S-Bahn vor Hauptbahnhof

10.12.02025 5 (4)

Beitragsfoto: S-Bahn vor Hauptbahnhof | © Bettina Kümmerle

Realitätsverweigerung

Spätestens seit Platons Höhlengleichnis müssten wir wissen, dass es ziemlich schwierig bis unmöglich ist, um zu erfahren, was um uns herum eigentlich so alles geschieht. Unsere Wahrheiten und Realitäten sind bestenfalls gut getroffene Annahmen.

Umso erstaunlicher ist es, dass wir Menschen uns von Anfang an den gegebenen Realitäten zu entziehen versuchen. Noch als kleine Kinder versuchen wir allesamt, die Welt um uns herum zu ergründen, aber bereits im Laufe unserer schulischen Erziehung verlieren die allermeisten von uns den Drang zu ergründen, warum es uns alle gibt und wie das Ganze eigentlich so funktioniert.

Aus frisch geborenen Homo sapiens werden sehr schnell bloße Primärprozessler, die etwas später bereits alles Erdenkliche unternehmen werden, nur um ihrer vermeintlichen eigenen Realität zu entfliehen.

Seneca begrüßte es, dass man dann den Freitod wählt, wenn die eigene zu erleidende Realität zu grausam ist. Dies wäre tatsächlich konsequent. Weniger, wenn man seiner als viel zu grausam wahrgenommenen Realität einfach nur durch Drogen entflieht.

Spannender Weise scheint diese Inkonsequenz gang und gäbe zu sein, oder aber die eigene Realität ist nie grausam genug, um echte Fakten zu schaffen.

Was allerdings nicht die Frage klärt, warum wir Menschen meist nicht einmal mehr zu ergründen versuchen, ob die Welt um uns herum nun gut oder schlecht für uns ist.

Meine Erklärung ist, dass man, wenn man es erkennen würde, ggf. dazu gezwungen wäre, wenigstens zu versuchen, etwas an dieser Situation selbst zu ändern.

Wahrscheinlich sind wir längst keine denkenden und handelnden Menschen mehr, sondern nur noch konsumierende und genießende Menschen.

Vermischtes

Schon wieder befinden wir uns mitten in der Adventszeit und es ist Zeit, dass ich etwas zurückschalte. Zumindest konnte ich den Weihnachtsbaum aus dem Keller holen. Vor Jahren hatte ich der Familie einen aus Metall aufgezwungen und war mir dabei sicher, dass er noch die eigenen Kinder überleben können wird — deutsche Markenqualität. Seit ein paar Tagen weiß ich nun, dass dieser über Sollbruchstellen verfügt und diese nun eine nach der anderen ihren Zweck erfüllen. Eigentlich hatte ich darauf spekuliert, dass ich die dort verbaute Beleuchtung einmal austauschen muss.

Ein möglichst nachhaltiges Leben zu führen ist schwer, vor allem dann, wenn die gesamte Gesellschaft um einen herum auf sinnlosen Verbrauch und Zerstörung aufgebaut ist. Einzig dabei ist zu bewundern, dass die Verantwortlichen es geschafft haben, uns das Abwracken der gesamten Welt als Wachstum zu verkaufen.

Jüngst schaffe ich es wieder etwas öfters das Tanzbein zu schwingen, wobei ich nun feststellen muss, dass es ziemlich schwer ist, den Takt zu halten, wenn man die Musik nicht mehr so richtig hört. Und da ich weiterhin darauf bestehe, die Führungsschritte zu tanzen, helfen dabei auch nicht die sicherlich gut gemeinten Korrekturen meiner besseren Hälfte.

Jetzt hoffe ich einmal nicht, dass ein Leser daraus wieder eine vermeintliche Misogynie herauslesen wird. Dabei war ich schon eine Emanze, als die meisten der damit heute so offensiv auftretenden Personen noch gar nicht geboren waren. Ich glaube heute noch an Gleichberechtigung, lehne es aber weiterhin ab, wenn man diese einzig und alleine nur ins Feld führt, um sich eigene Vorteile zu verschaffen.

Echte Emanzen habe heute tatsächlich Seltenheitswert! Deren teilweise sehr populäre Abziehbilder, die außer ihrem vermeintlichen Emanzentum und erschwindelten Karrieren nichts präsentieren können, prägen aktuell die öffentliche Diskussion — was aber ganz gut in unsere heutige Welt passt.

Vor kurzem habe ich wieder einmal unzählige Bücher entsorgt. Dabei viel mir das Buch „Alt – Manifest gegen die Herrschaft der Jungen“ von Esther Vilar in die Hände und ich stellte es wieder zurück; bei Gelegenheit möchte ich doch nochmals darin schmökern.

Übrigens, nach einem Fernsehstreitgespräch am 6. Februar 1975 mit Alice Schwarzer wurde Esther Vilar zu einem regelrechten Hassobjekt für Feministinnen und tätlich angegriffen. Ich fand ihr dem Gespräch zugrunde liegendes Buch „Der dressierte Mann“ (1971) damals hingegen als eine Art Gegenthese sehr brauchbar und sah ihre Argumentation in den folgenden Jahrzehnten auch teilweise bestätigt.

Als ich das Buch „Alt“ 1980 las, gab es als Zugabe noch einen eigenen Button, den ich leider nicht mehr finden konnte. An diesen kann ich mich noch erinnern, leider nicht mehr an den Inhalt des Buches. Da das Buch heute noch in einem Regal steht, lässt darauf schließen, dass ich es wieder einmal zur Hand nehmen wollte. Nach 45 Jahren werde ich es sicherlich aus einer ganz anderen Perspektive lesen.

Wahrscheinlich ist es das Schicksal aller Autoren, dass diese, wenn sie dem echten Leben halbwegs nahekommen, zumindest deren Bücher auf den Scheiterhaufen landen.

Straßenbahn

Eigentlich wollte ich nichts mehr über meine Heimatstadt schreiben, denn es ist schon alles geschrieben und positive Veränderungen sind in den kommenden Jahren nicht zu erwarten; der Fisch stinkt weiterhin am Kopf zuerst!

Mit Freude musste ich heute zur Kenntnis nehmen, dass mindestens ein Triebfahrzeugführer zu meinen Lesern gehört. Auf alle Fälle sprach er mich heute auf der Straße an und bat mich, doch wieder einmal meine Meinung zum öffentlichen Nah- und Straßenverkehr kundzutun.

Zu Fahrradfahren und sonstigen auf den Gehwegen Randalierenden habe ich bereits zu Genüge geschrieben. Leider wird es hier ebenfalls so schnell keine Besserung geben.

Auf alle Fälle nutzen sehr viele Verkehrsteilnehmer bei uns den zumindest in der Innenstadt bestehenden rechtsfreien Raum dazu, um auf der Straße zu machen, was sie gerade so wollen. Aus reinem Vergnügen heraus Menschen totzufahren hat in Heilbronn schon etwas länger Tradition.

Und selbst unsere Stadtbusse kennen schon länger keine roten Ampeln oder Zebrastreifen mehr, zumindest dann, wenn sich die jeweiligen Lenker gerade wieder einmal im Groove befinden. Jüngst durfte ich einen Omnibus bewundern, der ganz locker auf der Gegenspur Strecke machte und wohl darauf baute, dass er sich als Stärkerer schon wieder in die eigene Spur einreihen können wird. Zumindest dürfte damit die Verspätungsproblematik, die bei der Deutschen Bahn so gerne diskutiert wird, im Heilbronner Stadtbusverkehr vom Tisch sein.

Viele Autofahrer cruisen nicht nur die Allee hoch und runter, sondern nutzen, wenn sie in Eile sind, gerne Einbahnstraßen umgekehrt herum oder noch lieber die Fußgängerzone, um ungestört Strecke machen zu können. Von roten Ampeln einmal ganz zu schweigen. Der Tod anderer Verkehrsteilnehmer wird dabei billigend in Kauf genommen.

Nun ist dies nicht mehr nur eine Beobachtung von mir, sondern auch Triebfahrzeugführer, die durch das Stadtgebiet unterwegs sein müssen, stellen zunehmend fest, dass der Aufenthalt im Heilbronner Verkehrsraum nicht gerade der Gesundheit förderlich ist. Jene Verkehrsteilnehmer, die ihren Führerschein noch redlich erworben haben, wissen darum, dass Straßenbahnen nicht nur schienengebunden und ziemlich schwer sind, sondern auch über einen etwas größeren Bremsweg verfügen, vor allem dann, wenn sie die eigenen Fahrgäste nicht gefährden möchten.

In Heilbronn dürfte die Asozialendichte im Straßenverkehr besonders hoch sein, wobei die dementen oder debilen Führerscheininhaber noch mit dazu kommen. Wobei ich mich schon etwas länger frage, wie bei uns Menschen den Führerschein bekommen können, die nachweislich weder lesen und schreiben noch rechnen können.

Auf alle Fälle aber gibt es in der Heilbronner Innenstadt für die Straßenbahnen regelrechte Unfallschwerpunkte, die an Stellen liegen, wo Einbahnstraßen oder Ampelanlagen von Autofahrern besonders gerne ignoriert werden. Die Fahrt dorthin für die Triebfahrzeugführer jedes Mal eine regelrechte Belastung und die Notbremsungen bereits Gewohnheit.

Im Falle, dass es dann doch wieder einmal kracht oder gerade noch einmal verhindert werden konnte, müssen die Triebfahrzeugführer Beleidigungen aller Art erdulden und können wohl auch nicht mehr mit der Hilfe der Heilbronner Polizei rechnen. Inzwischen fährt wohl eine „Spezialeinheit“ aus dem Umland an.

Bevor nun aber ein Kraftfahrzeugführer, der eine rote Ampel überfahren hat, falsch aus einer Einbahnstraße herauskam oder doch nur zu blöd zum Autofahren ist, angezeigt wird, wird erst einmal ganz prophylaktisch der Triebfahrzeugführer vor den Kadi geschleppt und muss dann seine Unschuld durch mehrere Instanzen nachweisen — eine berufliche Attraktivität dürfte anders aussehen!


Flagge des Europarats und der EU

Europa zerbröselt 5 (6)

Beitragsfoto: Flagge des Europarats und der EU | © Pixabay

Aus gegebenem Anlass hatte ich bereits 2015 geschrieben, dass Europa brennt! Heute bin ich etwas schlauer und davon überzeugt, dass T. S. Eliot es viel früher und viel besser wusste. Bestimmt nicht nur rein zufällig hatte ich ebenfalls 2015 sein Gedicht „The Hollow Men“ hier im Blog gepostet.

„This is the way the world [Europe] ends
Not with a bang but with a whimper.“

T. S. Eliot (1925)

Bereits 2016 hatte ich meinen Blog-Beitrag „Europa brennt“ mit dem Gedicht „Europa is lost“ von Kate Tempest (heute Kae Tempest) musikalisch untermalt, was jüngst dazu führte, dass YouTube dieses Video immer wieder aus meinem Beitrag nimmt (wiederholte technische Probleme); reiner Zufall oder doch Teil des Kampfes gegen die individuelle Selbstbestimmung?

Europa, ganz egal von welchem Europa wir dabei eigentlich sprechen, zerbröselt! Allerdings von innen heraus und nicht wie viele es uns glauben machen wollen an den Rändern beginnend! Der Rand Europas, wo immer er auch sein mag, steht spätestens seit 2022 in lodernden Flammen.

Das Sterben Europas begann allerdings schon viel früher, 1914 könnte als ein prominenter Startpunkt angesehen werden. 1990 gab es noch kurz ein letztes Aufbäumen bevor es ganz ins Siechtum überging.

Und dieses Siechtum scheint nun langsam aber sicher sein erlösendes Ende zu nehmen, der Ausverkauf der letzten Reste Europas hat längst begonnen!

Dabei war die Europäische Idee ganz offiziell 1945 die Lösung zur Rettung unserer doch so kleinen Welt, und spätestens 1948 hatten sich die Europäer aufgemacht, um gemeinsam eine bessere Welt zu schaffen.

Mit dem damals viel besungenen vermeintlichen „Ende der Geschichte“ (Francis Fukuyama, 1989 / 1992) glaubte sogar ich daran, dass die Institutionalisten doch recht behielten und wir mit vielen kleinen Schritten tatsächlich in Richtung heile Welt unterwegs seien.

Dabei war dies nur der Startschuss für alle Totalitaristen dieser Welt, nun endlich wieder aus ihren Löchern zu kriechen und sich die Welt erneut mit großen Schritten zu unterwerfen. China, Russische Föderation, Indien, USA und demnächst sogar die EU werden wieder zu dem werden, was wir alle eigentlich schon immer waren: ein sehr großer Haufen ungebildeter, dummer, egoistischer Individuen, die am liebsten splitternackten Diktatoren hinterherrennen.

Inzwischen gehe ich sogar davon aus, dass die ewig systemrelevanten Personen unserer Welt bereits 1945 wieder damit begonnen haben, um das Rad der Geschichte erneut zurückzudrehen.

Da Demokratien nur mit möglichst mündigen Bürgern existieren können, mussten wir miterleben wie zuerst die Bildungsmöglichkeiten für alle zurückgebaut wurden; das Ganze hat man uns Bürgern dann als Bildung für alle verkauft.

Die in jeder offenen Gesellschaft vorhandene Mobilität, welche letztendlich auch zu „Multikulti“ führt, hat man derart gelenkt, dass eher die Schattenseiten von gesellschaftlichen Änderungen zum Tragen kamen, auf alle Fälle aber so von der Gesellschaft immer mehr wahrgenommen wurden.

Durch beides hat sich in den letzten Jahren in Europa eine Gemengelage herausgebildet, die die Vorteile von Demokratie, Europa und einer freien Welt immer mehr in den Hintergrund rückten und dabei immer mehr die Urängste der Menschen weckten und nährten.

Selbst die alleine schon aufgrund der Änderung in der Alterspyramide absolut notwendigen Zuzüge von Menschen hat man uns Bürgern als beginnende Verfremdung verkauft. Schlimmer noch, man hat ganz bewusst darauf verzichtet, Migration zum Wohle aller zu steuern und zu regeln. Ganz im Gegenteil, man hat ganz bewusst den Zuzug von traditionell antidemokratischen Bevölkerungsteilen (z. B. Spätaussiedler) gefördert und damit noch mehr Öl ins bereits köchelnde Feuer geschüttet.

Das Ganze wird uns Bürgern nun mit den längst und völlig überholten Nationalismen wieder als Erlösung und Rettung vor all diesen hausgemachten Problemen und den weiteren Herausforderungen dieser Welt verkauft. Ob Ungar, Deutscher, Brite oder Franzose, wir alle sind wieder davon überzeugt, dass wir uns jeder für sich alleine selbst retten werden können.

Und damit erfüllen wir mit den althergebrachten Allmachtsphantasien die letzte Bedingung, um Europa nun in Gänze ausplündern zu können!

Die Totalitaristen haben erneut zur Jagd geblasen, die russische Föderation hält sich bereits an den Rändern Europas schadlos, die Chinesen und nun auch die US-Amerikaner plündern derweil, was noch zu plündern ist und unsere eigenen systemrelevanten Personen bedienen sich wo sie nur können!

Nicht umsonst sprießen die Milliardäre nur so aus dem Boden! Und anstatt, dass wir Menschen weiter an einem friedlichen, demokratischen, föderalen und sozialen Europa als Blaupause für unsere Welt arbeiten und den Ewiggestrigen Paroli bieten, lechzen wir nach den regelmäßig veröffentlichten Hitlisten der bei uns vorhandenen Milliardäre und schlupfen auch noch jedem gerade verfügbaren Autokraten in den Hintern.

Kein Wladimir Putin kann an unseren Rändern nagen, wenn wir das nicht möchten. Kein Donald Trump und auch kein Xi Jinping können uns ausplündern, wenn wir das nicht möchten. Auch kein europäischer Politiker kann uns ausnehmen, wenn wir das nicht möchten!

Keine einzige Demokratie wird von außen zerstört. Jede Demokratie zerstört sich selbst; selten mit einem große Knall, meist nur mit einem leisen Winseln!

Unser Europa zerbröselt und überall machen sich die Leichenfledderer bereits zu schaffen!


Grüntee

Genuss 5 (3)

Beitragsfoto: Grüntee | © Pixabay

Joan Westenberg hat mich mit ihrem heutigen Rundschreiben „Don’t Become a Connoisseur.“ angestoßen, um einmal über meine eigenen kleinen Leidenschaften nachzudenken.

„You spend enormous amounts of time and mental energy developing your discernment; you read, you practice, you compare, you discuss. This is time you could have spent doing almost anything else, including simply enjoying the thing you’re trying to become expert at.“

Joan Westenberg, 8.12.2025

Und im Folgenden kann man ihr wohl kaum widersprechen.

„Refined taste is a form of social currency. When you can discourse knowledgeably about single-origin chocolate or Japanese denim, you’re signaling membership in a particular, educated, cultured, upper-middle-class tribe. You’re demonstrating that you have the leisure time to develop these refined preferences, the disposable income to indulge them, and the social connections to learn the right vocabulary and opinions.

Connoisseur-ship is, basically, a very elaborate and expensive form of peacocking.“

Joan Westenberg, 8.12.2025

Aber ihre Schlussfolgerung, es doch besser gleich mit den kleinen Leidenschaften sein zu lassen, ist dann doch ein wenig zu impulsiv. Ich bin davon überzeugt, dass man als Mensch durchaus in mehreren Welten zuhause sein kann.

Meine Tee- und Kaffeeleidenschaften waren selten übertrieben teuer und ich gehe einmal davon aus, dass ein regelmäßiger Starbucks-Besucher mehr Geld für Plörre verschwendet, als ich für selten zu kaufende Tee- oder Kaffeesorten. Was mich aber nicht daran hindert, um mir für die Fahrt den Kaffee bei McDonald’s zu holen. Obwohl ich inzwischen einen ganz speziellen Mokka bevorzuge, trinke ich weiterhin die in den lokalen Cafés angebotenen Kaffeekreationen — allerdings lasse ich dabei die sicherlich gut gemeinten Garnierungen weg.

Ich muss aber zugeben, dass manche Leidenschaften völlig aus dem Ruder laufen können. Meine Leidenschaft für Spirituosen (ursprünglich dadurch motiviert, weil halt- und damit sammelbar) dürfte ganz gut zu Joan Westenbergs Überlegungen passen.

Wahrscheinlich als ein Resultat meiner Einsatzzeiten hat sich meine mir angeborene Sammelleidenschaft mit meiner Leidenschaft für Whisky zusammengefunden und ist dabei über die Jahre hinweg völlig aus dem Ruder gelaufen. Wenn es „nur“ eine „teure Art der Angeberei“ gewesen wäre, müsste ich mir heute wohl kaum Gedanken darüber machen, wie ich diese Leidenschaft wieder abwickeln kann.

Seit gut zehn Jahren helfen mir Familienmitglieder und Freunde dabei, um meine Sammlung loszuwerden. Nun aber muss ich feststellen, dass dies ein hoffnungsloses Unterfangen ist. Was nun zu einem echten Dilemma führt, denn gerne öffne ich im Freundes- und Familienkreis Jahrzehnte alte Flaschen und freue mich darüber, wenn der eine oder andere auch Freude daran hat. Diese Flaschen nun allerdings einfach so wegzugeben, dazu bin ich einfach noch nicht in der Lage.

Man versucht mich dafür schon etwas länger zu gewinnen, und meine bessere Hälfte meint, dass das doch sehr schöne Geschenke auch für den etwas erweiterten Bekanntenkreis wären, dann aber halte ich die jeweilige Flasche nach Jahren wieder einmal in den Händen und kann dann doch nicht so recht loslassen.

Genuss ist einfach doch etwas vielschichtiger als es sich Joan Westenberg vorstellen möchte. Wobei ich auch heute noch in Restaurants gerne den einen oder anderen Absacker nehme, hierbei kommt es in erster Linie auf die jeweilige Gesellschaft und nicht auf das Getränk an.

Leidenschaften sind eher eine wunderbare Ergänzung zum ganz normalen Leben, die man sicherlich nicht zum Leben benötigt, dieses aber doch etwas bereichern können — „Die Menge macht dabei das Gift“ (Paracelsus).