Mehr geht nicht, und es wird Ihnen nicht gelingen, diese einfache Regel auf den Kopf zu stellen!“


Obwohl ich seit 1984 FAZ-Leser bin, haben mich die Artikel von Volker Looman nie so richtig interessiert, einzig und alleine nur deshalb, weil ich dem Geld nie Bedeutung zugesprochen habe. Geld war für mich immer nur Mittel zum Zweck und dessen Akkumulation wenig interessant.

Dennoch kann ich selbst mit geringer eigener Erfahrung in Sachen Finanzen Volker Loomans Empfehlungen, besonders seinen zehn Geboten, nur beipflichten.

Alle die sich auch nur ein wenig für Geld interessieren, sollten diesen Artikel unbedingt lesen!

Schon die Worte „Meiden Sie, wenn es um Geld geht, den Banker von vorn, den Vertreter von hinten und den Verwalter von allen Seiten.“ wären das Geld für den Kauf dieses Artikels voll und ganz wert.

Ich habe seinen Artikel auf alle Fälle meinem Zettelkasten hinzugefügt.

[https://iiics.org/h/20250116205800]


Konzert

Musikvideo der Woche 4 (7)

Beitragsfoto: Konzert | © Bild von Pexels auf Pixabay

Um nicht als vermeintlich hemmungsloser Oldie-Fan ganz aus der Zeit zu fallen, wobei diese Oldies „zu meiner Zeit“ tatsächlich der letzte Sch… waren, mache ich heute gerne wieder einmal für etwas aktuellere Musik Werbung.

Cindy Lee ist eine Band des Musikers Patrick Flegel, welche bereits auch schon wieder seit 2012 existiert. „Mit What’s Tonight to Eternity?“ (2020) wurde Cindy Lee etwas bekannter. Das Album „Diamond Jubilee“ (2024) habe ich bereits mehrfach gehört und für gut befunden. Für so gut, dass ich nach einem Verkäufer der Langspielplatte, ein Doppelalbum, gesucht habe. Inzwischen habe ich einen Plattenladen in Berlin gefunden, der mir die Platte zuschicken möchte — sobald er ihr habhaft wird. Ab dem 21. Februar 2025 soll sie lieferbar sein.

„If You Hear Me Crying“ ist der 25. von insgesamt 31 Songs auf der Platte. Und wer nun etwas neugieriger wurde, der findet die LP in Gänze gleich hier:

Patrick Flegel tritt gerne als Frau — Cindy Lee — auf, wobei ich nicht sagen kann, ob es bei ihm eine ganz persönliche Angelegenheit oder doch nur ein Werbegag ist. Was mir allerdings auch völlig egal ist, Hauptsache er macht gute Musik! Und das tut er.

Vor Cindy Lee war Patrick Flegel Leadsänger der Gruppe „Women“. Als sich diese 2010 auflöste, arbeitete er kurz mit Morgan Cook in der Band Androgynous Mind zusammen, was zu der Platte „Nightstalker“ (2012) führte und mir so manche Nacht in Brüssel versüßte.

Und daraus wurde wohl die (Einmann)Gruppe Cindy Lee, in der Patrick Flegel eigentlich alles selbst macht, aber bei Auftritten von wechselnden Musikern begleitet wird; was manche von uns noch von der Band Boston her kennen dürften — schon wieder einmal nichts völlig Neues!

Wer die Welt völlig neu erfinden möchte, der tut gut daran, erst einmal die „Alte Welt“ ein wenig genauer anzuschauen.

And how many ears must one man have
before he can hear people cry?
The answer, my friend, is blowin’ in the wind.

Bob DYlan, Blowin’ in the Wind (1962)